mini|hochkant|Lalita Ramakrishnan 2018 Lalita Ramakrishnan (geboren 1959 in Baroda, dem heutigen Vadodara) ist eine indischstämmige US-amerikanische Mikrobiologin und Ärztin, die sich vor allem der Erforschung der Tuberkulose (Tbc) und der Verbesserung ihrer Behandlung widmet. Sie ist Professorin für Immunologie und Infektionskrankheiten an der Universität Cambridge.

Werdegang Lalita Ramakrishnan wuchs in Baroda in einer Wissenschaftlerfamilie auf. Ihre Mutter war Psychologin und ihr Vater Biochemiker. Ihr älterer Bruder Venkatraman Ramakrishnan studierte Physik und Biologie und wurde 2009 mit dem Nobelpreis in Chemie ausgezeichnet. Mit siebzehn Jahren begann Lalita Ramakrishnan ein Medizinstudium an der Universität von Baroda, das jedoch nicht ihren Vorstellungen entsprach, bevor sie in die USA zog, um an der Tufts University in Boston auf dem Gebiet der Immunologie zu promovieren. In dieser Zeit begann sie, die Medizin aus einem anderen Blickwinkel zu sehen, und wollte sie stärker mit der Forschung verbinden. Daher absolvierte sie eine Facharztausbildung an der Tufts University und erhielt ein Forschungsstipendium im Bereich Infektionskrankheiten an der University of California in San Francisco. Dort festigte sich ihr Interesse an Tuberkulose, einer Krankheit, die sie schon kannte, denn ihre Mutter war dreimal daran erkrankt. Auch während ihres Medizinstudiums sah sie viele Menschen mit dieser Krankheit. Sie begann daher, sich intensiv der Tuberkuloseforschung zu widmen, unterstützt durch ein Postdoktorandenstipendium an der Stanford University. Ab 2001 setzte sie ihre Forschung an der University of Washington fort. Dort setzte sie zum ersten Mal Zebrafische als Modellorganismen zur Erforschung der Pathogenese der Tuberkulose ein.

2014 verließ Ramakrishnan die Vereinigten Staaten und wechselte an die University of Cambridge, Großbritannien, wo sie neben ihren Tätigkeiten am Laboratory of Molecular Biology (LMB) und der Molecular Immunity Unit auch als Professorin für Immunologie und Infektionskrankheiten am Department of Medicine der Universität, als Principal Research Fellow am Wellcome Trust und als Fachärztin für Infektionskrankheiten am Cambridge University Hospital tätig ist.

Forschung

Zebrafisch-Modell und Pathogenese Lalita Ramakrishnan zählt international zu den führenden Persönlichkeiten der modernen Tuberkuloseforschung. Sie entwickelte zentrale Werkzeuge für die Untersuchung dieser Krankheit, insbesondere ein robustes Zebrafischmodell, das neue Einblicke in die Interaktion zwischen Tuberkulosebakterien und dem Wirt während des Infektionsverlaufs ermöglicht hat. Ramakrishnan infizierte die Zebrafische mit einem Bakterium, das dem Tuberkulose-Erreger sehr ähnlich ist, um herauszufinden, wie der Körper darauf reagiert. Sie entdeckte, dass sich bestimmte Immunzellen, sogenannte Makrophagen, die normalerweise schädliche Bakterien bekämpfen, um die Tbc-Bakterien versammeln und sogenannte Granulome bilden. Früher dachte man, diese Granulome schützen den Körper, aber Ramakrishnan fand heraus, dass die Tbc-Bakterien die Granulome zu ihrem Vorteil nutzen, um sich zu verstecken und zu vermehren. Sie sind in der Lage, Ausflussmechanismen zu aktivieren, mit denen sie Antibiotika wieder aus der Zelle „herauspumpen“, wodurch sie ihr eigenes Überleben sichern. Dies erklärt, warum meist eine langwierige, mehrere Medikamente umfassende Behandlung zur Heilung von Tuberkulose nötig ist. Auf Grundlage dieser Erkenntnisse konnte sie mit ihrem Forschungsteam neue Therapieansätze vorschlagen und zugleich klinische Studien auf diesem Gebiet maßgeblich beeinflussen.

Die Arbeiten Ramakrishnans trugen nicht nur zum besseren Verständnis des Zusammenspiels zwischen Tuberkuloseerregern und dem Immunsystem bei, sondern erweiterten auch das Wissen über die Biologie der Makrophagen und über andere Infektionskrankheiten, etwa Lepra.

Epidemiologische Erkenntnisse Zusätzlich zu ihrer Grundlagenforschung untersuchte Ramakrishnan zusammen mit Marcel Behr und Paul Edelstein Studien zum Konzept der latenten Tuberkulose, um festzustellen, ob Tuberkulose-Infizierte eine lebenslange Infektion haben, die zu einem späteren Zeitpunkt zu einer Erkrankung führen kann. Die im British Medical Journal (BMJ) veröffentlichten Studien belegten, dass die Inkubationszeit der Tuberkulose kurz ist, in der Regel bricht die Krankheit innerhalb von Monaten nach der Infektion aus und sehr selten länger als zwei Jahre nach der Infektion. Sie zeigten außerdem, dass mehr als 90 % der Menschen, die seit mehr als zwei Jahren mit M. tuberculosis infiziert sind, niemals an Tuberkulose erkranken, selbst wenn ihr Immunsystem stark geschwächt ist. Immunologische Tests auf eine Tuberkuloseinfektion, wie der Tuberkulin-Hauttest und der γ-Interferon-Test (IGRA), zeigen nur eine frühere Infektion an, wobei die Mehrheit der zuvor infizierten Personen nicht mehr an Tuberkulose erkranken kann.

Ramakrishnan erklärte gegenüber der New York Times, dass Forscher „Hunderte Millionen Dollar für die Erforschung der Latenz ausgegeben haben, aber die ganze Vorstellung, dass ein Viertel der Weltbevölkerung mit Tbc infiziert ist, basiert auf einem grundlegenden Missverständnis.“ Sie zog den Schluss, dass die weitverbreitete Annahme einer latenten Tuberkulose-Infektion bei ca. 2 Milliarden Menschen die Tbc-Bekämpfung unnötig erschwert und Forschungsgelder in ineffiziente Ansätze lenkt. Man habe nachweisen können, dass die tatsächliche Zahl der Betroffenen deutlich niedriger ist. Dass die meisten Fälle innerhalb von zwei Jahren nach der Infektion auftreten, mache das Problem außerdem lösbarer, da Prävention sich auf kürzlich exponierte Personen fokussieren könne. Dies erfordere eine Umorientierung der Forschungsgelder weg von der „Latenz“-Hypothese hin zu Fragen wie dem Clearance-Mechanismus bei den meisten Menschen und den Risikofaktoren für die 5–10 % der Menschen, die tatsächlich erkranken.

Basierend auf diesen Erkenntnissen veröffentlichte die Weltgesundheitsorganisation 2022 Corrigenda zu ihrem Globalen Tuberkulose-Report 2021, so dass nunmehr nicht mehr von 2 Milliarden aktuell Infizierten die Rede war und sich die prioritäre Entwicklung von Impfstoffen oder Medikamenten nur noch auf Neu-Infizierte bezieht.

Auszeichnungen 2015: Aufnahme in die National Academy of Sciences 2018: Fellow der Royal Society 2018: Academy of Medical Science 2019: Mitglied der European Molecular Biology Organization EMBO 2024: Robert-Koch-Preis 2024: Gardner Middlebrook Award der European Society of Mycobacteriology

Publikationen (Auswahl)

Weblinks

„Even without lungs, Zebrafish help us study TB“ Interview mit Erklärung der Forschung mit Zebrafischen an der University of Cambridge

Einzelnachweise

Kategorie:Mikrobiologe Kategorie:Mediziner (20. Jahrhundert) Kategorie:Mediziner (21. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (University of Cambridge) Kategorie:Mitglied der National Academy of Sciences Kategorie:Mitglied der Royal Society Kategorie:Robert-Koch-Preisträger Kategorie:Indischer Emigrant in den Vereinigten Staaten Kategorie:Inder Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1959 Kategorie:Frau