mini|Solidus Valentinians I. mini|Konservierte Ruine des burgus (2020) mini|Info Tafel der Kantonsarchäologie Argau vor Ort Der Burgus Wallbach-Stelli (schweizerdeutsch: ) befindet sich in der Einwohnergemeinde Wallbach im Schweizer Kanton Aargau. Diese gehört zum Bezirk Rheinfelden und liegt im Westen der Region Fricktal am Hochrhein, nahe der Grenze zu Deutschland. Er war Teil des spätantiken Donau-Iller-Rhein-Limes, der dort die Integrität der Provinz Maxima Sequanorum sicherstellte, solange bis die Grenztruppen sich im frühen 5. Jahrhundert aus der Rheinregion zurückziehen mussten. Es handelte sich um einen massiven, turmartigen Steinbau, der aber eher die Merkmale einer «Kleinfestung» aufwies. Die archäologischen Befunde deuten auf ein Gebäude mit mindestens zwei Stockwerken mit Wehrgang und einem überdachten Lichthof hin, ähnlich wie einige der zeitgleich errichteten burgi am österreichischen und ungarischen Donaulimes. Von den Grundmauern der drei in Wallbach nachgewiesenen römischen Wachtürme, wurde nur der burgus im Stelli vollständig ausgegraben, konserviert und zum Teil rekonstruiert. Im Gegensatz zu den standardmäßigen Wachtürmen diente er wahrscheinlich auch als «Magazinstation» für die benachbarten Türme.

Lage Bei Wallbach bildet der Rhein einen markanten Bogen und umfliesst eine bis zu vier Kilometer breite eiszeitliche Endmoräne, die am östlichen und nördlichen Rand steil zum Fluss abfällt und westlich des Dorfes, von den Ausläufern des Tafeljuras aus weit in die Ebene hineinragt. Sie entstand während der Riss-Eiszeit vor rund 140'000 Jahren und bildete den nordwestlichen Endpunkt der alpinen Vergletscherung. Ihr vorgelagert ist ein im Südteil relativ breiter, nach Norden zunehmend schmaler werdender, von glazialen Rheinschottern und nachglazialen Schwemmsanden gebildeter Uferstreifen. Bedingt durch die Erosion entstand eine ausgedehnte Terrasse, die am östlichen und nördlichen Rand steil zum Fluss abfällt; der Höhenunterschied beträgt stellenweise mehr als 60 Meter. Ältere Karten und Fotografien zeigen, dass der Rhein dort zwar recht breit, aber auch relativ seicht war und bei Niedrigwasser problemlos zu Fuß überquert werden konnte.Valentin Häseli, Peter-Andrew Schwarz: Neue Forschungen zum spätantiken Hochrhein-Limes im Kanton Aargau IV. Die Kleinfestung Wallbach-Stelli und andere spätantike Wehranlagen in Wallbach. In: Gesellschaft Pro Vindonissa. Jahresbericht 2019. Vindonissa Museum, Brugg 2019, S. 65–87. Die Uferlandschaft hat sich seit dem Bau des Kraftwerks Ryburg-Schwörstadt (1926–1931) stark verändert. Die spätrömische Befestigung stand davor oberhalb einer damals noch relativ flach zum Rhein abfallenden Böschung, die damit auch das Anlanden von flachbodigen Schiffen erlaubte. Die gute Sicht auf das rechtsrheinische Ufer und das Tal der Wehra dürften ausschlaggebend für die Wahl dieses Standorts gewesen sein.

Wallbach selbst erstreckt sich heute auf einer Länge von fast zwei Kilometern dem Rhein entlang, der hier nach Norden und nicht wie auf dem grössten Teil der Strecke zwischen Bodensee und Basel in Richtung Westen fliesst. Die zwei anderen Wallbacher Wachttürme standen ca. 800 m rheinabwärts in der Flur unter der Halde sowie etwa 280 m rheinaufwärts auf dem Grundstück des Hauses Businger (= Wallbach-Dorf).Dominik Sauerländer: Wallbach, Historisches Lexikon der Schweiz, 2023 (abgerufen am 7. Dezember 2025) Der nächstgelegene Wachturm befand sich rund 1,8 km rheinabwärts in Möhlin-Untere Wehren (). Weiter rheinaufwärts stand in Mumpf-Burg ein Kleinkastell oder Magazinstation (). Ein 1875 zwischen Mumpf und Stein in der Flur Obdorf gefundener Meilenstein bezeugt, dass durch Mumpf – und somit entlang des südlichen Rheinufers – auch eine wichtige via publica oder Militärstraße verlief. Als Ausgangspunkt der Distanzmessung wird Augusta Raurica genannt. Die Provinz Sequania umfasste das Gebiet des heutigen Ostfrankreichs und der Schweiz, rund um die heutige französische Stadt Besançon (Vesontio).

Forschungsgeschichte Die römische Besiedlung in Wallbach setzte bereits in der mittleren Kaiserzeit ein. In der nördlich des mittelalterlichen Dorfkerns befindlichen Flur «Bündten» legte der Basler Jurist und Archäologe Karl Stehlin 1911 den rund 20 × 40 m grossen Nordtrakt einer nach Westen orientierten Villa rustica frei; in den folgenden Jahrzehnten wurden immer wieder zur villa rustica gehörende Mauerzüge und Mauerschutt angeschnitten, zuletzt 2016. Die in der davon nur rund 1500 m entfernte Kleinfestung Wallbach-Stelli gefundene Keramik weist darauf hin, dass aus der villa rustica wohl Baumaterial für den burgus entnommen wurde.

Der Burgus in der Stelli ist trotz jahrhundertelangem Steinraub nicht vollständig verschwunden. Sein Areal wurde für verschiedene Zwecke genutzt. Als Überrest einer spätrömischen Wehranlage wurde er erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts erkannt. Die erste Erwähnung des burgus findet sich 1866 in der Jahresschrift der historischen Gesellschaft des Kantons Aargau. Beim «Stelleplatz» befand sich demnach ein kleiner runder Hügel, neben dem der Wallbacher Pfarrer August Wunderlin einen Graben ausgehoben hatte. Dabei fand er ein eisernes Beil, einen «Gertel» sowie «zahlreiche Scherben rother und schwarzer Terracotta von sehr geschmackvoller Modelierung». Zudem stieß er auf Mauerwerk von «unzerstörbarer Festigkeit». Es war noch zwei Fuss (60 cm) hoch erhalten und das Fundament soll eine Breite von neun (2,7 m), das aufgehende Mauerwerk von sieben Fuss (2,1 m) gehabt haben. Ferdinand Keller notierte 1871, dass von der Ruine nur mehr drei «Mauerblöcke von geringer Breite und Höhe» erhalten seien und dass die Einheimischen die «Quadersteine» der Ruine — gemeint sind wohl die Kalksteinquader der Mauerschale — bevorzugt als Baumaterial nutzten. Sebastian Burkart beschreibt die Ruine im Jahr 1904 als einst mächtigen Turm, dessen Seiten zwischen 9 und 10 Meter lang und 1,8 m breit seien. Das aufgehende Mauerwerk soll zu dieser Zeit schon komplett verschwunden und nur noch die Fundamente übrig gewesen sein. Die erste wissenschaftlich dokumentierte Untersuchung erfolgte 1913 im Auftrag von Karl Stehlin durch den Wallbacher Posthalter R. Kaufmann. Wie ein von Theophil Wehrli aufgenommes Foto bezeugt, war die Beschreibung Burkarts offensichtlich nicht ganz zutreffend. Neben den Fundamenten waren darauf — zumindest teilweise — auch noch Teile des aufgehenden Mauerwerks zu sehen.

Seit dem frühen 20. Jahrhundert sind auch im Keller des sog. «Businger Hauses» (Brütschengasse) und am Flienenweg 6 zwei spätrömische Wachtürme aktenkundig. Karl Stehlin führte 1913 die ersten archäologischen Grabungen in der Stelli durch. Die vollständige Freilegung und Konservierung der Turmstelle erfolgte aber erst in den Jahren 1949–1955 durch Hans Rudolf Burkart. Sein Ziel war nicht nur die Freilegung und Restaurierung des spätantiken burgus, sondern auch die gründliche archäologische Untersuchung des Innenbereiches. Auf zusätzliche Untersuchungen in der unmittelbaren Umgebung musste aus verschiedenen Gründen verzichtet werden. Die Restaurierung der Ruine wurde unmittelbar nach Abschluss der Grabungen in Angriff genommen, sie konnte aber aus finanziellen und arbeitstechnischen Gründen erst im Herbst 1955 abgeschlossen werden. Die Freilegungs- und Restaurierungsarbeiten wurden von Rudolf Laur-Belart wissenschaftlich begleitet. Burkart achtete besonders darauf, dass nur so hoch aufgemauert wurde, wie für den Schutz der antiken Bausubstanz zwingend erforderlich war. Aus Kostengründen wurde — wie damals üblich — hierzu das antike Baumaterial wiederverwendet; die Unterkanten der rekonstruierten Mauersektionen wurden mit Eternit-Platten markiert. Nach Abschluss der Restaurierung wurde im Innern ein Kiesbelag eingestreut und das umliegende Areal entbuscht und planiert. Im Rahmen eines umfassenden Sanierungsprogramms, welches auch die karolingisch-ottonische Toranlage Möhlin-Bürkli sowie die spätrömischen Wachtürme Rheinfelden-Pferrichgraben und Möhlin-Fahrgraben miteinbezog, wurde 1972 die Sanierung des Burgus Wallbach-Stelli initiiert, sie konnte aber erst 1976 abgeschlossen werden. Zwischen den vier Punktfundamente wurde damals auch eine (2019 wieder entfernte) Feuerstelle eingerichtet. Letztmals umfassend konserviert und wissenschaftlich untersucht wurde der burgus im Jahr 2019.Valentin Häseli, Peter-Andrew Schwarz: Neue Forschungen zum spätantiken Hochrhein-Limes im Kanton Aargau IV. Die Kleinfestung Wallbach-Stelli und andere spätantike Wehranlagen in Wallbach. In: Gesellschaft Pro Vindonissa. Jahresbericht 2019. Vindonissa Museum, Brugg 2019, S. 68–87.

Fundspektrum 1912 und 1950/51 kamen vor allem Keramik- und Metallfunde ans Tageslicht. Bei der Keramik handelt es sich hauptsächlich um ,für das späte 4. Jahrhundert n. Chr. typische, Gefässe vom Typ Alzey 27 und 30. Bei einem Exemplar des Typs Alzey 27 spricht das hochgestellte Sichelprofil für eine Datierung in das frühe 5. Jahrhundert n. Chr. Die zahlreichen Lavezfragmente stammen von schrägwandigen Gefässen und Deckeln; Russspuren belegen ihre Verwendung als Kochgeschirr. Das Fundinventar umfasst zudem auch «eine handvoll tierische Knochenreste (Wirbel-, Gelenk- und Röhrenknochen) von Rindern, Schweinen und Kleintieren» sowie spätmittelalterliche Keramikfragmente und Eisennägel. Die bislang einzigen bekannten Münzfunde wurden 2019 gemacht, nach Abtragung der 1951 aufgestreuten Kiesschicht. Sie lagen im Stratum des spätantiken Gehhorizontes. Die zwei Kupfermünzen stammen aus der Regierungszeit von Constantius II. (337–361) und wurden zwischen 347 und 348 n. Chr. bzw. 352 und 354 n. Chr. geschlagen. In einem der Punktfundamente fanden sich ferner zwei runde pilae (= Hypokaust-Pfeilerplatten), Leistenziegelfragmente und ein 0,40 m langes Architekturfragment aus rotem Sandstein. Die Baukeramik und die Spolie stammen vermutlich aus der rund 1,5 km von der Turmstelle entfernten villa rustica Wallbach-Bündten.Valentin Häseli, Peter-Andrew Schwarz: Neue Forschungen zum spätantiken Hochrhein-Limes im Kanton Aargau IV. Die Kleinfestung Wallbach-Stelli und andere spätantike Wehranlagen in Wallbach. In: Gesellschaft Pro Vindonissa. Jahresbericht 2019. Vindonissa Museum, Brugg 2019, S. 68–87.

Entwicklung mini|Modell eines römischen Transportschiffs (oraria navis) für den Einsatz auf Flüssen und in küstennahen Gewässern (Musée de l’Arles et de la Provence antiques)