Lothar Beyer (* 30. Dezember 1936 im Kurort Oberwiesenthal/Erzgebirge) ist ein deutscher Chemiker (Anorganische Chemie) und emeritierter Professor an der Universität Leipzig.

Leben und Wirken Beyer wuchs als Sohn von Richard Beyer (Lehrer, gefallen 1944) und Marthel Beyer (Hausfrau, Verkäuferin) in Oberwiesenthal auf und besuchte dort ab 1943 auch die Grundschule. 1951 wechselte er zur Johannes-R.-Becher-Oberschule in Annaberg-Buchholz. Nach dem Abitur (1955) arbeitete er 1955 bis 1956 als Hilfslaborant im VEB Zinn- und Spatgruben Ehrenfriedersdorf/Erzgebirge. 1956 begann er an der Karl-Marx-Universität Leipzig ein Chemiestudium. Betreuer seiner Diplomarbeit „Über das Fremy’sche Salz“ war Leopold Wolf. Zum Dr. rer. nat. promoviert wurde Lothar Beyer 1965. Sein Mentor war Eberhard Hoyer. Dabei untersuchte er Komplexone und Metallkomplexe von Aminosäureestern. 1970 bis 1972 war er Gastdozent für Anorganische Chemie an der Universidad de la República Oriental de Montevideo/Uruguay. In vielen Folgejahren weilte Beyer häufig zu Vorträgen und zur Abhaltung von Postgradualkursen an südamerikanischen Universitäten, mit denen er teilweise auch in der Forschung kooperierte:

Peru (San Marcos Universität Lima, Nationaluniversitäten in Cusco, Trujillo und Tacna), Kolumbien (INCCA de Colombia Bogota, Cali), Chile (Universidad Conception) und Uruguay (Universidad Montevideo)

sowie in Spanien (Universidad Autó noma de Madrid, Universidad Politecnica Catalunya Barcelona, Universidad Toledo).

Im Jahre 1978 wurde Beyer zum Dr. sc. nat. promoviert, dem damals in der DDR üblichen Habilitationsäquivalent. Dabei ging es um die Koordinationschemie von 1,3-Dichalkogenliganden mit Cobalt(II)pentaminen. Im Zeitraum 1961–1982 wirkte er als wissenschaftlicher Assistenz bzw. Oberassistent am Institut für Anorganische Chemie in der Sektion Chemie der Karl-Marx-Universität Leipzig. Es folgte eine vierjährige Tätigkeit als Hochschuldozent an der Sektion Naturwissenschaften der Technischen Hochschule Leipzig (spätere Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig), wo er dann bis 1993 als Ordentlicher Professor für Chemie dort weiterhin tätig war. Im Zeitraum 1993 bis 2002 lehrte und forschte Lothar Beyer als C4-Professor für Anorganische Chemie/Koordinationschemie an der Universität Leipzig. Seit April 2002 ist er im Ruhestand.

Beyer ist seit 1961 verheiratet mit Marga geborene Fröhlich. Sie haben eine Tochter.

Ehrenamtliches Wirken (Auswahl) 1999–2007 Vorstandsmitglied des Lateinamerikazentrums der Universität Leipzig (LAZ) und Vizedirektor (2002–2005) 1993–2005 Mitglied der DAAD-Auswahlkommissionen Acciones Integradas Hispano-Alemanas, BRD-Spanien und Accoes Integradas Luso-Alemanas, BRD-Portugal (zuständig für Chemie) 1995–1999 Editorial Boards der Revista Anales de Química (Madrid) seit 2003 Mitherausgeber Boletin/Revista de la Sociedad Química del Perú

Preise und Anerkennungen 1977 Korrespondierendes Mitglied der Sociedad Química del Perú 1979 Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Karl-Marx-Universität Leipzig 1979 Goldmedaille der Universidad Nacional Mayor de San Marcos Lima-Perú 1982 Ehrenprofessor der Universidad Nacional San Antonio Abad del Cusco-Perú 1996 Ehrenprofessor der Universidad Nacional Mayor de San Marcos Lima-Perú 2000 Doctor honoris causa (Dr. h. c.) der Universidad Nacional Mayor de San Marcos Lima-Perú 2005 Ehrenmitglied der Sociedad Química del Perú 2016 Universitätsmedaille Leipzig

Publikationen Bei über 300 Publikationen und zahlreichen Büchern ist Lothar Beyer als Alleinautor oder Mitautor hervorgetreten. Daneben war er Erfinder oder Miterfinder bei mehreren Patenten.

Werke (Auswahl) L. Beyer: Autografe von Chemikern in der Chemiehistorischen Sammlung der Fakultät für Chemie und Mineralogie der Universität Leipzig, Leipziger Universitätsverlag, Leipzig, 2025, 237 S., ISBN 978-3-96023-644-3. Synthesis, Characterization and Some Reactions of (Dimethyl sulfoxide)pentaammine-cobalt(III) Salts. C.R. Piriz Mac-Coll, L. Beyer, Inorganic Chemistry 12 (1973) 7–11. Komplexbildung mit N-Acylthioharnstoffen (Übersichtsartikel). L. Beyer, E. Hoyer, J. Liebscher, H. Hartmann, Zeitschrift für Chemie 21(1981) 81–91. Reaktionen an nickel(II)koordinierten N-Acylthioharnstoffen mit Säurechloriden: ein einfacher Zugang für neue Thioharnstoffderivate. L. Beyer, J. Hartung, R. Widera, Tetrahedron 40 (1984) 405–412. Ferrocensubstituierte 1,3-bidentate Liganden und ihre heteronuklearen Übergangsmetallchelate (Übersichtsartikel). L. Beyer, R. Richter, O. Seidelmann. J. prakt Chem.-Chemikerzeitung, 341(1999) Nr. 8, 704–726.

Einzelnachweise

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