mini|Shilpa Gupta (2012) Shilpa Gupta (; * 1976) ist eine indische Künstlerin, die über multimediale Installationen, Klangarbeiten, Texte und Performances zu Themen wie Zugehörigkeit, Grenzziehungen, Zensur, Religion, Meinungsfreiheit und Menschenrechten Stellung bezieht. Ihre Arbeiten waren in führenden Häusern wie Tate Modern in London, dem Centre Pompidou in Paris und dem Mori-Kunstmuseum in Tokio zu sehen. Im Jahr 2025 erhielt sie den mit 25.000 Euro dotierten Possehl-Preis für Internationale Kunst. Aus diesem Anlass präsentiert die Kunsthalle St. Annen in Lübeck die Überblicksausstellung we last met in the mirror.
Leben Gupta wurde in Mumbai geboren und lebt und arbeitet dort. Von 1992 bis 1997 studierte sie Bildhauerei an der Sir J. J. School of Fine Arts in Mumbai. Schon als junge Kunststudentin interessierten sie schlichte Alltagsmaterialien, die sie in Installationen und Performances einsetzte. Ein prägendes Erlebnis war die Begegnung mit Arbeiten des Konzeptkünstlers Joseph Kosuth in einem Kunstbuch, die ihr eine künstlerische Richtung jenseits akademischer Traditionen wiesen. Anerkennung erhielt sie früh auf Biennalen, noch bevor ihr Werk im eigenen Land ähnlich stark Widerhall fand.
Wirken Guptas Praxis umfasst Klang-, Licht- und Textinstallationen, Zeichnung, Skulptur, interaktive Computer- und Performancestücke; die Arbeiten befassen sich oftmals mit Grenzziehungen durch Staaten und ihre gesellschaftlichen wie psychologischen Wirkungen. Das Motiv der Grenze macht sie mit 1:14.9 – 1188.5 miles of fenced border – West, North-West, Data Update: Dec 31, 2007 (2011–2012) physisch erfahrbar, einem aus handgewickeltem Garn gefertigten Knäuel in der Länge der befestigten Anlagen an der indisch-pakistanischen Grenze. In For, In Your Tongue, I Cannot Fit (2017–2018) hängen 100 Mikrofone über 100 Metallspitzen, die Seiten mit Versfragmenten durchbohren. Die Installation gibt der verfolgten und inhaftierten Dichtergruppe aus verschiedenen Jahrhunderten eine Stimme, deren Worte in unterschiedlichen Sprachen gelesen, geflüstert und gesungen werden. Die Barbican Art Gallery zeigte 2021 ihre erste große Londoner Einzelausstellung Sun at Night, in der diese Arbeit den dramaturgischen Höhepunkt bildete. Mit Still They Know Not What I Dream (2021) erzeugt eine klappernde Buchstabenklapptafel poetisch-dramatische Textzeilen, die an Anzeigetafeln in Bahnhöfen erinnern. Das Langzeitprojekt Untitled (Spoken Poem in a Bottle) sammelt seit 2018 in Fläschchen gesprochene Gedichte inhaftierter Künstler als stilles Monument der Anteilnahme. Ihre Lichtinstallation I Live Under Your Sky Too (2004) wurde zunächst am Strand von Bandra in Mumbai gezeigt und entwirft in mehreren Sprachen eine Beschwörung von Gemeinschaft. Kritische Texte haben Guptas Ansatz als leise, aus Alltagsmaterialien entwickelten Widerspruch gegen Unterdrückung und Überwachung beschrieben, welcher die Idee von „lines of control“ ästhetisch neu denkt. Ihr Werk war und ist weltweit in führenden Institutionen präsent, darunter Tate Modern, Centre Pompidou und Mori Art Museum. Im Zeitraum 2025/2026 bringt die Ausstellung we last met in the mirror in Lübeck rund 25 Arbeiten aus zwei Jahrzehnten zusammen.
Literatur Sudhir Patwardhan (Hrsg.), Gayatri Sinha (Text): Cities. Vadehra Art Gallery, New Delhi, India, 2025, ISBN 978-93-80001-26-5 (Ausstellungskatalog Vadehra Art Gallery, New Delhi; Jehangir Art Gallery, Mumbai; Tri Art and Culture, Kolkata, Durbar Hall Art Center, Kochi)
Shilpa Gupta, Salil Tripathi (Hrsg.): For, in your tongue, I cannot fit Context an imprint of Westland Books, Chennai, 2023, ISBN 978-93-5776-316-5
Alexandra Munroe, Nav Hag, Elvira Dyangani Ose (Hrsg.): Shilpa Gupta. Phaidon, London; New York, NY, 2023, ISBN 978-1-83866-325-4
Thomas Thiel (Hrsg.), Sunil Khilnani, Anushka Rajendran, Thomas Thiel, Marie Cozette, Thomas Thiel, Wim Waelput (Text): Shilpa Gupta : Drawing in the dark. Bielefelder Kunstverein, Bielefeld, 2017, ISBN 978-3-941735-39-2
Madhusree Dutta (Text), Shilpa Gupta (Design, Graphics): Dates.sites : project cinema city Bombay/Mumbai. 1. publ. in India, Tulika Books, New Delhi, 2012, ISBN 81-89487-99-X
Mirjam Westen, (Ed.), Renee Baert, Diana Tyndale (Text): Shilpa Gupta - will we ever be able to mark enough? Fonderie Darling, Montreal; Arnhem [etc.], c2012, ISBN 978-90-72861-49-8 (Ausstellungskatalog Museum voor Moderne Kunst Arnhem)
Indian Highway IV. Koenig Books, London, 2011, ISBN 3-86560-964-3 (Ausstellungskatalog)
Julia Stoff (Red.), OK Offenes Kulturhaus Oberösterreich: Shilpa Gupta : ein halber Himmel. OK Offenes Kulturhaus, Linz, 2010 (Ausstellungskatalog)
Nancy Adajania, Peter Weibel, Quddus Mirza, Shanay Jhaveri: Shilpa Gupta. Prestel, München, c2010, ISBN 978-3-7913-5017-2
Shaheen Merali (Red.), Nancy Adajania (Beiträge): Shilpa Gupta - BlindStars StarsBlind. Kehrer, Berlin, 2008, ISBN 978-3-86828-018-0 (Ausstellungskatalog)
Marcie K. Jost: Moving spirits. Franckesche Stiftungen zu Halle, Halle, 2006
Shuddhabrata Sengupta: Shilpa Gupta. Bose Pacia, New York, NY, 2006
Shilpa Gupta: Mars 2001. Ecole Supérieure d'Art d'Aix en Provence, Aix en Provence, Marseille, 2001
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Künstler (Indien) Kategorie:Inder Kategorie:Geboren 1976 Kategorie:Frau