Streckenverlauf
Die VLT de Salvador (VLT für Veiculo Leve sobre Trilhos, sinngemäß Leichtbahnfahrzeug), auch bekannt als VLT de Salvador e Região Metropolitana oder als VLT do Subúrbio, ist das seit 2024 im Bau befindliche Stadtbahnsystem in der brasilianischen Großstadt Salvador da Bahia mit drei Linien auf rund 37 Kilometern Streckenlänge mit 36 Stationen. Ein erster Abschnitt wurde am 30. Juni 2026 eröffnet, die ersten beiden Linien sollen 2027 vollendet sein. Die Stadtbahn ist eine Ergänzung zur U-Bahn und erschließt dabei den nordwestlichen und nördlichen Stadtraum. Sie wird ebenfalls durch die Bahngesellschaft CCR Metrô Bahia betrieben, einer Zweckgesellschaft zwischen der Regierung des Bundesstaates Bahia und der CCR-Gruppe.
Geschichte Im Juni 1860 wurde der erste Abschnitt der Estrada de Ferro da Bahia ao São Francisco (EFBSF) zwischen Calçada und Aratu eröffnet, im Februar 1863 war die insgesamt 123,340 Kilometer lange Strecke bis Alagoinhas fertig gestellt. Die betriebsbereite Strecke wurde jedoch schrittweise verkürzt und seit Anfang der 1980er Jahre war Paripe die nördliche Endstation der nunmehr Trem Subúrbio de Salvador genannten Verbindung. 1995 startete die Bundesregierung das Programm zur Dezentralisierung des Nahverkehrs, mit dem die Eisenbahnsysteme von der brasilianischen Stadtbahngesellschaft CBTU an die Kommunen oder den jeweiligen Bundesstaat übertragen werden sollten. (PDF; 299 KB) In diesem Sinne gründete die Stadt Salvador im Jahr 2000 das staatliche Unternehmen Companhia de Transportes de Salvador (CTS) zur Verwaltung des Nahverkehrsnetzes von Salvador, die Übertragung von der CBTU an die CTS wurde 2005 abgeschlossen.
Aufgrund unzureichender Sicherheits- und Baustandards, fehlender Abtrennung des Gleisbereiches, maroder Waggons und mangelndem Komfort wurde 2011 eine Vereinbarung zwischen der CTS und der CBTU getroffen, die Investitionen in Höhe von 15 Millionen Real, umgerechnet knapp 7 Millionen Euro, in das städtische Schienennetz für sicherere Gehwegquerungen, Trennmauern, Umbauarbeiten und Klimaanlagen in den Zügen vorsah. Am 29. Dezember 2012 wurde die Sanierung der São-João-Brücke mit deren zweigleisigen Ausbau abgeschlossen. Diese Arbeiten kosteten weitere 56,5 Millionen Real. Zusätzlich sollten drei weitere Züge angeschafft werden, die jeweils 750 Fahrgäste befördern konnten, womit sich das durchschnittliche Fahrgastaufkommen von 7.000 auf 20.000 Fahrgäste pro Tag erhöhen sollte. Außerdem wurde die Geschwindigkeit von 30 auf 70 Kilometer pro Stunde erhöht, womit sich die Fahrzeit zwischen den Endstationen Calçada und Paripe bei 13,5 Kilometern Strecke auf maximal 30 Minuten verkürzte. Prefeitura de Salvador, abgerufen am 6. Dezember 2025 (brasilianisches Portugiesisch).
Im August 2015 stellte die CTS das Projekt einer neuen Leichtbahn der Öffentlichkeit vor. Geplant war eine 18,5 Kilometer lange Strecke, die Comércio in der Innenstadt mit Paripe verbinden sollte, mit 21 Haltestellen und einer prognostizierten Nachfrage von 150.000 Fahrgästen pro Tag bei Kosten von einer Milliarde Real, rund 260 Millionen Euro. Da die Regierung von Bahia nicht über die nötigen Eigenmittel zur Umsetzung des Projekts verfügte, entschied sie sich für eine Öffentlich-private Partnerschaft und schrieb das Projekt 2017 aus. Trotzdem fanden sich keine Interessenten und das Projekt wurde auf Eis gelegt. Daraufhin legte das chinesische Unternehmen BYD einen Vorschlag zur Umstellung des VLT-Projektes auf eine Einschienenbahn der Bauart ALWeG vor. Der Vertrag zwischen BYD und der Regierung von Bahia wurde im Februar 2019 unterzeichnet. Obwohl BYD also eine Hochbahn bauen wollte, während die Ausschreibung eine ebenerdige Leichtbahn im Rad-Schiene-System vorsah, verzichtete die Regierung von Bahia auf neue Studien (einschließlich Umweltverträglichkeitsprüfung und Risikobewertung) und unterzeichnete den Vertrag auf Grundlage der Bewertung, dass die neue Bahn nur geringfügig vom vertraglich vereinbarten Projekt abweiche. Um rechtliche Probleme zu umgehen, wurde „VLT“ nunmehr als „veículo leve de transporte“ bezeichnet, ein Begriff, der in der technischen Nomenklatur nicht existiert.
Am 15. Februar 2021 wurde der Trem Subúrbio endgültig stillgelegt, um Platz für die Sattelbahn „SkyRail“ zu schaffen, die auf seiner Trasse gebaut werden sollte. BYD sah die erneute Verwendung der bereits bei der 2017 eröffneten Einschienenbahn Yinchuan erfolgreich umgesetzten Antriebstechnik mit Radnabenmotoren vor, einer Technologie, die über fünf Jahre mit einem Aufwand von 750 Millionen US-Dollar entwickelt wurde. Im April 2021 verkündete BYD als wichtigen Meilenstein die Inbetriebnahme des ersten SkyRail-Fahrzeuges für Salvador direkt aus der eigenen Produktion. Die Bahn sollte vollautomatisch auf einer 23,26 Kilometer langen Strecke vom zentralen Geschäftsviertel Salvadors nach Norden bis Ilha de São João verkehren. BYD. 4. Dezember 2021, abgerufen am 6. Dezember 2025 (englisch). Das Projekt sah sich jedoch erheblichen Schwierigkeiten gegenüber. Interne Berichte der Regierung des Bundesstaates Bahia aus Januar 2020 zeigten das finanzielle Ungleichgewicht des Projektes auf, welches auf mehrere spezifische Faktoren zurückzuführen war. Neben Verzögerungen bei den Genehmigungsverfahren um etwa zwölf Monate sowie zusätzlicher Umweltgenehmigungsverfahren, die zu einer Kostensteigerung von 200 Millionen Real führten, gab es erhebliche Änderungen an der ursprünglichen Streckenführung. Daraus folgte eine Reduzierung der Länge und der Anzahl der Haltestellen, wodurch die Kosten um weitere 300 Millionen Real stiegen. Hinzu kam ein neuer Abschnitt (Phase 2) zwischen der Station São Joaquim und der U-Bahn-Station Acesso Norte, was die Gesamtkosten des Projektes von 1,5 auf 5,2 Milliarden Real, umgerechnet rund 970 Millionen Euro, erhöhte. Im August 2023 kündigte der Bundesstaat den Vertrag mit BYD wegen Nichteinhaltung von Terminen und nicht eingeholter Genehmigungen und 2024 erklärte der Rechnungshof Tribunal de Contas do Estado da Bahia das alte Ausschreibungsverfahren und den Vertrag von 2017 für das Stadtbahnsystem sowie den 2019 vergebenen Konzessionsvertrag für rechtswidrig.
Nach dem Scheitern des SkyRail-Projektes wurde Anfang Dezember 2023 eine neue Ausschreibung veröffentlicht. Dabei wurde nach erfolgreichen Vorgesprächen bereits davon ausgegangen, dass 40 Fahrzeuge sowie Schienen und Oberleitungen vom 2015 abgebrochenen Stadtbahnprojekt der VLT de Cuiabá vom Bundesstaat Mato Grosso günstig angekauft werden können. Aufgeteilt wurde das neue Projekt in drei Teile: Abschnitt 01: Ilha de São João–Calçada mit 16,66 km für 1,5 Mrd. Real Abschnitt 02: Paripe–Águas Claras mit 9,20 km für 1,2 Mrd. Real Abschnitt 03: Águas Claras–Piatã mit 10,52 km für 878 Mio. Real Die ursprüngliche Ausschreibungsfrist endete am 12. März 2024, wurde nach Trennung in einen finanziellen und einen technischen Teil aber um zwei Wochen verlängert. Alle drei Teilprojekte wurden im April des Jahres für den Bau freigegeben. Mit Stand Juni 2026 waren im Abschnitt 01 fast zwei Drittel und im Abschnitt 02 knapp die Hälfte aller Arbeiten abgeschlossen, für den Abschnitt 03 wurden allerdings erst 3 % der Baumaßnahmen als vollzogen gemeldet.
Linie 3 Mit dem Bau der Linie 3 von Ilha de São João nach Calçada wurde im April 2024 begonnen, am 5. Juni des Jahres erfolgte die Vertragsunterzeichnung mit dem Konsortium Expresso Mobilidade Salvador, bestehend aus den Unternehmen Álya Construtora, Metro Engenharia und MPE Engenharia, zum Preis von 1,4 Milliarden Real, umgerechnet rund 240 Millionen Euro. Bis Dezember 2025 sollte eine 2 bis 4 Kilometer lange Strecke ab dem Betriebswerk und Fahrzeugdepot in Calçada fertig gestellt sein, um Test- und Schulungsfahrten durchführen zu können. Am 5. Dezember des Jahres verkündete die Regierung des Bundesstaates, dass dieser erste Streckenteil über rund 3,6 Kilometer bis zur Station Lobato reichen wird, die Testfahrten im Januar 2026 beginnen sollen und dann in der 2. Jahreshälfte der Publikumsverkehr eröffnet wird. Tatsächlich ist die erste Testfahrt bis Lobato bereits am 19. Dezember 2025 durchgeführt worden. Die Einweihung der weiteren Strecke bis Ilha de São João ist für Herbst 2027 vorgesehen. Die Linie 3 mit der Kennfarbe Grün wird in Summe 16,7 Kilometer lang sein und 20 Stationen umfassen. Mitte Juni 2026 eröffnete Gouverneur Jerônimo Rodrigues die Station Calçada mit dem restaurierten historischen Gebäude und bewahrten Originalelementen. Dazu gehören die Wiederherstellung der Verkehrsflächen, neue, den Originalen nachempfundene Fensterrahmen aus Holz und Glas, Granitböden, eine Beleuchtung sowie die Bahnsteige, Drehkreuze und die Gestaltung der Außenanlagen. Das Stationsgebäude beherbergt nunmehr Gewerbeflächen, Betriebsräume und im Obergeschoss eine Gedenkstätte für die Eisenbahn. Der zentrale Innenhof wurde mit künstlerischen Elementen und einem von Oxalá inspirierten Wandgemälde gestaltet. Auf dem Abschnitt Calçada–Lobato wurden am 30. Juni 2026 erstmals Fahrgäste befördert, zunächst im Rahmen eines Probebetriebs. Mitte Juli des Jahres wurde der Testbetrieb ausgeweitet und die Stadtbahn bot samstags kostenlose Fahrten an und verlängert die Betriebszeiten an Wochentagen um eine Stunde. Seither verkehren die Züge zusätzlich von 9:00 bis 12:00 Uhr nach einem festgelegten Fahrplan an jedem zweiten Samstag.
Linie 4 Anfang 2025 begannen auch die Bauarbeiten an der Neubaustrecke für die Linie 4 mit der Kennfarbe Orange. Diese beginnt an der Station São Luiz der Linie 3 kurz vor Unterqueren der Staatsstraße BA-528 und der Brücke über den Rio dos Macacos, schwenkt auf die BA-528 Richtung Südosten ein, folgt dann deren Verlauf und wird in Águas Claras an der nördlichen Endstation der U-Bahn-Linie 1 enden. Sie wird 9,2 Kilometer lang, acht Stationen umfassen und soll ebenfalls 2027 fertig gestellt sein.
Linie 5 Die Linie 5 mit der Kennfarbe Grau wird eine Verlängerung der Neubaustrecke der Linie 4 über Águas Claras hinaus bis Piatã werden, die auf weiteren 10,5 Kilometern Strecke neun Stationen haben soll. An der Station Bairro da Paz besteht eine Umsteigemöglichkeit in die dort überquerte U-Bahn-Linie 2. Der Baubeginn war im Sommer 2025, eine Eröffnung ist für 2028 geplant.
Linie 6 Die Linie 6 mit der Kennfarbe Gold ist eine südliche Verlängerung der Linie 3 über Calçada hinaus bis an die historische Innenstadt heran zur Station Terminal Turístico an den Liegeplätzen der Kreuzfahrtschiffe. Die etwa 3,6 Kilometer lange eingleisige Strecke mit Ausweichgleisen an zwei der fünf Stationen entspricht in ihrem Verlauf weitgehend der als Linha Laranja geplanten SkyRail-Strecke von Calçada bis in das Bairro do Comércio. Die Umsetzung für dieses Projektes ist für 113,2 Millionen Real, umgerechnet rund 18 Millionen Euro, an das Konsortium Expresso Mobilidade Salvador als Zusatz zum Vertrag für die Linie 3 vergeben worden und soll im ersten Halbjahr 2028 fertig gestellt sein.
Linie 7 Als weitere Linie ist eine Verbindung zwischen der Station Baixa do Físcal der Linie 3 und der U-Bahn-Station Retiro an der Linie 1 in Vorbereitung. Die etwa vier Kilometer lange Strecke entlang der Avenida General San Martin mit noch nicht festgelegter Anzahl von Stationen ersetzt die früheren Planungen für die SkyRail sowie erste Überlegungen für eine Stadtbahnlinie von Calçada entlang der Via Expressa Baía de Todos os Santos zur U-Bahn-Station Acesso Norte. Für das neue Projekt sollen 574 Millionen Real, umgerechnet gut 91 Millionen Euro, aus dem Programa de Aceleração do Crescimento (kurz PAC, deutsch Programm zur Wachstumsbeschleunigung) des Ministeriums für Zivilschutz bereitstehen. Die Ausschreibung für die dann dritte Verknüpfung von Stadtbahn- und U-Bahn-Netz soll Anfang 2026 veröffentlicht werden.
Weitere Planungen