mini|Die Anzahl der Google-Suchen nach dem Begriff „AI“ (englisch für „KI“) stieg ab 2022. KI-Ära (Synonym: das KI-Zeitalter) ist eine deutsche Wortschöpfung, die eine historische Zäsur und einen gesellschaftlichen Wandel zum Ausdruck bringen soll. In dieser Ära steht Künstliche Intelligenz zunehmend menschlicher Intelligenz gegenüber. Die moderne KI hat ihre Anfänge in den 2010er Jahren, die nächste Welle des Fortschritts folgte in den 2020er Jahren. Historisch ist sie in das Informationszeitalter (auch Computer- oder Digitalzeitalter genannt) einzustufen.

In seiner Bedeutung wurde das Zeitalter bisweilen mit der industriellen und digitalen Revolution verglichen. Es baut auf dem Informationszeitalter auf oder knüpft dort an, da sämtliche KI-Systeme auf dem massiven Aufbau einer globalen IT-Infrastruktur (Halbleitertechnologie, Mikroprozessoren, Computer und Informations- und Kommunikationstechnik) seit den 1980er Jahren beruhen. Die größere globale Veränderung – nämlich die Digitale Transformation – war jedoch das Internet und die damit einhergehende globale Vernetzung seit den 1990er Jahren.

Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen des weltweiten KI-Booms sind noch ungewiss. Es wird ein starker Anstieg der Produktivität, möglicherweise aber auch der Arbeitslosigkeit erwartet. Manche sehen in einer möglichen künftigen Artificial General Intelligence sogar einen evolutionären Schritt, der zu einem existenziellen Risiko werden kann.

Obwohl Verfahren des maschinellen Lernens (ML) bereits seit Ende des 20. Jahrhunderts eingesetzt werden, erleben KI-Systeme insbesondere seit den 2020er-Jahren einen enormen Anschub durch technologischen Fortschritt, als (etwa mit ChatGPT Ende 2022) die ersten massentauglichen Großen Sprachmodelle (LLMs) und andere generative KI-Modelle veröffentlicht wurden. Zwar wurde bereits viele Jahre zuvor mit Deep Learning experimentiert, jedoch stellten die LLMs einen technologischen Durchbruch dar.

Gesellschaftliche Dimension und historische Einordnung

Der Technikethiker Christian Herzog betont, dass die Kommerzialisierung und Markteinführung von ChatGPT ab November 2022 sowie die damit verbundenen disruptiven Effekte auf konventionelle Angebote untrennbar mit „generativer KI“ verknüpft sind. Er beobachtet eine gestiegene Tendenz zu „Heilserwartungen“, „Technologieglaube“ und der Überhöhung von KI als Lösungsansatz für globale Krisen im Zusammenhang mit dem Streben nach Artificial General Intelligence (AGI). Dabei stützt er sich unter anderem auf Iris Marion Young und verweist auf die „Konzentration von Kontrolle“ bei wenigen Technologiekonzernen und die Verstärkung makrosozialer Ungleichheiten, die aus solchen Systemen und „struktureller Ungerechtigkeit“ hervorgehen.

Diese gesellschaftlichen Veränderungen schlagen sich unmittelbar auf ökonomischer Ebene nieder, da durch die Automatisierung interpretativer Arbeitsprozesse (Intelligente Prozessautomatisierung – IPA), „Leistungsquantifizierung“, die „Produktivitätsschallmauer“ (next productivity frontier) und die Veränderung der Arbeitsbedingungen direkte Auswirkungen auf die „Arbeitswelt“ und die „Produktivität“ entstehen. Darüber hinaus führt dies zu schwerwiegenden „ökologischen und globalen Folgen“ durch den Anstieg des weltweiten Energie- und Wasserverbrauchs sowie durch „neokoloniale Praktiken“, wie etwa die Auslagerung psychisch belastender Tätigkeiten in den globalen Süden.

Aus diesen Dynamiken resultiert die Gefahr, vor der Herzog warnt, nämlich einer schleichenden „Verschmelzung von Mensch und Technik“, dem Verlust individueller Entscheidungsfreiheit und der Verdrängung menschlicher Interpretationsleistung durch statistische Algorithmen, wodurch sich der Mensch immer mehr der „technologischen Bedingung“ unterordnet. Man verspricht Erleichterung im Alltag, die Gewinnung größeren Freiraums, Zeit für kreative Arbeiten – eine Technologie, die die Conditio humana, also die Bedingungen des Menschseins an sich, verbessern soll.

Um diesen Entwicklungen regulatorisch zu begegnen, hat die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) im Jahr 2020 Grundsätze für künstliche Intelligenz veröffentlicht. Historisch gesehen ist dieses Feld jedoch weitaus älter, weshalb sich die technischen Grundlagen – ein Begriff, der 1956 auf der Dartmouth Conference geprägt wurde – seit den ersten Überlegungen von Alan Turing (1950) stark gewandelt haben. Auf eine frühe Phase der symbolischen, logikbasierten KI folgte in den 1970er Jahren der sogenannte „KI-Winter“, während in den darauffolgenden Jahrzehnten Meilensteine wie der Schachcomputer Deep Blue (1997) und ab 2011 Durchbrüche beim maschinellen Lernen auf Basis neuronaler Netze zu einer beschleunigten Entwicklung führten, die durch größere Datenmengen und Rechenkapazitäten begünstigt wurde.

In den globalen Kontext eingebettet, verweist das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) in seinem Bericht darauf, dass globaler Stillstand und wachsende Ungleichheiten zwischen Ländern mit hohem und niedrigem Index der menschlichen Entwicklung (HDI) auf anhaltende Krisen zurückzuführen sind. Die Wirkung von KI hängt dabei stark von menschlichen Entscheidungen und Kontexten ab, was die gesellschaftliche Debatte zwischen Utopien und Dystopien anheizt.

An diese Risiko- und Gerechtigkeitsfragen knüpft auch die wissenschaftliche Debatte an, in deren Rahmen der katholische Sozialethiker Alexander Filipović unter Bezugnahme auf Magnifica humanitas vor neuen Machtungleichheiten warnt und die veränderten Verhältnisse von Gemeinschaft, Technik und Natur hinterfragt.

Die Politikwissenschaftlerin Sarah Gensburger und der Historiker Frédéric Clavert betonen, dass KI-Modelle als neue Schnittstellen „memory interfaces“ und Speicher für das Gedächtnis fungieren, wodurch Algorithmen und menschliche Erinnerung miteinander verschmelzen, und dass die Gefahr besteht, dass die datengetriebene Logik der KI mit echter menschlicher Erinnerung verwechselt wird. Zudem sei ein Trend sichtbar, dass viele Nutzer gefällige und populäre Antworten erhalten, wodurch eine standardisierte, dominante Version der Geschichte wiedergegeben und alternative Perspektiven ausgeblendet werden, sodass ein hegemoniales Gedächtnis „hegemonic memory“ entstehen könne.

Lebenszyklus und Gesetze Definition des Lebenszyklus Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) definiert ein KI-System als ein maschinenbasiertes System, das für bestimmte, vom Menschen definierte Ziele Vorhersagen, Empfehlungen oder Entscheidungen zur Umgebungsbeeinflussung generieren kann. Sie nutzen reale oder virtuelle Inputs und agieren mit unterschiedlichen Graden an Autonomie. Der Lebenszyklus umfasst:

Planung und Design; Datensammlung, -verarbeitung und Modellierung; Verifizierung und Validierung; Einführung, Betrieb und Monitoring.

Gesetze und Richtlinien Die Europäische Union koordiniert in Zusammenarbeit mit der OECD Leitlinien und Vorschriften. Dabei liegt ein Schwerpunkt auf Strategien zur Förderung von KI-Anwendungen in den vier Schlüsselsektoren Landwirtschaft, Gesundheitswesen, Industrie und Mobilität, um die globale Position der EU zu stärken. Die deutsche Bundesregierung hat die EU-Richtlinie nun auch in eigene Gesetze und Richtlinien umgesetzt.

Wirtschaftliche Bedeutung, Infrastruktur und Ökologie Als Universaltechnologie verspricht KI Produktivitätssteigerungen und treibt ein weltweites Investitionswachstum seit den 2010er Jahren an. Ein wesentlicher Treiber ist der Ausbau von Rechenzentren: So investieren Tech-Konzerne wie Google, Microsoft, Amazon und Meta Platforms im Zuge des Booms zweistellige bis dreistellige Milliardenbeträge in KI-Infrastrukturen. Konkret verkündete Google im Juli 2025 eine Investition von 25 Milliarden US-Dollar in Rechenzentren und Infrastruktur und ergänzte dies im November 2025 durch weitere Investitionen. Ebenso investieren Anthropic 50 Milliarden US-Dollar, Amazon 100 Milliarden US-Dollar, Microsoft 80 Milliarden US-Dollar sowie Meta Platforms im Rahmen eines massiven Infrastrukturausbaus.

Dem gegenüber stehen erhebliche ökologische Folgen. Während KI in Teilbereichen zur Energieeffizienz beitragen kann, führt der enorme Energiebedarf weltweiter Rechenzentren – primär angetrieben durch generative KI-Modelle – zu einem drastischen Anstieg des globalen Stromverbrauchs.

Auffälligster Indikator hierbei ist der prognostizierte Anstieg des Energieverbrauchs weltweiter Rechenzentren. So lag dieser nach einer Analyse des Wirtschaftsprüfungsdienstleisters Deloitte im Jahr 2022 bei schätzungsweise 333 TWh und wird voraussichtlich bis 2030 auf 1.065 TWh ansteigen. Dem steht ein globaler Stromverbrauch von knapp 26.000 TWh im Jahr 2022 gegenüber. Für den US-Markt lag der Anteil von KI-Anwendungen an der Gesamtkapazität von Rechenzentren im Jahr 2024 bei 10 bis 20 Prozent, wobei laut Recherchen des TIME-Magazines ein starker Anstieg zu erwarten ist. Zudem wirkt der Einsatz generativer KI bei einzelnen Abfragen (wie ChatGPT-Prompts im Vergleich zu einfachen Websuchen) hochgradig energieineffizient. Der Wandel der Arbeitswelt erfordert flankierend politische Maßnahmen wie gezielte Weiterbildung.

Wort des Jahres 2025 Am 5. Dezember 2025 wählte die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) den Begriff „KI-Ära“ zum Wort des Jahres. Die Jury begründet dies mit einem von der neuen Technologie ausgehenden „epochalen Wandel“, der mit vielen Chancen, aber auch Risiken verbunden sei. Vor diesem Hintergrund warnte die Jury vor möglichem Missbrauch und einem Verlust „an eigenständigem, kritischem Denken, Sprechen und Schreiben“. Es sei zudem zu erwarten, dass sich die wachsende Nutzung von KI in breiten Teilen der Bevölkerung auch auf die Entwicklung der deutschen Sprache auswirken werde.

KI & Wikipedia

Die Journalistin Klaudia Lagozinski bezieht KI-generierte Inhalte im Kontext von Wikipedia in diese weltweiten Entwicklungen ein und warnt vor der Ausgabe falscher Inhalte und dem „Halluzinieren“ von „Fakten“. Dabei schließt sie „blindes Vertrauen“ sowie „Böswilligkeit“ bei der Erstellung von Texten nicht aus. Sie merkt dazu an, dass „[...] Checksum-Checker und das Wissen über die halluzinierten Quellen verbreiten sich nun auch in den anderssprachigen Wiki-Communitys“.

Wikipedia hat sich als Organisation unter anderem für Universitäten wie die Universität Zürich in der Schweiz zu einem Dialogpartner entwickelt. Ziel ist es, aktuelle und zukünftige Entwicklungen in der Wissenschaftskommunikation im Zusammenhang mit generativer KI zu untersuchen und zu analysieren, wie diese Entwicklungen von relevanten Akteuren und Interessengruppen bewertet werden. Es hat Bezug auf: Forschende und Universitäten selbst; Journalisten und Texter; Informationssuchende Bürgerinnen und Bürger; Die breite gesellschaftliche und ethische Debatte; Entwicklung von Handlungsempfehlungen.

Künstliche Intelligenz (KI) stellt Wikipedia in vielerlei Hinsicht vor Herausforderungen. Viele Nutzer stellen ihre Suchanfragen mittlerweile Chatbots wie Perplexity, Google Gemini oder Microsoft Copilot, anstatt selbst in Wikipedia zu suchen. Während die Anzahl der Seitenaufrufe durch Menschen sinkt, nimmt die automatische Datenabfrage durch Bots zu. Ein weiteres Problem ist das Qualitätsmanagement. KI-Chatbots „halluzinieren“ oft, sie liefern falsche oder erfundene Informationen. Werden diese Informationen in Wikipedia integriert, entsteht ein sich selbst verstärkender Kreislauf – die „Feedback-Schleife“: Die KI-Modelle werden mit falschen Informationen trainiert, die sie anschließend weiterverbreiten, wodurch auch absichtlich erzeugte Desinformation transportiert wird.