mini|Bob Crosby & His Orchestra - Five Minutes More. Mit dem Song gelangte Frank Sinatra 1946 auf #1 der US-Charts, Bob Crosby and His Orchestra mit ihrer Version auf #12. Bob Crosby and His Orchestra war eine seit 1935 bestehende US-amerikanische Bigband. Als Bob Crosby and The Bob Cats wurde die Band ab den 1950er-Jahren in verkleinerter Version fortgeführt. Die Band kombinierte Elemente des traditionellen Jazz mit einem eingängigen, tanzbaren Swing-Stil, der das Publikum begeisterte. Bob Crosby, der Bruder des in dieser Zeit populären Sängers Bing Crosby, brachte eine einzigartige Mischung aus Big-Band-Sound und dem informellen, lässigen Stil des Dixieland in seine Musik ein. Die Band war bekannt für ihre harmonischen Arrangements und die Verwendung von Gesang, was zur Popularität des Swing beitrug.Sieher hierzu: ,
Bob Crosby and his Orchestra Die Anfänge des Orchesters liegen im Jahr 1934, als eine Gruppe verärgerter Musiker aus Ben Pollacks Band einen Massenexodus inszenierte. Auslöser war die romantische Schwärmerei des Bandleaders für Doris Robbins, eine Sängerin von zweifelhaftem Talent (zwischen 1926 und 1931 hatte Pollacks Band zeitweise unbestrittene Größen des Swing wie Benny Goodman, Jack Teagarden und Glenn Miller in ihren Reihen). Zu den unzufriedenen Abtrünnigen, angeführt vom Saxophonisten Gil Rodin, gehörten die Trompeter Yank Lawson und Phil Hart, die Posaunisten Ward Sillaway und Artie Foster, die Bläsersektion mit Gil Rodin, Matty Matlock, Eddie Miller und dem Arrangeur Deane Kincaide, der Pianist Gil Powers, der Gitarrist Nappy Lamare, der Bassist Bob Haggart und der Schlagzeuger Ray Bauduc. Schon bald wurden die Dissidenten in der Musikbranche als „die Pollack-Waisen“ bekannt.
Urbesetzung 1935 Trompete: Phil Hart, Yank Lawson Posaune: Joe Harris, Artie Foster Altsaxophon: Gil Rodin Klarinette, Altsaxophon, Arrangement: Matty Matlock Klarinette, Tenorsaxophon, Arrangement: Deane Kincaide Piano: Gil Bowers Gitarre, Gesang: Nappy Lamare Bass, Arrnagment: Bob Haggart Schlagzeug: Ray Bauduc Gesang: Bob Crosby, Frank Tennille Die „Pollack Orphans“ hatten ursprünglich vor, als Genossenschaft aufzutreten, kamen aber schnell zu dem Schluss, dass sie eine Galionsfigur brauchten, die die Ansagen machte. Man entschied sich für jemanden, der noch nie eine Band geleitet hatte, auch keine Noten lesen konnte und auch ein eher dürftiges Rhythmusgefühl besaß. Laut der Gründungslegende der Band sprach jemand bei einer Aufnahmesession den populären Sänger Bing Crosby an und fragte, ob er einen geeigneten Kandidaten kenne. Dieser schlug daraufhin seinem kleinen Bruder Bob Crosby vor. Dieser galt als sympathischer, gutaussehender junger Mann, der ein bisschen sang; der Pianist Jess Stacy nannte es „eine Mischung aus Blöken und Gemurmel“.
Das ungewöhnlichste Merkmal der Band war jedoch die Musik, die sie spielte. Auf dem Höhepunkt der Swing-Ära spielten Bob Crosby und sein Orchester (sowie deren Nachfolgeorganisation, die Bobcats) Two-Beat-Musik in einer Welt, die vom Viervierteltakt geprägt war (auch die Jimmy Lunceford Band spielte Two-Beat, allerdings ganz anders). Die Crosby-Band war letztlich eine Dixieland-Band. Drei der ursprünglichen Mitglieder der Bob Crosby Band, Nappy Lamare, Eddie Miller und Ray Bauduc, waren in New Orleans geboren und tief in der Jazztradition der Stadt verwurzelt. Später stieß ein weiterer Musiker aus New Orleans zu ihnen: der Klarinettist Irving Henry Prestopnik, der seinen Namen in Irving Fazola geändert hatte (abgeleitet von der Solmisation „fah-so-la“). Fazola, der wie viele andere Klarinettisten aus New Orleans ein Instrument des Albert-Systems spielte und damit einen warmen, holzigen Klang erzeugte, kam 1937 zur Band. miniatur|rechts|290px|Ray Bauduc, Herschel Evans, Bob Haggart, Eddie Miller, Lester Young, Matty Matlock, Howard Theatre, Washington D.C., ca. 1941. Fotografie von William P. Gottlieb.
Am 1. Juni 1935 nahm das Orchester für Decca Records vier Plattenseiten mit Gesangsnummern auf, „Flowers for Madame“ (mit dem Gesang von Frank Tenille), „Beale Street Blues“ (Gesang Joe Harris), „The Dixieland Band“ und „In a Little Gypsy Tea Room“, beide mit dem Gesang von Bob Crosby.Tom Lord The Jazz Discography (online, abgerufen am 2. November 2025) Die Crosby-Band nahm in den folgenden Jahren unzählige Pop-Songs und sentimentale Lieder auf, aber auch eine Reihe von Titeln unverfälschten Jazz, die sowohl vom Orchester als auch von den Bobcats eingespielt wurden. Erkennungsmelodie des Orchesters war George Gershwins Standard „ Summertime“. In seinem Standardwerk „The Swing Era“ bemerkt Gunther Schuller: „…diese Aufnahmen erzählen die Geschichte des Engagements der Band für das Erbe von New Orleans.“ Er fügt hinzu: „Der spätere Erfolg des Jazz-Repertoires der Crosby-Band bei einem breiten Publikum basierte tatsächlich auf einem Kompromiss: der Verschmelzung des neuen Big-Band-Sounds mit der Freiheit und der ungezwungenen Spontaneität des Dixieland in kleinen Besetzungen.“
Schullers Meinung nach war Bassist Bob Haggart für diese stilistische Fusion verantwortlich. Hinsichtlich der Besetzung brach die Bob Crosby Band mit den Konventionen, indem sie die traditionelle Dixieland-Frontline aus Lead-Trompete, Klarinette und Posaune – um ein Tenorsaxophon erweiterte. „In den falschen Händen hätte dies den Ensembleklang verwässern können, doch in der Crosby Band ruhte das Tenorsaxophon in den sicheren Händen und den virtuosen Fingern von Eddie Miller, in der Band als „Der kleine Prinz“ bekannt, einem der unbesungenen Helden des Jazz-Tenorsaxophons“, so Len Weinreich. „Er klingt unverwechselbar nach sich selbst. Höre man seine lässig-coolen, erfinderischen Soli in Arlen und Koehlers „Between the Devil and the Deep Blue Sea“ und Joe Sullivans „Little Rock Getaway“ (mit virtuosem Klavierspiel von Bob Zurke), beide Aufnahmen aus dem Jahr 1937“.
Bereits 1935 hatte das Orchester mit „Gpysy Little Tearoom“ seinen ersten Nummer-1-Hit in den US-Charts, der erste von 41 Hit-Notierungen der Band, die bis 1950 folgten, als sie mit dem Irving-Berlin-Song „Play a Simple Melody“ in die Charts kamen.Gerhard Klußmeier: Jazz in the Charts. Another view on jazz history. Liner Notes und Begleitbuch der 100-CD-Edition. Membran International GmbH. ISBN 978-3-86735-062-4 Schon bei den frühen Veröffentlichungen der Band, Louis Armstrongs und Kid Orys „Muskrat Ramble“ und ihrem eigenen „Dixieland Shuffle“, zeichnet sich ihr zukünftiger Stil deutlich ab: eine Rückbesinnung auf den frühen Jazz von King Oliver und Armstrong, mit einem kraftvollen Trompeten-Lead und Klarinetten-Trios, gespickt mit Soli von Lawson, Matlock und Miller und mitreißender Unterstützung durch Haggart und Bauduc im Zweiertakt. Im Laufe der Zeit wechselte die Besetzung, „doch der überschwängliche Charakter der Band blieb unverändert: brillante Soli, beschwingter Swing und präzises Zusammenspiel der einzelnen Ensemblegruppen“. Die Band zog hochkarätige Musiker an (so kamen 1936 Zeke Zarchy und Bob Zurke hinzu,) und hatte erstklassige Trompeter wie Gründungsmitglied Yank Lawson, den klangvollen Billy Butterfield, über den Louis Armstrong sagte: „Er weiß, wie man richtig Trompete spielt“, und später den kernigen Muggsy Spanier, der den harten Chicago-Stil einführte.
Auch eine Reihe namhafter Pianisten war vertreten: 1938 komponierte und arrangierte Bob Zurke den eingängigen Titel „Eye Opener“ (mitreißendes Klavierspiel und einem energiegeladenen Blues-Chorus von Billy Butterfield). Joe Sullivans Solo auf „Feather Your Nest“ von 1939. Nach Sullivans krankheitsbedingtem Ausscheiden übernahm Jess Stacy (der später bei Benny Goodmans Carnegie-Hall-Konzert mit „Sing, Sing, Sing“ 1938 auftrat) den Platz am Piano. Zu diesem Anlass arrangierte Haggard Stacys Solo aus einer früheren Commodore-Aufnahme von „Complainin’“ für die gesamte Band. Besetzung 1938 Trompete: Charlie Spivak, Billy Butterfield, Yank Lawson Posaune: Ward Silloway, Warren Smith Klarinette, Altsaxophon, Arrangement: Matty Matlock Altsaxophon: Joe Kearns Tenorsaxophon, Klarinette, Gesang: Eddie Miller Tenorsaxophon: Gil Rodin Piano: Bob Zurke Gitarre, Gesang: Nappy Lamare Bass, Arrangement: Bob Haggart Schlagzeug: Ray Bauduc Gesang: Kay Weber, Bob Crosby Klarinetten spielten eine entscheidende Rolle in der Band, sowohl in Ensembles, wo sie im Trio erklangen, als auch solistisch. Matty Matlock galt als ein zuverlässiger Klarinettist und zugleich als ein hervorragender Arrangeur. In seinem Arrangement von „Panama“ aus dem Jahr 1938 ließ er sich genügend Raum für einen mitreißenden Refrain gegen Ende. Eddie Miller, der sowohl auf der Klarinette als auch auf dem Tenorsaxophon brillierte, spielte brillant im Trio und Solo von „Wolverine Blues“. 1939 spielte Fazola das Intro zu Wallace und Weeks’ „Hindustan“ über Bauducs exotischem Schlagzeugspiel und erreichte mit dem Klassiker „Spain“ von Jones und Gus Kahn, aufgenommen 1940, schwindelerregende Höhen. Fazolas Zauber ist auch in einem mitreißenden Stop-Chorus zu hören, als die Bobcats Bob Haggarts Arrangement von Richard Whitings „Till We Meet Again“ (mit einem herausragenden Beitrag von Miller) spielten. 1940 wurde Fazola durch Hank D’Amico ersetzt, einen versierten Techniker mit einer melancholischen Stimme.
Zwei Schallplatten trugen maßgeblich zum Ruhm der Band bei; die erste, aus dem Jahr 1937, war der mitreißende Marsch „South Rampart Street Parade“, eine beschwingte Ballade, die Bauduc und Haggart gemeinsam komponierten und die auf Erinnerungen an die berühmten Marching Bands von New Orleans basierte. Das lange Arrangement sprengte die Grenzen der üblichen Schellackplatte (78 U/min) und musste daher auf einer 12-Zoll-Schallplatte gepresst werden. Bauduc und Haggart waren auch für den zweiten großen Erfolg verantwortlich: „Big Noise from Winnetka“ aus dem Jahr 1937, ein humorvolles Stück, das aus einer spontanen Einlage entstand: Haggart pfiff melodisch durch die Zähne, während Bauduc mit Drumsticks auf den Basssaiten trommelte. Überraschenderweise wurde es ein Riesenerfolg.
Wie damals üblich, bildeten Mitglieder des Orchesters eines Bandleaders oft eine kleine, unabhängige Gruppe, schrieb George W. Harris. Zu nennen ist das Team um Lawson (Trompete), Eddie Miller (Klarinette/Tenorsaxophon) und Matty Matlock mit „A Coquette“, „Fidgety Feet“, „Who’s Sorry Now“, „A Big Foot Jump“. Eine spätere Besetzung der Bob Cats umfasste den Kornettisten Muggsy Spanier und den späteren Goodman-Pianisten Jess Stacy. Der Gitarrist sang bei „Don’t Call Me Boy“ mit. Die Band reduzierte sich zeitweise sogar auf ein Quartett: Miller (Tenorsaxophon), Haggart (Bass), Bob Zurke (Piano) und Ray Bauduc (Schlagzeug) sorgten bei „Call Me a Taxi“ für Unterhaltung, und Haggart und Bauduc spielten ein Duett, bei dem der Bassist bei dem berühmten und immer noch gespielten Stück „The Big Noise from Winnetka“ mitpfiff.
Crosby and His Bob Cats Bob Crosby and His Bob Cats (1950) Trompete: Billy Butterfield, Yank Lawson Posaune: Cutty Cutshall Tenorsaxophon: Eddie Miller Klarinette: Matty Matlock Piano: Dave Bowman Gitarre: Carl Kress Bass: Bob Haggart Tuba: Fred Pfaff Schlagzeug: George Wettling Gesang: Bob Crosby
Bereits im März 1938 nahm Bob Crosby mit einer zum Nonett verkleinerten Version seines Orchesters auf; die Aufnahmen erschienen unter Bob Crosby and His Bobcats. Nach dem Ende der Bigband-Ära in den 1950er-Jahren wurden die Bob Cats zu Crosbys bevorzugtem Format. Nach 1946, als das Orchester noch einmal erfolgreich Auftritte im Hollywood Palladium absolvierte, reduzierte Crosby seine Aktivitäten als Bandleader und wurde zu einer populären Persönlichkeit im Rundfunk. > Leo Walker: The Big Band Almanac. Ward Ritchie Press, Pasadena. 1978