Fiorenza Bassetti (geboren am 21. Dezember 1948 in Sorengo, Tessin) ist eine Schweizer Malerin, Graphikerin, Illustratorin und Fotografin.
Leben Fiorenza Bassetti besuchte von 1965 bis 1969 das Lehrerseminar in Locarno. Anschliessend studierte sie von 1970 bis 1971 in Paris, von 1972 bis 1974 in Rom und Mailand Malerei. Daran anschliessend vertiefte sie ihre Kenntnisse im Kupferstich und Gravur in Urbino, Venedig und Paris. 1987/1988 studierte sie am Art Institute of Chicago Computerkunst. Ab 1991 führte sie in Zürich ein eigenes Atelier.
Zur Fotografie kam Fiorenza Bassetti autodidaktisch, wobei sie sich insbesondere auf Porträtfotografie und Collage spezialisierte. Eines der ikonischen Schwarz-Weiß-Fotos von Gisèle Freund aus dem Jahr 1981 stammt von Fiorenza Bassetti.
Kunstwerke von Fiorenza Bassetti befinden sich in der Sammlung des Museo d’arte della Svizzera italiana (MASI) in Lugano und in der Sammlung des Museo Cantonale d’Arte in Lugano.
Sie arbeitet und lebt in Zürich und Bellinzona.
Rezeption Fiorenza Bassetti ist eine vielseitige bildende Künstlerin und Fotografin, die sich als kritische Betrachterin des Weltgeschehens präsentiert. Präferierte Materialien, mit denen sie künstlerisch arbeitet, sind Gouache, Acryl oder Ölfarben, aber auch Essbares wie Schokolade, Tortenguss oder Zuckerperlen, ebenso der Granatapfel. Wenn Bassetti von einem Thema eingenommen wird, entstehen jeweils ganze Zyklen.
Ein Aufenthalt in Venedig beispielsweise inspirierte sie zu einer Serie von neuen Frauenfotos, die Donne di Venezia (Frauen von Venedig), denen sie zwei Männerfotos, die Pugile (Boxer) gegenüberstellte. Den großformatigen Fotos liegt eine Recherche in den Museen der Stadt sowie ein Blick in die Historie Venedigs zugrunde.
Granate ist Teil eines Werkzyklus, den die Künstlerin zwischen 1997 und 2005 geschaffen hat. Aufgrund der Mehrdeutigkeit des Wortes im Italienischen kann der Titel sowohl ein Kriegsinstrument (Granate) als auch die Frucht des Granatapfelbaums bezeichnen. Einerseits steht die dunkle Figur auf dem Weiss des Papiers für eine gewalttätige Welt, die bereit ist zu explodieren. Andererseits greift die grafische Struktur, die der Granate das Aussehen einer Tafel Schokolade verleiht, die spielerische und ketzerische Haltung der Pop Art und des Dadaismus des 20. Jahrhunderts auf.
Die Künstlerin hat sich aber auch der Kunst am Bau gewidmet und für das „Gesundheitszentrum für das Alter Trotte“ in Zürich zwei konzeptuell verwandte Arbeiten realisiert: einmal Blumen und Mondlandung sowie Zuckerstock. Ein überdimensionierter rot-weisser Zuckerstock im Treppenhaus setzt ein markantes Zeichen und spielt auf humorvolle Weise auf den Gehstock an, der ein alltägliches Hilfsmittel in einem Alterszentrum ist. Für Blumen und Mondlandung wurden Fotografien auf Aluminiumscheiben gedruckt, die an überdimensionierte Ansteckpins erinnern und Arrangements aus Alltagsgegenständen darstellen. Bassetti schaffe damit ein referenzreiches Universum, das mit Humor und Poesie, spielerischer Leichtigkeit und einfühlsamer Einlassung den Ort des gemeinschaftlichen Zusammenlebens bereichere.
Ausstellungen (Auswahl) Einzelausstellungen 1990: Fiore e computer, Museo cantonale d'arte, Lugano 1992: Fiorenza Bassetti, Galleria SPSAS Locarno 1994: Oeuvres sur papier, Villa du Jardin alpin, Meyrin, Kanton Genf 1996: Arbeiten auf Papier, Zimmermannhaus Brugg 2004: InCHontro, Istituto Svizzero di Roma. Spazio Culturale Svizzero di Venezia 2004: Materia illusione scelta. Monte Carasso, I sotterranei dell’arte 2006: Perle da sparo, la fabbrica, Losone 2010: Fiorenza Bassetti. Fotografie, Museo cantonale d'arte, Lugano 2016: Coupe DADA 2016, Galerie art-house Sandra Marti, Thun, Kanton Bern 2024: Acclimatization Garden. In Dialogue With The Swiss Post Art Collection. Museo Civico Villa dei Cedri, Bellinzona
Gruppenausstellungen 1977: 12. Biennale für Grafik, Ljubljana, Slowenien 1978: Rencontres internationales de la Photographie, Arles 1980: Portraits et autoportraits, Centre Culturel Jean Verdier Paris, 1981: Autoportraits photographiques 1898-1981, Centre Georges Pompidou, Paris 1995: Sichtweisen - Zur zeitgenössischen künstlerischen Fotografie, Kunstverein Hildesheim 2000: Zwischen Selbstbefragung und Selbstinszenierung. Centre d’art, Biel 2019: Katia Bassanini, Fiorenza Bassetti, Angela Marzullo, KimBo, Carlotta Storelli, La rada, Locarno 2022: 3. FATart Fair, Schaffhausen, women in arts, 100 Zeitgenössische Künstlerinnen
Preise und Auszeichnungen 1975: Eidgenössisches Kunststipendium 1977: Eidgenössisches Kunststipendium 1978: Eidgenössisches Kunststipendium 1978 und 1982: Grosser Schweizer Fotopreis 1981: Erster Preis für Porträts Images de femmes, Paris 1984: Preis Wettbewerb L’homme vu par la femme, Lausanne 1998: Atelier-Stipendium Istituto Svizzero Rom 2002, 2004: Artist in Residence, Venedig-Atelier des Istituto Svizzero di Roma 2003: Borsa di studio Bogliasco, Genua 2014: Werkbeitrag der Esther-Matossi-Stiftung
Mitgliedschaften Von 1995 bis 2000 war Fiorenza Bassetti Mitglied der Schweizerischen Gesellschaft Bildender Künstlerinnen SGBK.
Literatur Manuela Kahn-Rossi: Fiorenza Bassetti. Salvioni Edizioni, 2010. 5. FATart Fair. Women & FLINT in arts. 100 zeitgenössische Künstlerinnen & FLINT. FATart, Schaffhausen 2022, ISBN 978-3-9525498-4-1
Weblinks
Profil Fiorenza Bassetti auf SIKART
Einzelnachweise
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