Ein Mann und seine vier Frauen (englischer Titel: Four Wives, One Man) ist ein Dokumentarfilm der iranisch-schwedischen Regisseurin Nahid Persson Sarvestani, der die patriarchal und polygam geprägte Lebensweise eines Schafzüchters im ländlichen Iran zeigt. Die Produktion wurde durch politische Repressalien des iranischen Regimes gegen die Regisseurin erschwert und musste zeitweise aus Sicherheitsgründen unterbrochen werden.

Handlung In einem abgelegenen Dorf im Iran lebt ein 51-jähriger Bauer auf einem Hof mit seiner Familie. Sein Name ist Heda, er ist mit vier Frauen verheiratet und hat insgesamt zwanzig Kinder. Jede der Frauen bewohnt mit ihren eigenen Kindern einen separaten Bereich des Hofes. Hedas Mutter lebt ebenfalls dort und wird von einer der Ehefrauen versorgt. Der Alltag der Frauen ist durch klare räumliche und familiäre Strukturen organisiert. Zwischen den Ehefrauen besteht ein Konkurrenzverhältnis, da jede ihren eigenen Haushalt führt und zugleich Teil der gemeinsamen Familie ist. Heda tritt als patriarchales Oberhaupt der Familie auf und trifft die grundlegenden Entscheidungen allein. Im familiären Zusammenleben kommt es wiederholt zu körperlicher Gewalt. Heda schlägt sowohl seine Ehefrauen als auch die Kinder. Eines Tages entscheidet Heda, eine fünfte Frau zu heiraten. Er äußert den Wunsch, dass sie möglichst jung sein solle. Diese Ankündigung sorgt bei den bestehenden Ehefrauen für Unruhe. Sie befürchten zusätzliche finanzielle Belastungen und Veränderungen in der familiären Struktur. Zudem entsteht die Sorge, dass sich die Aufmerksamkeit von Heda künftig stärker auf die neue, jüngere Frau richten könnte. Schließlich heiratet Heda eine sehr junge Frau und holt sie auf den Hof.

Produktion und Hintergründe mini|Nahid Persson Sarvestani|alternativtext=Nahid Persson Sarvestani schaut seitlich in die Kamera. Das Farbfoto zeigt sie im Porträt. Sie hat langes lockiges schwarzes Haar und trägt dunkle Kleidung. Nahid Persson Sarvestani thematisiert mit diesem Werk die im Iran staatlich akzeptierte und geförderte patriarchale Praxis der Polygamie, bei der ausschließlich Männer beliebig viele Frauen heiraten dürfen. Frauen hingegen ist es untersagt, mehrere Männer zu heiraten. Mit Hilfe ihres Vaters fand sie eine Familie, die bereit war, vor der Kamera über ihr Leben zu sprechen. Während der drei Jahre andauernden Dreharbeiten wurde Persson Sarvestani von den iranischen Behörden zunehmend unter Druck gesetzt und musste das Land schon nach drei Wochen verlassen. Erst zwei Jahre später konnte ihre Tochter das Projekt weiterführen, bevor die Regisseurin selbst nochmals heimlich nach Iran zurückkehrte, um die letzten Szenen zu filmen.

Persson Sarvestani thematisiert im Film die uralte Tradition des Sighe. Unter der Monarchie verboten, wird Sighe vom derzeitigen islamistischen Regime als eine weitere Form patriarchaler Hegemonie gefördert. Die Sighe ermöglicht es iranischen Männern, für einen vorher festgelegten Zeitraum eine eheähnliche Beziehung mit einer Frau zu führen, mit ihr intim zu werden und sie danach ohne jede Konsequenz zu verlassen. Die damit verbundene finanzielle Vereinbarung kann als eine Form der Kuppelei durch die Eltern des jungen Mädchens entstehen, oder aus einer Notsituation heraus getroffen werden. Nach Ablauf des Sighe hat die Frau nur geringe Chancen, einen Mann zu finden, sie gilt als gesellschaftlich ausgestoßen. Als Heda sich eine fünfte Frau aneignete, geschah dies wohl in Form einer Sighe. Persson Sarvestanis Aufnahmen konzentrieren sich vor allem auf Zibas ausgeprägte Verzweiflung und Unglück über dieses Ereignis.

Boel Ulfsdotter beschrieb Persson Sarvestanis Werk in seiner Publikation Nahid Persson Sarvestani Towards A Liquid Authorship folgendermaßen: „Es stimmt, dass Persson in Four Wives, One Man durch Nahaufnahmen einen durchgängigen Eindruck von Intimität vermittelt. Indem Heda und seine Familienmitglieder direkt in die Kamera sprechen, entsteht eine Verbindung zwischen ihnen und den Betrachtenden, die die Privatheit ihrer Aussagen noch verstärkt. Wichtig ist, dass Persson Sarvestani niemals im Bild zu sehen ist und auch keine Kommentare aus dem Off zu hören sind. Jedes Familienmitglied erzählt seine eigene Geschichte in Form eines Monologs, manchmal im Gespräch mit den anderen, jedoch nie im direkten Austausch mit der Kamerafrau. Diese Gestaltung bewirkt, dass ihre Gedanken über ihre familiäre Situation umso kraftvoller und endgültiger erscheinen, insbesondere jene, die in Nahaufnahme direkt in die Kamera gesprochen werden“.

Kritik Das Lexikon des internationalen Films lobt Ein Mann und seine vier Frauen als „eindrucksvolle[n] Film einer iranischen Regisseurin, die am tragischen Familienschicksal auf die Situation der Frauen in islamischen Gesellschaften aufmerksam machen möchte.“

Literatur Boel Ulfsdotter: Hegemonic patriarchy and polygamy: Four Wives, One Man (2007). In: Nahid Persson Sarvestani Towards A Liquid Authorship. Edinburgh University Press, 2025, ISBN 978-1-47447-988-2. S. 53–60 Boel Ulfsdotter: Conclusion to Part One. In: Nahid Persson Sarvestani Towards A Liquid Authorship. Edinburgh University Press, 2025, ISBN 978-1-47447-988-2. S. 60–64 Boel Ulfsdotter: New narrative and formal interventions. In: Nahid Persson Sarvestani Towards A Liquid Authorship. Edinburgh University Press, 2025, ISBN 978-1-47447-988-2. S. 65–70

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Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 2007 Kategorie:Schwedischer Film Kategorie:Dänischer Film Kategorie:Norwegischer Film Kategorie:Dokumentarfilm Kategorie:Hochzeit im Film