Der Volkswagen Golf III (interne Typbezeichnung: 1H) ist ein Fahrzeugtyp der Kompaktklasse des Automobilherstellers Volkswagen, das zwischen Herbst 1991 und Ende 1997 (Variant Herbst 1993 bis Anfang 1999, Cabrio Herbst 1993 bis Mitte 2002) produziert wurde. Er ist die dritte Generation der Golf-Reihe. Insgesamt wurden 4.805.900 Exemplare gebaut.
Modellgeschichte Allgemeines mini|links|Heckansicht
Der Golf III löste nach fast neun Produktionsjahren seinen Vorgänger Golf II ab, basiert aber in wesentlichen Teilen noch auf dessen Konstruktion, etwa bei den Motorblöcken, der Fahrzeugelektrik und den Ausstattungsvarianten. Auch das Package blieb im Wesentlichen gleich; Länge, Breite und Radstand weichen nur wenig voneinander ab. Allerdings wurde die Karosserie im Vergleich zum Vorgänger stark abgerundet, die Linienführung stammt von Gert Volker Hildebrand, abgerufen am 14. April 2021. und das Fahrzeug war erheblich schwerer.
Die wesentlichen Fortschritte gegenüber seinem Vorgänger betreffen insbesondere die passive Sicherheit mit verbessertem Crashverhalten durch verstärkte Fahrgastzelle und Türen. Außerdem waren mit dem Golf III in dieser Modellreihe erstmals Airbags verfügbar. Ebenso wurden mehr wiederverwertbare Materialien verwendet sowie vorgefertigte Modulgruppen eingesetzt, um die Fahrzeugmontage zu beschleunigen. Das Motorenangebot wurde durch die starken und sparsamen TDI-Dieselmotoren sowie die VR6-Ottomotoren erweitert, womit im Golf III erstmals Sechszylindermotoren in einem Kompaktwagen verfügbar waren. Auch eine Kleinserie mit Elektroantrieb wurde als Golf CityStromer speziell für Energieversorger gefertigt.
Außer in den Karosserievarianten seines Vorgängers – der drei- und fünftürigen Schräghecklimousine – war der Golf III ab Mitte 1993 unter der Modellbezeichnung Variant erstmals auch als Kombinationskraftwagen erhältlich. Ebenso diente er als Basis für das ab Sommer 1993 verfügbare zweite Golf Cabriolet, das vorher noch auf dem ersten Golf basiert hatte. Auch eine Stufenhecklimousine wurde wieder angeboten, diese hieß in Nordamerika weiterhin VW Jetta, in Europa jedoch VW Vento. Während der Bauzeit wurden immer wieder befristet Sondermodelle angeboten.
Der Golf III schrieb die Erfolgsgeschichte der Golf-Reihe fort. Die Gestaltung seiner Fahrzeugfront mit den mandelförmigen Scheinwerfern ist eines der wesentlichen Erkennungsmerkmale dieser Generation. Zudem markiert er den Übergang von eher einfacher zu durchweg gehobenerer Fahrzeugausstattung in der Kompaktklasse. Zu den Kritikpunkten am Golf III gehören nachlässige Verarbeitung (so genannter „Lopez-Effekt“) sowie punktuelle Neigung zu Korrosion, insbesondere in den ersten Baujahren und speziell im Vergleich zu seinem Vorgänger.
Die Schrägheckvariante des Golf III wurde im Herbst 1997 und damit nach relativ kurzer Bauzeit durch seinen Nachfolger, den Golf IV, ersetzt. Der Variant wurde noch bis zum Frühjahr 1999 produziert. Das Cabriolet wurde Mitte 1998 überarbeitet und optisch an den Golf IV angepasst. Seine Produktion lief erst Anfang 2002 aus.
Am 31. Dezember 2008 waren in Deutschland noch 1.137.614 Wagen dieses Typs zugelassen.
Übersicht mini|Golf III GTD
1991 November: Vorstellung des neuen Modelles. Zunächst standen sieben Motoren zur Wahl: 1,4 l 44 kW (60 PS); in Österreich 40 kW (55 PS) 1,8 l 55 kW (75 PS) bzw. 66 kW (90 PS) 2,0 l GTI 85 kW (115 PS) 2,8 l VR6 128 kW (174 PS) 1,9 l D 47 kW (64 PS) 1,9 l TD 55 kW (75 PS) mit Oxidationskatalysator
Bei allen Modellen von 47 kW (64 PS) aufwärts war eine Servolenkung Serie.
Der Golf III ist in den Ausstattungsvarianten CL (Comfort Luxus), GL (Gehobener Luxus), GT (Grand Turismo), GT Special, GTI und VR6 erhältlich. Der 55-kW-(75-PS)-Turbodiesel wurde mit GT-Ausstattung als GTD vermarktet (nicht jedoch die später lancierten TDIs).
Der CL war die Einstiegsversion und ist durch unlackierte schwarze Stoßfänger und Außenspiegelgehäuse zu erkennen. Der GL war die komfortorientierte Version mit Velourssitzen (hintere Bank geteilt umklappbar), elektrisch verstell- und beheizbaren Außenspiegeln, Zentralverriegelung und mit partiell in Wagenfarbe lackierten Stoßfängern. Der GT hat serienmäßig ein 14″-Fahrwerk (CL und GL unter 66 kW/90 PS anfangs nur 13″) mit strafferer Dämpfung, Doppelscheinwerfer à la GTI, Sportsitze vorne, Drehzahlmesser und einen Bordcomputer, bei VW Multifunktionsanzeige (MFA) genannt. Von außen ist der GT durch die hellgrau abgesetzten unteren Stoßstangenflächen und durch einen Heckspoiler erkennbar. Der GT Special hat eine nochmals verbesserte Ausstattung und fällt unter anderem durch lackierte Stoßfänger, weiße Blinker vorne und abgedunkelte Heckleuchten auf. GTI und VR6 bauen auf dem GT Special auf und haben wie der GL die Anbauteile in Wagenfarbe, zudem gehörten 15″-Leichtmetallräder, Lederlenkrad, elektrische Fensterheber, Kotflügelverbreiterungen und anderes zur serienmäßigen Ausstattung. Bei sämtlichen Varianten wurde die Serienausstattung im Laufe der Jahre in vielen Details aufgewertet.
GTI, GTI 16V (ab 1993 erhältlich) und der VR6 haben serienmäßig eine geänderte Servolenkung, eine 15 mm tiefer gelegte Karosserie (Plus-Fahrwerk) mit modifizierten Stabilisatoren, Querlenkern, Radlagergehäusen, Antriebswellen und Domlagern. Es ist an den Fünflochrädern und den hinteren Scheibenbremsen zu erkennen. Als einzige Dieselvariante hatte auch das Sondermodell GTI-TDI mit 81 kW (110 PS] das Plus-Fahrwerk. 16V (2,0 l mit 110 kW/150 PS) und VR6 erhalten serienmäßig ein integriertes ABS/EDS-System (Antiblockiersystem mit elektronischer Differenzialsperre bis 30 km/h), das beim GTI 8V gegen Aufpreis lieferbar war.
Die vom Polo 6n bekannte Version „Harlekin“, welche sich durch die bunten Karosserieteile auszeichnet, gab es beim Golf III auch, jedoch nur in den USA und Kanada aus mexikanischer Produktion, limitiert auf 264 Stück.
1992 Sondermodelle: Europe Fahrer- und Beifahrer-Airbag nun ab Werk als Extra erhältlich; Fahrzeuge ohne serienmäßige Airbags konnten in den Werkstätten mit einem (nicht per Diagnosesystem überprüfbaren) fahrerseitigen Airbag nachgerüstet werden. Umfangreiche Rückrufaktion (u. a. Airbags) Stufenheckversion Vento Weitere Motoren: 1,6 l 55 kW (75 PS) (statt 1,8 mit Schaltgetriebe in Limousine ab Ende 1992; 1,8 l weiterhin lieferbar mit Automatikgetriebe sowie im Cabriolet, Variant und Vento) 2,0 l GTI 16V 110 kW (150 PS)
1993 Kombiversion Golf Variant Neuer Golf Cabrio auf Basis des Golf III Weitere Motoren: 1,8 l 66 kW (90 PS) jetzt auch mit Allradantrieb Syncro 1,9 l TDI 66 kW (90 PS) mit Direkteinspritzung 2,8 l VR6 jetzt auch mit Automatikgetriebe erhältlich.
1994 Sondermodelle: Pink Floyd Savoy Highline GTI Edition New Orleans Version Ecomatic (47 kW/64 PS Wirbelkammer-Diesel) mit Schwungnutzautomatik Elektronische Wegfahrsperre wird Serienausstattung Neues Topmodell wird der VR6 mit aufgebohrtem 2,9 l Motor, ausschließlich als Syncro (= Allradantrieb) und mit 140 kW (190 PS). Die deutsche Bundeswehr beschafft den VW Golf III als „Pkw leicht“ in bronzegrün (RAL 6031). Weiterer Motor: 1,6 l 74 kW (100 PS)
1995 Sondermodelle für Deutschland: CL Extra Avenue VR6 Edition Rolling Stones Colour Concept (in den Wagenfarben Rot, Gelb, Blau, Grün oder Schwarz mit Recaro-Lederausstattung in Schwarz oder entsprechender Außenfarbe) Movie Änderungen ab Herbst 1995: Ganzflächig in Wagenfarbe lackierte Stoßfänger und abgerundete seitliche Blinkleuchten in den vorderen Kotflügeln an allen Modellen Airbag wird Serienausstattung. Neue bzw. überarbeitete Motoren: Elektro-Golf „Citystromer“ mit 17,6 kW 1,9 l SDI 47 kW (64 PS) und direkter Einspritzung. 1,4 l 44 kW (60 PS) und 1,6 55 kW (75 PS) jetzt mit Saugrohr- statt Zentraleinspritzung.
1996 Sondermodelle: Bon Jovi 20 Jahre GTI Neuer 1,9 l TDI (erkennbar an dem Typenschild mit einem roten Fähnchen am „I“) mit 81 kW (110 PS) und 235 Nm als stärkster Diesel-Motor. Neues ABS ohne Bremskraftregler an der Hinterachse, die Räder werden vom Antiblockiersystem elektronisch einzeln geregelt. Technische Neuerungen für das Modelljahr 1997: Seitenairbags für die Vordersitze als Extra verfügbar. Kühlflüssigkeit jetzt G 12 (rosa) statt G 11 (blaugrün). Bei den Wirbelkammer-Saug- (MKB: 1Y) und Turbodieselvarianten (MKB: AAZ) entfällt der mechanische Kaltstartzug am Fahrerplatz. September: ABS für alle Modelle serienmäßig.
1997 Die Ausstattungsvarianten Trendline und Comfortline ersetzen in Deutschland GT und GL. CL entfällt, ersetzt durch namenlose Basisversion, im Prospekt „Der Golf“ oder „Der Golf in der Basis-Version“ genannt (Stoßfänger Wagenfarbe, schwarze Seitenleisten, 8-Loch Stahlfelgen vom Polo 6N, orange abgerundete Blinker) Die Modellvariante GT Special erhält den 74 kW/100 PS Benziner – unter anderem am Doppelrohr-Auspuff und diversen anderen Modifikationen zu erkennen. Sondermodelle: Joker (elektrisch bedienbares Glasschiebe-/Ausstelldach, Beifahrer-Airbag, Instrumenteneinsatz mit silberfarbenen Zifferblättern, schwarzen Zahlen und roten Zeigern, grüne Wärmeschutzverglasung, abgedunkelte Heckleuchten, weiße Blinkleuchten vorn, in Wagenfarbe lackierte Außenspiegelgehäuse, Radioanlage „alpha“ mit zwei Lautsprechern) Family (ersetzt Europe) Wilder Süden regional, in Kooperation mit SDR 3 (dem „Radio für den Wilden Süden“) Variant Yachting (bis zum Auslaufen der Baureihe) Otmar Alt Art-Edition (auf 1000 Fahrzeuge limitierter GT Special mit spezieller Teillederausstattung inkl. Sitzheizung und Seitenairbags) mit 1,6 Ottomotor (74 kW/100 PS) oder 1,9 TDI Diesel (81 kW/110 PS) Dezember 1997: Ende der Produktion der Golf-Limousine nach sechs Jahren und 4.663.438 gebauten Einheiten, davon 4.085.300 als Golf Limousine. Einzelne Exemplare wurden erst Anfang 1998 erstmals zugelassen.
1998 Facelift des Cabrios, das Aussehen ist nun an den Golf IV angelehnt.
1999 April: Die Produktion des Golf III Variant wird mit Ende des Modelljahres 1999 eingestellt. Der Nachfolger auf Basis des Golf IV folgte im Mai für das Modelljahr 2000.
2002 Januar: Produktionsstopp des Golf III Cabrio.
Ausstattungsvarianten und Motorisierungen Golf TDI Nachdem 1987 Fiat als erster Hersteller im Modell Fiat Croma TD i.d. einen turboaufgeladenen Dieselmotor mit Direkteinspritzung und einer Leistung von herausgebracht hatte, folgte 1989 der Audi 100 mit einem 2,5-Liter-Motor, fünf Zylindern und Leistung. Das Konzept erhielt bei Volkswagen die in Deutschland geschützte Marketingbezeichnung TDI. Erstmals wurde eine 1,9-Liter-Variante mit vier Zylindern ab 1992 im Audi 80 eingesetzt, ab 1993 dann im Golf III als Golf TDI. Der Motor mit Verteiler-Einspritzpumpe erreichte eine Leistung von und 202 Nm Drehmoment. Damit hatte VW in der Golf-Klasse wieder einen konkurrenzfähigen Dieselmotor im Angebot, denn der 55-kW-(75-PS)-Wirbelkammerturbodiesel mit „Softturbo“-Charakteristik konnte weder von der Drehfreudigkeit noch vom Verbrauch her überzeugen.
Die Einführung des TDI markierte für den Golf einen Meilenstein: Erstmals gab es hier einen stärkeren Dieselmotor, bei dem noch dazu das lästige Vorglühen so gut wie entfiel. Dazu kam dank des höheren Wirkungsgrades ein deutlich geringerer Verbrauch als bei konventionellen Dieseln, der jedoch zu Lasten der winterlichen Heizleistung ging. Auch war der Motorlauf wegen der Direkteinspritzung etwas rauer, und das insgesamt geringere Drehzahlniveau musste durch ein sehr lang übersetztes Getriebe ausgeglichen werden. Optisches Erkennungsmerkmal des TDI war das charakteristische nach unten gebogene Doppelendrohr des Auspuffs.