Der Golf I ist ein Automodell der Marke Volkswagen der Volkswagenwerk AG und kam im Frühjahr 1974 auf den Markt. Zusammen mit dem Mitte 1973 präsentierten Passat führte der Golf den Volkswagenkonzern aus der ab Anfang der 1970er Jahre bestehenden Absatzkrise. Nachdem andere Pkw-Hersteller bereits verschiedene Modelle mit Kompaktkarosserie und großer Heckklappe herausgebracht hatten, verhalf der Golf dieser Bauweise in Deutschland zum Durchbruch. Im VW-Programm sollte der Golf den konstruktiv noch aus den 1930er Jahren stammenden VW Käfer ersetzen, der jedoch noch bis 1985 parallel im deutschen VW-Angebot blieb.
Von Mai 1974 bis August 1983 wurden sechs Millionen Golf-Limousinen gebaut, davon eine Million mit Dieselmotor. Zusätzlich produzierte Karmann von März 1979 bis August 1993 knapp 389.000 Cabriolets. Der vom Golf I abgeleitete Pick-up VW Caddy wurde 200.000-mal hergestellt.Auto Bild Heft 24 vom 18. Juni 1999
Der Werkscode des Golf I lautet Typ 17, der Werkscode des Golf I Cabriolet Typ 155.
Modellgeschichte Entwicklung mini|links|Erste Ausführung, mit geknickter Linie im Heckblech, auch „Schwalbenschwanz“ genannt Unter dramatischen Bedingungen entwickelt, führte der Golf zusammen mit dem Passat den Volkswagenkonzern aus der Krise. Bis Ende der 1960er Jahre hatte VW-Chef Heinrich Nordhoff auf den Käfer und die davon abgeleiteten Konstruktionen mit luftgekühlten Heckmotoren gesetzt, die die Kunden immer weniger akzeptierten.
Nordhoffs Nachfolger Kurt Lotz schlug den Weg zu einem neuen Konzept mit wassergekühlten Motoren und Frontantrieb ein, nachdem Importmarken wie Fiat, Renault, Peugeot und Simca bereits in den 1960er Jahren kompakte Modelle mit Frontantrieb präsentiert hatten, Citroën mit dem 2CV bereits 1949. Die Vorbereitungen zur Serienproduktion des von Ferdinand Piëch bei der Porsche KG entwickelten Käfer-Nachfolgers EA 266 mit Mittelmotor (der wassergekühlte Motor war längs unter der Rückbank eingebaut) stoppte der neue VW-Chef Rudolf Leiding Ende 1971. Bereits 1969 wurde der EA 276 gebaut, ein Versuchsträger mit Frontantrieb und luftgekühltem Boxermotor, der als EA 337 zum Golf weiterentwickelt wurde. Dabei war Leiding auch von diesem Entwurf anfangs nicht überzeugt, wie sich der Designer Giorgetto Giugiaro später erinnerte: „Leiding kam im Prinzip zu spät, um den Golf noch verhindern zu können.“ Der Designer Giorgetto Giugiaro gab dem Golf sein markantes Aussehen, Anpassungen wie z. B. der Wechsel auf Rundscheinwerfer nahm bei VW Herbert Schäfer vor.
Die technologische und personelle Kompetenz für den Golf kam weitestgehend von der Auto Union GmbH bzw. der NSU Motorenwerke AG: Insbesondere die Entwickler von NSU, die 1969 zur Audi NSU Auto Union AG fusionierte, wie Entwicklungschef Hans-Gerd Wenderoth und Werner Holste, entwickelten mit Franz Hauk, Motorenentwickler bei Auto Union in Ingolstadt, den ersten Golf.
Die Neukonstruktion mit Frontantrieb und Wasserkühlung war völlig anders als der Käfer. Bei gleichem Radstand war der Golf beträchtlich kürzer, und dennoch bot er wesentlich bessere Platzverhältnisse und praktischere Einstiegs- und Belademöglichkeiten. An der vorteilhaften Raumaufteilung hatte der quer eingebaute Frontmotor seinen Anteil. Das Fahrwerk hatte gegenüber dem etwas eher herausgebrachten Scirocco eine weichere Stoßdämpferkennung, hinten weniger harte und auch etwas längere Federn und die gesamte Bodengruppe lag um etwa 20 mm höher. Wie schon frühere VW-Modelle hatte auch der Golf eine Schnittstelle zur Computerdiagnose.Vollhecklimousine Golf. In: Kraftfahrzeugtechnik 12/1974, S. 378–380. Hinten hatte der Golf eine Verbundlenkerachse.
Für den im Mai 1974 vorgestellten Golf standen zwei Motoren zur Wahl: ein 1,1-l-Motor mit 50 PS (37 kW) wie im Audi 50 und ein 1,5-l-Motor mit 70 PS (51 kW) aus dem Audi 80. Der 1,1-l-Motor war eine ausgesprochen rationelle Konstruktion, denn er arbeitete ohne Zwischenwelle: Der Verteiler wurde direkt von der Nockenwelle angetrieben und die Ölpumpe direkt von der Kurbelwelle. Der Wasserpumpenantrieb war gleichzeitig Spannrolle für den Zahnriemen des Nockenwellenantriebs. Im Unterschied zum 1,5-Liter-Motor hatte er außerdem einen Querstromzylinderkopf und war nach vorn geneigt in den Golf eingebaut, während die größeren Motoren nach hinten geneigt eingebaut waren.
Am 29. März 1974 begann die Serienproduktion im Werk Wolfsburg.Wolfsburger Nachrichten. Ausgabe vom 8. August 2017. Der Verkaufserfolg war vom ersten Tag an groß. Der Golf galt seinerzeit selbst mit der kleinsten Motorisierung als sportlich. Trotzdem waren die Motoren sparsam, ein Kriterium, das beim Markteintritt unter dem Eindruck der ersten Ölkrise 1973/74 eine hohe Bedeutung hatte. So betrug der Normverbrauch des 50-PS-Motors nach DIN 70030 6,4 l pro 100 km bei 90 km/h und konnte mit der Formel E-Ausstattung auf 5,2 l gesenkt werden. Die Ölkrise steigerte eher die Nachfrage nach Kompaktwagen, wie sie bis dahin fast ausschließlich aus Italien oder Frankreich gekommen waren: als geräumige Schräghecklimousinen mit drei oder fünf Türen.
1976 wurde der Golf I als Rabbit in den USA vorgestellt.VW-Golf-1976-USA.pdf, autocatalogarchive.com Das Design an Front und Heck, sowie das Ausstattungsniveau unterschieden sich deutlich von der europäischen Ausführung. Aufgrund schärferer Crashvorschriften waren voluminösere Stoßfänger vonnöten, wodurch das Auto auch länger war. Hinzu kamen wegen anderer Abgasvorschriften bereits ab 1977 Motoren mit der mechanischen Benzineinspritzung K-Jetronic von Bosch.
Seit dieser Zeit führt der Golf die deutsche Zulassungsstatistik an, mit einer kurzen Unterbrechung durch den Mercedes-Benz W 123 im Jahr 1980.
Modellpflege
Eine wichtige Entwicklungsetappe war die Weiterentwicklung des vom Audi 80 stammenden 1,5-l-Motors. 1975 wurde ein Motorblock gewählt, bei dem sich zwischen den Laufbuchsen kein Kühlwassermantel mehr befindet, sodass ein Aufbohren auf ein Volumen von 1588 cm³ möglich wurde. Die Leistung dieses 1,6-l-Motors betrug 55 kW (75 PS), er stellte auch die Grundlage für die weitere Leistungssteigerung im Golf GTI dar. Schon 1978 wurde der herkömmliche 1,6-l-Motor etwas im Hub verringert, sodass sich 1458 cm³ ergaben. Durch diese Maßnahme ging zwar die Leistung wieder auf 51 kW (70 PS) zurück, doch die Laufruhe verbesserte sich durch die damit erreichte Kurzhubigkeit erheblich.
Im Sommer 1978 wurde der Golf I leicht überarbeitet. Erkennbar sind die Fahrzeuge an energieabsorbierenden Kunststoff-Stoßfängern. Weiterhin gab es damals ein sogenanntes „Geräuschpaket“ für alle Modelle, das diverse Maßnahmen zur Verringerung der Abroll- und Triebwerksgeräusche beinhaltete. Zudem wurde der Rostschutz erheblich verbessert, da frühe Golf-Modelle infolge des damals verwendeten minderwertigen Recycling-Stahlblechs und der vom VW-Vorstand am 19. Februar 1974 getroffenen Entscheidung, keine Hohlraumkonservierung einzusetzen, schnell korrodierten.
Das war bedingt durch einen relativ hohen Kupferanteil im Metall, der zu interkristalliner Korrosion führte. Mitte der 1970er-Jahre herrschte aufgrund weltweiter Überkapazitäten ein ruinöser Wettbewerb auf dem Stahlmarkt und führte zur Stahlkrise. Mitunter wurde angelieferter Stahlschrott nicht mehr fraktioniert: Eingeschmolzene Kabelbäume von Fahrzeugwracks führten dann zu einem hohen Kupferanteil im produzierten Stahl. Aber auch Anteile von Nickel, Aluminium und Chrom verunreinigten den Stahl. Dieser war in der Konsequenz dann sehr korrosionsanfällig.
Im August 1980 kam es zu einer weiteren Überarbeitung. Der Golf erhielt breite Rückleuchten und eine neue Armaturentafel. Darüber hinaus wurde das Modellprogramm neu geordnet: Die Ausstattungsvarianten waren nun C, CL und GL. Das US-Modell bekam einen eigenen Motor mit 1716 cm³ Hubraum und K-Jetronic, der 55 kW (75 PS) leistete.
Ab Juni 1982 wurde mit dem Einbau von vorderen Radhausschalen (Innenkotflügel zum Schutz vor Steinschlag) der Korrosionsschutz nochmals erweitert. Der GTI war nun mit fünf Türen lieferbar.
Die Vorstellung der Sondermodelle Pirelli-GTI sowie LX und GX kündigte das Ende der Fertigung des Golf I in Europa an: Nach über 6 Millionen produzierter Einheiten wurde im August 1983 der Nachfolger VW Golf II vorgestellt.
Golf Diesel mini|Rekordfahrzeug VW Golf Diesel Im September 1976 erschien der Golf Diesel, ein damals für Deutschland neues Konzept, den als schwerfällig, laut und unkultiviert geltenden Dieselmotor in einem Kompaktwagen unterzubringen. Bis zur Vorstellung des Dieselmotors für den Golf waren Dieselmotoren außer bei Peugeot in Kompaktwagen unüblich. Der Golf Diesel mit einer Leistung von 50 PS/37 kW war mit einem DIN-Verbrauch von 6,5 Liter/100 km einer der sparsamsten Kompaktwagen der 1970er-Jahre.
Der Dieselmotor wurde aus einem bekannten Otto-Rumpfmotor (EA827) von Audi abgeleitet. Gegenüber diesem wurden die Kühlung sowie einige Komponenten wie Kurbelwelle, Pleuel, Kolben, Kolbenbolzen, Zylinderkopf und Zahnriemen, die beim Dieselmotor einer höheren Belastung standhalten müssen, verstärkt. Der Zylinderkopf wurde mit Wirbelkammern versehen. An der Stelle des beim Diesel nicht erforderlichen Zündverteilers wurde eine Vakuumpumpe für den Bremskraftverstärker platziert. Die Verteiler-Einspritzpumpe (VESP) wurde über den vorhandenen Zahnriementrieb der Nockenwelle betrieben. Damit war der Dieselmotor nicht größer als der 1,5-l-Ottomotor.
Der Dieselmotor hatte zunächst einen Hubraum von 1,5 Liter mit einer Leistung von 50 PS (37 kW), dann 1,6 Liter mit 54 PS (40 kW). Das Laufverhalten (Geräusche, Vibrationen) insbesondere der beiden ersten Dieselmotor-Generationen konnte aber noch nicht befriedigen. Der Turbolader des ersten 70-PS-Dieselmotors brachte dann über die Dämpfung im Auspufftrakt mehr Geräuschkomfort.
Golf GTI Im September 1975 präsentierte Volkswagen auf der IAA den ersten Golf GTI. Er war mit dem 110 PS (81 kW) starken Motor des Audi 80 GTE ausgestattet, hatte innenbelüftete Scheibenbremsen vorn und einen zusätzlichen Ölkühler. Die Vorderachse erhielt einen Stabilisator und an der Hinterachse wurde ein lastabhängiger Bremskraftregler montiert. Unter Berücksichtigung seiner Leistung erhielt der GTI von Anfang an einen Bremskraftverstärker. Das Sportlenkrad war mit drei gelochten Speichen versehen – der tiefe Pralltopf mit der Hupenbetätigung wurde bald als „Spucknapf“ bezeichnet. Der Schaltknauf war als Golfball gestaltet. Kotflügel-Verbreiterungen aus Kunststoff, ein größerer Frontspoiler, Reifen der Größe 175/70 HR 13, ein rot-gerahmter Kühlergrill und die mit schwarzer Klebefolie eingefasste Heckscheibe waren weitere Kennzeichen des damals stärksten Golf-Modells.
Der Golf GTI bot einen leistungsstarken Motor in einem für die breite Masse der Autofahrer erschwinglichen kompakten und alltagstauglichen Auto. Ausgestattet mit der mechanischen Einspritzanlage K-Jetronic von Bosch, einem 1,6 Liter-Motor und 110 PS (81 kW) Leistung bei einem Leergewicht von 810 kg konnte der Golf GTI gut mit den Fahrleistungen der Konkurrenzmodelle Ford Escort RS und Opel Kadett GT/E mithalten. Die Höchstgeschwindigkeit wurde mit 182 km/h, die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h mit 9,2 Sekunden angegeben.