mini|360px|Candi Jabung (2017)

Candi Jabung ist ein buddhistischer Ziegeltempel aus dem 14. Jahrhundert in der Spätphase des Majapahit-Reiches in der heutigen Provinz Ost-Java, Indonesien. Der Tempel besteht aus rot gebrannten Ziegelsteinen und gilt als eines der am besten erhaltenen Beispiele für die Backsteinarchitektur der Majapahit-Zeit. In der altjavanischen Dichtung Nagarakretagama erscheint die Anlage unter dem Namen Bajrajinaparamitapura und wird dort als Station einer Reise von König Hayam Wuruk durch Ost-Java erwähnt. Auch im Pararaton wird sie als Sajabung genannt und mit einem Memorialtempel für ein Mitglied der Majapahit-Elite in Verbindung gebracht. Lage Candi Jabung befindet sich im Dorf Jabung Sisir im Distrikt Paiton, Regierungsbezirk Probolinggo, südlich der Küstenstraße zwischen Surabaya und Situbondo. Die Anlage liegt rund fünf Kilometer östlich der Kleinstadt Kraksaan und ist leicht erhöht gelegen, in etwa acht Metern Höhe über dem Meeresspiegel. Die Umgebung ist landwirtschaftlich geprägt, mit Bewässerungskanälen, Feldern und kleineren Dorfwegen.

Geschichte Die über dem Haupteingang erhaltene Inschrift 1276 Sakam' (entspricht 1354 n. Chr.) weist auf die Fertigstellung des Tempels in der Mitte des 14. Jahrhunderts hin, einer Phase politischer und kultureller Blüte des Majapahit-Reiches.

Nach einer lokalen Überlieferung und Angaben der Denkmalpflege (MPPM Timur) wurde der Tempel als Memorialstätte für Bhra/Bra Gundul errichtet, einen Angehörigen der königlichen Familie Hayam Wuruks, der im Pararaton im Zusammenhang mit dem Ortsnamen Sajabung erwähnt wird. Die Anlage diente zugleich als Ort der Ahnenverehrung, den Hayam Wuruk auf seiner Reise durch das östliche Majapahit-Gebiet aufsuchte.

Architektur mini|Detail eines Kala-Kopfes über einer Nische

mini|Reliefdarstellung am Tempelkörper

Die Tempelanlage besteht aus dem Haupttempel und einem kleineren Bauwerk im Südwesten, dem sogenannten Candi Sudut. Dieser Eck-/Torturm misst 2,55 Meter pro Seite und ist 6 Meter hoch. Er bestand vollständig aus rot gebrannten Ziegelsteinen.

Der Haupttempel ist ein nahezu vollständig erhaltener Backsteinbau mit einer Grundfläche von 13,13 × 9,60 Metern und einer Höhe von 16,20 Metern. Die Westseite zeigt einen vorspringenden Abschnitt, der die einstige Treppenanlage zum Haupteingang markiert. Der Tempel gliedert sich in die vier klassischen Elemente batur (Sockel), Fuß, Körper und Dach.

Batur Der Batur misst 13,11 × 9,58 Meter und trägt einen schmalen Umgang. Hier finden sich zahlreiche Reliefs des Alltagslebens: Einsiedler mit Schüler zwei Männer an einem Brunnen runde Medaillons (medalion) Löwenfiguren eine Frau auf einem Fisch (Sri Tanjung)

Fuß Der Fuß besteht aus zwei Zonen: Unterer Fuß Beginnend mit einem Rahmenprofil und floralen Motiven (u. a. daun padina). Darüber liegt eine Fläche aus rot gebrannten Ziegeln, die aus rund 30 Lagen besteht (ca. 1,2 Meter Höhe), verziert mit Medaillons und pflanzlichen Ornamenten. Oberer Fuß Ähnlich gestaltet, jedoch mit padma-Motivik (Lotus). An mehreren Stellen treten vertikale Paneele von etwa 50 cm Breite auf, die mit Kala-Köpfen und Blattornamenten geschmückt sind.

Körper Der Körper ist nahezu zylindrisch, jedoch achteckig gebrochen. Die Reliefs zeigen Menschen, Häuser, Pflanzen sowie die Darstellung von Sri Tanjung, einer Frauengestalt aus der hindu-javanischen Literatur, die auf einem Fisch reitet. Ein vergleichbares Motiv findet sich in Penataran, Surawana und in der Toranlage von Bajang Ratu.

Durch die Westtür gelangt man in die quadratische Hauptkammer (2,60 × 2,58 Meter, 5,52 Meter hoch). Im Inneren befindet sich ein steinerner Sockel, auf dem vermutlich eine buddhistische Kultfigur stand. Über dem Türsturz ist ein Andesitblock mit Rosettenmuster eingelassen, der die Inschrift 1276 Saka trägt.

Dach Die obere Dachzone ist weitgehend zerstört. Reste deuten darauf hin, dass der Tempel ursprünglich mit einer stupaähnlichen Dagoba bekrönt war. Erhalten sind Teile der floralen sulur-Motive.

Ikonographie und Bedeutung Die Sri-Tanjung-Darstellung am Südostbereich des Körpers gehört zu den wichtigsten ikonographischen Motiven des Tempels. Nach der Interpretation des Archäologen Aries Purwantiny (MPPM Timur) symbolisiert diese Szene die Treue einer Frau zu ihrem Ehemann. Die Figur Sri Tanjung ist im javanischen Kulturkreis eng mit Vorstellungen von Loyalität, Hingabe und moralischer Reinheit verbunden.

Restaurierung Zwischen 1983 und 1987 erfolgte eine umfassende physische Restaurierung. Dabei wurde das Areal um insgesamt 20.042 m² erweitert und das Gelände neu strukturiert. Die Maßnahmen wurden durch mehrere Institutionen koordiniert, darunter:

Proyek Pemugaran dan Pemeliharaan Purbakala Jawa Timur Direktorat Perlindungan dan Pembinaan Purbakala Jakarta Kantor Wilayah Departemen Pendidikan dan Kebudayaan Jawa Timur Suaka Peninggalan Sejarah dan Purbakala Jawa Timur Regierung des Kabupaten Probolinggo

Die Sanierung umfasste die Stabilisierung des Ziegelmauerwerks, die Rekonstruktion bestimmter Reliefzonen sowie die Sicherung des Geländes.

Denkmalschutz Der Tempel ist als nationales indonesisches Kulturdenkmal (Cagar Budaya Indonesia) eingestuft, besitzt die Registrierungsnummer CB.426 und ist durch zwei Ministerialverordnungen geschützt (SK No.177/M/1998 und SK No.205/M/2016). Die Verwaltung erfolgt durch Museum dan Cagar Budaya des indonesischen Kulturministeriums.

Heutige Nutzung Der Tempel ist öffentlich zugänglich und wird regelmäßig gepflegt. 2021 fand eine Waisak-Feier der Majelis Buddhayana Indonesia auf dem Tempelvorplatz statt, unterstützt vom Landkreis Probolinggo.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Buddhistischer Tempel in Indonesien Kategorie:Kulturdenkmal (Indonesien) Kategorie:Südostasiatische Geschichte Kategorie:Heiligtum (Buddhismus) Kategorie:Buddhistischer Tempel in Asien Kategorie:Java (Insel) Kategorie:Jawa Timur