mini|Johanniskirche, ehemalige Klosterkirche des Franziskanerklosters Löbau mini|Chorraum mit Gewölbe mini|Schiff Das Franziskanerkloster Löbau war eine Niederlassung des Franziskanerordens (, deutsch: Orden der Minderen Brüder, Ordenskürzel OFM) in Löbau im Landkreis Görlitz (Sachsen). Das Kloster wurde wohl nach 1320 gegründet und gehörte zur Kustodie Goldberg der Sächsischen Franziskanerprovinz. Um 1558 wurde das Kloster aufgelöst und die Klostergebäude der Stadt Löbau übergeben.
Das Franziskanerkloster Löbau in Sachsen darf nicht mit dem Franziskanerkloster Löbau in Westpreußen (heute Lubawa in der Woiwodschaft Ermland-Masuren in Polen) verwechselt werden, das zur Kustodie Preußen der Sächsischen Franziskanerprovinz gehörte.
Lage Das Kloster lag im östlichen Teil der Altstadt von Löbau, nahe der Stadtmauer. Die Gebäude waren z. T. in die Stadtmauer integriert. Das Kloster hatte das Patrozinium Heilig Kreuz. Die ehemalige Klosterkirche, seit 1666/67 auch Johanniskirche genannt, ist heute profaniert und wird als Kulturzentrum von der Stadt genutzt. Von den Konventsgebäuden haben sich oberirdisch keine Reste erhalten.
Das geschichtliche Umfeld Nach Christian Ranacher im Sächsischen Klosterbuch war Löbau im 13. Jahrhundert ein eher unbedeutender Ort. Möglicherweise traten die Herren von Kittlitz als Stadtgründer auf. Das Land Budissin, die spätere Oberlausitz, war seit 1156 ein Lehen des Königreichs Böhmen. Zwischen 1253 und 1262 übernahmen die brandenburgischen Markgrafen die Landesherrschaft im Land Budissin, auf welche Weise ist nicht bekannt. Der brandenburgische Markgraf Otto IV. teilte das Land verwaltungsmäßig in zwei Vogteien, eine westliche Vogtei Bautzen (Land Budissin im engeren Sinne) und eine östliche Vogtei Land Görlitz. Die Grenze zwischen den beiden Vogteien verlief östlich von Löbau entlang des Löbauer Wassers, so dass Löbau nun – direkt westlich der Grenze gelegen – zur Vogtei Bautzen gehörte. Nach dem Aussterben der Askanier 1319/20 wurde König Johann von Böhmen von Kaiser Ludwig IV. mit dem Land Budissin belehnt. Allerdings hatte sein Schwager Heinrich I. von Jauer das Land Görlitz in Besitz genommen. Erst 1329 gelangte auch dieses Gebiet in den direkten Besitz des böhmischen Königs.
Schon die brandenburgischen Markgrafen versuchten in den direkten Besitz der aufstrebenden Städte in diesem Gebiet zu kommen. Löbau kam sehr wahrscheinlich noch unter den brandenburgischen Markgrafen in den direkten Besitz des Landesherrn, obwohl die Stadt erst 1320 als Königstadt bezeichnet wurde.
Klostergeschichte Das genaue Gründungsdatum und der Stifter des Franziskanerklosters in Löbau sind nicht (sicher) bekannt. Das Kloster soll nach dem Nekrologium der Görlitzer Franziskaner 1336 gegründet und geweiht worden sein, was sicherlich falsch ist. 1336 wurde das Kloster erstmals urkundlich erwähnt, als es einen Wald geschenkt bekam. Es ist daher älter als 1336. Lucius Teichmann gibt an, dass der Konvent schon 1316 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Nach seiner Aussage muss der Konvent aber erheblich älter sein und wurde wohl um ca. 1300 gegründet. Leider gibt er keine Referenz für diese angebliche Urkunde von 1316 an, die auch dem Autor des Artikels über das Löbauer Kloster im Sächsischen Klosterbuch (Christian Ranacher) nicht bekannt ist. Ist die Jahreszahl 1316 lediglich ein Lapsus und gemeint ist eigentlich die Urkunde von 1336? Christian Ranacher vermutet, dass der Konvent in Löbau im frühen 14. Jahrhundert bzw. im 1. Viertel des 14. Jahrhunderts gegründet wurde. Lars-Arne Dannenberg in seinem Übersichtsartikel über die Franziskaner in der Oberlausitz kommt zu dem Schluss, dass sich die Franziskaner in der Oberlausitz bevorzugt in Städten in königlichem bzw. landesherrlichem Besitz niedergelassen haben und vermutet daher, dass die Franziskaner erst im frühen 14. Jahrhundert oder sogar erst nach 1320 nach Löbau gekommen sind.
Nach dem von Lucius Teichmann vertretenen Gründungsdatum um 1300 wäre das Kloster auf jeden Fall noch in der Zeit der Herrschaft der brandenburgischen Markgrafen entstanden. Ob nun der Landesherr des Landes Budissin, also evtl. einer der brandenburgischen Markgrafen oder bereits König Johann der (Mit-)Stifter des Klosters in Löbau war, ist sehr unsicher. Auch hat sich keine Bestätigungsurkunde eines Landesherren erhalten wie etwa im Falle des Franziskanerklosters Lauban. In einer weitaus späteren Urkunde von 1513 bezeichnet sich allerdings der Rat der Stadt als „fundator“ (Gründer) des Klosters. Ob diese ca. 200 Jahre nach der mutmaßlichen Gründung geäußerte Behauptung des Rates der Stadt allerdings den Tatsachen entsprach, lässt sich mangels anderer Quellen nicht bestätigen. Das Gründungsdatum muss in jedem Fall deutlich vor die Zeit der ersten Erwähnung gesetzt werden, denn das Kloster war zum Zeitpunkt der Ersterwähnung bereits ein Guardianat und damit als vollbürtiger Konvent angenommen. Die Klosterkirche wurde vom Meißener Bischof Withego geweiht.
Die Stellung des neuen Konvents in der Ordenshierarchie des 14. Jahrhunderts ist nicht ganz klar. Im „Provinciale vetustissimum“ (um 1340) wird der Konvent als Bobavia unter der Kustodie Brandenburg (a. d. Havel) der Sächsischen Franziskanerprovinz aufgeführt. Auch das etwas spätere Verzeichnis „Liber conformitatum“, das um 1390 aufgezeichnet wurde, stellt Löbau (nun Lobaviae genannt) zur Kustodie Brandenburg. Auch der „Codex Araecoelis“ von 1418 führt Löbau unter der Kustodie Brandenburg auf. Erst das Klosterverzeichnis der Sächsischen Franziskanerprovinz über dem Chorgestühl des Görlitzer Franziskanerklosters von 1484 listet den Konvent in Löbau unter den Klöstern der Kustodie Goldberg auf. Nach seiner Lage in der Oberlausitz sollte der Konvent wie die anderen Franziskanerkonvente in der Oberlausitz zur Kustodie Goldberg gehört haben. Ob die Zuordnung des Konvents in Löbau zur Kustodie Brandenburg in den älteren Verzeichnissen nun einfach ein Irrtum ist oder auf eine ursprüngliche Verbindung des Konventes mit dem Franziskanerkloster in Brandenburg an der Havel hindeutet ist nicht zu klären. Schlager weist allerdings auch auf Fehler und Auslassungen in den beiden älteren Klosterverzeichnissen (Provinciale vetustissimum und Liber conformitatum) hin.
Nach Knothe blieb das Kloster immer klein und hatte auch zu besten Zeiten nicht mehr als acht Ordensbrüder. Nach dem Sächsischen Klosterbuch hielten sich dagegen um 1500 möglicherweise bis zu zwölf Ordensbrüder im Kloster auf. Auch die Zeitgenossen nahmen den Konvent wohl als eher unbedeutend wahr. Bei der Beilegung von Streitigkeiten zwischen den Franziskanern in Zittau und dem Rat der Stadt Zittau 1370 werden nur die Guardiane der Franziskanerklöster von Lauban, Bautzen und Görlitz genannt, aber nicht der Guardian des am nächsten gelegenen Konvents von Löbau. Auch fand in Löbau nicht ein einziges Provinzialkapitel der Sächsischen Franziskanerprovinz statt.
Lediglich ein einziges Mal finden wir – urkundlich dokumentiert – einen Guardian des Löbauer Konvents in höherem Auftrag unterwegs. Am 20. Juni 1419 ließ Guardian Franciscus Piper in Erfurt ein Transsumpt einer Bulle des Papstes Martin IV. vom 18. Januar 1283 durch den Hüter der Rechte und Freiheiten des Franziskanerordens, Richter und Dekan an der Erfurter Marienkirche Heinrich von Gerpstadt anfertigen. Die Bulle von Papst Martin IV. gestattete den Franziskanern, auch nicht dem Orden angehörige Personen zur Vertretung ihrer weltlichen Interessen zu ernennen.
Allerdings scheint das Kloster groß genug gewesen zu sein, dass die jährlichen Oberlausitzer Städtetage im Löbauer Kloster abgehalten werden konnten.
1429 soll die Stadt von einem „Mordbrenner“, einem Sympathisanten der Hussiten angezündet und fast gänzlich eingeäschert worden sein. 1431 eroberten die Hussiten die Stadt Löbau. Welche weitere Schäden dabei angerichtet wurden, und ob dabei auch das Franziskanerkloster beschädigt wurde, ist nicht überliefert.
Besitz, Stiftungen und Almosengaben 1336 beurkundet der Rat der Stadt Löbau, dass der Konvent unter seinem Guardian Hermann von Liegnitz einen Wald bei Kunewald geschenkt bekommen hat. Die Urkunde beweist, dass das Kloster in Löbau zu diesem Zeitpunkt bereits ein Guardianat war, also ein in gewissem Rahmen selbständiges Kloster mit gewähltem Guardian. Es hatte damit die eigentliche Gründungsphase, damals locus genannt, mit einem vom Provinzial eingesetzten Oberen (oder Praeses) bereits hinter sich. Dieser Wald war wohl ein sehr wichtiger Besitz des Klosters. Am 30. Dezember 1382 wurde in Görlitz Heinrich von Radeberg als Beschützer und Lehnsinhaber dieses Waldes eingesetzt, der dafür jährlich eine Lube Salz bekommen solle. Sollte er nach Löbau kommen, solle er vom Konvent verköstigt und sein Pferd versorgt werden. Am 13. April 1513 verzichtete der damalige Lehensinhaber des Waldes Kunwald Heinrich Schley auf das Schutzrecht und alle damit zugehörigen Befugnisse gegen eine Zahlung von drei Mark seitens des Konvents.
1459 verzeichnet das Rechnungsbuch der Stadt Löbau eine Ausgabe in nicht bestimmter Höhe an den Guardian für ein Anniversarium eines Bürgers.
1482 erhielten die Franziskaner von der Witwe Peter Richters einen Garten vor dem Zittauer Tor. Schon vorher hatten die Franziskaner zwei Gärten erhalten, einen großen und einen kleinen Garten. Um diese Gärten gab es Mitte des 15. Jahrhunderts eine Auseinandersetzung mit dem Rat der Stadt. 1483 erhielten die Ordensbrüder wahrscheinlich auch eine Mühle bei der Stadt. Ansonsten bekam der Konvent vom Rat der Stadt Zuwendungen in Form von Stoffen zum Anfertigen der Ordenskleidung sowie Schuhe. Aufgrund des Umfangs der Schuhstiftungen schätzt Christian Ranacher die Größe des Konvents auf etwa 10 Ordensbrüder, um 1500 auf nicht mehr als 12 Ordensbrüder.
1504 stiftete der Löbauer Meister Philipp Gortier aus Freude über die gelungene Reform (s.u.) den Brüdern jährlich eine Tonne Heringe unter der Bedingung, dass sie armen Leuten gegeben werden solle, falls die Brüder die Reform nicht mehr beachten sollten. Interessanterweise erhielt der Franziskanerkonvent in Bautzen von der Stadt Löbau für ein Kapital von 200 Mark einen jährlichen Zins von zwei Tonnen Heringen.
Anfang des 16. Jahrhunderts kam es dann zu einem Streit zwischen der Geistlichkeit der Löbauer Nikolaikirche und den Franziskanern. Auslöser des Streits war die Entscheidung der Bruderschaft der Schustergesellen gewesen, ihre religiösen Aktivitäten in die Klosterkirche zu verlegen. Der Pfarrgeistlichkeit gingen erhebliche Einnahmen verloren. Der Streit wurde am 12. Oktober 1513 durch Landvogt Christoph von Wartenberg dahingehend geschlichtet, dass die Messen und Opfergänge wie von Alters her wieder in der Pfarrkirche stattfinden sollten.
Hausstudium Das Kloster besaß um 1500 ein eigenes Hausstudium, wie die Nennung des Lesemeisters Valentinus Viberger zeigt.
Reform des Klosters