mini|Verfügbarer Haushaltseinkommen in Deutschland auf der Ebene der Landkreise (2022) Die Wirtschaft Bayerns zählt zu den stärksten in Deutschlands und der Europäischen Union. Mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von rund 791 Milliarden Euro im Jahr 2024 erwirtschaftete der Freistaat Bayern 18,4 % der gesamtdeutschen Wirtschaftsleistung und belegte damit bundesweit den zweiten Platz hinter Nordrhein-Westfalen. Das BIP pro Kopf liegt bei knapp 58.000 Euro und übertrifft damit alle anderen deutschen Flächenstaaten. Deutschlandweit hat Bayern über die letzten zwei Jahrzehnte die niedrigste Arbeitslosenquote verzeichnen könnten. Trotz verschiedener Krisen herrschte in den meisten Regionen Bayerns Mitte der 2020er Jahre weiterhin Vollbeschäftigung und in einem Drittel der Kreise und Städte Bayerns lag die Arbeitslosigkeit bei unter drei Prozent. Die bayerische Wirtschaft zeichnet sich durch eine ausgewogene Struktur aus, die hochindustrialisierte Kernbranchen, etwa Maschinenbau, Automobilindustrie und Elektrotechnik, mit einem leistungsfähigen Mittelstand sowie einen starken Dienstleistungssektor (z. B. führendes Gastgewerbe) verbindet. Insbesondere in der Hochtechnologie, der Luft- und Raumfahrt sowie der Informations- und Kommunikationstechnologie zählt Bayern zu den führenden Innovationsregionen Europas. Großunternehmen wie BMW, Siemens, Adidas, MAN oder Infineon haben hier ebenso ihren Sitz wie zahlreiche familiengeführte Weltmarktführer im ländlichen Raum.

Der wirtschaftliche Wandel vom strukturschwachen Agrarstaat hin zu einem exportorientierten Industriestandort vollzog sich in der Nachkriegszeit, dank aktiver Wirtschaftsföderung und der Ansiedlung von Flüchtlingen und Unternehmen aus der sowjetischen Besatzungszone. Nach der Wiedervereinigung hat sich die bayrische Erfolgsgeschichte fortgesetzt und zwischen 2000 und 2024 wurde das Wirtschaftswachstums Bayern unter allen deutschen Ländern nur von Berlin übertroffen. Außerdem zeichnet sich Bayern im bundesweiten Vergleich auch durch eine solide Haushaltsführung und niedrige Verschuldung aus. Gleichzeitig bestehen innerhalb des Landes beträchtliche regionale Unterschiede, zwischen dem wirtschaftlich hochentwickelten Oberbayern und wachstumsstarken Zentren wie München, Nürnberg oder Regensburg einerseits und strukturschwächeren Räumen Nordostbayerns andererseits. Auch sieht sich die bayrische Wirtschaft im frühen 21. Jahrhundert wie die gesamtdeutsche Wirtschaft mit Herausforderungen wie dem demografischen Wandel, der Digitalisierung und wachsender Konkurrenz auf den Weltmärkten konfrontiert, wobei die bayrische Exportwirtschaft besonders anfällig für globale Krisen ist.

Wirtschaftsgeschichte

Frühphase Bayern war bis ins 19. Jahrhundert hinein überwiegend agrarisch geprägt und verfügte nur über wenige vorindustrielle Manufakturen. In Altbayern existierten um 1800 lediglich vereinzelte Hofmanufakturen zur Herstellung von Luxusgütern (etwa die Porzellanmanufaktur Nymphenburg) und Rüstungsbedarf wie eine Gewehrmanufaktur in Amberg. Ansätze früher Industrialisierung zeigten sich hauptsächlich in Franken und Schwaben: So entstanden bereits einige fabrikmäßig organisierte Baumwollspinnereien im Raum Nürnberg-Augsburg. Die Gründung einer Druckmaschinenfabrik 1817 in Oberzell bei Würzburg und einer Tuchfabrik 1820 in Nürnberg waren frühe industrielle Pionierschritte. mini|Nürnberger Ludwigsbahnhof (1870) Ein entscheidender Impuls für die bayerische Wirtschaftsentwicklung war der Ausbau der Verkehrs- und Marktinfrastruktur. 1835 wurde mit der Ludwigs-Eisenbahn zwischen Nürnberg und Fürth die erste deutsche Eisenbahnstrecke eröffnet. In den Folgejahren entstand ein dichtes Eisenbahnnetz, zunächst durch staatlich konzessionierte Privatbahnen, ab 1844 auch durch den Bau staatlicher Bahnlinien zur Erschließung des Landes. Daneben wurden der Ludwig-Donau-Main-Kanal gebaut und bereits Ende des 18. Jahrhunderts der Ausbau von Fernstraßen (Chausseen) vorangetrieben. Parallel hierzu schuf Bayern 1806/07 einen integrierten Binnenmarkt (Binnenzollfreiheit) und trat 1834 dem Deutschen Zollverein bei. Diese Verbesserungen der Infrastruktur und Marktintegration legten wichtige Grundlagen für die Industrialisierung.

Trotz erster Industriebetriebe, etwa die Eisengießerei Klett & Comp. in Nürnberg (Maschinenbau) ab 1837/42 oder Anfänge der chemischen Industrie in Nürnberg, Fürth und Oberfranken, blieb Bayern bis Mitte des 19. Jahrhunderts weiterhin stark landwirtschaftlich und handwerklich geprägt. Bis 1870 entstanden zwar 111 neue Aktiengesellschaften in Bayern, doch der industrielle Sektor blieb punktuell und konzentrierte sich vor allem auf wenige Standorte (zum Beispiel Textil- und Porzellanindustrie in Oberfranken, Maschinenbau in Nürnberg). Insgesamt dominierte in der Frühphase weiterhin die Landwirtschaft als Erwerbszweig.

Deutsche Einigung bis Zweiter Weltkrieg mini|Fabrik von Sigmund Schuckert in Nürnberg Die Eingliederung Bayerns in das 1871 geeinte Deutsche Kaiserreich brachte eine einheitliche Währung (Einführung der Goldmark) und die Integration in einen deutlich größeren Binnenmarkt. Damit gingen jedoch auch verstärkter Wettbewerb und der Wegfall bayerischer Schutzzölle einher, was zunächst Krisenerscheinungen in einigen Branchen auslöste (z. B. Einbruch bei der Maxhütte nach der Gründerkrise). Ab den 1880er Jahren erfasste die Hochindustrialisierung jedoch auch Bayern: Trotz rohstoffarmer Randlage entwickelten sich nun vermehrt industrielle Kerne in Bayern. Der Staat förderte industrielle Projekte, etwa durch den eigenen Eisenerzbergbau mit der Luitpoldhütte 1882/83, flankiert von einer liberaleren Wirtschafts- und Bankpolitik nach 1864. mini|Produktion von Bf 109 bei Messerschmitt in Regensburg (1943) Einige der heutigen Großunternehmen Bayerns haben ihre Wurzeln in dieser Zeit. So fusionierte 1898 die Maschinenfabrik Augsburg mit der Nürnberger Maschinenfabrik Klett zur MAN AG, die schon 1913 der größte Industriebetrieb Bayerns war. In Augsburg entwickelte Rudolf Diesel 1893–1897 seinen Dieselmotor, was die Basis für Bayerns Maschinenbau-Exporterfolge legte. Nürnberg avancierte zum Zentrum der elektrotechnischen Industrie: Hier gründete Sigmund Schuckert ein Unternehmen für Bogenlampen und elektrische Bahntechnik, das 1903 mit Siemens fusionierte (Siemens-Schuckert-Werke) und Nürnberg zu einem Hauptsitz des Siemens-Konzerns machte. Ebenfalls bedeutend waren die Chemie (BASF in Ludwigshafen/Pfalz, ab 1865) sowie neue Industriezweige wie die elektrochemische Industrie (Wacker Chemie gründete 1914 Werke in Burghausen). Bis zum Ersten Weltkrieg entstanden zudem bedeutende Betriebe der Kugel- und Wälzlagerindustrie in Schweinfurt sowie Großbrauereien in Kulmbach, Nürnberg und München, die bereits industrielle Dimensionen annahmen.

Der Erste Weltkrieg bewirkte einen weiteren Industrialisierungsschub. Trotz Einberufung vieler Arbeitskräfte expandierten Rüstungsbetriebe erheblich: MAN in Augsburg baute U-Boot-Dieselmotoren, Lastwagen und Waffen; in München entstanden die Bayerischen Geschützwerke (Krupp) und in Bamberg die Flugzeugfabriken von Willy Messerschmitt. 1916 wurden in München die Bayerischen Motoren Werke (BMW) gegründet, zunächst für Flugzeugmotoren. 1917 wurde der staatliche Versorger Innwerk und die Töginger Reichsaluminiumhütte gegründet. Insgesamt profitierte Bayerns Industrie vom Krieg durch hohe Rüstungsaufträge, musste jedoch am Ende des Krieges Produktionseinbrüche und Demontagen hinnehmen.

Die Weimarer Republik sah zunächst eine Konsolidierung: 1925 stellte Bayern mit rund 3,96 Millionen Erwerbstätigen etwa 12 % der deutschen Beschäftigten (bei nur knapp 10 % Bevölkerungsanteil). Dennoch blieb Bayern insgesamt ländlich geprägt, fast 44 % der Erwerbstätigen arbeiteten 1925 noch in Land- und Forstwirtschaft. In den 1920er Jahren kam es zu Unternehmensfusionen und der Eingliederung bayerischer Firmen in reichsweite Konzerne (z. B. Siemens-Schuckert vorübergehend im Stinnes-Konzern; MAN im Gutehoffnungshütte-Verbund). Gleichwohl behaupteten sich einige bayerische Mittelständler als Hidden Champions jener Zeit, etwa Nähmaschinenfabriken in Kaiserslautern, Schuhfabriken in Pirmasens oder Spielwarenhersteller in Nürnberg, die international erfolgreich waren. Die bayerische Wirtschaft profitierte in den „Goldenen Zwanzigern“ vom allgemeinen Aufschwung, litt aber ab 1929 unter der Weltwirtschaftskrise.

Die Zeit des Nationalsozialismus brachte ab 1933 zunächst neue Aufträge vor allem für Großbetriebe, da die regimegetriebene Aufrüstung bevorzugt etablierte Industrien ausbaute. In den 1930er Jahren erlebte Bayern einen zweiten Industrialisierungsschub, der aber im Wesentlichen auf die industriellen Zentren begrenzt blieb. Große Rüstungsaufträge ließen Werke wie Zündapp in Nürnberg (Motorräder, Kleinwagen) oder die Krupp-Werke in Bamberg expandieren, zudem entstand mit den Messerschmitt-Flugzeugwerken in Augsburg/Regensburg ein neuer Großbetrieb. Allerdings wurden kaum neue Industrien in strukturschwachen ländlichen Gebieten angesiedelt. Gegen Kriegsende waren die konzentrierten Rüstungsstandorte dann bevorzugte Ziele alliierter Bombenangriffe, was in vielen Städten – etwa Nürnberg, München, Augsburg oder Schweinfurt – zu schweren Zerstörungen der Industrieanlagen führte.

Entwicklung nach 1945 mini|Franz Josef Strauß (links im Bild) war in der Nachkriegszeit Ministerpräsident Bayerns und gilt einer der Architekten des bayrischen Wirtschaftswunders Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs lag auch in Bayern die Wirtschaft am Boden: Die Industrieproduktion war 1945 um etwa zwei Drittel eingebrochen, die Landwirtschaftsproduktion um ein Viertel. Gleichzeitig musste Bayern etwa 2 Millionen Flüchtlinge und Vertriebene aufnehmen, für die rund 500.000 zusätzliche Arbeitsplätze nötig wurden. Da weder Landwirtschaft noch Dienstleistungssektor so viele Menschen absorbieren konnten, musste vor allem die Industrie diese Beschäftigung schaffen. Trotz der schweren Kriegsschäden waren die Voraussetzungen dafür günstig: Viele Industriezweige – Maschinen- und Fahrzeugbau, Stahl- und Eisenindustrie, optische und feinmechanische Industrie, Chemie und Elektroindustrie – hatten bereits seit dem 19. Jahrhundert eine solide Basis in Bayern und waren im „Dritten Reich“ durch Rüstungsinvestitionen stark ausgebaut worden. Außerdem verlagerten etliche Unternehmen angesichts der drohenden sowjetischen Besetzung ihre Standorte nach Bayern – so etwa Siemens (von Berlin) und Auto Union (Audi-Vorgänger aus Sachsen), was dem Land zusätzliches Know-how und Anlagenkapital einbrachte.

Zwischen Mai 1945 und Dezember 1947 wurde die Gründung bzw. Zulassung von 632 neuen Industriebetrieben in Bayern registriert, davon 138 durch Flüchtlinge und Vertriebene. Die amerikanische Besatzungsmacht führte weniger Demontagen durch als befürchtet, sodass Bayerns Industrie-Anlagevermögen trotz Kriegsschäden 1945 höher war als 1939. Mit der Währungsreform von Juni 1948 begann schließlich in Bayern das Wirtschaftswunder. In den 1950er und 1960er Jahren vollzog sich ein tiefgreifender Strukturwandel: Aus dem einstigen Agrarstaat wurde immer mehr ein Industrie- und Dienstleistungsstandort. Der bundesweite Aufschwung machte sich in Bayern besonders bemerkbar und führte zu langanhaltenden Wachstumsraten. Bereits Ende der 1950er galt Bayern nicht mehr als agrarisch, sondern entwickelte sich – gefördert durch die gezielte Ansiedlungspolitik der Staatsregierung – zum attraktiven Industriestandort. Bis 1960 war die Vollbeschäftigung erreicht und es begannen sich verstärkt Gastarbeiter (Türkei, Italien, Jugoslawien) in bayerischen Großstädten anzusiedeln.