International Launch Services, Inc. (kurz ILS) ist ein international tätiger Vermarktungskonzern für Trägerraketenstarts, welcher kommerzielle Starts der russischen Raketen Angara und Proton anbietet. Der Firmensitz befindet sich in Reston, Virginia in den USA.

Geschichte International Launch Services wurde im Jahr 1995 als Joint Venture zwischen Lockheed Martin, Khrunichev und RKK Energija gegründet. Das Unternehmen gehörte bei seiner Gründung zur Hälfte Lockheed Martin und zur Hälfte dem im Jahr 1993 gegründeten Unternehmen Lockheed Khrunichev Energia International, Inc. (LKEI), von welchem wiederum Lockheed Martin 51 % der Anteile besaß. Zu Beginn vermarktete ILS Starts der US-amerikanischen Atlas und der russischen Proton-Raketen. Bis April 2006 fanden insgesamt 100 ILS-Starts statt, von denen 97 erfolgreich waren. Drei Proton-Startversuche schlugen fehl.

Im September 2006 kündigte Lockheed Martin an, seine Anteile an ILS und LKEI verkaufen zu wollen. Als Käufer wurde Space Transport, Inc. bekanntgegeben, ein Unternehmen mit Sitz in Moskau, welches speziell für diese Übernahme von Mario Lemme, Mitarbeiter und später Vorstandsmitglied bei ILS, gegründet worden war. Die Transaktion wurde im Oktober 2006 abgeschlossen. Lockheed Martin behielt die Rechte zur Vermarktung der kommerziellen Atlas-Starts, welche fortan vom Tochterunternehmen Lockheed Martin Commercial Launch Services, Inc. (LMCLS) abgewickelt wurden, während ILS nur noch Proton-Starts anbot. Nach dem Ausstieg von Lockheed Martin gab ein Sprecher von Khrunichev bekannt, dass das Unternehmen bereit sei, die verkauften Anteile zu übernehmen. Gleichzeitig äußerte ein Sprecher der russischen Weltraumbehörde Roskosmos den Wunsch, den Einfluss Russlands im Unternehmen zu erhöhen. Das Angebot wurde jedoch von Space Transport abgelehnt.

Schließlich kam es im Mai 2008 doch zur Übernahme der Unternehmensanteile von Space Transport durch Khrunichev, welche nun den Großteil der Anteile besaßen. Der Hauptsitz von ILS sollte weiterhin in den USA bleiben.

Im April 2019 gab ILS bekannt, bei der Vermarktung von Raketenstarts in Zukunft enger mit der kommerziellen Roskosmos-Tochter Glawkosmos zusammenarbeiten zu wollen. Die Starts der Proton-Rakete werden seitdem von beiden gemeinsam angeboten. Infolge des Russischen Überfalls auf die Ukraine seit 2022 kam das Geschäft jedoch zum Erliegen. Zahlreiche Startaufträge wurden storniert und die Produktion der Proton eingestellt.Казахстан продлит запуски токсичных ракет с Байконура, если получит гарантии России. kz.kursiv.media, 26. Dezember 2025.

Angebot Angara Für kommerzielle und nicht-kommerzielle Satellitenstarts in niedrige und sonnensynchrone Erdumlaufbahnen (LEO und SSO) bietet International Launch Services seit Juli 2015 Starts der Angara 1.2-Rakete vom Kosmodrom Plessezk an. Seit 2022 fanden bereits mehrere Starts mit militärischen Nutzlasten statt, von welchen jedoch keiner durch ILS vermarktet werden konnte. Ursprünglich sollte mit dem südkoreanischen Erdbeobachtungssatelliten KOMPSat 6 die erste ILS-Mission der Angara im Jahr 2023 starten. In Folge des Russischen Überfalls auf die Ukraine 2022 wurde die Nutzlast auf eine Vega-C-Rakete umgebucht. Stand Dezember 2025 sind keine Angara-Starts mit ILS geplant.

Atlas ILS bot zwischen 1995 und 2006 Starts der Atlas-Raketenversionen II, III und V an. Insgesamt fanden 44 Starts mit kommerziellen Kommunikationssatelliten statt, von denen alle erfolgreich verliefen. Nach dem Ausstieg von Lockheed Martin im Oktober 2006 fanden keine Atlas-Starts mehr statt.

Proton mini|Eine Proton-M-Rakete mit dem Satelliten Anik F1R vor dem Start Nach der Gründung begann ILS auch mit der Vermarktung von Starts der russischen Proton-K-Trägerrakete. Zwischen 1996 und 2003 flog diese ausschließlich Missionen mit geostationären Kommunikationssatelliten. Ab 2002 wurde sie dann durch die weiterentwickelte Version Proton-M abgelöst. Bis Mai 2008 fanden 45 kommerzielle Proton-Raketenstarts statt. Zu diesem Zeitpunkt hatte ILS einen Rückstand von 22 Flügen im Wert von über zwei Milliarden US-Dollar.

Im Jahr 2018 hatte die Proton-M-Rakete nur noch eine sehr niedrige Startrate. Dies war auf eine Reihe von Fehlstarts zurückzuführen, aber auch auf die Konkurrenz durch andere Startanbieter wie Arianespace und SpaceX mit ihrer Falcon 9 v1.2. Der vorerst letzte kommerzielle Proton-Start fand am 12. Oktober 2022 mit dem Kommunikationssatelliten AngoSat-2 statt.

Startstatistik Letzte Aktualisierung: 26. Januar 2026

Raketenfamilie Modell Startplätze Erster Start Letzter Start Anzahl davon erfolgreich Atlas Atlas II Cape Canaveral AFS, SLC-36B 32 32 Atlas III Cape Canaveral AFS, SLC-36B 4 4 Atlas V Cape Canaveral AFS, SLC-41 8 8 Proton Proton-K Baikonur, Rampen 81 und 200 26 24 Proton-M Baikonur, Rampen 81 und 200 72 67

Weblinks Website des Unternehmens (englisch)

Einzelnachweise

Kategorie:Raumfahrtunternehmen Kategorie:Raumfahrt (Russland) Kategorie:Raumfahrt der Vereinigten Staaten Kategorie:Dienstleistungsunternehmen (Vereinigte Staaten) Kategorie:Organisation (Reston, Virginia) Kategorie:Unternehmensgründung 1995