mini|Abzeichen des 442nd Regimental Combat Team Das 442nd Regimental Combat Team (RCT) war ein Regiment der US-Armee, das überwiegend aus amerikanischen Soldaten japanischer Abstammung bestand. Es wurde am 23. März 1943 aufgestellt, nachdem japanischstämmige Amerikaner seit Ende 1941 zunächst als „enemy aliens“ (Kategorie 4-C) eingestuft worden waren. Das Regiment wurde durch das kampferfahrene 100th Infantry Battalion verstärkt und entwickelte sich, gemessen an Größe und Einsatzdauer, zur am höchsten dekorierten Einheit in der Geschichte des US-Militärs.

Geschichte Nach den japanischen Angriffen auf Pearl Harbor traten die USA in den Zweiten Weltkrieg gegen Japan, Deutschland und Italien ein. Die Kriegslage verstärkte die Feindseligkeit gegenüber Bevölkerungsgruppen mit deutscher oder italienischer Herkunft. Besonders ausgeprägt war jedoch der Rassismus gegenüber japanischstämmigen Amerikanern in den Vereinigten Staaten. Dies führte zur Zwangsumsiedlung und verfassungswidrigen Inhaftierung von etwa 120.000 Personen japanischer Abstammung an der gesamten US-Westküste nach dem Erlass der Executive Order 9066 im Jahr 1942. Die Entscheidung zur Aufstellung eines japanisch-amerikanischen Regiments ergab sich aus mehreren Faktoren: Lobbyarbeit zugunsten der Gemeinschaft, die sehr guten Ausbildungsergebnisse des 100th Infantry Battalions, der Dienst der Varsity Victory Volunteers auf Hawaii sowie der steigende Bedarf an Soldaten in den Kriegsgebieten. Anfang 1943 rief das Kriegsministerium Freiwillige für eine segregierte Einheit auf. Es wurden gleich viele Rekruten aus Hawaii und dem Festland erwartet. Doch tatsächlich meldeten sich nur etwa 1500 Freiwillige aus den Internierungslagern auf dem Festland, während auf Hawaii rund 10.000 junge Männer der entsprechenden Altersgruppe zur Verfügung standen.

Organisation und Grundausbildung Das Regiment wurde am 23. März 1943 offiziell gegründet. Innerhalb eines Monats trafen 2686 Freiwillige von Hawaii und 1500 vom Festland im Ausbildungslager Camp Shelby im US-Bundesstaat Mississippi ein. Es bestand aus drei Infanteriebataillonen, dem 522nd Field Artillery Battalion, der 232nd Combat Engineer Company, einer Anti-Tank-Kompanie, einer Cannon Company, einem Sanitätszug und der 206th Army Ground Forces Band. In der Anfangsphase kam es zu erheblichen Spannungen zwischen den Soldaten von Hawaii („Buddhaheads“) und den Rekruten vom Festland („Kotonks“). Diese Konflikte führten zeitweise zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Besuche der Soldaten aus Hawaii in Internierungslagern wie Rohwer in Arkansas trugen zur Entspannung bei, da sie dabei die Lebensumstände der Festlandsjapaner erstmals unmittelbar wahrnahmen. Zudem sahen sich die Soldaten mit der gesetzlichen Rassentrennung im Süden der USA konfrontiert. Eingriffe der Soldaten gegen lokale Diskriminierungspraxen führten zu Ermahnungen durch die Offiziere. Am 1. Mai 1944 verließ das Regiment – ohne das stark dezimierte 1. Bataillon – Camp Shelby in Richtung Italien. Dort schloss es sich mit dem 100th Infantry Battalion zusammen, das seinen Namen aufgrund früherer Kampferfolge behalten hatte. Damit bestanden die Infanterieeinheiten des Regiments aus dem 100th, dem 2nd und dem 3rd Battalion.

Kampfeinsätze Das Regiment wurde zunächst der 5. US-Armee unter General Mark W. Clark zugeteilt und kämpfte ab Juni 1944 nördlich von Rom. Während die 2. und 3. Bataillone erste Kampferfahrung sammelten, unterstützten die Veteranen des 100. Bataillons sie in schwierigen Einsatzlagen. Im August 1944 wurde die Anti-Tank-Kompanie ausgegliedert und nahm mit einer Fallschirmlandung an der alliierten Invasion in Südfrankreich teil. Im Winter 1944 wurde das Regiment im französischen Grenzgebiet zu Deutschland eingesetzt. Die Wehrmacht hatte den Befehl erhalten, diesen Abschnitt um jeden Preis zu halten. Die Kämpfe in den bewaldeten und winterlichen Vogesen waren besonders verlustreich. Während der Vogesen-Offensive wurde das 1. Bataillon des 141. Regiments der texanischen 36th Infantry Division von deutschen Truppen eingeschlossen. Nach zwei erfolglosen Rettungsversuchen anderer Verbände erhielt das 442nd den Auftrag zur Entsatzoperation. Nach fünf Tagen intensiver Gefechte gelang die Befreiung der später als „Lost Battalion“ bekannt gewordenen Texaner. Dabei erlitt das 442nd selbst Verluste, die die Anzahl der geretteten Soldaten überstiegen. Im Rahmen der Operation wurden außerdem die Orte Bruyères, Belmont und Biffontaine befreit.

Das 442. Regiment wurde im März 1945 zur mehrheitlich afroamerikanischen 92. Infanteriedivision versetzt. Anders als die Afroamerikaner der 92. Division hatten die Nisei des 442. Regiments einen guten Ruf bei den höheren weißen Offizieren der US-Armee, die sich von der Versetzung eine Kampfwertsteigerung der 92. Division versprachen.

Im April 1945 wurde das Regiment ausgewählt, um die stark befestigte Gothic Line in Norditalien gezielt zu durchbrechen. Durch einen nächtlichen Angriff über die Hänge des Monte Folgorito gelang der Durchbruch, der den weiteren Vormarsch der Alliierten ermöglichte und zur deutschen Kapitulation in diesem Frontabschnitt am 2. Mai 1945 führte. Zur gleichen Zeit wurde das 522nd Field Artillery Battalion zur 7th Army verlegt und war an der Befreiung von Häftlingen aus Außenlagern des KZ Dachau beteiligt.

Nachkriegszeit und Vermächtnis Während des 19-monatigen Fronteinsatzes erlitt das 100th Battalion/442nd RCT rund 800 Gefallene oder Vermisste. Das Regiment erhielt insgesamt sieben „Distinguished Unit Citations“, darunter eine Auszeichnung, die Präsident Harry S. Truman am 15. Juli 1946 persönlich überreichte. Im Zuge späterer Überprüfungen wurden 20 zusätzliche Medals of Honor verliehen, sodass insgesamt 21 Angehörige des Regiments diese höchste militärische Auszeichnung erhielten. Weitere Auszeichnungen umfassen unter anderem mehr als 4000 Purple Hearts, 29 Distinguished Service Crosses, 588 Silver Stars und über 4000 Bronze Stars.

Die Einheit wurde auf Hawaii schnell als bedeutender Beitrag zum erfolgreichen Kriegseinsatz anerkannt. Auf dem US-Festland fiel die Rezeption uneinheitlicher aus, da die Veteranen über viele Regionen verteilt zurückkehrten. Viele von ihnen nutzten anschließend den G. I. Bill, um Ausbildungen an der University of Hawaiʻi oder an renommierten Hochschulen auf dem Festland zu absolvieren. Diese Entwicklung hatte auf Hawaii erheblichen politischen Einfluss und trug zur Konsolidierung der Demokratischen Partei im Territorium bei, die ab 1954 die politische Mehrheit erlangte. Bei der Erlangung der US-Bundesstaatlichkeit Hawaiʻis im Jahr 1959 wurde der Einsatz des 442nd, insbesondere die Rettung des „Lost Battalion“, von Mitgliedern der texanischen Kongressdelegation als Einflussfaktor genannt.

Bemerkenswerte Mitglieder Empfänger des Medal of Honor

Barney F. Hajiro Mikio Hasemoto Joe R. Hayashi Shizuya Hayashi Daniel Inouye Yeiki Kobashigawa Robert T. Kuroda Kaoru Moto Sadao Munemori - Erster Empfänger Kiyoshi K. Muranaga Masato Nakae Shinyei Nakamine William K. Nakamura Joe M. Nishimoto Allan M. Ohata James K. Okubo Yukio Okutsu Frank H. Ono Kazuo Otani George T. Sakato Ted T. Tanouye

Empfänger des Distinguished Service Cross (Ausgenommen 19 Distinguished Service Crosses, die im Juni 2000 zu Medals of Honor aufgewertet wurden.)Distinguished Service Cross Recipients, World War II, 1941-1945 - U.S. Military Awards for Valor Irving M. Akahoshi Henry Y. Arao Masao Awakuni Yoshimi R. Fujiwara Jesse M. Hirata George S. Iida Young-Oak Kim Kiichi Koda Ronald H. Kuroda Harry F. Madokoro Kazuo Masuda Shinyei R. Matayoshi Fujio J. Miyamoto Takeichi Miyashiro Robert K. Nakasaki Thomas Y. Ono Masanao R. Otake Itsumu Sasaoka Togo Sugiyama Masaru Suehiro Shigeo J. Takata - Erster Empfänger Tsuneo Takemoto Larry T. Tanimoto Jim Y. Tazoi Thomas I. Yamanaga Gordon K. Yamashiro Robert H. Yasutake Matsuichi Yogi Yukio Yokota

Literatur Orville C. Shirey: Americans: The Story of the 442nd Combat Team, Infantry Journal Press, Washington (DC), 1946. Chester Tanaka: Go for Broke: A Pictorial History of the Japanese American 100th Infantry Battalion and the 442nd Regimental Combat Team, Go for Broke, Inc., Richmond (CA), 1981; Presidio Press, Novato (CA), 1997. John Tsukano: Bridge of Love, Hawaii Hosts, Inc., Honolulu, 1985. Masayo Duus: Unlikely Liberators: The Men of the 100th and the 442nd, University of Hawaii Press, Honolulu, 1987. Dorothy Matsuo: Boyhood to War: History and Anecdotes of the 442nd Regimental Combat Team, Mutual Publishing, Honolulu, 1992. Thelma Chang: I Can Never Forget: Men of the 100th/442nd, Sigi Productions, Inc., Honolulu, 1992. Hawaii Nikkei History Editorial Board: Japanese Eyes . . . American Heart: Personal Reflections of Hawaii's World War II Nisei Soldiers, Tendai Educational Foundation, Honolulu, 1998. Robert Asahina: Just Americans: How Japanese Americans Won a War at Home and Abroad, Gotham, New York, 2006. Bill Yenne: Rising Sons: The Japanese American GIs Who Fought for the United States in World War II, Thomas Dunne Books, New York, 2007. Minoru Masuda: Letters from the 442nd: The World War II Correspondence of a Japanese American Medic, University of Washington Press, Seattle, 2008. Linda Tamura: Nisei Soldiers Break Their Silence: Coming Home to Hood River, University of Washington Press, Seattle, 2012. James M. McCaffrey: Going for Broke: Japanese American Soldiers in the War against Nazi Germany, University of Oklahoma Press, Norman, 2013.

Weblinks

Densho Encyclopedia Sons and Daughters of the 442nd Americans of Japanese Ancestry During World War II Japanese American Veterans Collection Going For Broke: The 442nd Regimental Combat Team Key Military Unit: The 442nd Regimental Combat Team Minidoka: An American Concentration Camp (Film) IMDb. 442: Live with Honor, Die with Dignity

Einzelnachweise

Kategorie:Regiment (United States Army)