Johanna Marbach (* 9. Juli 1872 in Berlin; † 19. Januar 1945 in London-Marylebone) war eine in Deutschland geborene britische Kostümbildnerin, Modedesignerin und Modehausinhaberin.

Werdegang Johanna Marbach wurde als Johanna Podeschwa (auch Podescwa) in Berlin in eine orthodoxe jüdische Familie geboren. Nach ihrer ersten Eheschließung nahm sie den Namen Dann an. Nachdem sie verwitwet war, verheiratete sie sich erneut und hieß dann Johanna Marbach. Sie war eine außergewöhnlich erfolgreiche Kostümbildnerin, Modedesignerin und Unternehmerin, die trotz Ehe und Kindern ihre Karriere verfolgte. Sie wohnte in der Tiergartenstraße im Berliner Tiergartenviertel, das sich seit Anfang 1900 „zu einem Zentrum des Kunsthandels, der künstlerischen Inneneinrichtung, der Haute Couture und der Modefotografie entwickelt hatte.“

Tätigkeit als Modeschöpferin und Unternehmerin mini|„Herbst- und Wintermoden. Nachmittagskleid mit Maulwurfbesatz und Maulwurfjacke. Langer Samtmantel mit Biberkragen. Breitschwanzjacke mit Fuchsbesatz.“ Modell Johanna Marbach, Berlin 1915

Johanna Marbach führte ab 1916 ihr eigenes Modehaus für Kleider, Hüte und Pelze in der Lennéstraße 3 und Behrenstraße 53/54 sowie eine Filiale in der Motzstraße 20, in dem sie regelmäßig eigene Modenschauen veranstaltete. Sie gehörte bald zu den führenden Modeschöpferinnen Berlins und beteiligte sich mit Kreationen aus ihrem Haus auch an Ausstellungen, wie etwa „Die Frau in Haus und Beruf“ vom 24. Februar bis 24. März 1912 in den Wilhelmshallen Zoologischer Garten in Berlin. Die Zeitschrift „Das Theater“ richtete im Gegensatz zu früheren Veranstaltungen mit mehreren Modehäusern eine Einzelshow für Johanna Marbach im Restaurant Sanssouci am Berliner Kurfürstendamm aus.

Johanna Marbach entwarf und fertigte Garderoben und massgefertigte Modellkleider aus edlen Stoffen und Pelzen für eine gut situierte Kundschaft, darunter zahlreiche Film-, Bühnen- und Opernikonen wie Tilla Durieux, Gina Relly, Anni Malowa und Ossi Oswalda. Sie stattete auch darstellende Künstlerinnen und Künstler für Bühnen- und Filmwerke aus. Unter anderem steuerte sie Kostüme für die Filme Die große Pause aus dem Jahr 1927 und Ich lebe für Dich von 1929 bei. Tilla Durieux diente als bekannte Werbefigur für Johanna Marbachs Salon und wurde in deren Kollektionen häufig in der Illustrierten Sport im Bild abgebildet, so etwa 1921 in einem Kleid in spanischem Stil und im selben Jahr in vier verschiedenen Bühnenkostümen der Rolle der „Mrs. Cheveley“ aus Oscar Wildes Ein idealer Gatte. Die Modejournalistin und Schriftstellerin Julie Elias schrieb in ihrer Kolumne „Modeschauspiele“ des Berliner Tageblatts über ein von Johanna Marbach entworfenes Silberspitzenkleid „mit einer um den Rumpf sich windenden Schlange“ und „weißem, silberlamégefütterten Samtcape“ als Bühnengarderobe für eine Theateraufführung, diese würde „der Kundige nie vergessen.“ „Frau Marbach hat hier tatsächlich ‚Kunst gemacht’.“

Emigration In der Zeit des Nationalsozialismus setzte sich Johanna Marbach öffentlich gegen Antisemitismus ein und floh in den 1930er Jahren vor den zunehmenden Repressalien gegen jüdische Menschen nach London. In den Unterlagen der britischen Volkszählung von 1939 wurde ihr Beruf nur schlicht mit „Schneiderin“ angegeben. Johanna Marbach starb Anfang 1945 im Stadtviertel Marylebone im Londoner Stadtbezirk City of Westminster und wurde auf einem jüdisch-orthodoxen Friedhof beigesetzt.

Im Jahr 2025 zeigte das Jüdische Museum Berlin die Ausstellung Widerstände. Jüdische Designerinnen der Moderne, in der auch Johanna Marbach vertreten war.

Weblinks

Fotos mit Kreationen von Johanna Marbach in museum-digital der Staatlichen Museen zu Berlin

Einzelnachweise Die Frau in Haus und Beruf. Ausstellungskatalog, Ausstellungshallen Zoologischer Garten in Berlin, Ausstellung 24. Februar bis 24. März 1912, Verlag Rudolf Mosse, Berlin 1912, S. 280. Abgerufen am 28. November 2025

Die große Pause. Vollständige Besetzung und Crew-Mitglieder. In: IMDb. Abgerufen am 28. November 2025

Ich lebe für Dich. Vollständige Besetzung und Crew-Mitglieder. In: IMDb. Abgerufen am 28. November 2025

Widerstände. Jüdische Designerinnen der Moderne. In: Jüdisches Museum Berlin. Abgerufen am 28. November 2025

Marbach, Johanna. In: Jüdisches Museum Berlin. Abgerufen am 28. November 2025

Gesa Kessemeier: Matthäikirchstraße 4 – Wiederentdeckung einer besonderen Nachbarschaft. In: SPKmagazin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz vom 23. August 2023. Abgerufen am 28. November 2025

Hannah Ripperger: Porträts von Tilla Durieux. V&R Unipress 2016, ISBN 978-3-8470-0634-3, S. 229–230. Abgerufen am 29. November 2025

Wally Köhrer: Modentee in Sanssouci. In: Die Eleganz. Beilage der illustrierten Halbmonatsschrift „Das Theater“. Bände 2–3, Teil 2, Das Theater verlagsgesellschaft 1910. S. 3–6. Abgerufen am 28. November 2025

Michal S. Friedlander (Hrsg.): Widerstände. Jüdische Designerinnen der Moderne. Hirmer, München 2025, ISBN 978-3-7774-4623-3, S. 126

Kategorie:Modedesigner (19. Jahrhundert) Kategorie:Modedesigner (20. Jahrhundert) Kategorie:Textilunternehmer (19. Jahrhundert) Kategorie:Deutscher Kategorie:Brite Kategorie:Geboren 1872 Kategorie:Gestorben 1945 Kategorie:Frau