Gut Grenzenlust ist ein Landgut mit Arboretum in der Isselaue zwischen Wesel und Hamminkeln. Die gesamte Anlage mit dem historischen Gutshaus auf 17,5 ha Land steht seit 2011 unter Denkmalschutz.

Geschichte Auf einer Karte aus dem Jahr 1733 wird das Gelände, auf dem später Gut Grenzenlust erbaut wurde, noch als „Gemein-Bruch“ bezeichnet.Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland. Kleve, Kataster AA 0647, „Herrschaft Hamminkeln“, Altsignatur: Karten VII b Nr. 30 II, Folie 2 Das Gebiet war also noch ein Moor und im Besitz der Gemeinde. Erst in einer Urkunde aus dem Jahr 1783 wird das Gelände als Kamp (=Feld) bezeichnet und trägt den Namen Grenzenlust.Dieter Kastner (Bearb.), Inventar der Urkunden des Archivs von Schloß Diersfordt bei Wesel, Bd. II 1600–1800, Inventare nichtstaatlicher Archive 34, Köln 1993, Nr. 738/739 Der Name besagt wohl, dass das Grundstück auf der Grenze der Gemeinden Hamminkeln, Wesel und Brünen liegt. Ein „Lusthaus“ bezeichnete damals ein Sommerhaus. Es steht zu vermuten, dass die Umwandlung des Gemein-Bruchs in Privatbesitz in den Jahren zwischen 1733 und 1783 erfolgt sein kann. Als Eigentümer wird der Kreissteuereinnehmer Jacob Gerlach de Corbin genannt, ein Enkel eines der Erbauer und Kommandanten der Weseler Zitadelle, Jean de Corbin. Vermutlich begann Jacob de Corbin mit dem Bau des Herrenhauses und der Anlage eines Barockgartens. Wirtschaftlich war de Corbin nicht erfolgreich. Schon im September 1796 mussten Teile des Gutes an die Witwe Castanien verpfändet werdenGrund- und Hypothekenbuch der Herrlichkeit zu Hamminkeln. Angelegt 1734, fortgeführt bis 1809, Bd. I, fol. 15. Die Familie ging in Konkurs und das Land fiel an die Gemeinde zurück, die es in den Jahren 1799/1800 versteigern ließ.

Die Witwe Anna Margaretha von Reinermann (geb. von Asbeck) erwarb das Gut für 6620 ReichstalerHypothekenbuch der Stadt Hamminkeln. Landesarchiv NRW Abt. Rheinland, AA 0064 Kleve, Gerichte Nr. 2644. Sie vererbte ihren Besitz 1820 ihren beiden Schwestern und zwei Nichten, die Grenzenlust mit den dazu gehörigen umliegenden Pachthöfen sowie Wald, Weide- und Landflächen an Christian Bettger verkauften, den Besitzer einer Spiegelfabrik und Salmräucherei in Wesel.Alfred E. R. Bettger, Die Familie Bettger aus Wesel, in: Frankfurter Blätter für Familiengeschichte, Februar 1913, Heft 2, S. 18–25, hier: S. 18 Über 100 Jahre blieb Grenzenlust im Besitz der Familie Bettger und gelangte schließlich in die Hand von Justizrat im Staatsdienst Gustav Bettger, der unverheiratet und kinderlos war und mit seinem Tod im Jahr 1932 seinen Besitz an seine Nichte Margarete Schmitz-von Mallinckrodt vererbte, die seit 1926 mit Hermann Schmitz verheiratet war, dem späteren Vorstandsvorsitzenden der I.G. Farben. Im Zweiten Weltkrieg fielen verschiedene Pachthöfe den Bomben zum Opfer, das Gutshaus blieb jedoch nahezu unbeschädigt. Das Ehepaar Schmitz lebte in Heidelberg und Berlin, doch nach dem Tod von Hermann Schmitz im Jahr 1960 lebte seine Witwe bis zu ihrem Tod im Jahr 1980 zunehmend auf Gut Grenzenlust. Ihre Erben waren ihre Kinder Harald und Waltraud. Harald Schmitz (1928–2020) lebte seit 1986 auf Gut Grenzenlust und wandelte das Gut in ein Arboretum mit einer Vielfalt an Bäumen, Sträuchern und Stauden um. Seit 2006 war Harald Schmitz alleiniger Besitzer des Gutes, das er im Jahre 2012 in die von ihm gegründete private und gemeinnützige „Stiftung Grenzenlust“ einbrachte, die von fünf ehrenamtlichen Vorstandsmitgliedern geleitet wird. Am 29. Februar 2020 starb Harald Schmitz auf Gut Grenzenlust.

Arboretum Das Arboretum umschließt zwischen Issel und Mühlengraben eine Fläche von 8,5 ha und umfasst über 400 Baumarten und über 300 unterschiedliche Sträucher, darunter so seltene Sorten wie die streng geschützte Süntel-Buche, Mammutbäume oder die kalifornische Küstentanne. Die Gehölze werden vorwiegend in Gruppen unterschiedlicher Arten und Sorten präsentiert, häufig werden Gattungsschwerpunkte in einer Zusammenschau didaktisch und nach ästhetischen Gesichtspunkten umgesetzt. Der Gehölzbestand wird durch Stauden und Geophyten ergänzt. Besonders schattenverträgliche Unterpflanzungen am Fuße der Gehölze stehen im Fokus. Die Anlage ist an Sonntagen im Sommer öffentlich zugänglich; es finden auch Veranstaltungen statt.Veranstaltungen. In: Gut Grenzenlust.

Literatur Isabella Benninghoff-Lühl: Barockgärten am unteren Niederrhein in: Jutta Prieur (Hrsg.): Karten und Gärten am Niederrhein. Beiträge zur klevischen Landesgeschichte, Selbstverlag des Stadtarchivs Wesel 1995, S. 71–112, hier: S. 108

Weblinks Homepage Gut Grenzenlust Dirk Bohlen: Zwei Arboretums-Jahrzehnte in festem Glauben an Natur, Ruhe und Nachhaltigkeit. In: lokalkompass.de, 30. November 2021. Dirk Bohlen: Kunstmarkt im Arboretum Grenzenlust. In: lokalkompass.de, 3. Oktober 2022. (mit Bildergalerie)

Einzelnachweise

Kategorie:Arboretum in Nordrhein-Westfalen Kategorie:Geographie (Hamminkeln) Kategorie:Gartendenkmal (Deutschland)