mini|Das Tipografia-Elvetica-Denkmal mit dem Luganersee im Hintergrund (2025) Das Tipografia-Elvetica-Denkmal (italienisch Monumento della Tipografia Elvetica) ist ein 1911 errichteter Sandstein-Obelisk in Capolago, einem Ortsteil von Mendrisio im Schweizer Kanton Tessin. Es erinnert an die Druckerei «Tipografia Elvetica» und die Schweizer Gastfreundschaft für die italienischen Flüchtlinge und Oppositionellen zur Zeit des Risorgimento. Initiant war der italienische Politiker Luigi Gasparotto, die Inschrift wurde eigens von Giovanni Bertacchi verfasst.

Geschichte Die Druckerei und Buchhandlung «Tipografia Elvetica» (Helvetische Druckerei) operierte zwischen 1830 und 1853 im unscheinbaren Capolago, am südlichen Ende des Luganersees. Italienische Autoren, die im eigenen Land wegen der Zensur nicht veröffentlichen konnten, liessen hier ihre Werke drucken und dann heimlich in die italienischen Staaten schmuggeln. Insbesondere ab 1848 war die Druckerei ein wichtiger Stützpunkt für den italienischen Unabhängigkeitskampf. Aufgrund der Hinrichtung des Bücherschmugglers Luigi Dottesio 1851 und der daraufhin verschärften Kontrollen musste sie 1853 schliessen.Carlo Agliati: Tipografia elvetica. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 25. Oktober 2012. 150px|mini|Der Initiant Luigi Gasparotto Das Denkmal geht auf den italienischen Anwalt und Abgeordneten Luigi Gasparotto zurück. Anlässlich des 50-Jahre-Jubiläums der italienischen Einigung konstituierte er 1911 in Mailand ein Komitee zur Errichtung eines «Zeichens italienischer Dankbarkeit für die Gemeinde Capolago», das mit einer «grossen Demonstration der italienisch-schweizerischen Brüderlichkeit» eingeweiht werden sollte.Per l’omaggio a Capolago. In: Gazzetta Ticinese. 13. September 1911, S. 3 (online). Ende August 1911 bildete sich unter der Führung der Società Dante Alighieri in Chiasso auch auf Schweizer Seite ein Komitee. Es koordinierte die Festteilnahme der italienischen Delegationen.L’avv. Gasparotto e la Tipografia Elvetica. In: Gazzetta Ticinese. 31. August 1911, S. 2 (online). Am 18. September 1911 referierte Gasparotto im Politeama in Chiasso über die Geschichte der Tipografia Elvetica und die anstehenden Feierlichkeiten.Vita Chiassese. In: Gazzetta Ticinese. 20. September 1911, S. 3 (online). Am 28. September wiederholte er den Vortrag in der Gemeindeturnhalle in Lugano.La conferenza dell’avv. Luigi Gasparotto. In: Gazzetta Ticinese. 29. September 1911, S. 3 (online).

Die Einweihung fand am 1. Oktober 1911 statt. Rund 5000 Personen, darunter «unzählige patriotische Vereine mit Fahnen und klingendem Spiel»,Bellinzona, 1. Okt. In: Neue Zürcher Zeitung. Drittes Abendblatt. Band 132, Nr. 273, 2. Oktober 1911, S. 2 (online). reisten an diesem Tag nach Capolago. Allein aus Italien kamen mehr als 50 Vereine, unter anderem aus Mailand, Como und Varese, die sich zuvor in Como besammeltenL’omaggio della Democrazia italiana a Capolago. In: Gazzetta Ticinese. 20. Juli 1911, S. 2 (online). und dann mit einem Sonderzug an den Luganersee fuhren. Am Bahnhof Capolago wurden sie von der Musik Chiasso empfangen, die unter tosendem Applaus den Inno di Garibaldi spielte. Zugegen waren auch zahlreiche hochrangige italienische Politiker, unter anderem der Präsident der Camera dei deputati Giuseppe Marcora (ein Veteran des Zugs der Tausend und des Dritten Italienischen Unabhängigkeitskriegs), der italienische Bildungsminister Luigi Credaro und der Bürgermeister von Mailand Emanuele Greppi.La festa di Capolago. In: Popolo e Libertà. 2. Oktober 1911, S. 2 (online). Die Tessiner Regierung war mit ihrem Präsidenten Evaristo Garbani-Nerini und Emilio Bossi vertreten, vom Grossen Rat waren unter anderem Carlo Maggini, Romeo Manzoni, Antonio Battaglini, Stefano Gabuzzi und Antonio Soldini anwesend.

In einem langen Zug begab sich die Festgemeinde zum Denkmal, neben dem eine Tribüne errichtet worden war. Als Präsident des Denkmalkomitees hiess Luigi Gasparotto die Gäste willkommen. Die vereinten italienischen und schweizerischen Musikkapellen spielten die Schweizer Hymne, während er das Denkmal der Gemeinde Capolago und dem Kanton Tessin übereignete. Im Namen Capolagos nahm es dessen Bürgermeister Carlo Scacchi in Empfang und hielt eine umjubelte Rede. Zum Schluss ertönte noch einmal der Inno di Garibaldi. Das Festbankett wurde in der Remise der Strassenbahn Mendrisio gehalten.

Das Denkmal wurde über hundert Jahre lang sich selbst überlassen. Es bildeten sich ausgedehnte Risse, und vor allem auf der Nordseite zeigte sich zuletzt ein starker biologischer Befall durch verschiedene Mikroorganismen. Der Sockel war stark delaminiert. Ausserdem bedeckte eine rote, eisenhaltige Ablagerungsschicht, die von der nahegelegenen Eisenbahn herrührte, das gesamte Monument. Zwischen Juni und August 2019 restaurierte ein Student der Fachhochschule der italienischen Schweiz den Obelisken umfassend.Simone Orelli: L’obelisco commemorativo sul lungolago Napoleone Bonaparte a Capolago. Progetto e intervento di conservazione e restauro. In: Master Theses 2019 of the Swiss Conservation-Restoration Campus. Bern 2019, S. 30 (PDF; 10,5 MB). Gleichzeitig liess die Gemeinde Mendrisio die Uferpromenade verschönern.

Beschreibung mini|Inschrift und Pyramidion mit Flamme Das 7,20 Meter hohe Denkmal steht an der Uferpromenade von Capolago (Lungolago Napoleone Bonaparte), in der Nähe der Schiffstation. Es wurde von Giovanni Radaelli aus italienischem Oggiono-Sandstein gehauen. Die Pläne stammten von den beiden Architekten Pinardi und Coltelletti.

Auf einem 2,20 Meter breiten, niedrigen Fundament erhebt sich der schlanke Obelisk, der von einer symbolischen Flamme bekrönt ist. Auf seinem Mittelkörper ist eine von Giovanni Bertacchi verfasste Inschrift in Bronzelettern angebracht. Sie hat folgenden Wortlaut:Il monumento della «Tipografia Elvetica». In: Gazzetta Ticinese. 2. Oktober 1911, S. 1 f. (online).

Siehe auch Liste von Denkmälern im Kanton Tessin

Literatur Il monumento della «Tipografia Elvetica». In: Gazzetta Ticinese. 2. Oktober 1911, S. 1 f. (online). Simone Orelli: L’obelisco commemorativo sul lungolago Napoleone Bonaparte a Capolago. Progetto e intervento di conservazione e restauro. In: Master Theses 2019 of the Swiss Conservation-Restoration Campus. Bern 2019, S. 30 (PDF; 10,5 MB).

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