mini|312x312px|Das amtierende Präsidium des Deutschen Chorverbands Pueri Cantores Der Deutsche Chorverband Pueri Cantores e.V. ist als Nationalverband für die Bundesrepublik Deutschland ein Teil der Internationalen Vereinigung der „Pueri Cantores“ (FIPC, latein: Foederatio Internationalis Pueri Cantores). Der in Köln ansässige Verein besteht seit 1951 und umfasst rund 480 römisch-katholische kirchliche Kinder- und Jugendchöre mit insgesamt über 20.000 Sängern (Stand: Januar 2024). Er zählt als der mitgliederstärkste Nationalverband der FIPC. Seit September 2023 leitet Elisabeth Lehmann-Dronke den Verband als Präsidentin. Erster Leiter des deutschen Verbandes war der Mainzer Domkapellmeister Georg Paul Köllner, der der Organisation bis 1963 vorstand.
Geschichte 1944 gründete der französische Pater Fernand Maillet den ersten Nationalverband der „Pueri Cantores“ in Frankreich. Maillet leitete bereits zuvor den Chor Les Petits Chanteurs à la Croix de Bois (französisch „Die kleinen Sänger vom Holzkreuz“), der in der Zwischenkriegszeit weltweit auftrat und ein Leitbild des Friedens verbreitete. 1950 folge der Entscheid über die Gründung der internationalen Föderation. 1947 wurde der französische Nationalverband der „Pueri Cantores“ von der Versammlung der französischen Kardinäle und Erzbischöfe offiziell als eine Katholischen Aktion anerkannt. Nach dem dritten internationalen Kongress in Rom genehmigte der Heilige Stuhl 1951 die ersten Statuten der internationalen Föderation.
Pueri Cantores in Deutschland Noch 1947 hatte der erste Kongress in Frankreich ohne Beteiligung aus Deutschland stattgefunden, zwei Jahre später waren schon einige deutsche Chöre präsent. Pater Fernand Maillet lud zur internationalen Gründungsversammlung 1950 explizit deutsche Kapellmeister ein, um die Idee auch hier weiterzuverbreiten. Der Mainzer Domkapellmeister Georg Paul Köllner war der einzige geladene Deutsche, suchte aber nach dem Treffen Kontakt zu den Dommusiken in Köln, Regensburg, Berlin und Aachen. Maillet lud Köllner 1951 auch zum 3. Internationalen Kongress in Rom ein. Bei der Generalversammlung des Verbandes am 2. April 1951 wurde der Mainzer Domkapellmeister mit der Gründung eines deutschen Verbandes beauftragt und zu dessen Präsidenten ernannt. Papst Pius XII. zeigte sich über die Ausbreitung der Idee nach Deutschland erfreut.
Ab 1950 waren einige deutsche Chöre Teil des internationalen Verbandes. Köllner hielt Verbindung mit diesen Chorleitern und bestellte den Domkapitular Hubert Wurm aus Rottenburg und Domkapellmeister Adolf Wendel aus Köln zu seinen Vizepräsidenten und engsten Mitarbeitern. Köllner bemühte sich beim Kölner Erzbischof Joseph Kardinal Frings und dem für die Kirchenmusik zuständigen Limburger Bischof Wilhelm Kempf um eine offizielle Anerkennung der Pueri Cantores in Deutschland und um die Bestätigung seiner Person als Präsident. Bei ihrer Herbstvollversammlung 1951 in Fulda kamen die deutschen Bischöfe der Bitte Köllners nach.
Im Bistum Rottenburg bildete sich zwei Monate nach der Bestätigung durch die Bischofskonferenz der erste deutsche Diözesanverband mit 15 Mitgliedschören. Trotzdem blieb die Zahl deutscher Teilnehmer auf den internationalen Kongressen bis Mitte der 60er Jahre gering. Ab 1957 fanden vermehrt Chortreffen auf regionaler und diözesaner Ebene statt. Als Zeichen der deutsch-französischen Versöhnung bat Maillet Kardinal Frings den 4. Internationalen Kongress in der Osterwoche 1953 in Köln veranstalten zu dürfen. 2.000 Teilnehmer aus 14 Ländern kamen öffentlichkeitswirksam in die großteils zerstörte Stadt. Nur 350 deutsche Knaben nahmen teil.
Entstehung des „Deutschen Chorverbands Pueri Cantores“ 1962 veranstaltete der deutsche Verband seine erste Chorleitertagung bei den Regensburger Domspatzen, mit Bericht von Domkapellmeister Theobald Schrems über seine langjährige Erfahrung. Zahlreiche weitere Fortbildungen für die Chorleiter des Verbandes folgten seitdem. 1963 bat Georg Paul Köllner um Entlastung und übergab die Führung des Verbands an den Rottenburger Domdekan Hubert Wurm, der den Rottenburger Diözesanverband seit 1951 aufgebaut hatte und der 1957 vom Allgemeinen Cäcilienverband eingerichteten „Arbeitsgemeinschaft Sängerknaben“ vorstand. Um Dopplungen in Arbeit und Amt zu vermeiden, wurde der Verband auf der Chorleiterversammlung im September 1964 in Kiedrich (Rheingau) zum „Deutschen Chorverband Pueri Cantores“ umbenannt und organisatorisch gleichzeitig zur Arbeitsgemeinschaft des Allgemeinen Cäcilienverbandes und zur nationalen Sektion des internationalen Verbandes.
1970 fand, dieses Mal in Würzburg, erneut ein Festival des internationalen Verbandes in Deutschland statt. 1979 konnte die Satzung des neuen „Deutschen Chorverband Pueri Cantores“ verabschiedet und am 26. März 1979 von der Deutschen Bischofskonferenz approbiert werden. Wurm trat danach von seinem Amt als Präsident zurück, Domkapellmeister Koesler zu seinem Nachfolger erwählt und der Limburger Domkapellmeister Hans Bernhard zum Vizepräsidenten. Die Chorleitertagungen wurden nun regelmäßig veranstaltet und Notengaben für die Mitgliedschöre herausgegeben.
Während des Zweiten Vatikanischen Konzils erfolgten vermehrt Gründungen von Mädchen- und gemischten Chören. Der deutsche Verband lud 1981 erstmals zu einem ersten nationalen Mädchenchortreffen nach Hildesheim ein. 1983 übernahm der Essener Domkantor Georg Sump das Amt des deutschen Präsidenten und wurde im Folgejahr als erster Laie auch zum Präsidenten des internationalen Verbandes gewählt. Nach dem nächsten nationalen Kongress 1986, wie 19 Jahre vorher wieder in Essen, wurde die Idee der Chortreffen nach Chorarten entwickelt, um den verschiedenen Chorgattungen besser gerecht werden zu können. 1998 führte das 4. Deutsche Chorfest die Mitgliedschöre in Köln zusammen. Das Jubiläum zum 50-jährigen Bestehen feierte der deutsche Verband mit einem bundesweiten Pueri-Cantores-Tag am 6. Mai 2001 und mit einem Festwochenende für alle Chorleiter in Mainz. mini|328x328px|Eröffnungsfeier des 45. internationalen Festivals der Pueri Cantores auf dem Marienplatz in München
32. internationales Chorfestival der Pueri Cantores in Köln 2004 fand das 32. Chorfestival der internationalen Föderation der „Pueri Cantores“ in Köln statt. Vom 11. bis 14. Juli waren 6.000 Jugendliche in 170 Chören aus vier Kontinenten in 17 verschiedenen deutschen Diözesen zu Gast und kamen daraufhin vom 14. bis zum 18. Juli zum Abschluss des Festivals nach Köln. Der Erzbischof von Köln, Joachim Kardinal Meisner, und der Bundestagspräsident, Wolfgang Thierse, hatten die Schirmherrschaft dieses Festivals übernommen.
45. internationales Chorfestival der „Pueri Cantores“ in München Unter dem Motto „Cantate Domino – Vielstimmig für den Frieden – #comeandsing“ trafen sich vom 16. bis 20. Juli 2025 rund 4.500 Sänger in 166 Chören aus 16 Ländern zu einem internationalen Chorfestival in München, um sich dort gemeinsam für den Frieden einzusetzen. In den großen Münchner Innenstadtkirchen fanden in diesem Rahmen 25 Begegnungskonzerte zwischen nationalen und internationalen Chören, muttersprachliche Festmessen für die Chöre sowie 11 festliche Konzertauftritte „Pueri in Concert“ statt. Als Schirmherren für das Festival hatten sich der Münchner Erzbischof Reinhard Kardinal Marx und die bayrische Landtagspräsidentin Ilse Aigner eingesetzt.
Ziele mini|269x269px|Drei Chöre des Verbands Pueri Cantores Region Ost bei einem Muttersprachlichen Gottesdienst auf dem 45. internationalen Festival der Pueri Cantores in München Die Zielsetzung der „Pueri Cantores“ beschreibt das Dikasterium für die Laien, die Familie und das Leben des Heiligen Stuhls folgendermaßen:
Organisation und Ausweitung Die Verbandsorgane des „Deutschen Chorverbands Pueri Cantores“ sind sein Präsidium, das Nationalkomitee und die Geschäftsführung. Sie existieren als separate Einheiten.
Präsidium Das Präsidium des „Deutschen Chorverbands Pueri Cantores“ setzt sich zusammen aus dem Vorstand (Präsidentin und 1. und 2. Vize-Präsident), dem Geistlichem Beirat sowie fünf weiteren Mitgliedern. Das aktuelle Präsidium wurde am 18. September 2023 in Münster durch das Nationalkomitee gewählt und amtiert bis 2027. mini|196x196px|Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und „Pueri-Cantores-Bischof“, Georg Bätzing Neben der Präsidentin Elisabeth Lehmann-Dronke, dem 1. Vizepräsidenten Matthias Balzer und dem 2. Vizepräsidenten Harald Martini amtiert Marius Linnenborn als Geistlicher Beirat. Der Limburger Bischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, begleitet den Chorverband als „Pueri-Cantores-Bischof“.
Nationalkomitee Das Nationalkomitee des „Deutschen Chorverbands Pueri Cantores“ ist das höchste beschlussfassende Gremium des Verbandes. Es setzt sich aus diözesanen Vertretern, einzelnen Verbandsmitgliedern und dem Präsidium zusammen und führt Wahlen, auch des Präsidiums, durch. Es tagt jährlich.
Die Deutsche Bischofskonferenz unterstützt die Arbeit des Chorverbands auch darin, dass fast alle deutschen Bistümer einen bischöflichen Beauftragten für die „Pueri Cantores“ ernannt haben, der sowohl einen Sitz und eine Stimme im Nationalkomitee des Verbands hat.
Diözesanverbände In den Diözesen Rottenburg-Stuttgart, Regensburg, Paderborn, Limburg, Freiburg, Trier, Köln, Speyer, Mainz, München und Freising, Passau, Münster, Würzburg sowie im Zusammenschluss der Regionalverband Ost bestehen Diözesanverbände; weitere Gründungen sind in Planung.mini|317x317px|Kongress des französischen Nationalverbands der Pueri Cantores in Rennes, 6.–10. Juli 2011 Chortreffen Die deutschlandweiten und internationalen Chortreffen sind ein zentrales Element in der Organisation und der Arbeit des Verbandes. Sie sollen Austausch, Begegnungen und Partnerschaften zwischen Chören sowie ein gemeinsames Eintreten für das Friedensengagement des Vereins sicherstellen.mini|316x316px|Die Bühne auf dem Münchner Marienplatz während des 45. internationalen Chorfestivals der Pueri Cantores 2025 Deutsche Chortreffen Essen (1965, 1986), Rom (1967), Köln (1998), Münster (2008), Würzburg (2011), Trier (2015) und Paderborn (2019). Das nächste nationale Chorfestival ist mit etwa 2.500 Sängern unter dem Motto „Die Hoffnung fliegt uns zu“ vom 23. bis 27. Juni 2027 in Freiburg angekündigt.
Auswahl an Spartentreffen der deutschen Mädchen-, Knaben- und Jugendchöre Knabenchortreffen: Mainz (1991), Köln (2013), Würzburg (2017) und Essen (2022) Mädchenchortreffen: Hildesheim (1981), Altötting (1983), Limburg (1988), Fulda (1994), Paderborn (2013) und Rottenburg (2017). Zwischen dem 18. und 20. September 2026 soll das nächste nationale Mädchenchorfestival in Bamberg stattfinden. Es werden knapp 50 Chöre und insgesamt 1.000 Sängerinnen erwartet. Jugendchortreffen: Friedrichshafen (1993), Kevelaer (2000), Speyer (2013), Regensburg (2017) und Münster (2023)
Internationale Chortreffen der FIPC Rom (1951), Köln (1953), Rom (1954), Paris (1956), Lourdes (1958), Rom (1969/61), Madrid (1963), Loreto-Rom (1964), Rom (1967), Würzburg (1970), s`Hertogenbosch (1972), Rom (1974/75), London (1976), Wien (1978), Rom (1980/81), Brüssel (1982), Paris (1985), Rom (1988/89), Maastricht (1990), Salamanca (1991), Rom (1993/94), Kanada (1995), Salzburg (1996), Barcelona (1998), Rom (2000), Lyon (2002), Köln (2004), Rom (2005/2006), Krakau (2007), Stockholm (2009), Rom (2010/2011), Granada (2012), Washington D.C. (2013), Paris (2014), Rom (2015/2016), Rio de Janeiro (2017), Barcelona (2018), Florenz (2022), Rom (2023/2024) und München (2025). Für den 14. bis 18. Juli 2027 ist das nächste internationale Pueri-Cantores-Festival in Malaga geplant.
Fortbildungen für Chorleiter mini|Bühne vor dem Kölner Dom beim internationalen Chorfestival des FIPC 2004|314x314px