Banco Alemán Antioqueño (deutsch: Deutsche Antioquia Bank) war eine 1912 gegründete deutsch-kolumbianische Bank mit formellem Sitz in Bremen, Domshof 17–18, und operativem Schwerpunkt in Medellín (Kolumbien). Sie gehörte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu den bedeutenden Banken Kolumbiens und gilt als Teil der wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen deutschen Kaufleuten und Lateinamerika sowie als Vorläufer späterer kolumbianischer Bankinstitute.

Geschichte Gründung und Kapitalstruktur Die Bank wurde am 5. Oktober 1912 in Bremen gegründet und nahm am 1. Dezember 1912 ihre Geschäftstätigkeit in Medellín auf.

Die Gründung erfolgte als Aktiengesellschaft nach deutschem Handelsrecht. Das Grundkapital betrug 3.000.000 Mark und war in 3000 Aktien zu je 1000 Mark eingeteilt.Staatsarchiv Bremen, StAB 7.2001 1113, Gründungsvermerk zur Deutschen Antioquia-Bank, Oktober 1912. Dies entsprach etwa 750.000 Pesos oro und wurde überwiegend von deutschen sowie zu einem geringeren Anteil von kolumbianischen Investoren gezeichnet.

Zu den Gründern und Hauptzeichnern des Kapitals gehörten mehrere Kaufleute und Handelsunternehmen aus Bremen und Medellín. Die Aktien der Gesellschaft wurden vollständig übernommen durch:Staatsarchiv Bremen, StAB 7.2001 1113, Gründungsvermerk zur Deutschen Antioquia-Bank, Oktober 1912; Gründungsprotokoll vom 5. Oktober 1912.

Jorge Rodríguez, Medellín (Kolumbien) Schütte, Bünemann & Co., Bremen A. Held, Bremen E.C. Weyhausen, Bremen Carl F. Plump & Co., Bremen

Die Gesellschaft hatte ihren Sitz in Bremen, während ihre Geschäftstätigkeit in Medellín ausgeübt wurde. Zu den Gründern gehörten sowohl in Bremen ansässige Handelsunternehmen als auch ein Kaufmann aus Medellín.Staatsarchiv Bremen, StAB 7.2001 1113.

Eine zeitgenössische Darstellung aus dem Jahr 1916 bestätigt die Gründung in Bremen, die Tätigkeit in Medellín sowie Kapitalstruktur und Organisationsform der Bank.

Organisation und Geschäftstätigkeit Die Bank war als Universalbank konzipiert und betrieb insbesondere Außenhandelsfinanzierung, Kreditgeschäft und internationalen Zahlungsverkehr. Die operative Leitung lag in Medellín, während eine übergeordnete Leitungsstruktur mit Bezug zu Bremen bestand. Bereits 1925 zählte der Banco Alemán Antioqueño gemessen am Einlagenvolumen zu den größten Banken Kolumbiens und belegte den dritten Platz mit einem Anteil von rund 12,9 % am nationalen Einlagenbestand.

Expansion In den 1920er und 1930er Jahren expandierte die Bank durch ein Netz von Filialen in mehreren kolumbianischen Städten. Darüber hinaus bestand eine Niederlassung in Bremen sowie ab 1937 eine Filiale in Caracas (Venezuela). Internationale Bankverzeichnisse der 1930er Jahre führen die „Deutsche Antioquia Bank A.G.“ in Bremen als Filiale des Instituts in Medellín.

Zweiter Weltkrieg und Umbenennung Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Bank 1942 in den Vereinigten Staaten im Federal Register als gesperrtes Unternehmen („blocked national“) gelistet. Im selben Jahr wurden deutsche Vermögenswerte in Kolumbien unter staatliche Treuhandverwaltung gestellt. In diesem Zusammenhang ging die Bank in kolumbianische Hände über und wurde in Banco Comercial Antioqueño umbenannt.

Spätere Entwicklung Das Banco Comercial Antioqueño wurde im späten 20. Jahrhundert Teil größerer Bankfusionen und ging über die Zwischenstufe Bancoquia in internationale Bankengruppen über.

Bedeutung Der Banco Alemán Antioqueño entstand im Kontext der engen wirtschaftlichen Beziehungen zwischen deutschen Kaufleuten und Kolumbien und spielte eine bedeutende Rolle bei der Finanzierung von Handel und wirtschaftlicher Entwicklung in der Region Antioquia.

Literatur Adolfo Meisel Roca; Joaquín Viloria de la Hoz: Los alemanes en el Caribe colombiano: el caso de Adolfo Held, 1880–1927. Banco de la República, Cartagena 1999. (online; PDF) Ebelio Espínola Benítez: Actividades del Banco Alemán Antioqueño en Venezuela en el contexto de la Segunda Guerra Mundial. 2022. (online; PDF) Andrés Mora Cuartas u. a.: Las entidades bancarias en Colombia y su evolución en el siglo XX. Universidad EAFIT, 2016. (online; PDF) Guía ilustrada de Medellín. 1916. (online)

Weblinks Rand McNally Bankers Directory : July 1931 : Foreign Banks and Bankers. Federal Reserve Bank of St. Louis Federal Register, Tuesdays, February 10, 1942 (S. 847–900) im Archiv des Federal Register

Einzelnachweise

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