mini|Günther Riebow (1934) Günther Anton John Riebow (* 9. Mai 1901 in Hamburg; † 20. November 1980 ebenda) war ein deutscher Jurist und Sportverbandsfunktionär.

Herkunft Seine Eltern waren Louis Riebow († 1929) und Franziska, geb. Hildebrandt († 1928). Sein Vater war Inhaber der 1884 gegründeten Hamburger Import-Maklerfirma L. Riebow im Kontorhaus Barkhof. Sein Onkel John Riebow († 1932), Geschäftspartner seines Vaters, war zudem Generalkonsul von Costa Rica in Hamburg.

Vor und während des Zweiten Weltkriegs Günther Riebow machte am Hansa-Gymnasium Bergedorf 12. Juni 1918 Notabitur und trat als 17-jähriger in Konstanz dem 6. Badischens Infanterie-Regiment „Kaiser Friedrich III.“ Nr. 114 bei, wo er das Ende des Ersten Weltkriegs ohne Fronteinsatz verbrachte.Heinrich: Ein ganz normaler Jurist. Der Werdegang des Günther Riebow. S. 305

Zurück in Hamburg schloss er sich dem Freikorps Bahrenfeld an, das bei Unruhen die Bahrenfelder Polizei unterstützte. Zeitgleich wurde er Mitglied der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP). Parallel dazu begann er 1919 sein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Hamburg. Nach einem Semester wechselte er zum 5. Juni 1919 an die Universität Tübingen. Er war seit dem Sommersemester 1919 Mitglied der Tübinger Burschenschaft Derendingia.Willy Nolte (Hrsg.): Burschenschafter-Stammrolle. Verzeichnis der Mitglieder der Deutschen Burschenschaft nach dem Stande vom Sommer-Semester 1934. Berlin 1934, S. 395.Mitglieder-Verzeichnis der Burschenschaft Derendingia zu Tübingen. 1978, S. 50, Stammrollen-Nr. 554. In Tübingen trat er der Reserve-Sicherungskompanie Tübingen bei. Laut Riebows Biograf Arthur Heinrich – mit den Forschungsschwerpunkten Zeitgeschichte des Sports, Sport im Nationalsozialismus – war er beim Kapp-Putsch im März 1920 beteiligt. „Auch wenn ungeklärt ist, ob Riebow an Aktionen gegen die Republik beteiligt war − fest steht (so HeinrichHeinrich: Ein ganz normaler Jurist. Der Werdegang des Günther Riebow. S. 306 f.), dass er als Korpsstudent, als Mitglied der DNVP und als Freiheitskämpfer gleich drei Zusammenschlüssen angehörte, die ein fest gefügtes Feindbild verband, und das hieß: Spartakus und Bolschewismus. Der jungen Weimarer Demokratie, die die Existenzberechtigung auch der politischen Linken grundsätzlich anerkannte, konnten sie nichts abgewinnen. In diesem Milieu fühlte sich Riebow zuhause.“

Im Sommer 1921 wechselte er für ein Semester an die Universität München. Zurück in Hamburg bestand er 1923 sein erstes Staatsexamen im zweiten Anlauf. 1924 promovierte mit einer Dissertation zum Thema Der Kauf auf Umtausch und absolvierte sein zweites Staatsexamen mit der Note „voll ausreichend“. 1926 wurde er von der Justizverwaltung zum Assessor ernannt und auf eigenen Wunsch der Staatsanwaltschaft zugeteilt.Heinrich: Ein ganz normaler Jurist. Der Werdegang des Günther Riebow. S. 307

1928 wurde er zum Richter am Amtsgericht Hamburg berufen und 1930 von der Hamburger Justiz für mehrere Monate nach London entsandt, um sich mit Grundzügen des britischen Rechtssystems vertraut zu machen und seine Englischkenntnisse zu verbessern. Während dieses dienstlichen Aufenthalts nutzte er seine Kontakte im Deutschen Fußball-Bund, um im Scotland-Yard-Kriminalmuseum die Entfernung von „Memorabilien“ zu erreichen, die an die deutschen Zeppelin-Attacken während des Ersten Weltkriegs auf die britische Hauptstadt erinnerten. In seinem Bericht an die Landesjustizverwaltung kritisierte er zudem, dass die deutsche Botschaft in dieser Frage keine Initiative ergriffen habe.Heinrich: Ein ganz normaler Jurist. Der Werdegang des Günther Riebow. S. 307[Riebow] Bericht über meine Entsendung nach England zur Einführung in das englische Recht und zur Fortbildung in der englischen Sprache in der Zeit vom 14. März bis 14. Juli, 30 Speptember 1930; StArch HHAnmerkung: Durch von Zeppelinen abgeworfene Bomben von 1915 bis 1918 verursachten die neben den Todesopfern und Verletzten unter britischen Zivilisten auch massive Schäden.Riebow an die Landesjustizverwaltung, 28. Oktober 1930; StArch HH

Laut einer Beurteilung der „höheren NS-Reichsbehörde“ gehörte Riebow „zu den besten jungen Richtern des Amtsgerichts. Er ist erheblich über Durchschnitt begabt und ein vorzüglicher praktischer Richter. Dazu ist er politisch aktiv und interessiert. Er wird bald zur Beförderung vorgeschlagen.“ Welche politischen Aktivitäten gemeint waren, ist unklar, so Heinrich, da er in der NSDAP kein Amt ausübte und erst 1938 Zellenobmann im Nationalsozialistischen Rechtswahrerbund wurde. 1937 wurde er Amtsgerichtsrat. Für Urteile im KZ Neuengamme trägt er die Verantwortung. Riebow galt als „besonders willfähriger NS-Richter“, auch als Leiter des DFB-Sportgerichts.

Riebows Karriere als Sportfunktionär verlief parallel. 1929 wurde er zum Vorsitzenden des Norddeutschen Sport-Verbands (NSV) und Mitglied des Bundesvorstands des Deutschen Fußball-Bunds gewählt. Nach der Machtergreifung trat er zum 1. Mai 1933 der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 2.735.282).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/34791526Arthur Heinrich: Als Jude im deutschen Fußball. Die drei Leben des Martin Abraham Stock. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2014, S. 55. Unter seiner Beteiligung wurde der NSV im Juli 1933 aufgelöst und Riebow zum Gaufachwart Fußball im Gau VII Nordmark des Nationalsozialistischen Reichsbunds für Leibesübungen und 1937 zum Bundesrechtswart im Stab des Reichsfachamtsleiters Fußball ernannt.

Laut seiner Personalakte im Staatsarchiv der Freien und Hansestadt Hamburg war er von 1939 bis 1945 Notar. Er wurde Notariatspartner des sich damals bereits im 62. Lebensjahr befindlichen Paul de Chapeaurouge (zuvor DVP). Als Gründe für seinen Wechsel aus dem Justizdienst und Beamtenverhältnis in ein Notariat mit namentlicher Erwähnung Riebows sieht Heinrich, dass „er glaube als Notar mehr Geld verdienen zu können“.Heinrich: Ein ganz normaler Jurist. Der Werdegang des Günther Riebow. S. 309„Der Landespräsident an den Präsidenten des Hanseatischen Oberlandesgerichts, datiert 18. März 1954, StArch HH“

Am 30. August 1939 wurde er von der Wehrmacht eingezogen.Heinrich: Ein ganz normaler Jurist. Der Werdegang des Günther Riebow. S. 309 Als Kriegsgerichtsrat während des Zweiten Weltkriegs verhängte Riebow Todesurteile.Heinrich: Ein ganz normaler Jurist. Der Werdegang des Günther Riebow. S. 309–313 Am 29. Januar 1943 geriet Riebow durch Soldaten der Roten Armee in Stalingrad in Kriegsgefangenschaft. 1949 wurde er vor einem Militärgericht in Gorki wegen Kriegsverbrechen gegen russische Staatsbürger zu 25 Jahren Gulag verurteilt.Heinrich: Ein ganz normaler Jurist. Der Werdegang des Günther Riebow. S. 313–316

Nach 1945 Vom Militärkollegium des Obersten Gerichtshofes der UdSSR wurde am 23. Dezember 1953 seine weitere Verhaftung „nicht zwingend“ angeordnet, Riebow zum Jahreswechsel vom MVD-Lager Nr. 144 in die DDR nach Frankfurt an der Oder verbracht, von dort ins Grenzdurchgangslager Friedland und war Anfang Januar wieder in Hamburg.Heinrich: Ein ganz normaler Jurist. Der Werdegang des Günther Riebow. S. 316 Von der Hamburger Justizbehörde wurde er umgehend wieder eingestellt und bereits am 4. Mai 1954 erfolgte seine Ernennung zum Landgerichtsdirektor. Zudem wurde er 2. Vorsitzender des Norddeutschen Fußball-Verbands und Mitglied des DFB-Sportgerichts.Heinrich: Ein ganz normaler Jurist. Der Werdegang des Günther Riebow. S. 316–318 1964 wurde Riebow in den engeren Vorstand des Deutschen Sportbundes gewählt, später wurde er Vizepräsident des Dachverbands.

1972 veröffentlichte Riebow unter dem Titel Amtsrichter Pankoken eine Sammlung Justizanekdoten. Darin findet sich unter anderem die Geschichte des sogenannten „Ausgleichs-Cohn“, in der ein traditionelles Stereotyp über jüdische Rechtsanwälte humoristisch aufgegriffen wird. In der Forschung wird diese Anekdote als Beispiel dafür angeführt, dass Riebow auch in der Nachkriegszeit problematische, antisemitisch konnotierte Vorstellungen unreflektiert weitergab.Riebow: Amtsrichter Pankoken. Anekdoten aus der Justiz, 1972, S. 48–49Heinrich: Ein ganz normaler Jurist. Der Werdegang des Günther Riebow Kapitel „Amtsrichter Pankoken“, S. 317

Riebow verstarb nach langer Krankheit im Alter von 79 Jahren und wurde am 24. November 1980 auf dem Waldfriedhof von Aumühle beigesetzt.Nachruf: Günther Riebow ist tot. Von seinen Ideen lebte der nordische Fußball. Bergedorfer Zeitung vom 24. November 1980

Schriften

Literatur

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Einzelnachweise

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