Die LNWR-Klasse B, auch Swami genannt, war eine von Francis Webb entworfene Baureihe schwerer vierfach gekuppelter Vierzylinder-Verbundlokomotiven für den Güterzugdienst der London and North Western Railway (LNWR). Zwischen 1901 und 1904 wurden insgesamt 170 Exemplare in den bahneigenen Crewe Works gebaut. Keine davon ist erhalten geblieben.

Geschichte

Bau Die Klasse B ist die Vierzylinder-Variante der Dreizylinder-Verbundlokomotive der Klasse A, die ebenfalls von Francis Webb entworfen wurde. Zwischen 1901 und 1904 wurden insgesamt 170 Stück gebaut. Zusätzlich wurde die 1892 gebaute Einzellokomotive Nr. 2524, die als Versuchsträger für einen Verbrennungskammerkessel diente, 1906 zu einer Lokomotive der Klasse B umgebaut.

Spitznamen Die Lokomotiven erhielten den Spitznamen Swami, der aus dem Hindi stammt und in Großbritannien im späten 19. Jahrhundert auch für orientalische Zauberer und Illusionisten verwendet wurde, die als Unterhaltungskünstler auftraten. Sie pflegten ihre Darbietungen stets damit zu beenden, dass sie in einer Rauchwolke verschwanden. Vermutlich erhielten die Lokomotiven diesen Namen aufgrund der Dampfwolken, die bei der Anfahrt der Lokomotive entstanden.

Nummerierung Wie bei vielen britischen Eisenbahngesellschaften jener Zeit war es auch bei der LNWR üblich, neuen Lokomotiven Nummern ausgemusterter Lokomotiven zuzuweisen. Nur wenn der Gesamtbestand an Lokomotiven erhöht wurde, wurden neue Nummern vergeben. Dies führte zu einer willkürlichen Nummerierung, die teilweise keine fortlaufenden Nummernblöcke aufweist und keine Rückschlüsse auf das Alter oder die Ablieferungsreihenfolge der Lokomotiven zulässt. Die ersten 20 1901 gelieferten Lokomotiven erhielten die Betriebsnummer 1881 bis 1900.

Umbauten Aus der großen Serie gingen zahlreiche Umbauten hervor. Einerseits erhielten die Lokomotiven Vorlaufachsen, um das hohe Gewicht der Zylinderbaugruppe besser abzustützen; andererseits wurden sie mit Überhitzern ausgestattet.

Der erste Umbau erfolgte unter George Whale, dem Nachfolger von Francis Webb. Er ließ von 1904 bis 1908 insgesamt 26 Lokomotiven mit einer Vorlaufachse versehen und ordnete sie der Klasse E zu. Zwischen 1906 und 1908 wurden zudem zehn Lokomotiven zur Klasse F umgebaut. Diese erhielten nicht nur eine Vorlaufachse, sondern auch einen größeren Kessel. Zwischen 1912 und 1927 folgte der Umbau von 32 Maschinen zu Zweizylinderlokomotiven der Klasse G, wobei lediglich die innenliegenden ehemaligen Niederdruckzylinder weiterverwendet wurden.

Ein weiterer umfassender Umbau fand zwischen 1917 und 1927 statt. Charles Bowen Cooke, der Nachfolger von George Whale, wandelte 91 Lokomotiven der Klasse B in Heißdampf-Zweizylinderlokomotiven mit einfacher Dampfdehnung der Klasse G1 um. Auch Lokomotiven aus den Klassen E, F und G sowie Umbauten aus der Klasse A wurden in die Klasse G1 überführt, wobei bei den Klassen E und F die Vorlaufachse wieder ausgebaut wurden und bei allen Klassen die nicht mehr benötigten Außenzylinder entfernt wurden.

London, Midland and Scottish Railway Nach der Gruppierung der britischen Eisenbahnen in vier große Gesellschaften im Jahr 1923 wurde die London and North Western Railway (LNWR) von der London, Midland and Scottish Railway (LMS) übernommen. Die LMS erhielt noch 53 nicht umgebaute Lokomotiven der Klasse B, während die Zahl der umgebauten Maschinen deutlich höher war. Bis 1927 sank die Zahl der unveränderten Lokomotiven auf lediglich zehn Exemplare, die innerhalb eines Jahres ausgemustert wurden.

Technik Die Vierzylinder-Vierkuppler-Schlepptenderlokomotiven besaßen die Achsfolge D, bestehend aus vier Kuppelachsen ohne Laufachsen. Der Antrieb erfolgte über zwei außenliegende Hochdruckzylinder und zwei innenliegende Niederdruckzylinder. Die Außenzylinder waren schräg gestellt und arbeiteten auf die zweite Kuppelachse. Aufgrund der vier Zylinder waren sie mit 31,5 Tonnen auf den beiden vorderen und 22,9 Tonnen auf den beiden hinteren Achsen ziemlich kopflastig, weshalb die Lokomotiven bei Umbauten teilweise mit Vorlaufachsen versehen wurden. Die Steuerung war als innenliegende Joy-Steuerung ausgeführt. +Übersicht der UmbautenKlasseAnzahlBauartÄnderungAusführungAusgeführt vonE261’D n4vVorlaufachse ergänzt1904–1908George WhaleF101’D n4vVorlaufachse ergänzt, größerer Kessel1906–1908George WhaleG32D n2Zweizylinderlokomotive mit einfacher Dampfdehnung1912–1927George WhaleG191D h2Überhitzer, Zweizylinderlokomotive mit einfacher Dampfdehnung1917–1927Charles Bowen Cooke

Weblinks

Einzelnachweise

B Kategorie:Dampflokomotive Achsfolge D Kategorie:Schienenfahrzeug (Crewe Works)