mini|Eines von Piffarettis Hauptwerken: die Skulptur Riconoscenza an seinem Familiengrab Luigi Piffaretti (* 23. SeptemberFoletti 2001 gibt abweichend davon den Geburtstag 23. November an. 1861 in Ligornetto, heute Quartier von Mendrisio; † 5. Juni 1910 ebenda) war ein Schweizer Bildhauer.
Leben Luigi Piffaretti wurde 1861 in Ligornetto, der Heimat seines Grossonkels Vincenzo Vela, im Kanton Tessin geboren. Er besuchte einige Jahre das Gymnasium in Mendrisio, brach es aber ab, um eine Bildhauerlehre in Viggiù zu absolvieren. Später studierte er an der Accademia Albertina in Turin unter Odoardo Tabacchi. Piffaretti lebte und wirkte gewiss bis 1895, vielleicht sogar bis nach 1900 als freier Bildhauer in Turin. Er arbeitete bisweilen mit Vincenzo Vela zusammen; unter anderem soll er wiederholt die Hände seiner Skulpturen ausgeführt haben. Dokumentiert sind ferner eine Reise nach Rom und ein Aufenthalt in Vercelli. Zu einem unbekannten Zeitpunkt kehrte er seiner schlechten Gesundheit wegen nach Ligornetto zurück.Giulio Foletti: Luigi Piffaretti. In: Arte nell’Ottocento. La pittura e la scultura del Cantone Ticino (1870–1920). Armando Dadò, Locarno 2001, S. 393–399. Hier war als Vertreter der liberalen Partei in der Kommunalpolitik aktiv; so amtete er als Schuldelegierter, Präsident der liberalen Gesellschaft «Vincenzo Vela» und Kassier des Kindergartens. Nach langer Krankheit, die ihm die Arbeit in seinen letzten Lebensjahren zunehmend erschwerte, starb er 1910 im Alter von 48 Jahren in Ligornetto.Note meste. In: L’azione. 7. Juni 1910, S. 2 (online).Luigi Piffaretti. In: Cristina Brazzola, Giovanna Ginex, Paola Capozza: Il cimitero monumentale di Lugano. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 2016 (= Schweizerische Kunstführer, Band 986–987), ISBN 978-3-03797-274-8, S. 69.
Werk Piffarettis Werk steht in der Tradition von Vincenzo Velas romantischem Verismus, ohne dem illustren Vorbild aber allzu sklavisch zu folgen. Er schuf insbesondere Grabskulpturen, deren Grossteil im Mendrisiotto steht. Gemeinsam mit Cesare Realini realisierte er 1889 eine Gedenktafel für Vincenzo und Spartaco Vela am Gemeindehaus von Ligornetto. 1893 führte er zusammen mit Gottardo Induni die Marmorarbeiten an Velas Grabmal in Ligornetto aus.Nancy J. Scott: Vincenzo Vela 1820–1891. Garland Publishing, New York / London 1979, S. 60. Die in der Ädikula stehende Replik von Velas Ecce homo stammt von ihm.Giulio Foletti: Luigi Piffaretti. In: Arte nell’Ottocento. La pittura e la scultura del Cantone Ticino (1870–1920). Armando Dadò, Locarno 2001, S. 393–399, Anm. 3. 1894 zeigte er an der Accademia di Brera in Mailand die nicht erhaltene Skulpturengruppe Schmuggel (Contrabbando). 1897 stellte er in Lugano eine Bronzebüste Vincenzo Velas aus.Giulio Foletti: Luigi Piffaretti. In: Arte nell’Ottocento. La pittura e la scultura del Cantone Ticino (1870–1920). Armando Dadò, Locarno 2001, S. 393–399, Anm. 6. Sie wurde 1991 anlässlich von Vincenzo Velas 100. Todesjahr vor dem Gemeindehaus in Ligornetto platziert.Corriere del Ticino. 23. Dezember 1991, S. 15. Für das Spital von Mendrisio (heute Palazzo Turconi) fertigte er Brustbilder Vincenzo und Spartaco Velas. Sie wurden 1898 in den Nischen des Treppenhauses platziert. Die Gipsmodelle befinden sich in der ehemaligen Residenz Lorenzo Velas.Angela Windholz: Da ospedale a biblioteca. La storia del legato Turconi. Accademia di architettura, Mendrisio 2021 (PDF), S. 41 f.
Piffarettis Opus summum ist das 1908 eingeweihte Grabmal für den Politiker und Schriftsteller Giovanni Airoldi auf dem Friedhof Lugano. Bemerkenswert sind die veristische Büste Airoldis, das Relief, das dessen literarische Gaben symbolisiert, die Tondi mit den Familienmitgliedern auf dem Sockel und die allegorische Frauenfigur Riconoscenza (Dankbarkeit), die sich anschickt, eine Liste der Tugenden des Geehrten niederzuschreiben. Letztere ist eine Replik von Luigi Giberto Buzzi. Das Original, das heute an Piffarettis Grab in Ligornetto steht, wurde von den Auftraggebern wegen eines Defekts im Marmor abgelehnt. Piffaretti war im fortgeschrittenen Krankheitszustand aber nicht mehr in der Lage, selbst eine zweite Version zu fertigen.Paola Capozza, Giovanna Ginex: Tomba Giovanni Airoldi. In: Cristina Brazzola, Giovanna Ginex, Paola Capozza: Il cimitero monumentale di Lugano. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 2016 (= Schweizerische Kunstführer, Band 986–987), ISBN 978-3-03797-274-8, S. 44.
Der Grossteil von Piffarettis in Ligornetto aufbewahrtem Nachlass ist verschollen oder zerstört. Erhalten sind lediglich zwei Notizbücher, eine Zeichnung und einige Modelle, darunter die Reliefporträts Vincenzo und Lorenzo Velas aus Gips, ein Putto und eine Terrakottabüste seines Neffen Eugenio Piffaretti. Das Museo Civico in Lugano war im Besitz eines 108 cm hohen weiblichen Akts in Bronze.
Literatur Note meste. In: L’azione. 7. Juni 1910, S. 2 (online). Giovanni Piffaretti: Luigi Piffaretti, scultore, 1861–1910. Tütt Insema, Ligornetto 1992. Giulio Foletti: Luigi Piffaretti. In: Arte nell’Ottocento. La pittura e la scultura del Cantone Ticino (1870–1920). Armando Dadò, Locarno 2001, S. 393–399.
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