Yasmeen Mjalli ist eine US-amerikanische Modedesignerin und Menschenrechtlerin, welche das in Ramallah im Westjordanland ansässige Modekollektiv Nöl gründete und traditionelle Techniken wie Tatreez mit zeitgenössischem Design verbindet. Sie wurde zuvor mit dem feministischen Label BabyFist und der Kampagne Not Your Habibti gegen sexuelle Belästigung bekannt.
Leben Mjalli wuchs in den Vereinigten Staaten auf, wurde in einer palästinensischen Familie in North Carolina groß und studierte Kunstgeschichte an der University of North Carolina. Nach ihrem Abschluss zog sie ins Westjordanland zurück und baute von Ramallah aus ihr Schaffen auf. Im Jahr 2017 gründete sie das Label BabyFist, zunächst mit markanten Slogans wie Not Your Habibti als Reaktion auf eigene Erfahrungen mit Straßenbelästigung, und eröffnete wenig später einen Laden in Ramallah. Aus der kritischen Auseinandersetzung mit Herkunft, Produktion und Arbeitsbedingungen entstand daraus das Modekollektiv Nöl, das seit 2017/2018 von Ramallah aus entwickelt wird.
Wirken Mit Nöl arbeitet Mjalli eng mit Frauenkooperativen, familiengeführten Werkstätten und Kunsthandwerkerinnen in Bethlehem, Hebron (al-Khalil), Nablus/Askar und Ramallah zusammen und verknüpft zur Sichtbarmachung kulturellen Wissens und Sicherung fairer Löhne lokale Materialien, Naturfärbungen und die von der UNESCO anerkannte Stickkunst Tatreez mit moderner Gestaltung. Ein besonderes Element ist die Zusammenarbeit mit der Weberei-Gemeinschaft in Gaza, die Majdalawi-Stoffe herstellen; zugleich prägen Einschränkungen, Kontrollstationen und Versandprobleme die tägliche Arbeit des Labels. Aufmerksamkeit erregte Nöl durch eine Bühnenkooperation mit der Grammy-Preisträgerin Arooj Aftab, für die Mjalli 2023 ein Ensemble fertigte, das palästinensische und pakistanische Referenzen vereinte. Inhaltlich versteht Mjalli Mode als politisches Medium, das Aspekte von Nachhaltigkeit, Arbeit, Geschlechtergerechtigkeit und kolonialer Geschichte aufnimmt; entsprechend verfolgt Nöl eine Slow-Fashion-Praxis und nutzt die Kollektionen als Erzählraum über palästinensisches Leben und Handwerk. Im Zuge des Krieges in Gaza setzte sie sich 2024 für die Evakuierung eines Teils der mit Nöl verbundenen Weberfamilie ein und machte zugleich die ökonomischen Brüche für Werkstätten und Näherinnen öffentlich. Zugleich dient die Arbeit als Beitrag zur Bewahrung und Weiterentwicklung palästinensischen Handwerks – von Naturfärbungen über Weberei bis zu Tatreez – und als Plattform zur Konfrontierung der internationalen Kundschaft mit der Lebenswirklichkeit von Produktion unter Besatzungsbedingungen.
Einzelnachweise
Kategorie:Modedesigner (21. Jahrhundert) Kategorie:Menschenrechtsaktivist Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren im 20. Jahrhundert Kategorie:Frau