mini|hochkant|Henri Jeanson, 1933mini|hochkant|Georges Suarez, 1933 Aujourd’hui war eine kollaborierende (das heißt, eine während des Zweiten Weltkriegs mit den deutschen Besatzern zusammenarbeitende) französische Tageszeitung, die von 1940 bis 1944 erschien.
Geschichte Aujourd’hui wurde am 22. Juni 1940 von Henri Jeanson gegründet. Jeanson war gerade aus dem Gefängnis entlassen worden (er saß dort wegen pazifistischer Äußerungen) und hatte die Hoffnung, eine wirklich unabhängige Zeitschrift zu gründen und damit den damals verbotenen Canard enchaîné zu ersetzen; dies mit Zustimmung der deutschen Besatzer.Siehe Literaturliste Gordon 1980 S. 83–86 Der deutsche Botschafter in Frankreich, Otto Abetz, plante Jeanson als Feigenblatt für die deutsche Kulturpolitik einzusetzen. Jeanson rekrutierte eher linksgerichtete Autoren wie Robert Desnos und Zeichner wie Bécan.
Die erste Ausgabe erschien am 10. September 1940. Jeanson vertrat eine liberale Linie und kritisierte auch Verantwortliche des Vichy-Regimes wie Philippe Pétain, Pierre Laval oder Marcel Déat. Im November 1940 forderten die deutschen Behörden den Direktor von Aujourd’hui auf, öffentlich Stellung gegen die Juden und für die Politik der Kollaboration mit dem Dritten Reich zu beziehen. Henri Jeanson trat zurück und der Journalist Georges Suarez wurde sein Nachfolger. Chefredakteur wurde Robert Perrin.
In den folgenden Wochen machte sich die Zeitung Aujourd’hui auf die Jagd nach den „Verantwortlichen für die Niederlage“, was sich unter anderem in einer ausgeprägten Anglophobie ausdrückte. Sie stimmte damit mit den Äußerungen von Marschall Pétain überein und folgt der Nazi-Propaganda. Die Tageszeitung sprach sich beispielsweise für den Prozess von Riom aus, in dem die „republikanischen Verantwortlichen“ für die Niederlage bestraft werden sollten: „Der größte Prozess der Geschichte wird morgen im großen Saal des Justizpalasts von Riom eröffnet ... Im Schatten seiner alten grauen Mauern wird die Verantwortung derjenigen festgestellt werden, die Frankreich durch ihre Unbesonnenheit in dieses aussichtslose Abenteuer gestürzt haben.“ Suarez forderte die Leser auch zu Denunziationen gegenüber der Résistance auf und vertrat eine ausgesprochen antisemitische Haltung. Lediglich Robert Desnos versuchte noch, in seinen Musikrezensionen Kritik am Regime anzubringen und Informationen, die er über die Redaktion erhielt, an die Résistance weiterzuleiten. Er wurde 1944 verhaftet und in Buchenwald interniert.
Die letzte Ausgabe, Nr. 1250, erschien am 16. August 1944. Nach der Befreiung von Paris am 24. August wurde Georges Suarez verhaftet und im November 1944 erschossen.
Mitarbeiter Zu den weiteren Mitarbeitern bei Aujourd’hui gehörten der Dichter Jean Anouilh, der generell eine ambivalente Haltung gegenüber der Besatzung einnahm, der Kollaborateur Abel Bonnard, die Dichter Léon-Paul Fargue und Pierre Mac Orlan sowie der ehemalige Marineoffizier Paul Chack, dessen Leitartikel zu den schärfsten des Blattes zählten und der kurz nach Suarez hingerichtet wurde.
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Zeitung (Frankreich, Erscheinen eingestellt) Kategorie:Französische Kollaboration Kategorie:Ersterscheinen 1940 Kategorie:Erscheinen eingestellt 1944