Die alte Mühle von Vernon frz. Vieux-Moulin ist eine ehemalige Wassermühle auf den Resten des mittelalterlichen Brückenbauwerks von Vernon im Département Eure in der Region Normandie. Das charakteristische Fachwerkhaus erhebt sich bis heute auf zwei Pfeilern des ehemaligen Seinebrückenkomplexes aus dem 12. Jahrhundert und gilt als eines der markantesten Wahrzeichen der Stadt. Das Bauwerk ist als Kulturgut im französischen Denkmalinventar erfasst und Teil eines seit 1943 eingetragenen Naturdenkmals an der rechten Seineuferseite.

Lage Der Bau befindet sich am rechten Ufer der Seine nahe der Île du Talus und in Sichtweite des Château des Tourelles. Er liegt unmittelbar oberhalb des ehemaligen mittelalterlichen Pont de Vernonnet, der bis ins 19. Jahrhundert die Stadtteile Vernonnet und Vernon verband.

Geschichte Die Brücke, deren Pfeiler den heutigen Mühlenbau tragen, entstand im 12. Jahrhundert und wurde traditionell Philipp II. August zugeschrieben. Sie ersetzte ein älteres, möglicherweise in die Zeit von Herzog Heinrich I. von Normandie datierbares Bauwerk. Der mittelalterliche Brückenkomplex diente zur Sicherung des rechten Seineufers und wurde parallel zum Flusslauf errichtet – eine Bauweise, die von den sonst üblichen quer zum Fluss gesetzten Brücken abweicht. Das heutige Mühlenhaus wird um das 16. Jahrhundert datiert. Es entstand als moulin à eau à roue pendante, eine für die Normandie typische Mühlenform, bei der ein hängendes Wasserrad (roue pendante) an Strömung und Pegel angepasst werden konnte. Die Mühle war eines von mehreren Bauwerken, die in die Brückenkonstruktion integriert waren. Mit dem technischen Wandel verlor die Anlage im Laufe des 19. Jahrhunderts ihre ursprüngliche Funktion. Die Mühlentechnik wurde später vollständig entfernt. Zwischen 1925 und 1930 befand sich der Vieux-Moulin im Besitz des Komponisten und Revue-Autors Jean Nouguès, der an der Seine eine zum Tanzlokal umgebaute Péniche anlegen ließ. Dieses Schiff sank am 6. Februar 1927 infolge eines Unfalls.« Une péniche aménagée en dancing coule en Seine », Journal de Rouen, 7. Februar 1927, S. 3. Im Jahr 1930 verkaufte Nouguès das Gebäude an den Amerikaner William Griffin. Nach dessen Tod im Jahr 1947 übernahm die Stadt Vernon die Restaurierung, nachdem das Bauwerk während der Kampfhandlungen des Zweiten Weltkriegs erhebliche Schäden erlitten hatte.

Architektur Die Alte Mühle ist ein zweigeschossiges Fachwerkhaus mit steilen Dachflächen, das sich auf zwei massiven Brückenpfeilern des mittelalterlichen Pont de Vernonnet erhebt. Die heute freistehende Mühlenkonstruktion vermittelt den Eindruck einer „Hausbrücke“ und ist eines der seltenen erhaltenen Beispiele dieser Bauform in Frankreich. Im Vordergrund des Ensembles befindet sich die sogenannte „arche orpheline“, der letzte erhaltene Bogenabschnitt des Brückensystems. Dahinter erheben sich vier weitere Pfeilerreste, die bis zur Insel Talus führten.

Denkmalschutz Der Brückenrest samt Mühle ist seit 1943 Teil eines Site naturel classé („klassifiziertes Naturdenkmal“) und wird in der staatlichen Denkmalverwaltung geführt. Die Baustruktur ist zudem im Inventaire général du patrimoine culturel (IGPC) unter der Nummer IA27000182 verzeichnet.

Rezeption mini|Monet: Bild der alten Mühle Das Gebäude der Vieux-Moulin gehört zu den markanten Motiven der Seine-Landschaft bei Vernon. Er wurde um 1883 durch Claude Monet in mehreren Gemälden festgehalten, darunter Maisons sur le vieux pont à Vernon, das sich heute im New Orleans Museum of Art befindet. Das Bauwerk diente darüber hinaus als Drehort für den Film Les Mystères de Paris (1962) mit Jean Marais.

Literatur Inventaire général du patrimoine culturel, dossier IA27000182 (Pont dit « Le Vieux Pont »), Ministère de la Culture (Frankreich). Weblinks

Einzelnachweise

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