Die Enttrümmerung in deutschen Städten war durch die massiven Zerstörungen von Gebäuden im Zweiten Weltkrieg, vor allem dem Luftkrieg, notwendig geworden. Schutt und Ruinen der bombardierten Häuser und Versorgungseinrichtungen mussten entfernt werden, um einen Wiederaufbau zu ermöglichen. Die Durchführung war von Stadt zu Stadt verschieden, teilweise auch innerhalb der Besatzungszonen. Die Angaben über den Grad der Zerstörung der Städte unterscheiden sich von Quelle zu Quelle.Die angegebenen Trümmermengen dienen hauptsächlich dem Vergleich der Städte, sie sollen lediglich eine allgemeine Orientierung bieten.

Der folgende Artikel gibt einen Überblick über die Enttrümmerung in ausgewählten deutschen Städten.

Berlin mini|hochkant|Trümmerräumen am Reichstag (1948)

Etwa die Hälfte des gesamten Gebäudebestandes in Berlin war zerstört, nur ein Viertel aller Wohnungen unbeschädigt.Johannes Strempel: Berlin. Ende in Trümmern. In: GEO Epoche. Nr. 44, Hamburg 2010, S. 146–162;162. Die Bevölkerung Berlins reduzierte sich von 4 Millionen vor dem Krieg auf 2,8 Millionen bei Kriegsende. Das zahlenmäßige Ungleichgewicht zwischen Männern und Frauen zeigte sich hier besonders deutlich: Auf 1000 Männer kamen 1464 Frauen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden von den Besatzern ehemalige Mitglieder der NSDAP und ihrer Unterorganisationen zur Trümmerräumung gezwungen. Männer und Frauen aus dieser Gruppe wurden gemeinsam eingesetzt. Zum Teil waren auch Familienmitglieder zwangsverpflichtet. Die Kommandantur ordnete an, dass die Arbeitsämter „bei wenig zusagender und nicht wünschenswerter Arbeit“ in erster Linie diese Personengruppe einzusetzen hatten.

Die deutschen Städte gingen bei der Beschaffung von Arbeitskräften für die Enttrümmerung unterschiedliche Wege. Während Magdeburg schon sehr bald nach Kriegsende verpflichtende Bürgereinsätze anordnete und Dresden Bürgereinsätze und Arbeitsloseneinsätze kombinierte, setzte Berlin stark auf den Einsatz von Arbeitslosen. In keiner anderen deutschen Stadt hatte der Einsatz von Arbeitslosen für die Enttrümmerung im Rahmen von geschlossenen Arbeitseinsätzen eine so große Bedeutung wie hier. Dies bezieht sich sowohl auf die Zahl der Arbeitskräfte als auch auf den Zeitraum der Einsätze. Dagegen sind aber für Berlin im Gegensatz zu vielen anderen Städten keine Bürgereinsätze nachweisbar, die von der Stadtverwaltung für die gesamte Stadt zentral organisiert worden wären.

Bis Juli 1945 wurde Berlin allein von der Sowjetunion kontrolliert, die auch die Arbeitsrichtlinien festlegte. Bereits am 29. Mai 1945 mussten sich bei den Bezirksämtern der ehemaligen Hauptstadt alle arbeitsfähigen Frauen zwischen 15 und 50 und alle Männer zwischen 15 und 65 Jahren erfassen lassen. Ausnahmen gab es nur für Frauen mit Kindern unter drei Jahren oder mit zwei oder mehr Kindern unter 14 Jahren, für Kriegsverletzte oder Kranke mit ärztlichem Attest oder für anderweitig Beschäftigte mit entsprechender Arbeitserlaubnis. Ziel der Erfassung war unter anderem auch, vorgetäuschte Arbeitsverhältnisse aufdecken zu können, durch die Menschen versuchten, sich vor einem Arbeitseinsatz zu schützen. Die Resonanz auf die Registrierungsaufrufe war jedoch nicht so groß wie erwartet. Daher wurde immer stärker die Drohung mit dem Entzug der Lebensmittelkarte erfolgreich als Druckmittel zur Durchsetzung der Registrierungspflicht eingesetzt: Waren es im Juni 1945 nur 400.000 registrierte Arbeitskräfte gewesen, so stieg die Zahl bis September 1945 auf 1,42 Millionen. Da viele der Registrierten nicht bei den zugeteilten Arbeitsstellen erschienen, wurde im Juni 1945 das Arbeitsbuch wiedereingeführt, und ab Oktober 1945 mussten sich damit alle Arbeitsfähigen bei der Ausgabe der Lebensmittelkarte legitimieren. Registrierung und Arbeitsaufnahme waren somit mit der Lebensmittelkarte verbunden. Diese im Vergleich zu den Westzonen strengen Kontrollen steigerten die Zahl der Arbeitskräfte.

mini|Enttrümmerung in den Straßen Berlins (1945/1946) Das Arbeitseinsatzsystem in Berlin war im Vergleich zu anderen Städten sehr stark ausdifferenziert. Während es in den Anfängen nach der Registrierungspflicht vom Juni 1945 noch unprofessionell umgesetzt wurde, wodurch es zum Beispiel zum Zuschütten von U-Bahn-Schächten mit Trümmern kam, wurden die Arbeiten schon bald besser organisiert: Die Bezirksarbeitsämter übernahmen dann nur noch die Beschaffung der Arbeitskräfte, während die Enttrümmerung unter der Aufsicht der neu gegründeten Hochbauämter und Tiefbauämter stand. Vorgesehen war, dass diese die sowohl die Planung der Einsätze als auch die Anleitung und Bezahlung der Arbeitskräfte und die Aufsicht über sie übernehmen sollten. In vollem Umfang umgesetzt wurde dieses Vorhaben jedoch nicht. Vielmehr wurden von den Bezirksarbeitern Arbeitskolonnen zusammengestellt und entweder den Baufirmen oder aber den Bauämtern zugewiesen. Dort waren sie jeweils einer Leitung unterstellt, meist einem Mann. Anfangs erfolgte die Vermittlung tageweise. Entgegen den Anweisungen wurde aber die Bezahlung am Ende des Tages weiter von den Bezirksarbeitsämtern übernommen, sodass ein hoher Organisations- und Zeitaufwand die Folge war. Die Produktivität war niedrig, auch weil in Berlin hauptsächlich in Handarbeit enttrümmert wurde. Spätestens ab September 1945 konnten immerhin Feldbahngleise und Loren zum Abtransport von Schutt genutzt werden.

Während in den Westzonen auf Freiwilligkeit gesetzt wurde, ordneten in Berlin Behörden die Einsätze an. So verpflichtete etwa im August 1945 der Stadtkommandant die Bevölkerung zur Dacheindeckung. Davor durften nur ausgebildete Dachdecker diese gefährliche Arbeit ausführen. Betroffen waren an Werktagen alle Männer und Frauen, die kein Arbeitsverhältnis vorweisen konnten, an den Samstagen alle arbeitsfähigen Einwohnerinnen und Einwohner und an den Sonntag Nachmittagen Männer und Frauen aus der arbeitenden Bevölkerung.

Widersprüchliche Angaben finden sich zur Vergütung. In der Anordnung des Stadtkommandanten von August 1945 mit einer Verpflichtung der Bevölkerung zur Dacheindeckung wurde verfügt: Da die Arbeiten in allgemeinem Interesse lägen, werde keine Vergütung erfolgen. An anderen Stellen wird mehrfach von 72 Pfennig pro Stunde gesprochen, aber meist nur mit Bezug auf eine Gruppe und einen Zeitpunkt. So berichtet eine „Trümmerfrau“Im überwiegenden Teil der Forschungsliteratur zum Thema seit 2013 (u. a. Leonie Treber, Clara-Anna Egger, Martin Tschiggerl/Thomas Walach) eben diese Distanzierung als angemessener Umgang mit dem Begriff gilt und durch Anführungszeichen angezeigt wird, folgt der Artikel der Forschung und verwendet diese typografischen Kennzeichen. von dieser Bezahlung, eine andere Quelle bezieht sie auf die bisher arbeitslosen Aufräumarbeiter im Juni 1945.

Zu Beginn der Trümmerräumung waren kaum Männer für die Arbeiten verfügbar, sodass anfangs fast nur Frauen eingesetzt werden konnten: Laut der ersten Statistik von Ende August 1945 waren es zu diesem Zeitpunkt über 5000 Frauen, aber immer noch weniger als 1000 Männer. Ende November 1945 standen 23.000 Frauen 7.000 Männern gegenüber. Im Mai 1946 wurde die Höchstzahl von 35.000 Arbeitenden erreicht, davon 26.000 Frauen. Die Zahl ging stetig zurück. Im Dezember 1945 waren es nur noch 10.000 Arbeitende, ab Anfang 1947 war das Geschlechterverhältnis dann mehr oder weniger ausgeglichen. In den drei westlichen Zonen hatte sich die Anzahl der Arbeitslosen, die zur Beschäftigung herangezogen wurden, auf etwa 3000 bis 4000 Personen stabilisiert. Die sinkende Zahl war auf die Professionalisierung zurückzuführen sowie darauf, dass die Firmen Arbeitslose nun direkt anstellten. Ab Juni 1948 trat eine Wende ein, und bis März 1949 fanden erneut rund 25.000 Arbeitslose Beschäftigung bei der Trümmerbeseitigung. Dies war vor allem auf die hohe Arbeitslosigkeit in West-Berlin zurückzuführen, die durch die Berlin-Blockade zusätzlich verschärft wurde. Ab 1950 hatte der (Wieder-)Aufbau Vorrang vor der Enttrümmerung. Für eine vergleichsweise kurze Zeitspanne übernahmen demnach also arbeitslose Frauen die Hauptarbeit bei der Trümmerbeseitigung, doch von einem Massenphänomen kann man dennoch nicht sprechen: Selbst die Maximalzahl von 26.000 Frauen im Mai 1946 machte nur eine kleine Gruppe der etwa 500.000 Berlinerinnen zwischen 15 und 50 Jahren aus, nämlich 5,2 Prozent. Frauen wurden in Berlin auch nach Oktober 1946 noch zu Enttrümmerungseinsätzen verpflichtet.

Bremen Durch 171 Luftangriffe auf Bremen wurden erhebliche Teile der Altstadt fast ganz zerstört, unter anderem vor allem die westliche Vorstadt (Utbremen und Walle). Bei der Enttrümmerung sollten zuerst die Häfen wieder in Gang gebracht werden.

Dresden mini|Dresden: Einwohner verlegen ein Gleisjoch auf Trümmerschutt für die Trümmerbahn In Dresden betrugen die Trümmermengen etwa 25 Millionen Kubikmeter, je Einwohner waren es umgerechnet 39,7 Kubikmeter. Nach einer anderen Quelle gingen erste Schätzungen zwar ebenfalls von rund 25 Mio. m3 Trümmermassen aus, weitere Schätzungen gaben aber 15 bis 20 Millionen Kubikmeter an, und nach der planmäßigen Enttrümmerung erster Wohngebiete wurde die Gesamttrümmermenge 1949 mit 12 Millionen m3 angenommen. Davon waren rund 5 Millionen m3 Schutt, der mit Trümmerbahnen abgefahren wurde.

In Dresden waren rund 60 Prozent der Wohnungen zerstört. Der Städteplaner Matthias Lerm gab an, nur 55.000 von insgesamt 228.000 seien unbeschädigt geblieben.Matthias Lerm: Dresden zwischen Zerstörung und Neubeginn. In: Dresdner Hefte, Nr. 110, 2/2012, S. 19–29;26. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden von den Besatzern ehemalige Mitglieder der NSDAP und ihrer Unterorganisationen zur Trümmerräumung gezwungen. Männer und Frauen aus dieser Gruppe wurden gemeinsam eingesetzt.

Für die Stadt ist belegt, dass die Soldaten der Roten Armee willkürlich Menschen, die einen arbeitsfähigen Eindruck machten, auf der Straße aufgriffen und zur Arbeit zwangen. Trümmerräumung war hier für Frauen etabliert. Bei Frauen, die ohne Rücksicht auf die Umstände wegen einer Geschlechtskrankheit der Prostitution beschuldigt wurden oder sich an Orten wie Bahnhöfen oder Tanzcafés aufhielten, wurde die Arbeitsverpflichtung mit dem Resozialisierungsgedanken begründet.

Doch diese unsystematische Vorgehensweise war nicht von langer Dauer. Während etwa Magdeburg bei der Enttrümmerung stark auf Bürgereinsätze setzte und Berlin die Verwendung von Arbeitslosen bevorzugte, engagierte sich die Verwaltung Dresdens in beiden Bereichen: Erstmals am 1. Juli 1945 rief die Stadt ihre Bürger beiderlei Geschlechts zu monatlichen Vierstundenschichten am Wochenende auf. Formal war die Arbeit freiwillig, doch es herrschte ein moralischer Druck, daran teilzunehmen. Über Jahre hinweg wurden die Bürger in regelmäßigen Abständen immer wieder zum Bürgereinsatz aufgerufen.

Arbeitslose beiderlei Geschlechts wurden in Dresden von Anfang an für die Trümmerbeseitigung eingesetzt. Ein erster Aufruf zur Registrierung der Arbeitskräfte wurde schon Ende Mai 1945 veröffentlicht, wegen der geringen Resonanz folgte im Juli 1945 ein zweiter. Als auch dieser nicht das erwünschte Ergebnis brachte, wurde der dritte mit dem Recht auf die Zuteilung einer Lebensmittelkarte verbunden: Nur wer sich registrieren ließ, bekam eine Karte.

Die Arbeitsämter fassten Personen ohne Arbeit zusammen und wiesen ihnen in regelmäßigen Abständen Arbeit bei den sogenannten Soforteinsätzen (Aufräumungsarbeiten) zu. Die Einsatzleitung lag bei den städtischen Ämtern. In Zeiten höherer Arbeitslosigkeit wurden Programme entwickelt, die die Enttrümmerung zur Pflicht machten, um den Betroffenen Arbeit zu geben und den Staat bei der Einsparung von Sozialleistungen zu unterstützen. So begann etwa die „Aktion Arbeitskraft“ im Frühjahr 1949 und dauerte bis 1952 an. Hierbei waren bis Dezember 1949 durchschnittlich zwischen 3200 und 3500 Arbeitssuchende zu Enttrümmerungsmaßnahmen verpflichtet.