Terminal 1 (ehemals Terminal Mitte) ist das älteste und größte der derzeit drei Haupt-Terminals des Passagier-Linienverkehrs am Frankfurter Flughafen.
Geschichte Planung Erste Planungen für ein neues Flughafen-Terminal reichen bis ins Jahr 1939 zurück, wurden aber nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs nicht weiter verfolgt. Nachdem der Frankfurter Flughafen ab 1950 wieder von der Verkehrs-Aktiengesellschaft Rhein-Main (ehemals Südwestdeutsche Flugbetriebs AG, heute Fraport) betrieben wurde und es absehbar war, dass die Fluggastzahlen weiter steigen werden, und die Kapazität der bisherigen Empfangsanlage von 1935 bald nicht mehr ausreichen würden, beschloss der Betreiber einen Architekturwettbewerb über ein neues Terminal zu veranstalten. Sieger des Wettbewerbs wurde das Frankfurter Architekturbüro von Alois Giefer und Hermann Mäckler. Der Entwurf wurde allerdings nie umgesetzt. Wichtiger Aspekt des neuen Terminals sollte neben einer erhöhten Kapazität auch die schnelle Abfertigung der Fluggäste sowie eine gute Verkehrsanbindung sein. Das für die Planung eingerichtete Planungsbüro Rhein-Main bestand aus den Gewinnern des Architekturwettbewerbs Giefer und Mäckler, sowie dem Architekten Heinrich Kosina und beschäftigte sich zunächst mit der Umsetzung eines neuen Kontrollturms, dessen Baubeginn am 1. Juli 1955 der erste Bauabschnitt des neuen Terminals werden sollte. Weil der Kontrollturm später Teil des neuen Terminals werden sollte, ruhte er anfangs auf Stützen.
Weitere Planungen wurden zunächst nicht weiter verfolgt. Stattdessen wurde das bestehende Empfangsgebäude, das schon 1952 auf drei Stockwerke aufgestockt wurde, um einen vorgelagerten Anbau zur Empfangsanlage Ost erweitert. Erst 1961 wurden die Planungen wieder weiter verfolgt. Insgesamt sollten mit der neuen Empfangsanlage bis zu 15 Mio. Fluggäste abgefehrtigt werden, was etwa der siebenfachen Menge des Fluggastaufkommens in diesem Jahr entspricht.
Der Arbeitstitel des Projekts war zunächst Neue Empfangsanlage West, da es sich westlich der bestehenden Empfangsanlage befinden sollte.
Bau und Eröffnung Der Grundstein wurde am 16. Juni 1965 durch den hessischen Wirtschaftsminister Rudi Arndt gelegt. Damit startete der Bau an der damals größten Baustelle Europas.
1967, während der Bauphase wurden die Pläne für die Empfangsanlage nochmal grundlegend verändert. Die Hallen für die Abschnitte A und C, die ursprünglich als spätere Erweiterung geplant waren, sollten nun schon mitgebaut werden. Zudem wurde die Anzahl der Gates erhöht und für den Betrieb mit größeren Flugzeugen ausgelegt. Grund für die Planänderung war die erhöhte Fluggast-Prognose und das erwartete Aufkommen der Boeing 747 (Jumbo-Jet).
Während des Baus war die Baustelle der Empfangsanlage die größte in Europa. Im Rohbau wurden 200.000 Kubikmeter Beton verbaut. Zeitgenössische Berichte verglichen diese Menge mit dem Inhalt eines Güterzugs mit der Länge der Strecke Frankfurt—Paris.
Noch vor der offiziellen Eröffnung des Flughafens landete am 28. Januar 1970 Clipper Red Jacket, eine Boeing 747-100, bei ihrem Jungfernflug auf dem Flughafen Frankfurt. Der Pan-Am-Flug vom John F. Kennedy International Airport nach London Heathrow wurde wegen Nebel nach Frankfurt umgeleitet und konnte bereits eine der Fluggastbrücken an der neuen Empfangsanlage nutzen.
Die Baukosten stiegen von 1965 geplanten 300 Mio. DM (inflationsbereinigt heute EUR) auf 1972 1 Mrd. DM (inflationsbereinigt heute EUR).
Am 14. März 1972 eröffnete Bundespräsident Gustav Heinemann feierlich das nun als Terminal Mitte bezeichnete neue Empfangsgebäude. Der Name entstand nach einem Aufruf der FAG an die Öffentlichkeit Namensvorschläge einzureichen und setzte sich gegen Vorschläge wie World Airport, Germania Airport, Eurowest-Flughafen, Höhenflug Weltstation, Porta Europa, Goethe-Airport durch.
Die Eröffnungsworte des Bundespräsidenten waren:
Es wird zudem berichtet, dass Heinemann das Terminal als einen Anzug, der zwei Nummern zu groß sei, bezeichnet hat. Er bezog sich dabei vermutlich auf die Maximal-Kapazität des neuen Terminals, die mit 30 Mio. Fluggästen fast die dreifache Menge der derzeitigen Fluggastzahlen (ca. 11,6 Mio.) betrug.
Bei der Eröffnung war Terminal Mitte in vielerlei Hinsicht einzigartig. Es war das größte Flughafenterminal Europas und verfügte mit einer Kapazität von 6000 Autos über die größte Tiefgarage der Welt. Außerdem wurde hier als eine der ersten vergleichbaren Anlagen weltweit die vollautomatische Gepäckförderanlage in Betrieb genommen. Einzigartig war auch die weltweit erste Flughafenklinik.Kurz nach der Eröffnung folgte außerdem die Flughafenseelsorge in einer eigenen Kapelle.
Ehemalige Einrichtungen Mit der Eröffnung des Terminal Mitte, eröffnete auch die neue Besucherterrasse in Ebene 3 des Gebäudes. Die Besucher konnten über zwei Ausgänge im jeweils im Abschnitt A und C auf das Dach von Flugsteig B gelangen. Von den Köpfen des Y-förmigen Flugsteigs war eine Sicht in fast alle Richtungen möglich. Bei Eröffnung verfügte die Besucherterrasse über mehrere Restaurants und einen japanischen Garten. Die Besucherterrasse wurde nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 vorübergehend geschlossen und ist seit 2006 permanent außer Betrieb. Seitdem befindet sich die einzige Besucherterrasse am Flughafen am Terminal 2.
1973 eröffnete ein Jumbo-Supermarkt, es folgten 1977 drei Kinos und schließlich 1978 die Diskothek Dorian Gray. Die Diskothek musste am 31. Dezember 2000 schließen. Auch der Jumbo-Supermarkt und die Kinos existieren heute nicht mehr.
Sprengstoffanschlag
Am 19. Juni 1985 um 14:42 Uhr explodierte in der Abflughalle B des Terminals 1 eine Bombe in einem Abfallbehälter. Dabei wurden drei Menschen getötet, 42 andere zum Teil schwer verletzt. Eine weitere Person starb wenige Tage später an den Folgen des Anschlages. Es ist bis dato der größte Anschlag auf einen deutschen Flughafen. In den Tagen danach kam es zu der größten bisher registrierten Anzahl unterschiedlicher Bekennerschreiben. Die Täter oder Verantwortlichen wurden bis heute (Stand Januar 2019) nicht beweiskräftig ermittelt. Die Polizei macht die Abu-Nidal-Organisation (ANO), eine terroristische Abspaltung der PLO, für den Anschlag verantwortlich. Als Drahtzieher gelten Abu Nidal und Khaled Ibrahim Mahmood, der wegen des Anschlags auf den Flughafen Rom-Fiumicino im Dezember 1985 eine langjährige Haftstrafe verbüßen musste. Die drei weiteren mutmaßlichen Attentäter werden bis heute per Haftbefehl gesucht. Spätere Veränderungen mini|Station B/C der SkyLine mit ursprünglichen Zugzielanzeigern Zur Eröffnung von Terminal 2 wurde zum ersten Mal der Name Terminal 1 für die Empfangsanlage verwendet. Darüber hinaus wurde in Terminal 1 zunächst eine Station der SkyLine-Hochbahn eröffnet: Station B/C befindet sich über der rückwärtigen Abflughalle B. Die SkyLine verbindet seitdem Terminal 1 mit Terminal 2. Eine weitere Station A/Z folgte wenige Jahre später und befindet sich am Beginn des Flugsteigs A.
Eine weitere Verknüpfung von Terminal 1 und Terminal 2 erfolgte Anfang der 2000er durch den Bau des so genannten C/D-Riegels, der sowohl als Teil des Flugsteigs C von Terminal 1 als auch als Teil des Flugsteigs D von Terminal 2 genutzt wird. Dazu wurde der ursprünglich nur sehr kurze Flugsteig C nach Osten zum neuen C/D-Riegel hin zunächst provisorisch erweitert. In mehreren Phasen wurde Flugsteig C bis in die späten 2010er Jahre weiter angebaut und verfügt jetzt über einen parallel zum ursprünglich Flugsteig verlaufenden Zugangskorridor zum C/D-Riegel. Dabei wurde der alte Luftfrachthof von 1965 überbaut. Dabei wurde auch der noch nicht lange in Betrieb befindliche C/D-Riegel selbst komplett saniert und mit weiteren Abfertigungspositionen für den Airbus A380 erweitert. Auch die rückwärtige Abflughalle C wurde komplett renoviert. Durch die Maßnahmen im Abschnitt C konnten jährlich 4 Mio. zusätzliche Fluggäste abgefertigt werden.
Ab 2006 wurden die Flugsteige B-West und B-Ost neu konzipiert, um behördlichen Auflagen (Brandschutzbestimmungen, Umsetzung der EU-Vorgaben zur räumlichen Trennung von ankommenden und abfliegenden Passagieren) zu entsprechen. Auch hier wurden weitere Abfertigungspositionen für den Airbus A380 errichtet. Den Umbauten fiel auch die Besucherterrasse zum Opfer, da der Flugsteig aufgestockt wurde.
Auch am Flugsteig A wurden seit 2000 große Veränderungen vorgenommen. Am 29. März 2000 wurde eine 500 m lange abknickende Verlängerung des Fingers eröffnet. 2006 wurde mit dem Bau der als Flugsteig A-Plus bekannten Erweiterung begonnen. An der Wurzel des bisherigen Flugsteigs, anschließend an die Abflughalle A, wurde eine neue Verteilerhalle errichtet. Von der Verteilerhalle zweigt der Flugsteig A-Plus dann vom ursprünglichen Flugsteig A ab und folgt für 600 m der Fluchtlinie der Abflughalle Richtung Westen. Auch dieser Flugsteig wurde für den Betrieb des Airbus A380 konzipiert. Er erweitert die jährliche Flughafenkapazität um weitere 6 Mio. Fluggäste. Flugsteig A-Plus wurde am 10. Oktober 2012 eröffnet. Für den Bau des Anbaus musste die Wartungshalle 3 (so genannte Schmetterlinghalle) von Hannsgeorg Beckert 2007 gesprengt werden, da diese im Bereich der Terminal-Ramp lag.
In allen drei Abfertigungshallen entstanden zudem neue Flächen für Gastronomie und Shopping. Ebenfalls wurde ein Anbau an Halle A realisiert, um neue Kontrollspuren aufstellen zu können. Somit sollen die bestehenden überlasteten Sicherheitskontrollen entlastet werden.
2016 wurde die Fassade des Abflugbereichs erneuert und verfügt seitdem über markante LED-Leuchtbänder.
2021 wurde im Bereich der Abflughalle C das neue Besucherzentrum der Fraport eröffnet.
Am 23. Februar 2026 nahm eine zweite Skyline-Linie am Busbahnhof vor dem Terminalgebäude den Betrieb auf. Diese Linie bindet ab April 2026 das neue Terminal 3 an.
Architektur mini|Terminal 1 von der Luftseite Terminal 1 ist horizontal in drei Abschnitte unterteilt, von Westen nach Osten: A/Z, B und C. Jeder Abschnitt ist vertikal in Ankunfts- und Abfluganlagen, sowie Verteilerebenen mit eigenen Ein-, Aus- und Übergängen aufgeteilt. In der Tiefe teilt sich das Terminal in einen nördlichen landseitigen Teil und einen südlichen flugseitigen Teil auf.
In der Mitte des Komplexes ragt das 250 m lange siebenstöckige Bürohochhaus, der zusammen mit dem alten Kontrollturm von 1955 und dem Verbindungsbau über Flugsteig B aus der Luft wie ein T aussieht.
Abflugbereich Der Abflugbereich befindet sich im ersten Obergeschoss (als Ebene 2 bezeichnet) und ist von der Landseite durch seine zeltartigen Hallen zu erkennen. Die Hallendächer ruhen an ihrem Tiefpunkt auf Pylonen und aufsteigend auf horizontalen Trägern. An der Straßenfront erkennt man die Hallen mit einer knapp 500 m langen bis zu 11 m dachhohen Fassade aus Glas und Aluminiumprofilen. Davor befindet sich ein markantes Vordach mit einem Aluminium-Gerippe und Plexiglas-Kuppeln.mini|Abflughalle B mit Abflugtafel, Balustraden und DeckendekorationAus der Luft lassen sich die Abflughallen gut an ihrer sechseckigen Form (Rechteck mit trapezförmiger Erweiterung) erkennen. Direkt hinter dem Eingang zu den Abfluganlagen befindet sich für jeden Abschnitt je eine zweistöckige Abflughalle. Die größere mittlere Abflughalle B erstreckt sich dabei über zwei solcher Sechsecke. Die sechseckige Form setzt sich im Innern fort und ist besonders gut an den brutalistischen Balustraden des oberen Stockwerks zu erkennen, an denen auch die zentralen Abflugstafeln angebracht sind. Die Decke der Abflughallen ist mit Tetraedern dekoriert. Die beschriebenen Architekturelemente sind seit der Eröffnung des Terminals nahezu unverändert.