Luisa ist ein deutsches Filmdrama von Julia Roesler, Insa Rudolph und Silke Merzhäuser (die unter dem Namen werkgruppe2 auch dokumentarische Theaterprojekte realisieren) aus dem Jahr 2025. Der Film stellt die 22-jährige Luisa in den Mittelpunkt, die in einer Wohneinrichtung für Menschen mit Behinderung lebt und überraschend schwanger ist. Sexueller Missbrauch liegt nahe, das Betreuungssystem von Pflegekräften, Eltern und schließlich auch Polizei gerät unter Druck, den Fall aufzuklären.

Die Uraufführung des Films fand am 15. Juni 2025 im Wettbewerb des Shanghai International Film Festivals statt. Die Deutsche Premiere folgte am 23. Oktober 2025 bei den Internationalen Hofer Filmtagen, wo der Film mit dem Förderpreis Neues Deutsches Kino ausgezeichnet wurde. In der Begründung der Förderpreis-Jury heißt es: "Die inszenatorische Leistung, diese große dramaturgische Fallhöhe in Bilder zu fassen, ohne eine einfache Antwort mitzuliefern und ohne die Protagonistin als Opfer darzustellen ist die herausragende Leistung von Julia Roesler und dem Ensemble". Der offizielle Kinostart in Deutschland war am 23. April 2026.Eintrag in der Filmstart-Datenbank Allscreens.de des Verbandes Filmverleih und Audiovisuelle Medien Der Film ist als ZDF – Das kleine Fernsehspiel entstanden.

Handlung Luisa ist vor kurzem von zu Hause ausgezogen und neugierig, was das Leben für sie bereithält. Sie liebt Partys, ist für jeden Spaß zu haben, lässt sich auf Flirts und kleine Abenteuer ein. Sie lebt in der Wohngruppe einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung am Rande einer deutschen Kleinstadt. Dort erhält sie Unterstützung in ihrem oft turbulenten Alltag. Unbemerkt wird Luisa zunehmend stiller, in der Wohngruppe geht das alltägliche Leben weiter, bis unerwartet festgestellt wird, dass Luisa schwanger ist. Luisa selbst sagt nicht, wie das passiert ist, sie schweigt. Jede und jeder weiß, dass ihr Freund Anton nicht zeugungsfähig ist. Der Verdacht auf sexuellen Missbrauch liegt nahe. Luisa entschließt sich, die Schwangerschaft abbrechen zu lassen. Die Polizei wird eingeschaltet und versucht herauszufinden, ob eine Straftat vorliegt. Die Ermittlungen werden zur Belastungsprobe für Luisa, ihre Beziehung zu Anton und für das gesamte Personal der Wohneinrichtung.

Die Erzählung kreist um Luisa und ihre Auseinandersetzung mit den Grenzverletzungen, die ihr zustoßen. Parallel wird die häufig verborgene Lebenswelt von Menschen mit Behinderung in jener Institution gezeigt, die sie beschützen soll, aber zugleich bedrohlich für ihre körperliche Integrität und selbstbestimmtes Leben ist. Getragen von einem inklusiven Ensemble ist Celina Scharff als Luisa in ihrer ersten großen Rolle das Kraftzentrum des Films.

Produktion Für den Spielfilm haben die Autorinnen vorab eine Interview-Recherche durchgeführt und bei zahlreichen Hospitationen in Wohneinrichtungen Alltagseindrücke dokumentiert, um einen Blick auf Menschen mit Behinderung jenseits von Klischees und Verniedlichungen zu ermöglichen. Sexueller Missbrauch von Menschen mit Behinderung kommt häufiger vor als man denkt: Von sexueller Gewalt im Erwachsenenleben waren in Deutschland Frauen 2–3 Mal häufiger betroffen als der weibliche Bevölkerungsdurchschnitt laut der Studie "Lebenssituation und Belastungen von Frauen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen in Deutschland" der Universität Bielefeld. Sie wurde im Auftrag des Bundesfrauenministeriums durchgeführt.

Die paritätische Besetzung eines deutschen Kinospielfilms – zehn Schauspieler mit einer Behinderung (darunter die Protagonistin Celina Scharff) und zehn Schauspieler ohne Behinderung – ist ein Novum. In einer mehrmonatigen Vorbereitung mit dem gesamten Cast wurden die Figuren weiterentwickelt und vorhandene Barrieren so berücksichtigt, dass die Schauspieler in ihrem Arbeitsprozess wenig behindert wurden. Ein Großteil des Cast stammt aus dem inklusiven Performancekollektiv Meine Damen und Herren aus Hamburg, die Teil der Barner 16 von Alsterarbeit sind.

Begleitet wurde das Ensemble auch von erfahrenen Mitarbeitern aus ihrem eigentlichen Arbeitsumfeld in einem künstlerischen Werkstattbetrieb, die mit eigener Projektleitung für diese Filmproduktion Standards für inklusives Arbeiten geschaffen haben, z. B. durch Access Rider.

Die Dreharbeiten fanden in Koproduktion mit dem Kleinen Fernsehspiel vom ZDF im südlichen Niedersachsen in einer leerstehenden Wohneinheit einer tatsächlichen Einrichtung statt. Die Produktion von werkgruppe2 filmproduktion und Hanfgarn & Ufer (Gunter Hanfgarn und Andrea Ufer) wurde in 34 Drehtagen vom 10. Oktober 2023 bis 24. November 2023 abgedreht.

Parallel zur Drehvorbereitung und dem Dreh ist ein Making-of entstanden, dass das ZDF mit Hanfgarn & Ufer produziert hat und das von 17motion, dem Videobereich von barner16 umgesetzt wurde.

Kritik Die Besetzung mit Schauspielern mit und ohne Behinderung wird als „authetische Inklusion im Kino“ gelobt.Walli Müller: Inklusion im Film: Wenn Realität die Hauptrolle spielt. NDR, 22. April 2026

Am Beispiel der Geschichte Luisas werden strukturelle Schwächen im gesellschaftlichen Umgang mit Menschen mit Behinderungen erzählt und das Thema sexualisierte Gewalt an Menschen mit Behinderung diskutierbar gemacht. Der Film verdeutliche, auf welch dünnem Eis sich das Personal der Einrichtung bewege: Macht man mit zu viel Empathie die Mitglieder der Wohngruppe von sich abhängig? Wie verhält man sich bei der Körperpflege von Menschen mit Behinderungen, ohne das Schamgefühl zu verletzen? All das werde unterlegt mit einem unaufdringlichen Soundtrack, der die bisweilen melancholische Stimmung des behutsamen Films auffange, der trotz der Brisanz des Themas ohne wohlfeile Schuldzuweisungen auskomme.Raimund Gerz: Kritik zu Luisa. epd Film, 15. April 2026.

„Luisa“ bleibe zwar nicht unbedingt wegen einer ausgeklügelten Bildsprache oder subtiler Metaphern im Gedächtnis, aber die Handlung packe. Der Film stelle außerdem seine anspruchsvollen Themen nuanciert dar. Das Konzept, nicht über, sondern mit Menschen mit Behinderungen zu erzählen, gehe auf.Fabian Schäfer: Alle reden, nur Luisa nicht. fluter, 23. April 2026.

Manchmal fühle sich der Film ein bisschen holzschnittartig an, auch wenn Luisa zu Beginn von gleich zwei Pflegern die Haare gebürstet werden und sie zum Schluss des Films als Zeichen ihrer gewachsenen Selbstbestimmung alleine vor dem Spiegel steht. Trotzdem mache dieser insgesamt sehr gut gemachte Spielfilm sein Anliegen lebendig – durch seine stringente Erzählweise, den stimmungsreichen Soundrack von Insa Rudolph, die bedachte Bildgestaltung und Kameraführung mit empathischem Blick – und lasse vor allem sein inklusives Ensemble, allen voran Celina Scharff und Dennis Seidel als Luisa und Anton, strahlen für ein Mainstream-Publikum.Sophie Diesselhorst: Ein exemplarischer Fall. nachtkritik.de, 16. Juni 2025.

„Am Ende steht ein Sieg: Luisa schafft es, den Täter zu benennen – und er wird bestraft.“Angelika Mallmann: Kinofilm: Ein Sieg für Luisa. Emma, 22. April 2026.

Festivaleinladungen Shanghai International Film Festival 2025, Wettbewerb, Weltpremiere Mumba International Film Festival 2025, Pune, Wettbewerb Chicago International Film Festival 2025, Reihe: Snapshots Internationale Hofer Filmtage 2025, Wettbewerb, deutsche Premiere Biberacher Filmfestspiele 2025, Wettbewerb Nordische Filmtage Lübeck 2025, Filmforum Ahrenshooper Filmnächte 2025, Wettbewerb Braunschweig International Film Festival 2025, Wettbewerb

Auszeichnungen HEIMSPIEL-Preis 2025 beim Braunschweig International Film Festival an Regisseurin Julia Roesler TILDA – Bester Film einer Regisseurin beim Braunschweig International Film Festival Publikumspreis der Ahrenshooper Filmnächte Förderpreis NEUES DEUTSCHES KINO – 51. Hofer Filmtage an Regisseurin Julia Roesler Bestes Szenenbild – Bild-Kunst Förderpreis für Thomas Rump, 51. Hofer Filmtage 2025 Best Feature Film – Mumba International Film Festival, Pune 2025 Bremer Dokumentarfilm Recherchepreis 2020

Weblinks Offizielle Website Luisa bei crew united Luisa bei Filmportal.de Luisa bei imdb

Einzelnachweise

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