mini|Walther Staub, 1946Walther Staub (* 15. Mai 1886 in Bern; † 19. Januar 1966 in Kottenheim, Rheinland-Pfalz) war ein Schweizer Geologe, Erdölgeologe, Geograph und Forschender mesoamerikanischer Kulturen, der vor allem durch seine Arbeiten zur Geologie der Schweiz und Mexikos sowie durch volkskundliche Forschungen zu den Huaxteken in Ostmexiko bekannt wurde. Sein Lebenswerk umfasst über 200 Publikationen, darunter Beiträge zur geologischen Kartierung, Wirtschaftsgeographie und Archäologie.

Leben und Ausbildung Walther Staub wurde als Sohn eines Bankdirektors in Bern geboren.Historische Famiienlexikon der Schweiz: Adolf Markus Staub. Er besuchte das Progymnasium und Gymnasium in Bern,Heinz Balmer: Walther Staub 1886–1966. In: „Verhandlungen der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft“. 146, 1966. S. 280–-306. absolvierte 1904 die Reifeprüfung und begann im selben Jahr sein Studium an der ETH Zürich in der naturwissenschaftlichen Abteilung.Walther Staub: Geologische Beschreibung der Gebirge zwischen Schächental und Maderanertal im Kanton Uri, 1911: [S. II] Lebenslauf 1906 schloss er das Vordiplom ab, 1909 erhielt er das Diplom als Lehrer für Naturwissenschaften mit den Schwerpunkten Geographie, Geologie, Mineralogie und Petrographie.Hochschularchiv der ETH: Doktorandendossier. Den Sommer 1910 verbrachte Staub in Lausanne. Besonders geprägt wurde er von Albert Heim, bei dem er seine Diplomarbeit und später die DoktorarbeitGeologische Beschreibung der Gebirge zwischen Schächenlal und Maderanertal im Kanton Uri. anfertigte und bei dem er 1911 promovierte.

Berufliche Laufbahn Staub war zunächst Assistent von Albert Heim und anschliessend von Hans Schardt an der ETH Zürich. Er arbeitete ab 1912 als Petroleumgeologe für Erdölgesellschaften, unter anderem in Russland (Kaukasus) und später für die Bataafse Petroleum Maatschappij (Royal Dutch Shell) in Indonesien und Mexiko. 1919 wurde er erster Schweizer Vizekonsul in Tampico (Mexiko).Aus den Verhandlungen des Bundesrates. Vom 10. Februar 1919, S. 208. Es werden ernannt: [...] als schweizerischer Vizekonsul in Tampico (Tamenlipas, Mexiko): Herr Walther Staub, von Bern. Seine Arbeiten in Mexiko umfassten geologische ErkundungenVierteljahresschrift der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich. 1919, S. 350–358: Walther Staub: Neuere Ergebnisse der Geologischen Untersuchung des östlichen Mexico. sowie volkskundliche Beobachtungen lokaler Kulturen, darunter der Huaxteken sowie tektonische Studien zum Golf von Mexiko.Zur Entstehungsgeschichte des Golfes von Mexiko. In: Eclogae geologicae Helvetiae. 24, 1931, S. 61–82. In seiner Studie zur regionalen Tektonik zur Entstehungsgeschichte des Golf von Mexiko postuliert er ein mesozoisches Riftbecken mit neogener Absenkung. Aufgrund seiner Tätigkeit als Erdölgeologe in Mexiko führte Staub unter anderem die stratigraphische Einheit der „Cerro Topila beds“ (Neogen, Tamaulipas und Veracruz) ein.Geologic Names of North America introduced in 1936-1955. In; Geological Survey Bulletin Bulletin 1056-A. 1957. S. 73. Staub erkannte 1926 die Kontinentalverschiebung als „Spezialfall der Rahmenfaltung“ und „vielleicht der Anfang einer neuen Betrachtungsweise“.Zitiert nach: A. M. C. Şengör: Die Tethys: vor hundert Jahren und heute. In: Mitt. Geol. Ges. Wien 89, 1998, S. 92.

1921 habilitierte er sich an der Universität Bern und war dort als Privatdozent tätig, konnte aber keinen Lehrstuhl für angewandte Geologie etablieren. 1925 leitete er geologische Arbeiten im Wallis (Schweiz) und wirkte an der Erstellung der geologischen Wandkarte der Schweiz (Massstab 1:200'000) mit, die 1932 erschien und international Beachtung fand.

Ab 1925 lebte Staub in Berlin, wo er unter anderem mit Geographen und Ethnographen zusammenarbeitete und seine Forschung an Mexiko vertiefte. Im Mai 1927 kehrte er nach Bern zurück. Dort nahm er seine UniversitätsvorlesungenHeinz Balmer: Walther Staub. In: Historisches Lexikon der Schweiz:1927–1956 Privatdozent für regionale Geologie sowie ab 1940 für Wirtschaftsgeografie und Länderkunde Aussereuropas an der Universität Bern.Vorlesungsverzeichnisse der Universität Bern wieder auf und unterrichtete fast 30 Jahre lang als Hilfslehrer Geographie am Städtischen Handelsgymnasium und Progymnasium, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Ab den 1930er Jahren widmete er sich auch der Wirtschaftsgeographie und hielt Vorlesungen in Bern. Während des Zweiten Weltkriegs war er Ortswehrsoldat.

Danach blieb Staub als Dozent und Vortragender aktiv und setzte seine Forschungen fort. Er war in zahlreichen schweizerischen und internationalen Fachgesellschaften aktiv.Kleine Mitteilungen – Neue Forschungen über die Tektonik Asiens. In: Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin. 1926, Nr. 9–10. S. 433–438.

1955 erhielt Staub für das Sommer-Semester einen Lehrauftrag für Geographie der Schweizer Alpen an der Universität Bonn.Die Erde 7, 1955, 2. S. 172: STAUB, WALTHER, Prof. Dr., Univ. Bern, erhielt f. d. S.-Sem. 1955 einen Lehrauftrag f. Geogr. d. Schweizer Alpen i. d. Math.-Nat. Fak. d. Univ. Bonn.Es gibt Unterlagen zu seinen unbesoldeten bzw. besoldeten Lehraufträgen für das Sommersemester 1955 „Geographie der Schweizer Alpen“ (MNF 088, 160), sowie für das Sommersemester 1962 mit dem Lehrauftrag „Bergwirtschaft der Erde“ (MNF 088, 246). Ebenfalls ist diesen Unterlagen zu entnehmen, dass er bereits zuvor für ein Semester in der Nachkriegszeit, eine geologische Gastvorlesung an der Universität Bonn gehalten hatte.

Engagement in wissenschaftlichen Gesellschaften Er war ab 1905 Mitglied der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft. Von 1929 bis 1933 war er Sekretär der bernischen Naturforschenden Gesellschaft. 1932 trat er in den Vorstand der Geographischen Gesellschaft Bern ein, war ab 1941 Sekretär und wirkte von Anfang 1948 bis Herbst 1956 als Präsident. Er wurde zu einem von drei Ehrenmitgliedern ernannt.

Er war zudem Sekretär des Verbandes Schweizerischer Geographischer Gesellschaften, wirkte im Vorstand der Schweizerischen Geomorphologischen GesellschaftE. Schwabe: Die Tagung in Olten am 1. Dezember 1946. In: Geographica Helvetica 2, 1947, 2. S. 143: Zum Präsidenten der neuen Gesellschaft wählte die Versammlung den verdienten Initianten und Leiter der Arbeitsgemeinschaft, H. Annaheim (Basel), zum Vizepräsidenten Dr. A. Bögli (Hitzkirch), zum Kassier Dr. M. Gschwend (Basel), zum Sekretär Dr. E. Schwabe (Zürich). Diese vier Herren bilden den engern Vorstand; sie ergänzen sich durch einen noch zu ernennenden Vertreter der welschen Schweiz, durch Pd. Dr. W. Staub (Bern) und Prof. Dr. H. Bernhard (Zürich) zum weitern Vorstand, der sich mit allen wichtigen, die Tätigkeit und den Zweck der Gesellschaft berührenden Fragen zu befassen hat.Rudolf Salathé: 25 Jahre Schweizerische Geomorphologische Gesellschaft 1946–1971. In: Geographica Helvetica 26, 1971, 3. S. 97: Als weitere Gründungsmitglieder und Initianten, denen der Dank der Gesellschaft gebührt, seien genannt die Herren Dr. H. Bernhard, Dr. M. Gschwend, Dr. E. Schwabe, Dr. W. Staub. und der Gesellschaft für Asienkunde.Der Bund, Band 100, Nummer 584, 14. Dezember 1949; Den Vorsitz der Veranstaltung führte der Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Asienkunde, Privatdozent Dr. Walther Staub. Bereitwillig übernahm er organisatorische Hilfsdienste. Die Vereinigung ehemaliger Naturwissenschaftler der ETH sowie der Verein Schweizerischer GeographielehrerGymnasium Helveticum, 18, 1963/64, 6. S. 441. Verein Schweizerischer Geographielehrer (Gg), Staub Walther Dr., Privatdozent, bei M.Hundhausen, Hohen‐Unkel über Linz/Rhein (Deutschland) (R[uhestand]) ehrten den langjährigen Getreuen mit der Freimitgliedschaft. Auch bei den Schweizer Geologen, den deutschen Völkerkundlern und den internationalen GeographenVerhandlungen der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft 132, 1952, S. 352: Schweizer Komitee der Internationalen Geographischen Union – Comité national suisse de l'Union Géographique Internationale. engagierte er sich.

1934 half er bei der Gründung der Vereinigung schweizerischer Petroleumgeologen und -ingenieureBulletin der Vereinigung Schweizerischer Petroleumgeologen undPetroleumingeneure, 1934, 1. S. 1: An der Sitzung vom 7. September 1934 [wurde] ein Vorstand besteilt aus den Herren [...] W. Staub, Bern, [...]. Der Gedanke, durch eine Vereinigung die Fühlungnahme der aus dem Ausland zurückkehrenden Petroleumgeologen etwas enger zu gestalten, geht auf mehrere Jahre zurück. Er tritt heute, nachdem eine grössere Zahl Schweizergeologen in die Heimat zurückgekehrt sind, besonders in den Vordergrund. und leitete von 1942 bis 1947 die Redaktion ihres vierteljährlichen Bulletins. Eine von ihm 1941 erstellte Liste schweizerischer Petroleumgeologen ergab, dass in den letzten 50 Jahren über 250 ins Ausland gegangen waren.Walther Staub: Berichterstattung über die Tätigkeit der Schweizer Geologen im Ausland. In: Bulletin der Vereinigung Schweizerischer Petroleumgeologen und Petroleumingenieure. 8, 1941, 27. S. 3: Das systematische Verzeichnis der bis Ende 1940 im Ausland tätig gewesenen Schweizer Geologen ist vom Unterzeichneten in Arbeit genommen worden. Die Karthotek weist z. Z. 194 Namen auf, worunter eine Gruppe von 17 Senioren, die bis 1905 ins Ausland gereist sind. Von den 194 Geologen sind 20 nicht mehr am Leben. Die Länder einer hauptsächlichen Tätigkeit sind: Niederländisch-Indien, Mexiko, Venezuela, Columbien, Trinidad, Oklahoma-Texas, Californien, Peru, Patagonien, Nord-Afrika.

1937 nahm Staub am 17. Internationalen Geologenkongress in Moskau mit Exkursionen unter anderem nach Leningrad (heute St. Petersburg).E.E. Milanovsky: Three sessions of the International Geological Congress held in Russia and the USSR (1897, 1937, 1984).

1947 führte er in La Sarraz ein internationales Geographentreffen durch.Der Bund, Band 98, Nummer 371, 12. August 1947 Ausgabe 02 "ag. Der internationale Geographenkongreß, der im Schloß von La Sarraz unter der Aegide von Frau de Mandrot und mit Unterstützung durch Professor Staub von der Universität Bern stattfand, ging am Samstag zu Ende. Die elf daran teilnehmenden Gelehrten äußerten ihren festen Willen, die internationalen wissenschaftlichen Beziehungen in freundschaftlichem und friedlichem Geiste zu erneuern. Vertreter Schottlands, Italiens, Deutschlands, Oesterreichs, Frankreichs und der Schweiz sprachen über die wissenschaftliche Arbeit in ihren Ländern während und nach dem Kriege. Sie erläuterten ihre Methoden und legten ihre Erfahrungen dar." Als Beitrag zur Wiederaufnahme der wissenschaftlichen Kontakte nach dem Zweiten Weltkrieg zielte das Treffen auf den internationalen Austausch zwischen Forschenden verschiedener Länder ab. Es stand im Zeichen erneuerter Zusammenarbeit in der Geographie. Darüber hinaus hielt Staub viele Vorträge und leitete Exkursionen, wodurch er die geographische und geologische Fachwelt in der Schweiz beeinflusste.Eine ausführlichere Darstellung seiner Aktivitäten findet sich in dern Nachruf-Publikation zu Walther Staub, insbsondere in den Verhandlungen der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft (Jahrgang 146, 1966).

Staub nahm 1949 am 16. Internationalen Geographenkongress in Lissabon teil.

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