alternativtext=Dr. Jiří Dvořák im Jahr 2020|mini| Jiří Dvořák (2020) Jiří Dvořák (* 22. November 1948 in Hulín, Tschechoslowakei) ist ein schweizerisch-tschechischer Neurologe. Er war als Titularprofessor für Neurologie an der Universität Zürich tätig und spezialisierte sich auf Wirbelsäulenerkrankungen. 23 Jahre lang war er Chief Medical Officer bei der FIFA. In seiner medizinischen Praxis und Forschung konzentriert er sich auf die Prävention von Wirbelsäulenerkrankungen, Sportverletzungen und verwandten Symptomen.

Leben und Ausbildung Dvořák wurde am 22. November 1948 in Hulín in der Tschechoslowakei (heute Tschechische Republik) geboren. Er begann sein vorklinisches Medizinstudium 1966 an der Karls-Universität in Prag. Aufgrund der Invasion des Warschauer Paktes im Jahr 1968 verließ er die Tschechoslowakei als Flüchtling und setzte seine Ausbildung in der Schweiz fort. Sein Medizinstudium schloss er 1974 an der Medizinischen Fakultät der Universität Zürich ab. 1986 legte er seine Weiterbildung in Physikalischer Medizin, Rehabilitation, Manueller Medizin und eine Facharztausbildung in Neurologie an der Universität Bern ab.

Danach absolvierte er ein einjähriges Gaststipendium in der Abteilung für Biomechanik, Sektion für Orthopädische Chirurgie an der Yale University School of Medicine unter der Leitung von Professor Manohar Panjabi. Sie arbeiteten in den folgenden 20 Jahren hauptsächlich auf dem Gebiet der klinischen Biomechanik der Wirbelsäule zusammen.

1990 erhielt Dvořák die Venia legendi der Universität Zürich für seine Habilitationsschrift über die obere Halswirbelsäule mit Spezialisierung auf Neurologie.

Er ist mit Babette Dvořák-Kisling verheiratet, mit der er vier Kinder hat.

Karriere Akademische und klinische Tätigkeiten Dvořák wurde 1995 zum Professor für Neurologie und Wirbelsäulenerkrankungen an der Universität Zürich ernannt. Seine hauptsächliche klinische Anbindung war die Schulthess Klinik in Zürich. 1987 wurde er zum Vorsitzenden der Abteilung für Neurologie, Wirbelsäuleneinheit, ernannt. Er war bis 2008 als Vorsitzender tätig und wurde danach bis 2021 Senior Consultant der Abteilung. Seit 2018 ist er als Berater des Verwaltungsrats der Schulthess Klinik tätig.

Einfluss der Forschung Stand November 2025 wurde Dvořáks Forschung über 80'000 Mal zitiert und sein H-index beträgt 143.

FIFA und Sportmedizin Von 1994 bis 2016 war Dvořák als Chief Medical Officer der FIFA tätig. Hier spezialisierte er sich auf Neurologie und Sportmedizin. Er war an der Entwicklung zahlreicher Präventionsprogramme beteiligt, wie z. B. dem 11+-Programm der FIFA, das die Verletzungshäufigkeit bei Fussballern um bis zur Hälfte reduzierte.

Spielersicherheit Dvořáks Arbeit prägte die Medizin- und Anti-Doping-Richtlinien des Fussballs ab Mitte der 1990er Jahre. Er war in die Handhabung des positiven Dopingfalls von Diego Maradona bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 1994 in den Vereinigten Staaten involviert und entwickelte in der Folge ein strenges System zur Bekämpfung von Doping und Medikamentenmissbrauch im Fussball und im Sport im Allgemeinen.

Fairplay und Altersbestimmung Zur Gewährleistung des Fairplay ging Dvořák das Problem des Betrugs bei Altersangaben in Jugendwettbewerben an. Durch den Einsatz der Magnetresonanztomographie (MRT) des Handgelenks wurde die Altersbestimmung zu einem Routineverfahren, um auf der U-17-Ebene gleiche Wettbewerbsbedingungen zu gewährleisten.

FIFA Medical Assessment and Research Center (F-MARC) 1994 gründete er F-MARC bei der FIFA, dem er bis 2016 vorstand. Es handelte sich um eine akademische Einrichtung und ein virtuelles globales Netzwerk von Klinikern und Forschern. F-MARC konzentrierte sich auf die Minderung von Gesundheitsrisiken für Sportlern, im Spezifischen für Fussballer: Aklimatisierung an grosse Höhe: Ausreichend Zeit für die Akklimatisierung bei Pflichtspielen zu gewähren. Heisse Umgebungen: Einführung obligatorischer Abkühlungspausen während der Spiele, wenn übermässige Hitze eine potenzielle Gefahr darstellte; erstmals umgesetzt beim Olympia-Finale 2008 in Peking. Ramadan und Fussball: Forschungsarbeiten lieferten die ersten Daten über den Stoffwechselzustand von Fussballern, die während des Ramadan trainieren und spielen, was eine angemessene Vorbereitung ermöglichte.

Plötzlicher Herztod: Nach dem plötzlichen Herztod (SCD) von Marc-Vivien Foé während des FIFA Konföderationen-Pokals 2003 in Lyon, Frankreich, entwickelte F-MARC ein obligatorisches Screening-Verfahren für alle Fussballer, die an FIFA-Wettbewerben teilnehmen, das erstmals vor der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland durchgeführt wurde. Sie entwickelten auch Präventions- und Ersthelferstrategien. In Zusammenarbeit mit dem Notfallmediziner Efraim Kramer entwickelten sie die medizinische Notfalltasche der FIFA, die einen weltweiten Standard setzte, und förderten die 11 Schritte zur Prävention des plötzlichen Herztods. Concussion in Sport Group: Im Jahr 2001 gründeten medizinische Experten der IIHF (M. Aubry, W. Meuwise), des IOC (P. Schamasch) und des F-MARC (J. Dvořák) die Concussion in Sport Group (CISG). Die CISG untersucht die Langzeitfolgen von wiederholten Kopftraumata und Gehirnerschütterungen im Sport mit dem Ziel der Prävention durch Regeländerungen sowie physische und psychische Überwachung. Die sechs nachfolgenden Konsenserklärungen der CISG bilden die führenden Leitlinien für die Diagnose und Behandlung von Gehirnerschütterungen im Sport. Football for Health / 11 for Health-Programm: Vor der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika entwickelten sie das "Football for Health"-Programm zur Bekämpfung von übertragbaren und nicht übertragbaren Krankheiten (NCDs). Dieses Programm, das später in 52 Ländern verbreitet wurde, nutzte 11 einfache Botschaften, die von ikonischen Fussballern (wie Lionel Messi, Cristiano Ronaldo und Didier Drogba) präsentiert wurden. Die Initiative, die vom damaligen FIFA-Präsidenten Joseph Sepp Blatter und dem verstorbenen Nelson Mandela unterstützt wurde, erwies sich als wissenschaftlich wirksam bei der Verbesserung des Gesundheitswissens von Schulkindern. Während des Ebola-Ausbruchs in Westafrika wurde das Programm angepasst und gemeinsam mit der Weltbank als Die 11 gegen Ebola beworben.

Die Beiträge von F-MARC zur Gesundheit und darüber hinaus wurden von Karim Khan et al. als „ausserordentliches Engagement für Gesundheit und sozialen Wandel“ beschrieben.

Mitgliedschaften in Gremien 1993 wurde Dvořák stellvertretender Chefredakteur der Zeitschrift Spine und 2005 Senior Editor des British Journal of Sports Medicine (BJSM). Er ist einer der Gründer der European Spine Society, der weltweit grössten Gesellschaft, die sich mit wirbelsäulenbezogenen Erkrankungen befasst. Er ist auch Redakteur beim Brain and Spine Journal.

Aktuelle Tätigkeit Seit 2018 ist Dvořák zusätzlich zu seiner Rolle an der Schulthess Klinik als Berater und Mitbegründer der Bangkok Wellness Clinic in Bangkok, Thailand, tätig. Er konzentriert sich auf die Förderung eines gesunden Lebensstils und war Mitautor des Gesundheitsratgebers "Health Brings Wealth" (2022).

Auszeichnungen Im Jahr 2025 wurde Dvořák mit dem ISSLS Wiltse Lifetime Achievement Award ausgezeichnet.

Medienpräsenz Über Dvořáks Forschungs- und Präventionsprojekte im professionellen Sport wurde in Medien wie der The New York Times, der BBC, der Daily Mail, Der Spiegel und dem Tages-Anzeiger berichtet.

Ausgewählte Werke

Zusammen mit Babette Dvořák-Kisling gab Dvořák ein Buch über den Schweizer Kunstsammler, Mäzen und Kunstvermittler Richard Kisling (1862–1917) heraus, der von 1909 bis 1917 Präsident des Kunsthaus Zürich war.

Einzelnachweise

Weblinks

Dvořáks offizielle Webseite: https://www.dvorakmedical.com/

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