mini|Innenstadt von Hebron, links das Heiligtum der Patriarchengräber (2011) Die Geschichte der Stadt Hebron beginnt mit einer befestigten Stadt der Frühbronzezeit auf dem Tell er-Rumēde. Hebron (), eine Großstadt in den Palästinensischen Autonomiegebieten und Hauptstadt des Gouvernements Hebron, ist insofern eine der ältesten Städte der Welt. Von der Spätantike bis in die Frühe Neuzeit war Hebron allerdings eher ein großes Dorf, bekannt vor allem wegen des Heiligtums der Patriarchengräber. Dieses hat für Juden (unter der Bezeichnung Machpela) und Muslime (als Haram al-Chalīl) herausragende Bedeutung; im Schatten des Heiligtums siedelten sich religiöse Institutionen beider Gemeinschaften an. In frühbyzantinischer Zeit und während der Kreuzfahrerherrschaft war das Heiligtum als Abrahamskirche auch ein christliches Pilgerziel. Es stand für christliche Pilger aber immer im Schatten ihrer Hauptziele in Jerusalem und Bethlehem.

Nach der israelischen Einnahme des Westjordanlandes im Sechstagekrieg 1967 stand die Stadt Hebron neben der Jerusalemer Altstadt im besonderen Fokus der Siedlerbewegung. Mosche Levingers Gruppe bezog zunächst Wohneinheiten auf für vorgeblich militärischen Gebrauch enteignetem Land östlich von Hebron (Neugründung Kirjat Arba) und etablierte ab 1979 (Beit Hadassah) eine Reihe von Enklaven innerhalb der Altstadt von Hebron. Beim Osloer Friedensprozess bestand für Hebron daher die singuläre Situation, dass die Stadt nicht nur wie alle Städte des Westjordanlandes von einem Kranz jüdischer Siedlungen umgeben ist, sondern sich eine Kette von jüdischen Mini-Siedlungen quer durch die Innenstadt zieht.

Die Altstadt von Hebron gehört seit 2017 zum UNESCO-Welterbe.

Topographie Hebrons mini|400px|Altstadt von Hebron, am unteren linken Bildrand Deir al-Arbaʿin auf dem noch weitgehend unbebauten Tell er-Rumēde (Deutsches Fliegerbild, 1918) mini|400px|Hebron H2 area; die Quelle ʿAin el-Dschudēde ist hier als Abraham’s Well eingetragen (UN OCHAoPt, 2011) Etwa 30 Kilometer südlich von Jerusalem befindet sich die Stadt Hebron in verkehrsgünstiger Lage im Zentrum des Berglands von Hebron (Dschabal al-Chalīl), „an der Grenze zwischen fruchtbarem Ackerland und dem Steppengebiet des Negeb.“ Die Niederschlagsmengen (450 mm im jährlichen Mittel) erlauben Landwirtschaft ohne künstliche Bewässerung, doch müssen die meist steilen Hänge des Berglands terrassiert werden. Sie sind prädestiniert für Ölbaum- und Feigenbaumhaine; auch Weinbau war seit dem Altertum im Bergland von Hebron üblich. Zu den Vorzügen Hebrons gehören mehrere Quellen; einen besonderen Stellenwert hat die ganzjährig wasserführende Quelle ʿAin el-Dschudēde am Fuß des Dschebel er-Rumēde, auf halbem Wege zwischen dem bronzezeitlich-eisenzeitlichen Tell und dem Heiligtum der Patriarchengräber.Detlef Jericke: Abraham in Mamre, Leiden / Boston 2003, S. 16 f. Ursprünglich trat in ʿAin el-Dschudēde Grundwasser an der Geländeoberfläche aus; da sich der Schutt des Tell auftürmte, wurde (möglicherweise im Mittelalter) ein Kuppelbau über der Quelle errichtet, der schließlich auch von Schutt bedeckt wurde, so dass das Quellwasser heute scheinbar in einer Höhle austritt.Avi Ofer: Hebron, NEAEHL, Jerusalem 1993, S. 608.

Die Ortsmitte Hebrons liegt auf etwa 927 m ü. NN in einem von Südost nach Nordwest verlaufenden Tal (Wādī el-Chalīl) zwischen dem Dschebel Dschaʿābire im Osten und dem Dschebel er-Rumēde (974 m ü. NN) im Westen. Damit ist Hebron die höchstgelegene Stadt Palästinas.

Die Keimzelle der Stadt ist ein Siedlungshügel (Tell er-Rumēde) auf einem niedrigen Ausläufer des Dschebel er-Rumēde in der Nähe der Quelle ʿAin el-Dschudēde. Der Schutt bedeckt ein Areal von etwa sieben Hektar, aber das Gebiet der Stadt Hebron im Altertum schätzt Avi Ofer auf nicht mehr als fünf Hektar. Der Preis für den guten Zugang zum Wasser war die militärisch ungünstige topographische Situation, denn die Siedlung wurde vom Dschebel er-Rumēde überragt.Avi Ofer: Hebron, NEAEHL, Jerusalem 1993, S. 607. Auf der Kuppe des Tell befindet sich der mittelalterliche, im Kern vielleicht frühbyzantinische Gebäudekomplex Deir al-Arbaʿin.

Etwa einen Kilometer östlich vom Dschebel er-Rumēde, am Osthang des Dschebel Dschaʿābire, befindet sich das von Muslimen und Juden gleichermaßen verehrte Heiligtum der Patriarchengräber (Haram el-Chalīl / Machpela). Um dieses Zentrum entwickelte sich die mittelalterliche Stadt. Bis Anfang des 19. Jahrhunderts besaß Hebron drei Stadtviertel:Moshe Sharon: Al-Khalīl, 1978, S. 955.

das Viertel ar-Raʾs in der Nachbarschaft des Haram el-Chalīl; im Nordwesten das Viertel um die Moschee des ʿAli al-Bakkaʿ; im Süden das größte Viertel, namens ḥārat al-qaytūn.

Hebron im Altertum Forschungsgeschichte Archäologische Forschung in Israel und Palästina hat immer eine politische Komponente; Hebron ist dafür ein eindrückliches Beispiel. Deshalb wird vorab der Kontext dargestellt, in dem hier Grabungen stattfanden:

Im Januar und Februar 1920 vermaß und untersuchte Ernest J. H. Mackay als Chefinspektor der Altertümerverwaltung im Britischen Mandatsgebiet Palästina zusammen mit Louis-Hugues Vincent (École biblique) das Heiligtum der Patriarchengräber. Ihre Befunde wurden 1923 in zwei Bänden unter dem Titel Hébron, le ḥaram el-khalil, sépulture des patriarchs veröffentlicht.Othmar Keel, Max Küchler: Orte und Landschaften der Bibel, Göttingen und Zürich 1982, S. 688.

Ein Team der American Expedition to Hebron unter Leitung von Philip C. Hammond (Princeton Theological Seminary) grub im Auftrag der Jordanischen Altertümerverwaltung auf dem Tell er-Rumēde nach einem ersten Besuch 1963 in drei Kampagnen von 1964 bis 1966. Nach dem Sechstagekrieg (Juni 1967) kam das Westjordanland und damit auch Hebron unter israelische Kontrolle. Hammond, der dem Haschemitischen Königreich verbunden war, kehrte nicht nach Hebron zurück.Jeffrey R. Chadwick: Hebron in Iron Ages I–II, Tübingen 2025, S. 67. Ein Abschlussbericht erschien nicht.Vgl. Philip C. Hammond: Hébron. In: Revue Biblique, Band 75 (1968), S. 253–258. Die Aufzeichnungen Hammonds nutzte Jeffrey R. Chadwick für seine Promotionsschrift: The archaeology of biblical Hebron in the Bronze and Iron ages: An examination of the discoveries of the American Expedition to Hebron, die 1992 von der University of Utah angenommen wurde (Vorschau bei ProQuest) Vgl. aber Detlef Jericke: Abraham in Mamre, Leiden / Boston 2003, S. 20 f.: Der wissenschaftliche Standard der Arbeit entspricht „in vielen Punkten nicht demjenigen, der von einer in Europa angefertigten Dissertation erwartet wird.“ Chadwick sei einer Biblischen Archäologie im Stile von William F. Albright verpflichtet und entnehme absolute Datierungen von Grabungsbefunden „nicht dem archaologischen Material im Vergleich zu anderen Ausgrabungen, sondem biblischen Texten und anderen altvorderorientalischen Quellen.“

Die Höhle unter dem Heiligtum der Patriarchengräber wurde am 10. Oktober 1968 Ziel einer israelischen Untersuchung: Yehuda Arbel, Distriktsleiter des Schin Bet in der Region Jerusalem und nach dem Sechstagekrieg auch zuständig für das Westjordanland, seilte seine 13-jährige Tochter nächtens durch die schmale Öffnung in der Moschee ab, welche muslimische Gläubige nutzten, um Zettel mit Gebeten einzuwerfen.Ronit Hemyan: “My Father, His Daughter”: A Memoir of the Year 1967 in Hebron as a Metonym for the Relationship between Fathers and Daughters as Told by Five Israeli Women. In: Regina F. Bendix, Aziz Haidar, Hagar Salamon (Hrsg.): June 1967 in Personal Stories of Palestinians and Israelis. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2022, S. 393−429, hier S. 425; Dalia Karpel: The Little Match Girl. In: Haʾaretz, 31. Mai 2006. Im September 1981 fand der nächste Vorstoß statt: Eine Gruppe von Siedlern unter Leitung von Noam Arnon brach einen versiegelten Eingang auf und drang in die Höhle ein, während andere Siedler mit lauten Gebeten die Aufmerksamkeit der für die Moschee zuständigen Waqf-Angestellten ablenkten.Secrets of the Cave of the Patriarchs exposed Vier Keramikgefäße wurden mitgenommen und ins Museum von Kirjat Arba gebracht. Im Oktober/November 1981 wurde dieselbe Höhle mehrmals von einer „‚formelleren‘ archäologischen Gruppe“ betreten, zu der neben Personal des Archäologischen Stabsoffiziers für Judäa und Samaria, israelischen Militärangehörigen und Repräsentanten des Waqf die Archäologen Zeev Yeivin und Doron Chen gehörten.Noam Arnon, David Ben-Shlomo, Hans Mommsen: Iron Age Pottery from the Cave of the Patriarchs at Hebron, 2020, S. 51.

Nachdem 1984 jüdische Siedler auf dem Dschebel er-Rumēde eingetroffen waren, beabsichtigte der damalige Verteidigungsminister Yitzhak Rabin, die Ausdehnung ihrer Siedlung zu verhindern, indem er auf dortigen Landparzellen, die in jüdischem Privatbesitz waren, archäologische Grabungen initiierte.Emek Shaveh: Tel Rumeida – Hebron’s Archaeological Park, 2014, S. 6. Ein Team der Universität Tel Aviv unter Leitung von Avi Ofer (Judean Hills Survey Expedition) grub von 1984 bis 1986 im Auftrag des Archäologischen Stabsoffiziers für Judäa und Samaria auf dem Tell er-Rumēde. Ziel war es, in einer zentralen Sektion (Area S) einen Schnitt durch den gesamten Tell anzulegen und damit die stratigraphische Abfolge zu bestimmen: Früharabische Periode, byzantinische Periode (zwei Phasen), römische Periode, hellenistische Periode, Eisenzeit IIC (zwei Phasen), Eisenzeit IIA–IIB (zwei Phasen), Eisenzeit I, Mittelbronzezeit und ausgehende Frühbronzezeit.Avi Ofer: Hebron, NEAEHL, Jerusalem 1993, S. 607. Vgl. Avi Ofer: Tell Rumeideh (Hebron) – 1985. In: Excavations and Surveys in Israel, Band 5 (1986), S. 93: " No material earlier than Early Bronze was found, nor did any evidence of the Late Bronze Age come to light or of the Persian period." Die Arbeiten wurden mit dem Beginn der Ersten Intifada eingestellt. Ofer veröffentlichte nur Vorberichte, verfasste aber auch den Artikel Hebron in der New Encyclopedia of Archaeological Excavations in the Holy Land (NEAEHL).

Ebenfalls beauftragt vom Archäologischen Stabsoffizier grub Yuval Peleg 1998 ein spätbronzezeitliches Grab am Nordwesthang des Tell aus.Vgl. Yuval Peleg, Irina Eisenstadt: A Late Bronze Age tomb at Hebron (Tell Rumeideh). In: Hananya Hizmi, Alon De-Groot (Hrsg.): Burial Caves and Sites in Judea and Samaria, from the Bronze and Iron Ages. Israel Antiquities Authority, 2004, S. 231–259.

Emanuel Eisenberg grub 1999 im Auftrag der Israel Antiquities Authority am Nordhang des Tell auf Parzellen, die für permanente Wohnungen der Siedler-Enklave Admot Yishai/Tel Chevron vorgesehen waren (die Häuser wurden dann mit einer Säulenkonstruktion über Teilen des Grabungsgeländes errichtet). Eisenberg leitete 2014 zusammen David Ben-Shlomo Ausgrabungen der Universität Ariel am südlichen und südwestlichen RandDavid Ben-Shlomo: Tel Hebron during the Late Roman – Early Byzantine Period, 2018, S. 29. des Tell er-Rumēde (jetzt hebräisch bezeichnet als Tel Chevron). Diese erhielten die Lizenz des Archäologischen Stabsoffiziers für Judäa und Samaria; auf dem Gelände war die Einrichtung eines Archäologischen Parks vorgesehen.Emanuel Eisenberg, David Ben-Shlomo: Tel Hevron: Preliminary Report, in: Hadashot Arkheologiyot, Band 128 (2016). Der Abschlussbericht wurde 2017 veröffentlicht.Emanuel Eisenberg, David Ben-Shlomo: The Tel Hevron 2014 excavations: final report. (= Ariel University Institute of Archaeology Monograph Series, Band 1). Ariel University Press, 2017.

Hebron in der Bronzezeit