alternativtext=Ein s/w Portrait der Künstlerin Felicitas 'Fee' Pallat in jungen Jahren|mini|Felicitas „Fee“ Pallat Felicitas „Fee“ Pallat (* 17. September 1925 in Berlin als Felicitas Ziesemer; † 26. Juli 2022 ebenda) war eine deutsche Künstlerin, die als Malerin, Grafikerin, Objektkünstlerin, Autorin und Sammlerin tätig war. Sie lebte und arbeitete in Berlin und San Casciano in der Toskana.

Leben Herkunft und Privatleben Fee Pallat entstammte einer künstlerisch bedeutsamen Familie. Ihr Vater Edgar Ziesemer war ein Pionier der Filmkunst, Kameramann und Produzent im Berlin der 1920er Jahre. Ihre Schwester Ina Berneis wirkte als Fotografin in Hollywood und später in München und war verheiratet mit dem Autor und Schauspieler Peter Berneis.

1948 heiratete sie den Oberpostbeamten Rudolf Pallat; im selben Jahr wurde ihr Sohn Konstantin geboren. Anfang der 1950er Jahre bezog die Familie eine Wohnung in der Seesener Straße in Berlin-Charlottenburg – direkt neben dem Bildhauer Günter Ohlwein. Diese Wohnung blieb ihr Arbeits- und Lebensmittelpunkt für die folgenden sieben Jahrzehnte.

Um 1970 begegnete sie dem Kunsthistoriker Werner Haftmann, mit dem sie eine langjährige und zugleich schwierige Beziehung einging, die bis zum Jahr 1984 dauerte. (Haftmann war eine der einflussreichsten Figuren der westdeutschen Nachkriegskunst, Mitbegründer der documenta und von 1967 bis 1974 Direktor der Berliner Nationalgalerie.)

Nach dem Ende der Beziehung zu Haftmann lebte Fee Pallat gemeinsam mit ihrem Sohn in Charlottenburg, bis sie im Juli 2022 an den Folgen eines Sturzes starb.

Ausbildung und künstlerische Anfänge Von 1945 bis 1949 studierte Fee Pallat an der Hochschule für bildende Künste in Berlin bei Max Kaus und Ernst Schumacher. In dieser Zeit entwickelte sie nicht nur ihre eigene künstlerische Sprache, sondern fand auch erste Freundschaften in der Kunstwelt, etwa mit dem Maler Ferry Ahrlee, der sie 1949 porträtierte.

Trotz ihrer familiären Rolle als Hausfrau und Mutter begann in den 1950er Jahren ihre künstlerische Laufbahn. Erste größere Arbeiten entstanden, es folgten Ausstellungen in Hamburg und Berlin. 1959 wurde sie Mitglied im Verein Berliner Künstlerinnen.

Die folgenden Jahre waren geprägt von Studienreisen, vor allem nach Norwegen und Dänemark, wo sie auch Asger Jorn kennenlernte. Auf diesen Reisen, die sie teils gemeinsam mit Künstlerfreunden wie Heinrich Richter und Jochen Senger unternahm, entstanden zahlreiche Zeichnungen und Aquarelle. Ihr Umfeld umfasste in dieser Zeit zahlreiche prägende Persönlichkeiten der geselligen Berliner Kunstszene, darunter Karl Oppermann, Klaus Fußmann und Heinz Trökes.

In dieser Zeit entstanden bereits größere Bilder, Collagen und Assemblagen, in denen sie bereits die Einflüsse der klassischen Moderne zu ihrem eigenen Stil verarbeitete. Daneben schuf sie aber auch ein umfangreiches graphisches Werk, das sich ab Mitte des Jahrzehnts immer stärker der Pop Art zuwandte.

Die 1970er Jahre Surrealistische und psychedelische Elemente wurden in ihren Arbeiten immer stärker. Viele Jahre verbrachten Fee Pallat und Haftmann die gemeinsame Zeit in ihrem Haus in San Casciano, wo zahlreiche Werke entstanden – nicht nur großformatige Bilder und Objekte, sondern auch poetisch-mystische Gedichte und Erzählungen. In diese Zeit fallen ihre langjährigen Freundschaften zu Georg von Kovats, Odi Kasper, Grety Wols, Ernst und Gesa Schröder, Werner Klett und Michael Wewerka, mit dem sie 1982 einen den experimentellen Kurzfilm „Begegnung im Tal“ realisierte.

Neuorientierung nach 1984 und Spätwerk Nach dem Ende der Beziehung zu Haftmann im Jahr 1984 wandte sich Fee Pallat immer mehr vom etablierten Kunstbetrieb ab. Die Emotionalität und Ausdrucksstärke ihrer Bilder nahm weiter zu, wobei kosmische Themen in den Mittelpunkt ihres Schaffens rückten und fortan ihre Werke immer stärker prägten.

In den 1980er und 1990er Jahren fand sie Kontakt zu den „Neuen Wilden“ in Berlin, sie tauschte Werke unter anderem mit P. R. Keil und Andreas Kaps. Zugleich engagierte sie sich für die Anerkennung der Naiven Kunst. Ihre Sammlung wurde in vielbeachteten Ausstellungen in Berlin und Dresden gezeigt.

Im hohen Alter folgte eine letzte, intensive Schaffensphase; ihr Blick öffnete sich wieder stärker in Richtung Formanalyse und Philosophie und konzentrierte sich nun überwiegend auf mythische und kosmische Motive.

Künstlerische Einordnung

Themen und Stil Pallats Werk ist Spiegelbild und Kommentar zur Nachkriegsgesellschaft und spricht von Umweltzerstörung, Zukunftsangst, Identitätssuche und vom Frausein. Ihre Kunst wurde als feministisch, prophetisch und furchtlos charakterisiert. Dabei ist ihr Werk Ausdruck intensiver psychischer Prozesse: Farbgebung und Form lassen ihre inneren Kämpfe, ihre Stimmungsschwankungen, ihre Verletzlichkeit und Stärke sichtbar werden.

Ihre oft kubistisch inspirierten Kompositionen, deren Flächen in scharf konturierte Fragmente zerfallen, zeigen ein Gesamtwerk von Klarheit und formaler Konsequenz. Auch ihre fotografischen Arbeiten – oft durch Übermalungen und surreale Collagen verfremdet – zeugen von ihrem Drang, neue Ausdrucksmöglichkeiten zu finden.

Bedeutung und Nachwirkung Fee Pallats Werk umfasst etwa 6.000 Bilder und Objekte. Es wird derzeit (Stand 2026) vom Pallat-Archiv bearbeitet und dokumentiert. Ihre Themen – Umweltzerstörung, Geschlechterverhältnisse, spirituelle Suche – erweisen sich als exemplarisch für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts.

Ausstellungen (Auswahl) Quelle: Pallat-Archiv Einzelausstellungen 1955: Kunstarchivarion Rolf Roeingh, Berlin 1968: Galerie UBU, Karlsruhe 1969: Galerie Gellhaus, Berlin 1970: Galerie Boisseree, Köln 1971: Galerie Der Turm, Bad Godesberg 1971: Galerie Glaub III 1972: Consulat des Arts, La Garde Freinet 1972: Galerie Herzog, Mannheim 1973: Galerie Herzog, Mannheim 1973: Dr. Gunda Köppen 1975: Galerie Kühling, Hamburg 1977: Galerie Lietzow, Berlin 1979: Neuer Berliner Kunstverein, Berlin 1979: Kunstamt Kreuzberg, Berlin 1980: Interni-Galerie, Berlin 1982: Galerie Bauscher, Potsdam 1982: Galerie Lange, Berlin 1983: Galerie in der Goldschmiede Berlin 1984: Galerie Ketterer, München 1988: Galerie Lange, Berlin 1992: Galerie Bauscher, Berlin 1995: Galerie Lange, Berlin

Gruppenausstellungen 1949: Junge Generation Berlin 1952: Hamburger Kunstrunde 1964: Große Berliner Kunstausstellung, Berlin 1971: ART Basel (Galerie Herzog, Galerie Jean Petit) 1974: 1 Mai-Salon – Zerstörung der Umwelt, Berlin 1981: Galerie Hartwig, Berlin 1984: Galerie Wewerka, Berlin 1988: Studio und graphisches Kabinett Pels-Leusden 1989: Galerie Bauscher, Berlin

Ausstellungen der Sammlung Pallat 1984: Sammlungen Pallat, Fußmann und Waldendorf im Kunstamt Kreuzberg 1998: Sammlung Pallat in der Staatlichen Kunstsammlung Dresden 2004: Sammlung Pallat im Kunstforum Berliner Volksbank

Literatur Michael Berneis: 100 Jahre Fee Pallat – Kunst als Lebensform. Pallat Archiv, 2025. Neuer Berliner Kunstverein: Felicitas Pallat – Objekte, Bilder, Grafik. Lucie Schauer: Felicitas Pallat: Objekte, Bilder, Grafik. 1979 Werner Haftmann: Von der Erzählkraft der verworfenen Dinge. 1979

Weblinks Website des Pallat-Archivs Felicitas Pallat beim Neuen Berliner Kunstverein

Einzelnachweise

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