Die chinesisch-haitianischen Beziehungen beschreiben das bilateralen Verhältnis zwischen der Volksrepublik China und der Republik Haiti.
Offizielle Beziehungen Die beiden Länder unterhalten keine diplomatischen Beziehungen.
Haiti hat im Jahr 1956 die Republik China (Taiwan) anerkannt; am 25. April 1956 nahmen die beiden Staaten diplomatische Beziehungen auf.
Im Jahr 1996 schlossen die VR China und Haiti ein Abkommen über die gegenseitige Einrichtung von Handelsbüros. Im Januar 1997 eröffnete China ein Büro in Port-au-Prince, das durch einen Beamten des Außenministeriums der VR China geleitet wird und über den Bereich des Handels hinaus als staatliche Repräsentanz agiert. Im Februar 1998 richtete Haiti in Peking ein Handelsbüro () ein, das von einem Botschaftsrat geleitet wird.
Geschichte und neuere Entwicklung In den späten 90er Jahren des 19. Jahrhunderts wanderten Chinesen aus der Provinz Guangdong und anderen Provinzen nach Haiti aus und betrieben vor allem Restaurants, Waschsalons und Einzelhandelsgeschäfte in Port-au-Prince.
Haiti ist Gründungsmitglied der Vereinten Nationen. Die VR China wurde 1971 Mitglied der Weltorganisation, indem die Republik China (Taiwan), die ebenfalls Gründungsmitglied gewesen war, mit der Resolution 2758 der UN-Generalversammlung ausgeschlossen wurde. Die VR China wurde auch ständiges Mitglied im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen.
Im Jahr 1996 drohte die VR China damit, durch Ausübung ihres Veto-Rechts im Sicherheitsrat die Verlängerung der UN-Friedensmission in Haiti (UNMIH) zu blockieren. Die Intention war es, Haiti zur Anerkennung der Ein-China-Politik und damit zur Aufgabe der Beziehungen zu Taiwan zu bewegen. mini|Hotel Christopher nach dem Erdbeben von 2010 Demselben außenpolitischen Kalkül folgend entschied die Führung in Peking, bei Aufstellung der Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen für Haiti (MINUSTAH) im Jahr 2004, 125 Angehörige (eine Kompanie) der bewaffneten Pollzei der VR China zu entsenden. Das Kontingent wurde neunmal routinemäßig ausgetauscht, so dass rund 1100 Chinesen insgesamt in Haiti zum Einsatz kamen. Sieben von ihnen starben bei dem Erdbeben des Jahres 2010 im zusammengebrochenen Hauptquartier Hotel Christopher. Im November 2012 beendete China die Teilnahme an der Mission, die noch bis 2017 bestand.
Nach dem verheerenden Erdbeben vom 12. Januar 2010 gehörte die VR China zu den ersten Nationen, die mit Rettungskräften und Hilfsgütern auf die Katastrophe reagierten. Ein 60-köpfiges Such- und Rettungsteam kam am 14. Januar in Port-au-Prince an. Das Team bemühte sich vor allem, Verschüttete und Vermisste im MINUSTAH-Hauptquartier Hotel Christopher zu retten, wo zum Zeitpunkt des Erdbebens eine Delegation aus Peking Gespräche über die Fortführung der chinesischen Beteiligung an der Mission geführt hatte. Die chinesische Regierung kündigte ferner humanitäre Hilfe im Wert von 4,4 Mio. US-Dollar an, während das Chinesische Rote Kreuz zusätzlich eine Million US-Dollar zusagte.
Als ständiges Mitglied des VN-Sicherheitsrats vertritt die VR China eine Position gegenüber der Lage in Haiti, die einerseits eine Unterstützung des Landes durch die internationale Gemeinschaft fordert, seit einigen Jahren jedoch militärischen Eingriffen in der Region zurückhaltend gegenüber steht. So enthielt sich die VR China gemeinsam mit Russland sowohl 2023 bei der Billigung der Mission Multinationale d’Appui à la Sécurité en Haïti (MMAS) als auch 2025 bei deren Umwandlung in die Force de répression des gangs (FRG) der Stimme.
In den Debatten des Sicherheitsrats zur Situation in Haiti vertraten die Vertreter der VR China folgende entsprechende Positionen:
Haiti brenötige die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft, um die haitianische Regierung in die Lage zu versetzen, den demokratischen Prozess voranzutreiben und die reibungslose Durchführung freier, fairer und glaubwürdiger Wahlen bis 2014 zu gewährleisten und die bisherigen Erfolge des Landes zu konsolidieren. Die internationale Gemeinschaft wurde aufgerufen, den Wiederaufbaubemühungen in Haiti große Aufmerksamkeit zu schenken, ihre Hilfszusagen einzuhalten und die Wirksamkeit der Hilfe zu verbessern, um einen konstruktiven Beitrag zum Wiederaufbau und zur Entwicklung des Landes zu leisten. China begrüßte die Bemühungen und Beiträge der Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Haiti für Frieden und Stabilität in dem Land. (20. März 2013): Die Fortsetzung der Konsolidierung des demokratischen Stabilisierungsprozesses in Haiti, vor allem ein rascher einen Konsens über die Senats- und Kommunalwahlen, seien ebenso wie die wirtschaftliche Entwicklung und der Wiederaufbaus Haitis von größter Bedeutung. Die Umgestaltung der MINUSTAH und die Verlängerung ihres Mandats um ein weiteres Jahr seien richtig. China hoffe, dass die MINUSTAH weiterhin die Mandate des Sicherheitsrats umsetzt, zur Aufrechterhaltung der Sicherheit und Stabilität in Haiti beiträgt, den politischen Prozess fördert und die Rechtsstaatlichkeit sowie den Kapazitätsaufbau der staatlichen Institutionen stärkt. Bei diesem Umstrukturierungsprozess wäre die MINUSTAH gut beraten, die Standpunkte aller Seiten umfassend zu berücksichtigen und behutsam vorzugehen. (28. August 2013); Angesichts der Tatsache, dass sich die allgemeine Sicherheitslage in Haiti verbessert und die haitianische Nationalpolizei weiter ausgebaut wurde, sollte die MINUSTAH einen Rückzug zum geeigneten Zeitpunkt in Betracht ziehen und nicht auf unbestimmte Zeit in Haiti bleiben. Die haitianische Regierung sollte die Verantwortung für die Aufrechterhaltung der nationalen Sicherheit und Stabilität übernehmen. (10. November 2016); Die Lage in Haiti sei insgesamt stabil. China würdigte den Beitrag der Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Haiti (MINUSTAH) zur Förderung von Frieden und Entwicklung in Haiti. Das Mandat der Mission laufe am 15. Oktober 2017 aus. Deswegen solle die derzeitige Priorität auf einem reibungslosen Übergang liegen, um einen geordneten Abzug der MINUSTAH auf der Grundlage der Aufrechterhaltung der Stabilität in Haiti zu erreichen und den erfolgreichen Einsatz der MINUJUSTH nach dem 15. Oktober sicherzustellen. China hoffte, dass das Sekretariat, die MINUSTAH die Kommunikation mit der haitianischen Regierung verbessere, um den Erfolg des Übergangsprozesses sicherzustellen. (18. Juli 2017); Im Jahr 2022 habe sich die Lage in Haiti nicht verbessert. Das politische Machtvakuum und die grassierende Bandenkriminalität belasteten die haitianische Bevölkerung schwer. Die Haitianer begrüßten die Sanktionen, die die UNO gegen haitianische Banden und ihre Unterstützer verhängt hat, und erwarteten, dass das Sanktionsregime die Aktivitäten der Banden wirksam eindämmen wird. China unterstütze, dass die Sanktionsliste dringend überprüft und aktualisiert sowie die vollständige Umsetzung der Sanktionsmaßnahmen überwacht und sichergestellt werde, um die notwendige Abschreckung gegen Bandengewalt zu schaffen. China begrüße es, wenn regionale Partner die haitianische Nationalpolizei beim Kapazitätsaufbau unterstützen. Bei der Erwägung der Entsendung von Streitkräften sollten die Länder die unterschiedlichen Standpunkte innerhalb Haitis umfassend berücksichtigen und vermeiden, die historischen Lehren aus gescheiterten Interventionen von außen zu wiederholen. China unterstütze die Vereinten Nationen und regionale Partner dabei, die humanitären Ressourcen für Haiti aufzustocken und eine konstruktive Rolle bei der Verbesserung der humanitären Lage vor Ort und der Überwindung wirtschaftlicher und existenzieller Schwierigkeiten zu spielen. Gemeinsam mit der internationalen Gemeinschaft werde China weiterhin eine konstruktive Rolle für das haitianische Volk in seinem Streben nach Frieden und Stabilität spielen. (25. Januar 2023); (nach der Stimmenthaltung bei der Billigung der MMAS) Die Umsetzung dieser Resolution müsse im Einklang mit dem Völkerrecht und den grundlegenden Normen der internationalen Beziehungen stehen und dürfe nicht die Souveränität anderer Länder verletzen oder in deren innere Angelegenheiten eingreifen. (2. Oktober 2023); (zum Resolutionsentwurf für die Umwidmung der MMAS in die FRG und die Stimmenthaltung der VR China) Der Resolutionsentwurf sei in mehreren entscheidenden Punkten mehrdeutig. Im Kern autorisiere er gemäß Kapitel VII der UN-Charta eine völlig neue Truppe zur Bekämpfung krimineller Banden, die das Mandat hat, eigenständig robuste Militäroperationen durchzuführen. Auf der Grundlage der Prinzipien der Achtung der nationalen Souveränität und der Nichteinmischung in innere Angelegenheiten habe China stets eine vorsichtige Haltung gegenüber der Anwendung von Mandaten gemäß Kapitel VII eingenommen. Der Resolutionsentwurf berge die Gefahr, die ohnehin schon komplexe und dramatische Lage in Haiti weiter zu verschärfen. Die vielfältigen Krisen in Haiti seien miteinander verflochten. Die eigentliche Ursache liege im Fehlen einer legitimen Regierung und einem Vakuum in der nationalen Regierungsführung, was einen fruchtbaren Boden und Raum für Gewaltverbrechen geschaffen habe. Derzeit seien die Aussichten für einen politischen Wandel in Haiti düster, da Banden tief mit politischen und wirtschaftlichen Eliten verflochten seien und eine große Zahl von Zivilisten, darunter auch Kinder, in Banden rekrutiert würden. Unter diesen Umständen sei es unwahrscheinlich, dass der Einsatz militärischer Gewalt zur Bekämpfung von Gewalt mit Gewalt zum Erfolg führe (30. September 2025).
Bilateraler Handel
Das bilaterale Handelsvolumen zwischen der VR China und Haiti lag im Jahr 2023 bei 570 Mio. US-Dollar. Dabei entfielen auf chinesische Exporte nach Haiti rund 525 Mio. US-Dollar, während Haiti Waren im Wert von rund 45 Mio. nach China ausführte.
China lieferte vor allem Halbleiter, Koffer und andere Behältnisse aus Kunstleder und elektrische Transformatoren. Haiti exportierte gegerbte Ziegenhäute, ätherische Öle und bearbeitete Textilien nach China.
Kultureller Austausch
An der Université Quisqueya in Port-au-Prince ist ein Konfuzius-Institut eingerichtet, das Chinesischunterricht anbietet.
Einzelnachweise