mini|hochkant|Colporteur de livres, Anciens cris de Paris, XVIe siècle mini|hochkant|29. Pianellaro - Le Arti di Bologna (Annibale Carracci) mini|hochkant|Cryes of the City of London Drawne after the Life (1687) Buy my fat Chickens mini|hochkant|Études prises dans le bas peuple ou les Cris de Paris - Achetés des Moulins mini|hochkant|Études prises dans le bas peuple ou les Cris de Paris - L’Afficheur = Der Plakatkleber mini|hochkant|Phillips(1804) p669 - Covent Garden - Strawberries Kaufruf, Händlerruf, Ausrufbild ist eine Gattung der populären Druckgrafik, deren Sujet die Darstellung von auf eigene Rechnung arbeitenden Straßenhändlern, Hausierern und Kolporteuren oder von Ausrufern sowie die Wiedergabe von deren charakteristischen Ausrufen ist. Entsprechende Grafikfolgen erlebten während des 18. und 19. Jahrhunderts große Verbreitung und befassten sich mit den handelstreibenden Personen beiderlei Geschlechts in den größeren europäischen Städten wie Paris, London, Hamburg, Wien, Basel oder Zürich. Der Name solcher Reihen leitet sich von dem unter die dargestellten Personen gesetzten Kaufruf ab.Wolfgang Brückner: Populäre Druckgraphik Europas. Deutschland vom 15. bis zum 20. Jahrhundert. 2. Aufl. Georg D. W. Callwey, München 1975, S. 125. Teilweise findet sich bei einzelnen Grafikfolgen auch in Notenschrift festgehalten die Tonfolge der Händlerrufe.Massin: Händlerrufe, S. 114.
Hubert Kaut hatte 1970 sämtliche Originalausgaben der Wiener Kaufrufe katalogmäßig erfasst.Kaufrufe aus Wien. Volkstypen und Strassenszenen in der Wiener Graphik von 1775–1914. Wien und München 1970, S. 103–106. Er plädierte dafür, dieses Teilgebiet der Wiener Graphik „nicht einseitig kunsthistorisch“ zu behandeln, sondern der „kulturgeschichtliche Gesichtspunkt muß ebenso wie der soziologische gleichwertig berücksichtigt werden.“Kaufrufe aus Wien. Volkstypen und Strassenszenen in der Wiener Graphik von 1775–1914. Wien und München 1970, S. 112.
Um die systematische internationale Erfassung hat sich Karen F. Beall verdient gemacht, deren Bibliografie „Cries and itinerant trades“ 1975 unter dem Paralleltitel „Kaufrufe und Straßenhändler“ veröffentlicht wurde.Karen F. Beall: Kaufrufe und Straßenhändler = Cries and itinerant trades. Eine Bibliographie. Hauswedell, Hamburg 1975. Unter dem Titel „Kaufrufe und Strassenhändler. Einzelblätter und Graphikfolgen des 16.–19. Jh.“ folgte in den Jahren 1976 bis 1978 eine Serie von Ausstellungen in Bremen, Frankfurt (Main), Wolfenbüttel und Hamburg.Ernst L. Hauswedell (Katalogbearb.): Kaufrufe und Strassenhändler. Einzelblätter und Graphikfolgen des 16.–19. Jh.; (Ausstellungen: Kunsthalle Bremen, 5. September–3. Oktober 1976); Deutsche Bibliothek Frankfurt am Main, 15. November–18. Dezember 1976; Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel, 8. Januar–20. Februar 1977; Museum für Kunst u. Gewerbe Hamburg, 10. Januar–5. März 1978. Hauswedell, Hamburg 1976. ISBN 978-3-7762-0141-3. Die Bezeichnung Kaufruf schien damit auf dem deutschen Grafikmarkt fest etabliert, als Heimeran 1978 das reich illustrierte Werk „Händlerrufe aus europäischen Städten“ von Robert Massin veröffentlichte. C. P. Maurenbrecher festigte 1980 mit seiner an ein breites Publikum gerichteten Edition Europäische Kaufrufe den von Ernst L. Hauswedell im Grafikhandel eingeführten Gattungsbegriff, bedauerte aber zugleich, dass „das zunächst gebräuchliche ‚Ausruf‘ heute von dem weniger glücklichen, weil begrifflich engeren ‚Kaufruf‘ verdrängt ist.“C. P. Maurenbrecher; Europäische Kaufrufe I, Dortmund 1980, S. 7. Hilfreich ist ein „Register der entwerfenden und ausführenden Künstler“.C. P. Maurenbrecher: Europäische Kaufrufe II, Dortmund 1980, S. 173–174.
Seitens der volkskundlichen Arbeits- und Geräteforschung hatte bereits 1969 Wilhelm Hansen auf „eine förmliche Schwemme an Ausruferzyklen“Wilhelm Hansen: Die Dokumentation historischer Bildquellen der Arbeits- und Geräteforschung. In: Wilhelm Hansen (Hrsg.): Arbeit und Gerät in volkskundlicher Dokumentation, Aschendorff, Münster 1969, S. 36–54, hier S. 36 und Anm. 34. des 18. Jahrhunderts verwiesen und als Beleg die Lipperheidesche Kostümbibliothek und deren Sammlungsbestände genannt.
Im Mittelalter und der Frühen Neuzeit waren viele Menschen nicht des Lesens und Schreibens kundig. Sie waren auf Nachrichtenübermittlung per Ausruf angewiesen. „Offizielle Verlautbarungen, Waren, verlorene Kinder, Einberufungen, Beerdigungen, Versammlungen der Bruderschaften usw. wurden durch vereidigte öffentliche Beamte ausgerufen.“Massin: Händlerrufe. S. 23. Die Anbieter von Waren und Dienstleistungen waren ebenfalls auf marktschreierisches Verhalten angewiesen, um ihre Kundschaft zu erreichen. „Der ‚Ausruf‘ oder ‚Kaufruf‘ unterscheidet die Wanderhändler grundlegend vom bodenständigen Handel.“Rolf Wilhelm Brednich: Kommentar in: Georg Daniel Heumann: Der Göttingische Ausruff von 1744. Neu herausgegeben und kommentiert von Rolf Wilhelm Brednich. Zweite verbesserte Auflage. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2021, S. 80. Fernand Braudel betonte, „die Kunst des Hausierers besteht ja gerade darin, Waren in kleinen Mengen an den Mann zu bringen, unterversorgte Zonen zu erschließen, zögernde Kunden zum Kauf zu bewegen und dabei weder Worte noch Mühen zu sparen […].“Fernand Braudel: Sozialgeschichte des 15.-18. Jahrhunderts. Bd. 2. Der Handel. München 1986, S. 74–75. Am Beispiel der Wiener Verhältnisse wird zudem die regionale und jahreszeitliche Vielfalt des ambulanten Handels deutlich, den die Kaufrufe im Hinblick auf Kleidung und Sprache einzufangen hatten.
Personengruppen Zur Gruppe der Nachrichtenausrufer gehören Ausrufer mit Trommel und Flöte, Ausrufer der Lotteriegewinner, Nachtwächter Das Anbieten von Dienstleistungen erfolgt durch Ausbesserer von Blasebälgen, Barbiere, Brunnenreiniger, Fayencenausbesserer, Fleckenentferner, Glaser, Hundekastrierer, Hundescherer, Kesselflicker, Laternenanzünder, Lastträger, Lumpensammler, Maikäfersammler, Plakatankleber, Rattenfänger, Scherenschleifer, Schornsteinfeger, Schuh- und Stiefelputzer, Straßenkehrer, Wasserträger, Wäscherinnen, Wahrsagerin, Zahnauszieher Die Gruppe der Straßenkünstler umfasst ambulante Musikanten, Drehorgelspieler, Gaukler, Gliederverrenker, Guckkasten, Laterna magica-Vorführer, Leiermänner, Puppenspieler, Seiltänzer Warenanbieter offerieren Lebensmittel: Apfelsinen, Austern, Backobst, Bohnen, Branntwein, Bratäpfel, Brombeeren, Butter, Erdbeeren, Essig, Haselnüsse, Kaffee, Käse, Kohlrüben, Krapfen, Lakritzenwasser, Lebkuchen, Limonade, Linsen, Makrelen, heiße Maroni, Milch, Mostrich, Oblaten und Waffeln, Pfannkuchen, Pfefferkuchen, Schollen, Spinat, Süßkartoffeln, Würste, ZitronenJohannes Pommeranz: »Schöne Zitron und Appelsina«. Die Anfänge des transalpinen Zitrushandels und seine Bildquellen. In: Yasmin Doosry u. a. (Hrsg.): Die Frucht der Verheißung. Zitrusfrüchte in Kunst und Kultur. Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg, 19. Mai – 11. September 2011, Nürnberg 2011, S. 307–335 u. Bibliographie. Online PDF 10,27 MB, Zuckerbirnen, Zwiebeln Anbieter lebender Tiere: Ferkel, Grüne Aale, Hummer, Küken, Singvögel, junge Tauben Warenanbieter offerieren Sachen: ABC-Täfelchen, Bänder, Barometer, Besen, Bilderbögen, Blasebälge, Brennholz, Eimer, Eisenwaren, Feuerstein und Schwamm, Fußmatten, Gläser, Grafiken, Heiligenbilder, alte Hüte, Kalender, Kämme, Kaninchenfelle, alte Kleider, Kleiderausklopfer, Kohlen, Körbe, Laternen, Lavendel, Lieder, Löffel, Mause- und Rattenfallen, Messer, Nelken, Reisigbündel, Rosenkränze, Sägespäne, Schachteln, Schirme, Seife, Sensen und Wetzsteine, Siebe, Statuen, Steckenpferde für Kinder, Streichhölzer, Stroh, Strohhüte, Teetassen, Tinte, Windmühlen als Kinderspielzeug, Zunder, Zwirn
Einzelne Motive aus ‚Le Cris de Paris‘ wurden von der Porzellanmanufaktur in Meissen nach einem 1750 erfolgten Paris-Besuch von Johann Joachim Kändler anhand mitgebrachter Grafiken von dem Modelleur Peter Reinicke in Form von 16 weiblichen und 15 männlichen Ausruferfiguren realisiert.Staatliche Porzellanmanufaktur Meissen GmbH: Meissen Sammelfiguren = Figures Collectibles, S. 64 Online 43,52 MB, abgerufen am 9. November 2025 Auch die Capodimonte Porzellanmanufaktur in Neapel produzierte während ihrer aktiven Zeit zwischen 1743 und 1759 Ausruferfiguren. Auch die Chelsea Porcelain Manufactory, die erste bedeutende Porzellanfabrik in England, die um die Jahre 1743–45 in Betrieb kam, fertigte derartige Figuren. In Wien ging die Fertigung derartiger Figuren durch die Wiener Porzellanmanufaktur dem großen Kupferstichwerk von Christian Brand von 1775/76 voraus.Kaufrufe aus Wien. Volkstypen und Strassenszenen in der Wiener Graphik von 1775–1914. Wien und München 1970, S. 14 und S. 26–29.
„Gleichzeitig befaßten sich auch Musiker mit dem Tonmaterial der Rufe und verwerten es in Quodlibets und Chorsätzen. In Wien traten etwa nach 1740 fast gleichzeitig beide Gestaltungsmöglichkeiten, die visuelle und die musikalische, auf und beeinflussten einander wechselweise.“Karl Μ. Klier: Wiener Kaufrufe. In: Österreichische Musikzeitschrift 18.2 (1963), S. 56–68, hier S. 56.
Werke Deutschland Berlin Johann Carl Wilhelm Rosenberg: Zwölf merkwürdige Ausrufer von Berlin mit ihrem Geschrey. 1796 Göttingen Georg Daniel Heumann: Der Göttingische Ausruff von 1744. Georg Daniel Heumann: Der Göttingische Ausruff von 1744. Neu herausgegeben und kommentiert von Rolf Wilhelm Brednich. Zweite verbesserte Auflage. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2021.Georg Daniel Heumann: Der Göttingische Ausruff von 1744. Neu herausgegeben und kommentiert von Rolf Wilhelm Brednich. Zweite verbesserte Auflage. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2021. ISBN 978-3-86395-505-2. (Online Open Access PDF 12,29 MB), abgerufen am 9. November 2025 Hamburg Der Ausrufer in Hamburg vorgestellt in 120 kolorierten Blättern gezeichnet und geätzt von Professor Suhr. Hamburg 1808. Faksimile von: Der Ausruf in Hamburg: vorgestellt in 120 colorirten Blättern ; mit Erklärungen begleitet gezeichnet, radiert und geäzt von Professor Suhr. Heymann und Kötz, Hamburg 1979. ISBN 978-3-920569-17-8. Herbert Freudenthal (Hrsg.): Der Ausruf in Hamburg. 36 farbige Blätter nach Kupfern von Christoffer Suhr. Leipzig 1938, Neuaufl. Hamburg 1963. Köln Darstellung Kölner Straßenhändler, Einblattdruck, Stich von Franz HogenbergGermanisches Nationalmuseum, Nürnberg: Darstellung Kölner Straßenhändler (Digitalisat) „Kölner Kaufruf“ mit Straßenhandel und bürgerlichen Trachten, Einblattdruck des Kölner Druckers Johann Bussemacher aus dem Jahr 1613.Germanisches Nationalmuseum: Kölner Kaufruf von 1613 (Digitalisat) Leipzig „36 Bl. Die vollständige Folge der „Leipziger National-Trachten“. J. S. Richter sc. J. B. Klein excud. Gestalten des Wochenmarktes, Straßenhändler und -händlerinnen, Hausierer u. dergl. Koloriert. Kl.-4°.“C. G. Boerner, Auktions-Institut, Kunst- und Buchantiquariat, Leipzig: Sammlung Franz Stöpel, Leipzig (Katalog Nr. 156), Leipzig 1927, S. 31. (Digitalisat) Thieme-Becker kennt noch eine 4. Folge mit Blatt 37 bis 48.Art. "Richter, Johann Salomo", in: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler. Bd. 28, S. 296. Nürnberg Ausrufende Personen in Nürnberg, mit den vornehmsten Prospekten der dortigen Hauptstraßen - nebst einer Beschreibung (2 Hefte, 11 Blätter)Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg: Ausrufende Personen in Nürnberg, 1. Heft, Tab. 6: Der Schwamm- und Feuersteinverkäufer. (Digitalisat) England London Marcellus Laroon: The cryes of the city of London drawne after the life = Les cris de la ville de Londres dessignez apres la nature = L'arti com[m]uni che uanno p[er] Londra fatte dal naturale. P. Tempest excudit. Printed & sold by Henry Overton at the White Horse without Newgate, London 1711.