Die Baureihe 30 der Wuppertaler Schwebebahn, benannt nach dem Baubeginn im Jahr 1930, war nach den Baureihen 98, 00, 03 und 12 die fünfte Fahrzeugserie der Wuppertaler Schwebebahn. Die beiden Wagen mit den Betriebsnummern 57 und 58, vergeben im Anschluss an die 56 bis dahin beschafften Serienwagen, waren von 1931 bis 1973 in Betrieb und kamen stets gemeinsam in Doppeltraktion zum Einsatz. Mit anderen Typen konnten sie im regulären Betrieb nicht kombiniert werden. Beide waren identisch ausgeführt und hatten somit jeweils eine vollwertige Führerstandsausrüstung. Sie konnten also sowohl führen als auch geführt werden, wobei meist Wagen 57 vorne eingereiht war. Hersteller war Westwaggon, die elektrische Ausrüstung lieferten die Siemens-Schuckertwerke zu.
Beschreibung Die beiden Prototypen der Baureihe 30 berücksichtigten die Ingenieure die Erfahrungen aus allen vorhergehenden Serien. Somit vereinte sie viele gute Eigenschaften der Baureihen 00/12 und 03 in sich.Baureihe 30 – vielgeliebte Einzelgänger. In: Haltestelle. Zeitschrift der Bergischen Museumsbahnen e. V. Wuppertal, Nr. 123, April 2017, S. 16–22, online auf bmb-wuppertal.de, abgerufen am 16. Januar 2024 So wurde beispielsweise der Wagenkasten von der Baureihe 03 übernommen, während die Antriebsart per Zahnradübertragung (Stirnradgetriebe) von der Baureihe 00/12 stammte. Die Aufhängung des Wagenkastens entsprach ebenfalls der Baureihe 03, nur war der Motor so oben am Drehgestell angeordnet, dass er nicht durch die Blattfedern des Wagens abgefedert wurde wie bei der Baureihe 00/12. Der Drehgestellrahmen bestand aus zusammengenieteten Stahlblechen. Die Art der Fahrschalter war eine Steuerwalze mit Schützen.
Wie schon die 1929 bis 1934 umgebauten Wagen der Baureihe 03 wies auch die Baureihe 30 in beiden Wagenklassen nur noch gepolsterte Sitze auf. Diese waren in der dritten Klasse mit grünem Leder und in der zweiten Klasse, die bei beiden Wagen hinten angeordnet war, mit rotem Plüsch bezogen. Abgesehen davon dominierten helle Eichenhölzer in der dritten und Mahagoniwände in der zweiten Klasse. Sämtliche Beschlagteile bestanden aus poliertem Chrom. Die Baureihe 30 war ferner die erste, bei der die Triebfahrzeugführer ihre Tätigkeit sitzend ausüben konnten.
Die problemlose Frischluftzufuhr im Innenraum gewährleistete das Tonnendach mit klappbaren Oberlichtern. Die, erstmals bei der Schwebebahn verwendeten, Rollenlager lieferte der Elberfelder Hersteller G. & J. Jaeger GmbH zu. Ein weiteres Merkmal waren die neu entwickelten Drehgestelle mit selbst-belüfteten, kompakten Fahrmotoren. Darüber hinaus verfügte die Baureihe 30 über eine Schützensteuerung sowie einen Stirnradantrieb.
Ebenfalls analog zur Baureihe 03 ausgeführt waren die beiden elektro-pneumatisch angetriebenen, außen laufenden Doppel-Schiebetüren aus Aluminium. Sie wurden vom Fahrer vom Führerstand aus bedient, ihre Verriegelung wurde ihm mittels Kontrollleuchten angezeigt. Somit kam der Zug mit nur einem Zugbegleiter aus, während bei den ältesten Zügen, deren Türen per Hand geschlossen wurden, noch in jedem Wagen ein Zugbegleiter mitfahren musste. Auf die zunächst geplante dritte Tür, geplant waren zwei Türen für die dritte und eine für die zweite Klasse analog zur späteren Baureihe 50, verzichtete man allerdings aus wirtschaftlichen Gründen. In Fahrtrichtung rechts besaßen die Wagen außerdem Notfalltüren, um im Falle eines Kuppelmanövers auf freier Strecke mittels Trittstufen und Handgeländern auf den Widerstands-Vorbau zu steigen und die Kupplungen miteinander zu verschrauben.
Geschichte Die Baureihe 30 sollte eigentlich den Auftakt zu einer neuen Schwebebahngeneration bilden. Trotz der großen Laufruhe, dem einstigen „Paradezug“ der Schwebebahn wurde nachgesagt, dass er „wie einen Daunenfeder durchs Tal glitt“, wurde die Serienfertigung der Baureihe 30 aufgrund der seit 1929 anhaltenden Weltwirtschaftskrise jedoch nicht weiter verfolgt. Auch die Wagen 57 und 58 konnten daher, trotz Baubeginn im Jahr 1930, erst im Spätherbst 1931 per Eisenbahn in Vohwinkel angeliefert werden.
Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Schwebebahn im Jahr 1951 verkehrte die Garnitur vorübergehend als „Tuffi der fliegende Samba-Expreß“ durch die Stadt. Die beiden Wagen waren hierzu innen mit Bar, Tanzfläche, Musikanlage und roter Beleuchtung ausgestattet sowie außen mit einer weiß-blauen, in Längsrichtung gestreiften Sonderlackierung versehen. Diese umfasste im Wesentlichen auch die Fensterbereiche, die Fahrgäste konnten nur durch kleine, runde Gucklöcher nach draußen schauen.
Die beiden komfortablen Fahrzeuge wurden schließlich im Sommer 1973 durch die Baureihe 72 ersetzt und am 15. August 1973 an die Firma Nowakowski in Emmerich am Rhein verkauft. Während Wagen 57 schon Anfang der 1980er Jahre dort verschrottet wurde, existierte Wagen 58 im Jahr 2017 noch – ohne Inneneinrichtung und teilweise in die Erde eingegraben – im Privatbesitz als Vogel-Voliere und Gartenlaube.
Einzelnachweise
30 Kategorie:Elektrotriebwagen für Gleichstrom 600 V Kategorie:Schienenfahrzeug (Westwaggon)