mini|Allen Hendershott Eaton Beauty Behind Barbed Wire – The Arts of the Japanese in Our War Relocation Camps (deutsch: Schönheit hinter Stacheldraht: Die Kunst der Japaner in unseren Kriegsinternierungslagern) ist ein im Jahr 1952 veröffentlichtes Buch des US-amerikanischen Kulturhistorikers und Volkskunstforschers Allen Hendershott Eaton (1878–1962). Es gilt als eine der ersten umfassenden Darstellungen der künstlerischen und handwerklichen Arbeiten japanisch-amerikanischer Internierter in den von der War Relocation Authority (WRA) verwalteten Lagern während des Zweiten Weltkriegs. Im Jahr 2015 geriet Allen Eatons Nachlass in den Fokus der Öffentlichkeit, als das Rago Arts and Auction Center plante, rund 450 Fotografien und Objekte aus Eatons Sammlung zu versteigern. Nach öffentlicher Kritik und Protesten von Bürgern, Nachkommen der Internierten sowie von Organisationen wurde die Auktion jedoch gestoppt.

Hintergrund Allen Eaton, bekannt als „Dean of American Crafts“ und ausgewiesener Experte für Volkskunst und Handwerk verschiedener ethnischer Gruppen in den Vereinigten Staaten, begann seine Karriere im US-Bundesstaat Oregon. Nach seiner Entlassung aus dem Lehramt an der University of Oregon im Jahr 1917 aufgrund seiner pazifistischen Haltung und dem Verlust seines Sitzes im Staatssenat zog er 1918 mit seiner Familie nach New York. Ab 1920 arbeitete er für die Russell Sage Foundation, wo er sich mit Themen wie Immigrationsgeschichte, Volkskunst und ländlicher Handwerkskultur befasste. Zu seinen bedeutenden Veröffentlichungen zählen „Immigrant Gifts to American Life“ (1932) und „Handicrafts of the Southern Highlands“ (1937).

Nach der Internierung japanischstämmiger Amerikaner an der US-Westküste infolge des Erlasses der Executive Order 9066 im Jahr 1942 wandte er sich mit dem Vorschlag, die Kunst und das Handwerk der Internierten zu dokumentieren und eine Wanderausstellung zu organisieren, an den Leiter der War Relocation Authority, Dillon Myer. Da die WRA und später auch die Russell Sage Foundation keine finanzielle Unterstützung gewährten, erhielt Eaton schließlich Mittel von der Rockefeller Foundation, die ihm über die Society of Japanese Studies und die Japan Society vermittelt wurden. Im Jahr 1945 besuchte er persönlich fünf der zehn Internierungslager, darunter Manzanar, Poston und Gila River, um Werke und Fotografien zu sammeln. Das Buch „Beauty Behind Barbed Wire“ erschien am 19. Februar 1952, dem zehnten Jahrestag des Erlasses der Executive Order 9066, im Verlag Harper & Brothers. Eine zweite Auflage mit einem zusätzlichen Nachwort über den Evacuation Claims Act und den Immigration Act von 1952 folgte 1955.

Der 208 Seiten starke Band enthält auf den ungeraden Seiten insgesamt 81 Bildtafeln. Allen Eaton hat zu allen Bildtafeln auf den gegenüberliegenden Seiten erklärende Texte verfasst. Die von professionellen sowie internierten Fotografen wie Toyo Miyatake und Tom Parker aufgenommenen Fotografien die Innenraumgestaltung der Baracken, Kunsthandwerk, Malerei, Skulpturen sowie kulturelle Aktivitäten wie Bon-Tänze oder Teezeremonien. Das Buch enthält ein Vorwort von Eleanor Roosevelt, in dem sie die Arbeit der WRA lobt, sowie eine Einleitung von Allen Eaton und ein Kapitel mit einer kommentierten Bibliografie zu japanisch-amerikanischen Themen.

Allen Eaton beschreibt die Internierung als „die vollständigste Verletzung der bürgerlichen Freiheiten und demokratischen Traditionen in der Geschichte der Vereinigten Staaten“, bewertet die Arbeit der WRA allerdings als gut. Die zeitgenössische Rezeption war überwiegend positiv. So lobte Richard L. Neuberger das Buch im Jahr 1952 in der „New York Times Book Review“. Das „Pacific Citizen“ hob Eatons einfühlsame Bildunterschriften hervor, während Wallace S. Baldinger im „College Art Journal“ die unstrukturierte Textgestaltung und die Doppelperspektive auf die Internierten – als amerikanische Bürger und zugleich Träger einer „transplantierten“ japanischen Kultur – kritisierte. „Beauty Behind Barbed Wire“ gilt heute sowohl als Pionierarbeit zur Dokumentation kreativer Ausdrucksformen in den Internierungslagern japanischstämmiger Amerikaner als auch als frühes Beispiel ethnografischer Kulturforschung im Kontext der Geschichte der US-amerikanischen Folk-Art.

Kontroverse um die Rago-Auktion Im April 2015 protestierten japanischstämmige Amerikaner in den USA gegen den Verkauf von Kunst- und Alltagsgegenständen bei einer Auktion von Rago Auctions, Lambertville, New Jersey. Die Objekte waren im Zweiten Weltkrieg in US-Internierungslagern hergestellt worden. Allen Eaton hatte etwa 450 dieser Werke von internierten Japanern geschenkt bekommen. Eaton sammelte die Werke für eine Ausstellung, die jedoch nie verwirklicht wurde. Die Sammlung umfasste Perlenarbeiten, Schmuck, Holzschnitzereien, Fotos und Gemälde. Nach Allen Eatons Tod gelangten die Objekte in Privatbesitz. Der anonyme Eigentümer hatte das Auktionshaus Rago beauftragt, die Sammlung zu verkaufen. Der Verkauf war für den 17. April 2015 geplant (Los-Nummern 1232–1255).

Im März 2015 bat die Heart Mountain Wyoming Foundation (HMWF) den Einlieferer, die Objekte entweder an japanisch-amerikanische Institutionen zu spenden oder sie an gemeinnützige Organisationen zu verkaufen. Dies wurde von ihm abgelehnt. Viele Menschen protestierten gegen die geplante Auktion. Lorna Fong startete eine Online-Petition auf Change.org. In kurzer Zeit unterschrieben über 4000 Menschen. Es wurde auch eine Facebook-Seite eingerichtet. Sie hieß „Japanese American History: NOT for Sale“.

Unter den zur Versteigerung stehenden Objekten hatten mehrere Familien Fotos von ihren Verwandten entdeckt. Dazu gehörte auch die Dichterin Janice Mirikitani, die ein Foto ihres Cousins, des Künstlers Jimmy Tsutomu Mirikitani, fand. Sie war dagegen, dass das Bild verkauft wird. Auch Yoshinori Himel erkannte ein Bild seiner Mutter. Er wandte sich in einem offenen Brief an das Auktionshaus. Das Manzanar Committee betonte, wie wichtig und emotional aufgeladen die Objekte sind. Sie erklärten auch, wie die Menschen während der Internierung ihr Eigentum verloren haben.

Das Auktionshaus Rago Arts bestätigte, dass es eine große Anzahl von Zuschriften gab. Es gab auch Anfeindungen gegen das Auktionshaus. Das Auktionshaus erklärte jedoch, die Entscheidung des Einlieferers zu respektieren. Der Eigentümer sei ein Freund der Eaton-Familie. Dieser sagte, dass er die Sammlung nicht spenden könne, da ihm die finanziellen Mittel dann fehlen würden. Der Historiker Eric L. Muller wollte den Verkauf aus ethischen Gründen nicht unterstützen und sagte deshalb eine Vorlesung im Auktionshaus ab. Letztendlich wurde die Auktion bei Rago Auctions am 15. April 2015, zwei Tage vor dem Termin, abgesagt und die Werke gelangten letztendlich ins Japanese American National Museum.

Literatur

Allen H. Eaton: Beauty Behind Barbed Wire: The Arts of the Japanese in Our War Relocation Camps. Vorwort von Eleanor Roosevelt. New York: Harper & Brothers Publishers, 1952. Tooru Kanazawa: Art of the Evacuees, in: Scene , Februar 1952, 26–29. Thy Phu: Picturing Model Citizens: Civility in Asian American Visual Culture. Philadelphia: Temple University Press, 2012. David B. Van Dommelen: Allen H. Eaton: Dean of American Crafts. Pittsburgh, PA: The Local History Company, 2004.

Weblinks

Densho Encyclopedia Hyperallergic

Einzelnachweise

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