Die Kindertransporte im Spanischen Bürgerkrieg fanden vor allem in den Jahren 1937/38 statt und sollten mit Unterstützung der Spanischen Regierung sowie in- und ausländischer Hilfsorganisationen Kindern außerhalb von Spanien Schutz vor den Angriffen der Franco-Truppen und deren ausländischer Unterstützer bieten. Durch diese Hilfsaktionen wurden in der Folge des Spanischen Bürgerkriegs zehntausende Niños de la Guerra (Kriegskinder) vorrangig aus dem Baskenland, aus Asturien, Kantabrien, Barcelona und anderen noch republikanisch kontrollierten Landesteilen ins sichere Ausland gebracht. Hauptaufnahmeland war Frankreich, wo Quimper ein früher Ankunftsort war.Centro Documental de la Memoria Histórica: Muestra sobre los niños evacuados durante la Guerra Civil Weitere große Aufnahmeländer waren Großbritannien, Belgien und die Sowjetunion (UdSSR). „Als eine der ersten humanitären Hilfsaktionen im 20. Jahrhundert sollten die Kindertransporte während des Spanischen Bürgerkriegs zahlreiche spätere Nachfolger finden.“Lily Reyels: Solidarität im Exil. Fred Steins Fotografien von Flüchtlingskindern des Spanischen Bürgerkriegs, DHM, 2021. Lili Reyels war bis Ende 2024 Sammlungsleiterin für Finanz- und Wirtschaftsgeschichte des DHM.

Die spanischen Kindertransporte sind in Deutschland wenig bekannt. Hier wie fast überall in Europa und in den USA steht der Begriff Kindertransport vorrangig für die Rettungsaktionen zu Gunsten jüdischer Kinder in den Jahren 1938/39, durch die diese aus Deutschland heraus und vor allem nach Großbritannien in Sicherheit gebracht werden konnten.

Die Kindertransporte aus Spanien Wann genau damit begonnen wurde, Kinder während des Bürgerkriegs aus den republikanischen Teilen Spaniens zu evakuieren, ist nicht bekannt. Karine Lapeyre berichtet, dass die Pläne zur Evakuierung der Kinder ins Ausland heftige Kontroverse ausgelöst hätten, sich aber letztlich die Befürworter durchsetzen konnten. Die Entscheidung zur Evakuierung sei durch den Fall von Málaga (8. Februar 1937) und den Fall von Bilbao (19. Juni 1937) beschleunigt worden. Von den Aufnahmeländern habe Frankreich die meisten Kinder aufgenommen, die UdSSR habe als Aufnahmeland für bis heute andauernde Kontroversen gesorgt.Karine Lapeyre: Los niños de la guerra mini|Beispiel einer Binnenevakuierung: Das Foto zeigt Kinder aus der Kinderkolonie Mas d’Orca, die als Schule und Waisenhaus für baskische Kinder während des Bürgerkriegs in Katalonien betrieben wurde. Finanziert wurde sie von einer argentinischen Hilfsorganisation. Die spanische Historikerin Alicia Alted VigilZu Alicia Alted Vigil siehe den Artikel in der spanischsprachigen Wikipedia: :es:Alicia Alted Vigil. berichtete laut einem Zeitungsbericht auf einem Seminar, das 2021 von der spanischen Botschaft in Belgien abgehalten wurde, dass nach der Schlacht von Irun im August 1936 und der Belagerung von Madrid im Oktober desselben Jahres zunächst Binnenevakuierungen stattgefunden hätten.Irene Sánchez Artero: Niños de la guerra Dafür habe die republikanische Regierung Kinderkolonien zum Schutz der Kinder geschaffen. Von ihnen gab es Im September 1937 564, die jedoch im Kriegsverlauf in Flüchtlingslager umgewandelt wurden.César Alcalá: Los niños del exilio. Durante la Guerra Civil fueron evacuados de España 34.037 niños, de los cuales solo algunos volvieron, La Razón, Madrid 2021. Den Binnenevakuierungen folgten dann unter dem Druck der vorrückenden Franco-Truppen und deren Verbündeten (zum Beispiel der deutschen Legion Condor) die Auslandsevakuationen. Eine der ersten – offenbar aber nur eine vorübergehende – fand nach dem 10. September 1936 statt. Etwa 300 Kinder und ihre Lehrer, die in der Region um Santander gestrandet waren, wurden auf der Kilissi nach Saint-Nazaire gebracht. Nach ihrer Ankunft dort am 13. September wurden sie in Kasernen in Ancenis, wo bereits mehr als 200 Kinder lebten, untergebracht. Laut dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK/ICRC) wurden sie allerdings einige Tage später wieder nach Spanien zurückgebracht und ihren Familien in Madrid und Toledo übergeben.Damian Gonzalez: The ICRC and the evacuation of children during the Spanish Civil War

Wie Alicia Alted Vigil spricht auch der baskische Gewerkschaftsbund UGT (Unión General de Trabajadores Euskadi) in einer von ihm publizierten Broschüre davon, dass bereits 1936 der erste Exodus der baskischen Bevölkerung stattgefunden habe. Auslöser sei – analog zu Alted Vigil – die Schlacht von Irun gewesen, die zwischen dem 30. August und dem 1. September 1936 2.272 Menschen zu Fuß zur Flucht über die französische Grenze gezwungen habe. Es habe sich dabei vor allem um Frauen und Kinder gehandelt.UGT Euskadi: Entre el Compromisco Político y el Humanitario Dass es sich bei diesen Fluchtbewegungen vom September 1936 noch nicht um organisierte Kindertransporte gehandelt hat, ist vermutlich der Grund dafür, dass deren Beginn überwiegend auf das Jahr 1937 datiert wird. Zudem hatten diese frühen Kindertransporte offenbar noch nicht die dauerhafte Evakuierung der Kinder zum Ziel, sondern der Weg über Frankreich, verbunden mit einem Kurzaufenthalt dort, sollte eine sichere Rückreise der Kinder aus dem nordwestlichen Spanien in ihre Heimatregionen gewährleisten, ohne dabei umkämpfte spanische Regionen durchqueren zu müssen. Das zeigt sich beispielhaft bei dem von Damian González beschriebenen Transport von Anfang Oktober 1936 auf dem norwegischen Frachtschiffs Ala. Mit ihm seien 474 Kinder aus Santander im französischen Le Verdon-sur-Mer angekommen,Nach Pierre Marqués waren an diesem Transport zwei norwegische Frachtschiffe beteiligt, neben der Ala auch die Irisen. (Pierre Marqués: Le CICR et la guerre civile d'Espagne (1936–1939), in: Exils et migrations ibériques au XXe siècle, 2/1995, S. 47.) die sich zuvor in einem Ferienlager in der von den Aufständischen besetzten Zone aufgehalten hätten. Die Evakuierung der Kinder hätte die Union Internationale de Secours aux Enfants (UISE)Zur UISE existieren Artikel unter anderem in der englisch- und französischsprachigen Wikipedia. ermöglicht, und nach der Ankunft in Verdon seien sie medizinisch untersucht und am 13. Oktober 1936 nach Barcelona zurückgebracht worden.

mini|Colonie de vacances Maison Heureuse auf der Île d’Oléron mini|links|Erinnerung im Hafen von Santurtze an das Schiff Habana und die mit ihr 1937 ins Exil geschickten Kinder. Nach Sánchez Artero erfolgte die Mehrzahl der Transporte zwischen März 1937 und Oktober 1938, wobei, bedingt durch den Kriegsverlauf, vor allem Kinder aus Asturien und dem Baskenland evakuiert worden seien, aber auch Minderjährige aus Orten wie Madrid und Aragón sowie der gesamten Mittelmeerküste. In diesen Zeitrahmen passt dann der Transport vom 21. März 1937, mit dem 450 Kinder von Bermeo aus auf zwei britischen Kriegsschiffen nach Saint-Jean-de-Luz und von dort dann auf die Île d’Oléron gebracht wurden. Dort fanden sie Unterkunft in der Kinderkolonie La Maison Heureuse (Glückliches Haus).Sabino Arana Fundazioa: Los niños y niñas de la guerra. El 21 de marzo de 1937 se produjo la primera evacuación de niños y niñas durante de la Guerra Civil.Das Maison Heureuse wurde nach der Retirada ab Februar 1939 erneut zur Unterbringung spanischer Kinder genutzt. Es entstand die nach Francisco Ascaso und Buenaventura Durruti benannte Colonie Ascaso-Durruti, die zeitweilig etwa 500 Kindern eine Zuflucht bot. Gegen Sommer musste die Colonie aufgelöst und die Kinder an anderen Orten und Einrichtungen untergebracht werden, da das Maison Heureuse wieder als Ferienkolonie für französische Kinder genutzt werden sollte. (Luis Garrido Orozco: La colonie Ascaso-Durruti d’enfants espagnols réfugiés à l’île d’Oléron, Januar 2023, auf der Webseite Les Giménologues & les enfants espagnols de l’ile d’Oléron auf der Webseite Prisonniers de Guerre. Auf den beiden Seiten gibt es viele weiterführende Links und auch reichlich Bildmaterial.) Der 21. März 1937 wird in vielen Quellen als der Beginn der Kindertransporte genannt.

Auch das Centro Documental de la Memoria Histórica benennt für die Evakuierungen den Zeitraum zwischen 1937 und 1938 und spricht von Kindern zwischen 5 und 15 Jahren. Die damals durchgeführten Transporte, die in der nachfolgenden Tabelle aufgeführt sind, basieren auf zwei Quellen: der Zusammenstellung der Transporte, die die UGT Euskadi unter Berufung auf den an der Universität Bordeaux Montaigne lehrenden Historiker Jesús Alonso CarballèsZu Jesús Alonso Carballès siehe dessen Lebenslauf auf der Webseite der Universität Bordeaux Montaigne. veröffentlichte; dem Atlas de las Evacuaciones, der sehr detaillierte Informationen für die Transporte in die Sowjetunion zur Verfügung stellt.Atlas de las Evacuaciones: Las partidas – Puertos y salidas