Bubu Ogisi (* 1987 in Lagos, Nigeria) ist eine multidisziplinäre Künstlerin, Modedesignerin und Kuratorin.

Leben und Werk Ogisi wurde in Lagos geboren und lebt sowohl dort als auch zeitweise in Accra, Ghana. Nach einem Modedesign-Studium an der Nottingham Trent University in Großbritannien und an der renommierten École Supérieure des Arts et Techniques de la Mode (ESMOD) in Paris, Frankreich, gründete sie das Kollektiv IAMISIGO. Ihr künstlerischer Ansatz verbindet traditionelle westafrikanische Textilpraktiken mit konzeptuellen Installationen, Performance und Video. Sie beschäftigt sich mit Identität, Materialität, Spiritualität und indigener Textilproduktion in westafrikanischen Gesellschaften. Sie schafft tragbare Kunstwerke und Installationen aus unkonventionellen Materialien. In ihren Installationen verarbeitet sie Materialien wie Sisal, Raffia, Hanf, Glasperlen und indigene Pflanzenfasern aber auch Abfallmaterial. Ogisi produzierte mehrere international ausgestellte Mode- und Kunstkollektionen. Sie arbeitet interdisziplinär und kollaborativ, etwa mit Communities in Nigeria, Ghana und Côte d’Ivoire zur Erhaltung handwerklicher Fertigkeiten wie Weberei, Färbetechniken und Stickerei. Ihre Arbeiten stellen Fragen danach, wie der Körper mit Wahrnehmung, Raum und Zeit interagiert. Häufig thematisiert sie die Rolle von Masken und die Verbindungen zwischen materieller Kultur, Ritual und Erinnerung. Ogisi setzt sich kritisch mit westafrikanischer Spiritualität, nonkonformer Körperdarstellung und der politischen Bedeutung von Textilproduktion und Upcycling auseinander. Ihre Kunst kombiniert Schwerkraft, Licht, Farbe, Masse und Transparenz, um Transformationen und Materialisierungsmöglichkeiten von Körper und Textilien auszudrücken. Dieser Ansatz stellt Themen wie Rohheit, Anti-Finishing als Kritik am Eurozentrismus und Funktionalität in den Vordergrund. Sie ist seit 2019 Kreativdirektorin von Vitimbi, einem kenianischen Modelabel, das von Oliver Asike und Velma Rossa gegründet wurde und sich als politisches Statement für das Upcycling von Kleidung einsetzt. Arbeiten von Bubu Ogisi waren 2022 in der Ausstellung Singulier Plurielles auf der Internationalen Designbiennale Saint-Étienne zu sehen. Auch in 2022 präsentierte Bubu Ogisi die Ausstellung I am not myself, in Leeds im Ausstellungsraum The Tetley. 2023 war sie Teil der Sharjah Architektur Triennale mit dem Titel The Beauty of Impermanence: An Architecture of Adaptability.

Ausstellungen (Auswahl) 2025: ART X Fair 2025: Dirty Looks: Desire and Decay in Fashion, Barbican, London 2024: I.AM.ISIGO, Digital Mystery System, Ars Electronica, Linz 2024: Synthetic Dreams & Obsession as Practice, FNB Art Joburg, 16/16 Gallery, Johannesburg 2023: Biennale für Kunsthandwerk und Design, Tel Aviv 2023: New Material, Gallery 1957, Accra 2022: You Can’t See Me, CCA Lagos Fashion week 2022: I am Not Myself, Tetley, Leeds 2022: Spirituality in Materiality, Art X Lagos 2022: Afrika Fashion, Victoria and Albert Museum, London 2021: Threads That Remain, Frieze London (Performance) 2019: Play as Creation, Bubu Ogisi and Yadichinma Ukoha-Kalu, ART x, Lagos 2019: unVeiled, Kunstgewerbemuseum, Berlin / Art Summit Nigeria, 2019. 2016: Fashion Cities Africa, Brighton Museum, Brighton 2018: Fashion Cities Africa, Tropen Museum, Rotterdam, Niederlande 2018: Flow of forms, Museum für Völkerkunde, Hamburg 2017: Fashion Cities Africa, Tropen Museum, Amsterdam, Niederlande

Filmografie Woven Threads (Kurzdokumentarfilm 2020) Threads That Remain (Performance-Dokumentation, 2021)

Literaturliste Ekow Eshun: Textiles, Rituals and Spirituality. In: Frieze, 2021. Katarina Gregos: Why textiles matter: Bubu Ogisi on spiritual ecology. In: Art Basel Stories, 2023. Alexandra Diamond Rivlin: ‘Traditional beauty is boring’: London’s dirtiest designers go head-to-head. Dazed, 2025

Weblinks IAMISIGO. Offizielle Webseite. 2025.

Rezeption und Bedeutung Ogisi gilt als eine der wichtigsten Stimmen im zeitgenössischen westafrikanischen Kunst- und Modediskurs. Ihre Arbeiten wurden von internationalen Kunstinstitutionen und Textilfestivals rezipiert und im Kontext von postkolonialen und feministischen Diskursen diskutiert. Kritiker heben insbesondere Ogisis konzeptuellen Umgang mit Spiritualität, Nachhaltigkeit und kollektiver Erinnerung hervor. Einzelne Stimmen kritisieren die Kommerzialisierung traditioneller Praktiken im globalen Kunstmarkt. Andere loben Ogisis Beitrag zur Sichtbarmachung indigener Produktionstechniken und zur Einbindung afrikanischer Spiritualität in aktuelle Diskurse. Sie ist Gewinnerin des Zalando Visionary Award 2025. Die Jury betonte die strengen ethischen Prinzipien bei der Materialbeschaffung, den Einsatz für lokale Community, den unverwechselbaren Stil mit visionärer Ästhetik der Normen und Geschlechterrollen in Frage stellt. Sie spricht von neuen Wegen, wie man in der Modebranche positive Veränderungen bewirken kann.

Einzelnachweise

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