mini|Modellierte Bevölkerungspyramide Nordkoreas (2020) Der Artikel Demografie Nordkoreas beschäftigt sich mit der Bevölkerungsentwicklung und anderen demografischen Indikatoren von Nordkorea (Demokratische Volksrepublik Korea). Das Land hat laut UN-Schätzungen etwa 26,6 Millionen Einwohner (Mitte 2025). Die Bevölkerung wächst nur noch langsam (unter 0,5 % jährlich) und ist relativ gleichmäßig auf beide Geschlechter verteilt. Das Land ist gebirgig und landwirtschaftlich begrenzt nutzbar; die Bevölkerung konzentriert sich daher stark in fruchtbaren Ebenen und Küstengebieten. Die Bevölkerungsdichte liegt bei rund 220 Einwohnern pro Quadratkilometer. Etwa zwei Drittel der Nordkoreaner leben in Städten, vor allem in der Hauptstadt Pjöngjang, während die gebirgigen Grenzregionen im Norden dünn besiedelt sind. Die nordkoreanische Bevölkerung ist demografisch gesehen relativ „alt“ für ein Entwicklungsland: Das Medianalter beträgt rund 36 Jahre. Seit den 1990er-Jahren nimmt die Geburtenrate stark ab, die Fertilitätsrate sank von etwa 2,4 Kindern pro Frau um 1990 auf unter 2 Kinder in den 2010er Jahren, was auf längere Sicht zu einer Überalterung der Gesellschaft führt. Gleichzeitig ist die Sterblichkeit nach dem verheerenden Hungersnot der 1990er-Jahre wieder gesunken, und die durchschnittliche Lebenserwartung liegt 2024 bei ca. 73,5 Jahren. Offizielle demografische Daten aus Nordkorea sind nur begrenzt verfügbar und basieren teils auf seltenen Volkszählungen und oft auf Schätzungen internationaler Organisationen.

Demografische Geschichte

Vorkoloniale Zeit Vor der Kolonialzeit lebte die Bevölkerung Koreas über Jahrhunderte in einer vorwiegend agrarisch geprägten Gesellschaft mit traditionell hohen Geburten- und Sterbeziffern. Genaue Bevölkerungsdaten für den Landesteil des heutigen Nordkorea sind aus vorkolonialer Zeit spärlich. Schätzungen gehen davon aus, dass die gesamte koreanische Halbinsel um 1900 etwa 20 Millionen Einwohner hatte, davon ca. 7 Millionen im Norden. Die Bevölkerung konzentrierte sich vor allem in landwirtschaftlich nutzbaren Gebieten; das Gebiet des heutigen Nordkorea, mit mehr Gebirgsanteil, war dabei dünner besiedelt als der Süden. Vor 1910 waren rund 90 % der Koreaner in der Landwirtschaft tätig, weshalb die Bevölkerungsdichte insbesondere in den fruchtbaren Flusstälern (etwa des Amnok/Yalu und Tumen im Norden sowie des Taedong im Westen) höher war. Bevölkerungswachstum wurde durch periodische Kriege, Epidemien und Missernten immer wieder begrenzt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann die Bevölkerung moderat zu wachsen, begünstigt durch die Einführung moderner Medizin und Hygiene. So stieg die durchschnittliche Lebenserwartung der Koreaner von nur etwa 37 Jahren um 1930 auf über 50 Jahre um 1960. Noch um 1910 lebten aber nur wenige Prozent der Koreaner in Städten, die Gesellschaft blieb ländlich geprägt.

Japanische Kolonialzeit Während der japanischen Kolonialherrschaft (1910–1945) veränderte sich die Demografie Koreas erheblich. Zum einen setzte ein starkes Bevölkerungswachstum ein: Verbesserte medizinische Versorgung und relative Stabilität ließen die Einwohnerzahl bis 1945 auf geschätzt über 30 Millionen ansteigen, davon etwas über 9 Millionen im Norden. Zum anderen beschleunigte sich die Urbanisierung: Der Anteil der städtischen Bevölkerung in ganz Korea stieg von nur ca. 2,8 % im Jahr 1915 auf 13,2 % im Jahr 1944. In Nordkorea entwickelte sich insbesondere Pjöngjang zu einer wichtigen Stadt und einem Industriezentrum, ebenso wuchsen Hafenstädte wie Wŏnsan und Ch’ŏngjin. Viele Koreaner suchten jedoch aufgrund der kolonialen Ausbeutung und Landknappheit ihr Auskommen außerhalb der Landwirtschaft. Die koloniale Wirtschaftspolitik Japans führte zur Abwanderung Hunderttausender ins Ausland: Schätzungsweise 4 Millionen (etwa 13 % aller Koreaner) lebten gegen Ende der Kolonialzeit außerhalb Koreas, vor allem als Arbeitsmigranten in Japan und in der Mandschurei (Nordostchina). Innerhalb des heutigen Nordkoreas ließen sich auch einige japanische Kolonialbeamte und Siedler nieder, doch blieb die einheimische koreanische Bevölkerung demografisch überwältigend dominant.

Teilung Koreas Die Teilung Koreas 1945 und der Koreakrieg 1950–1953 hatten dramatische Auswirkungen auf die Bevölkerungsstruktur Nordkoreas. Zunächst kam es unmittelbar nach 1945 zu erheblichen Wanderungsbewegungen zwischen Nord und Süd: Während des Krieges kamen 300.000 Südkoreaner in den Norden und 650.000 nordkoreanische Flüchtlinge flohen in den Süden, was zu einem Nettozuwachs von 350.000 Menschen im Süden führte. Darunter waren viele Intellektuelle, Christen und Grundbesitzer, die dem entstehenden kommunistischen Regime entkommen wollten. Im Gegenzug zogen einige linke Südkoreaner und zurückgekehrte Exil-Koreaner nach Nordkorea. Insgesamt kehrten Millionen koreanische Gastarbeiter aus Japan nach Korea zurück, wobei sich jedoch 80 Prozent von ihnen im Süden ansiedelten. Die Wanderungsbewegungen der Zeit unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkriegs begünstigten damit den Süden, welcher schon zuvor der bevölkerungsreichere Teil Koreas war.

Der Koreakrieg selbst dezimierte die Bevölkerung Nordkoreas schwer: Schätzungen gehen davon aus, dass durch Kriegseinwirkungen etwa 10–20 % der nordkoreanischen Zivilbevölkerung ums Leben kamen, Opfer intensiver Bombardierungen, Kämpfe und Kriegsgräuel. Nordkorea hatte 1949 ca. 9 Millionen Einwohner; nach Kriegsende 1953 waren es offiziellen Angaben zufolge nur noch etwa 8,5 Millionen, anderen Schätzungen zufolge jedoch nur noch 7,4 Millionen. Nordkorea hielt seine genauen Bevölkerungsstatistiken geheim. Bis zur Preisgabe offizieller Daten im Jahr 1989 war die Ausgabe des Jahrbuches von 1963 die letzte offizielle Veröffentlichung, in der Bevölkerungszahlen bekannt gegeben wurden.

Der Wiederaufbau in den 1950er Jahren ging mit einem Bevölkerungsboom einher: Nach dem Krieg gab es einen „Babyboom“ mit natürlichen Zuwachsraten von zeitweise über 3 % pro Jahr. Die nordkoreanische Regierung unter Kim Il-sung förderte das Bevölkerungswachstum, um die Kriegsverluste auszugleichen. So stieg Nordkoreas Einwohnerzahl bis 1960 auf deutlich über 10 Millionen. Gleichzeitig zog es viele Menschen in Städte, da die zerstörten Industrien wiederaufgebaut wurden – die Urbanisierungsrate wuchs von ca. 15 % (1950er) auf über 50 % bis 1990. In den Jahrzehnten nach dem Krieg profitierte Nordkorea zunächst von sowjetischer und chinesischer Unterstützung, was zu Verbesserungen im Gesundheitswesen, hoher Alphabetisierung und sinkender Sterblichkeit beitrug. Die Lebenserwartung stieg bis 1990 auf über 70 Jahre, die Kindersterblichkeit sank deutlich. Bis in die 1970er Jahre hinein blieb der Lebensstandard in Nordkorea auf Augenhöhe mit dem Süden, begann danach jedoch zu stagnieren.

Entwicklung seit 1990 mini|Bevölkerungsentwicklung Koreas nach und vor der Teilung seit 1910 Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und eigenen wirtschaftlichen Problemen geriet Nordkoreas demografische Entwicklung in den 1990ern in eine Krise. Die gravierendste Zäsur war die Hungersnot („Beschwerlicher Weg“) von ca. 1994–1998, ausgelöst durch Naturkatastrophen und den Wegfall sowjetischer Hilfe. Schätzungen der Opferzahlen variieren stark: Mindestens mehrere hunderttausend Menschen verhungerten; einige Analysen gehen von 0,9 bis 2,4 Millionen Hungertoten aus, bis zu ein Zehntel der Bevölkerung. Diese humanitäre Katastrophe ließ die Bevölkerungszahl Nordkoreas in den 1990er Jahren zeitweise stagnieren oder sogar sinken. Die Sterblichkeitsrate stieg deutlich und die Lebenserwartung fiel zeitweise um über 5 Jahre ab. Zudem führte der chronische Nahrungsmangel zu bis heute nachwirkenden Gesundheitsproblemen. Ein weiteres Merkmal seit den 1990ern ist die verstärkte (illegale) Abwanderung: Aufgrund von Hunger und Repression haben zehntausende Nordkoreaner das Land verlassen.

1993 wurde die erste nordkoreanische Volkszählung nach dem Koreakrieg durchgeführt, die eine Einwohnerzahl von 21,2 Millionen Menschen zählte. Trotz eines erheblichen Bevölkerungswachstums seit den 1950er Jahren war eine Verlangsamung des Wachstums und eine einsetzende Bevölkerungsalterung festzustellen. Die Lebenserwartung war zu diesem Zeitpunkt ein Jahr höher als in der Volksrepublik China und nur zwei Jahre niedriger als in Südkorea.Analysis of Democratic People's Republic of Koreas 1993 Census Ein weiterer Zensus wurde 2008 durchgeführt, der eine Einwohnerzahl von 24 Millionen feststellte. Laut Andrei Lankov werden die Ergebnisse der Volkszählung von ausländischen Beobachtern als plausibel angesehen. Eine weitere Volkszählung war für 2018 geplant, wurde jedoch abgesagt, nachdem Südkorea die Finanzierung des Projekts aus Angst vor Verstößen gegen Sanktionen eingestellt hatte, weshalb keine aktuellen und zuverlässigen Bevölkerungsschätzungen existieren.

Die Gesamtrate der Fruchtbarkeit sank offiziellen UN-Daten zufolge von rund 2,1 (Anfang der 1990er) auf nur noch ca. 1,8 Kinder pro Frau ca. 2024. Unabhängige Studien deuten sogar auf noch niedrigere Geburtenraten (ca. 1,4 Kinder pro Frau) hin, insbesondere infolge der Notjahre der 1990er, womit das Land ein erhebliches demografisches Problem hätte. Es gibt Hinweise darauf, dass die niedrige Geburtenrate die politische Führung beunruhigt. So brach Diktator Kim Jong-un im Dezember 2023 bei einer öffentlichen Veranstaltung sogar in Tränen aus, als er über die Geburtenrate sprach und forderte die Frauen des Landes auf, mehr Kinder zu haben.

Bevölkerungsverteilung mini|Bevölkerungsdichte von Nordkorea (2022) mini|Apartmentblocks in Pjöngjang Nordkoreas Bevölkerung verteilt sich ungleich über das Terrain: Die meisten Menschen leben in den tiefer gelegenen fruchtbaren Regionen, insbesondere im Westen des Landes. Dort befinden sich breite Ebenen und Flusstäler (z. B. entlang des Taedong-gang um Pjöngjang und Namp’o), die intensive Landwirtschaft und dichte Besiedlung ermöglichen. Auch in der Küstenebene im Südosten (Provinz Hamgyŏng-namdo) gibt es städtische Zentren. Demgegenüber sind die gebirgigen Regionen im Norden und Nordosten dünn besiedelt. Die Bergprovinzen Ryanggang und Chagang weisen die geringsten Bevölkerungsdichten auf. Insgesamt leben rund 63 % der Bevölkerung in städtischen Siedlungen, was für ein Land mit Nordkoreas Entwicklungsstand ein hoher Urbanisierungsgrad ist. Auffällig ist auch die Konzentration der Bevölkerung entlang der Grenzen und Küsten: Im Süden, an der Grenze zu Südkorea, leben vergleichsweise wenige Nordkoreaner, da die Gegend um die DMZ militärisches Sperrgebiet ist. Dagegen sind die Regionen nahe der chinesischen Grenze (z. B. um die Stadt Sinuiju am Yalu) dichter bewohnt und wirtschaftlich aktiv (Grenzhandel).

Die mit Abstand größte Stadt ist die Hauptstadt Pjöngjang, politisches und wirtschaftliches Zentrum des Landes. Sie zählt etwa 3 Millionen Einwohner und bildet die Primatstadt des Landes. Pjöngjang liegt im fruchtbaren Westen und ist direkt der Zentralregierung unterstellt. Weitere bedeutende Städte sind Hamhŭng (rd. 770.000 Einwohner) an der Ostküste, mit dem angrenzenden Hafen Hŭngnam bildet es das zweitgrößte Ballungsgebiet. Darauf folgen Ch’ŏngjin (ca. 620.000 Ew.) im Nordosten, ein wichtiges Industriezentrum, Namp’o (Hafenstadt im Westen mit ca. 360.000 Ew.) und Wŏnsan (Hafen im Osten, ca. 360.000 Ew.). Auch regionale Zentren wie Sinuiju (Grenzstadt zu China, ~350.000 Ew.), Kaesŏng (im Süden, ~300.000 Ew.) und Haeju (im Südwesten) sind erwähnenswert. Die Städte Nordkoreas entstanden größtenteils durch gezielte Industrialisierungspolitik in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Heute lebt die Stadtbevölkerung oft in dicht bebauten Wohnkomplexen, wobei Pjöngjang als Aushängeschild mit vergleichsweise guter Versorgung ausgestattet ist. Allerdings unterscheidet sich die Lebensqualität stark zwischen der privilegierten Hauptstadt und den Provinzstädten.