mini|Bevölkerungspyramide der DR Kongo von 2020 Der Artikel Demografie der Demokratischen Republik Kongo beschäftigt sich mit der Bevölkerungsentwicklung und anderen demografischen Indikatoren von der Demokratischen Republik Kongo. Das Land ist mit geschätzt rund 112 Millionen Einwohnern (Stand 2025) eines der bevölkerungsreichsten Länder Afrikas. Das riesige zentralafrikanische Land (2,3 Millionen km² Fläche) weist eine extrem junge Bevölkerungsstruktur auf: Der Median des Alters liegt bei nur etwa 17 Jahren. Fast die Hälfte der Einwohner ist unter 15 Jahre alt. Dieses demografische Profil ist das Ergebnis einer kontinuierlich hohen Geburtenrate und einer im globalen Vergleich immer noch hohen, aber sinkenden Sterblichkeit. Die Bevölkerung wächst gegenwärtig um über 3 % pro Jahr, einer der höchsten Werte weltweit, was zu einer raschen Verdoppelung der Einwohnerzahl alle 20 Jahre führt. So stieg die Bevölkerungszahl von etwa 50 Millionen um das Jahr 2000 auf etwa 96 Millionen im Jahr 2020 und wird aktuellen Prognosen zufolge bis 2050 auf über 200 Millionen anwachsen, womit das Land zu den 10 bevölkerungsreichsten der Welt gehören würde. Gleichzeitig zeichnet sich die Bevölkerung durch eine große ethnische und kulturelle Vielfalt aus, es gibt über 200 Ethnien mit eigenen Sprachen und Traditionen. Die offizielle Landessprache ist Französisch, doch im Alltag spielen vier anerkannte nationale Verkehrssprachen (Lingala, Swahili, Kikongo und Tschiluba) eine wichtige Rolle.

Geschichte

Vorkoloniale Zeit In vorkolonialer Zeit war das Gebiet der heutigen DR Kongo von einer Vielzahl ethnischer Gruppen bewohnt und erlebte im Lauf der Jahrhunderte bedeutende demografische Veränderungen. Bereits in der frühen Neuzeit (15.–17. Jahrhundert) bestanden auf dem Gebiet des heutigen Kongo mächtige Staatswesen, darunter das Königreich Kongo im Westen und die Luba- und Lunda-Reiche im Süden und im Zentrum. Diese Staaten kontrollierten weite Gebiete, entwickelten komplexe politische Strukturen und betrieben Handel entlang regionaler Routen. Allerdings führten innere Machtkämpfe und äußere Einflüsse zu Konflikten. So trug der atlantische Sklavenhandel im 16. Jahrhundert wesentlich zum Niedergang des Kongo-Königreichs bei, als lokale Herrscher durch den lukrativen Sklavenhandel an der Küste zu rivalisieren begannen und das Königreich dadurch geschwächt wurde. Das Königreich Kongo zählte gleichzeitig zu den ersten Gebieten in Subsahara-Afrika, welche vom Christentum beeinflusst wurden. So ließ sich der kongolesische Herrscher João I. schon 1491 taufen.Roland Oliver und Anthony Atmore: Medieval Africa, 1250–1800. Cambridge University Press, 2001, S. 170. Sein Königreich ist allerdings nicht mit dem heutigen Kongo gleichzusetzen, da es zu drei Vierteln im heutigen Angola lag.

Im 18. und 19. Jahrhundert hinterließ vor allem der interne und externe Sklavenhandel tiefe Spuren in der Demografie Zentralafrikas. Während an der Westküste zehntausende Menschen als Sklaven über den Atlantik verschleppt wurden, kam es zugleich im Osten des heutigen Kongo zu brutalen Sklavenjagden durch arabisch-swahilische Händler. Berüchtigte Sklavenhändler wie Tippu Tip überzogen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die östlichen Regionen (etwa Maniema, Ituri, Uelle-Gebiet) mit Raubzügen, bei denen Dörfer verwüstet, Menschen verschleppt oder getötet wurden. Diese Überfälle schwächten die lokalen Gemeinschaften erheblich und führten zur Entvölkerung ganzer Landstriche. Zeitgenössische Berichte und historische Studien legen nahe, dass der Sklavenhandel nicht nur durch die direkte Verschleppung von Menschen zu Bevölkerungsverlusten führte, sondern auch indirekt – etwa durch die Verbreitung neuer Krankheiten (wie Pocken) und durch dauerhafte Konflikte – das Bevölkerungswachstum bremste. Die Einführung von Feuerwaffen und der ständige Kriegszustand erhöhten die Sterblichkeit weiter und verhinderten über Generationen stabile demografische Verhältnisse.

Belgische Kolonialzeit Genaue Bevölkerungszahlen aus vorkolonialer Zeit sind mangels schriftlicher Aufzeichnungen schwierig zu bestimmen. Sicher ist, dass die demografische Ausgangslage vor der Kolonisation von regionalen Unterschieden geprägt war: Die fruchtbaren Savannen- und Waldgebiete entlang der großen Flüsse und im Südkongo waren dichter bevölkert, während die dichten Regenwaldregionen des zentralen Kongobeckens nur dünn besiedelt wurden (vor allem von nomadisch lebenden Pygmäenvölkern). Die koloniale Phase, beginnend 1885 mit der Gründung des Kongo-Freistaats durch den belgischen König Leopold II., brachte katastrophale demografische Einschnitte. Unter Leopolds persönlicher Herrschaft (1885–1908) wurde die einheimische Bevölkerung systematisch zur Ausbeutung von Kautschuk und Elfenbein gezwungen. Dabei kam es zu Gewaltexzessen, Zwangsarbeit, Hunger und Seuchen in einem ungekannten Ausmaß, welche als Kongogräuel bekannt wurden. Historische Untersuchungen gehen davon aus, dass während dieser Zeitspanne Millionen Kongolesen ums Leben kamen. Nach Schätzungen der Historiker Jan Vansina und Adam Hochschild sank die Bevölkerung zwischen 1880 und 1920 um etwa 50 %.

Laut Edmund D. Morel lag die Einwohnerzahl des Kongos zu Beginn des 20. Jahrhunderts bei ungefähr 20 Millionen. Die erste koloniale Volkszählung im Jahr 1924 ergab nur noch etwa 10 Millionen Einwohner im Kongo.Belgian Colonialism Of The Congo: Facts And Fiction Angesichts von Berichten, wonach vor der Kolonialherrschaft möglicherweise doppelt so viele Menschen im Land lebten, lässt dies auf einen demografischen Verlust in Millionenhöhe schließen. Adam Hochschild etwa beziffert in seinem bekannten Werk König Leopolds Schatten die Zahl der Todesopfer durch die koloniale Schreckensherrschaft auf rund 10 Millionen Menschen. Aufgrund der unklaren Ausgangsbasis ohne Volkszählung vor 1924 bleibt der tatsächliche Bevölkerungsverlust allerdings unklar, doch besteht Konsens, dass die Bevölkerung des Kongos unter Leopolds Regime zurückging.

1908 ging der Kongo-Freistaat in den Besitz des belgischen Staates über und wurde zur Kolonie Belgisch-Kongo. Die offene Gewalt nahm ab, und es wurden Ansätze einer Gesundheitsinfrastruktur geschaffen, was lokal zu einer leichten Erholung der Bevölkerung führte. Dennoch blieben Diskriminierung, Rassentrennung und ökonomische Ausbeutung prägende Elemente der Kolonialherrschaft. Ab den 1920er/30er Jahren verzeichnete Belgisch-Kongo insgesamt wieder Bevölkerungswachstum, begünstigt durch eine leicht sinkende Sterblichkeit und hohe Geburtenraten. Offiziellen kolonialen Statistiken zufolge wuchs die einheimische Bevölkerung von ca. 10 Millionen (1920er) auf rund 13–14 Millionen bis in die 1950er Jahre. 1959, kurz vor der Unabhängigkeit, wurde die Einwohnerzahl auf ungefähr 15 Millionen geschätzt.

Nach der Unabhängigkeit Am 30. Juni 1960 erlangte das Land als Kongo-Leopoldville die Unabhängigkeit von Belgien. Dem jungen Staat fehlten jedoch fast alle Voraussetzungen für eine stabile Verwaltung und Wirtschaftsentwicklung. So gab es 1960 nur eine Handvoll einheimischer Akademiker (nur 16 Kongolesen hatten bis dahin einen Universitätsabschluss erworben).Juif, Dacil (2019): Mining, Paternalism and the Spread of Education in the Congo since 1920, African Economic History Working Paper Series, No. 46/2019, African Economic History Network, S. 10 (online) Während der belgischen Herrschaft waren zwar erste städtische Zentren und ein Gesundheitswesen entstanden, doch die ländliche Bevölkerung (rund 75 % im Jahr 1960) lebte überwiegend in Armut und ohne Zugang zu moderner Bildung oder Medizin. Unmittelbar nach der Unabhängigkeit geriet das Land in die Kongo-Krise (1960–1965): Eine Reihe von Aufständen, Sezessionsversuchen (etwa die Abspaltung der rohstoffreichen Provinz Katanga 1960–63) und ethnischen Konflikten erschütterten das Land. Zehntausende Menschen kamen in diesen Wirren ums Leben oder flohen in Nachbarländer. Viele Europäer verließen das Land, wodurch wichtige Sektoren (Gesundheit, Verwaltung) personell ausgedünnt wurden. Trotz dieser politischen Turbulenzen setzte sich das hohe natürliche Bevölkerungswachstum fort: In den 1960er Jahren lag die Geburtenrate konstant bei über 6 Kindern pro Frau.

Mit dem Machtantritt von Mobutu Sese Seko 1965 (der das Land 1971 in Zaire umbenannte) stabilisierte sich die politische Lage vorerst. Die 1970er Jahre brachten einen kurzen Wirtschaftsboom (angetrieben durch Rohstoffexporte), der auch demografische Effekte zeigte: Die Urbanisierung gewann an Fahrt und immer mehr Menschen zogen in Städte wie Kinshasa, Lubumbashi oder Kisangani. Die Bevölkerung wuchs in den 1970ern und 1980ern weiterhin rasant – durchschnittlich um 2,5–3,5 % pro Jahr. Im Jahr 1984 wurde nach langer Zeit die erste und bis heute letzte offizielle Volkszählung im Land durchgeführt, die rund 30,6 Millionen Einwohner ergab. Dieses Ergebnis verdeutlichte das enorme Wachstum seit der Unabhängigkeit (Verdopplung innerhalb von 24 Jahren). Allerdings zeichnete sich bereits in den 1980ern ab, dass die wirtschaftliche Krise und die autoritäre Herrschaft Mobutus die Lebensverhältnisse verschlechterten oder stagnieren ließen.

Eine weitere dramatische Zäsur mit massiven demografischen Auswirkungen begann in den 1990er Jahren. 1994 flohen im Zuge des Völkermords in Ruanda über 1 Million ruandische Flüchtlinge in den Ostkongo. Dies verschärfte ethnische Spannungen in der Region Kivu und fungierte als Auslöser für den Ersten Kongokrieg (1996–1997), in dessen Verlauf das Mobutu-Regime gestürzt wurde. Nur ein Jahr später brach 1998 der Zweite Kongokrieg (1998–2003) aus, an dem zahlreiche afrikanische Staaten direkt oder indirekt beteiligt waren. Diese Konflikte gelten als die tödlichsten seit dem Zweiten Weltkrieg. Schätzungen zufolge starben zwischen 1996 und 2003 insgesamt über 5 Millionen Menschen infolge von Krieg, Gewalt, Hunger und Krankheiten. Die Lebenserwartung sank in diesen Jahren auf teils unter 50 Jahre, und Regionen im Osten des Landes entvölkerten sich vorübergehend durch Massenflucht. Trotz dieser verheerenden Verluste blieb die Gesamtbevölkerung dank der hohen Geburtenrate nicht nur stabil, sondern wuchs sogar weiter, allerdings langsamer als potentiell möglich. So erhöhte sich die Einwohnerzahl von etwa 37 Millionen (1990) auf rund 50 Millionen im Jahr 2000.

Nach dem formalen Ende des zweiten Kongokriegs im Jahr 2003 und der Bildung einer Übergangsregierung stabilisierte sich die Lage in weiten Teilen des Landes. Seitdem erlebt die DR Kongo erneut ein rasantes demografisches Wachstum. Die Bevölkerungszahl hat sich von ca. 50 Millionen um das Jahr 2000 auf über 100 Millionen im Jahr 2020 verdoppelt. Eine regelmäßige Geburten- und Sterbestatistik gibt es im Land nicht, weshalb alle Zahlen Schätzungen bleiben. Die Fertilität pro Frau ist im frühen 21. Jahrhundert hoch geblieben. Eine Erhebung des Demographic and Health Survey ermittelte für 2013/14 eine Geburtenzahl pro Frau von 6,6 Kindern, die bis 2023/24 leicht auf 5,5 sank. Die Durchführung einer neuen Volkszählung wurde mehrfach angekündigt, jedoch immer wieder verschoben, u. a. durch politische Schwierigkeiten und die COVID-19-Pandemie.Congo parliament passes election law stripped of census requirement Reuters

Statistik mini|Bevölkerungsentwicklung seit dem frühen 19. Jahrhundert mini|Entwicklung verschiedener demografischer Indikatoren zwischen 1950 und 2021 mit Prognose Entwicklung verschiedener demografischer Indikatoren des Landes seit dem Jahr 1955.