mini|Fritz Lemke (1929) Fritz Lemke (* 13. November 1893 in Königsberg, Ostpreußen; † 10. Februar 1952 in Mannheim) war ein deutscher Journalist und Feuilletonredakteur. Er zählte in der Weimarer Republik und in der unmittelbaren Nachkriegszeit zu den prägenden publizistischen Persönlichkeiten der sozialdemokratischen Presse im südwestdeutschen Raum.

Leben Fritz Lemke wurde 1893 in Königsberg geboren und hatte einen älteren Bruder namens Wilhelm (1886–1955).Akte des Verfahrens zur Wiedergutmachung des Fritz Lemke im Badischen Generallandesarchiv Karlsruhe. Lemke entstammte einer in prekären Verhältnissen lebenden Familie und besuchte nach der Schule höhere Bildungseinrichtungen. Anschließend studierte er Mathematik und Physik.

Vor 1928 war Lemke als Journalist in Berlin und Kiel tätig. Im Jahr 1928 trat er in Mannheim die Nachfolge des verstorbenen Journalisten und Politikers Oskar Geck bei der sozialdemokratisch orientierten Volksstimme an und übernahm die Leitung des neu gegründeten Feuilletons der Zeitung. Im gleichen Jahr heiratete Lemke seine Partnerin Elisabeth Hoffmann (1894–?).

Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 wurde das Druckhaus der Volksstimme besetzt. Lemke zog daraufhin nach Karlsruhe, um dort einen Ausweichdruck der Zeitung zu organisieren, der noch bis Ende April 1933 erscheinen konnte. Kurz darauf wurde er verhaftet, angeklagt und wegen Beleidigung des badischen Ministerpräsidenten Walter Köhler zu einer Haftstrafe verurteilt.Allgemeine Zeitung, 11. Februar 1952: Nachruf auf Fritz Lemke. Zeitgeschichtliche Sammlung des Mannheimer Archivs. Haus der Stadtgeschichte und Erinnerung.Rhein-Neckar-Zeitung, 14. Februar 1952: Abschied von Fritz Lemke. Würdige Trauerfeier / Ein Leben im Dienste des lebendigen Geistes. Zeitgeschichtliche Sammlung des Mannheimer Archivs. Haus der Stadtgeschichte und Erinnerung.

Nach seiner Freilassung flohen Lemke und seine Frau über Saarbrücken nach Paris, wo Lemke fortan journalistisch tätig war. Ein zeitgenössischer Bericht über die Aktivitäten der Gestapo im Ausland belegt, dass Lemke bereits 1933 im Exil als Gegner des nationalsozialistischen Regimes bekannt war. Seine Korrespondenz wurde abgefangen und Lemke in Deutschland in Abwesenheit zu neun Monaten Gefängnis verurteilt.

Mitte 1937 emigrierte das Ehepaar Lemke nach Südamerika. In Buenos Aires war Lemke als freier Mitarbeiter beim deutschsprachigen Argentinischen Tageblatt und unter anderem als Korrektor und Angestellter in der Redaktion tätig.Rhein-Neckar-Zeitung, 13.02.1952: Fritz Lemke. Kleines Gedenkblatt. Zeitgeschichtliche Sammlung des Mannheimer Archivs. Haus der Stadtgeschichte und Erinnerung.

Im Jahr 1949 kehrte Lemke nach Deutschland zurück. Die Wiedereingliederung wurde ihm durch den badischen Landesbezirkspräsidenten Gustav Zimmermann ermöglicht. In Mannheim übernahm er die Leitung des Feuilletons der neu gegründeten Abendzeitung (später AZ).Allgemeine Zeitung, 11. Februar 1952: Nachruf auf Fritz Lemke. Zeitgeschichtliche Sammlung des Mannheimer Archivs. Haus der Stadtgeschichte und Erinnerung. Sein besonderes Interesse galt dem Theater, insbesondere dem Nationaltheater Mannheim.Rhein-Neckar-Zeitung, 13. Februar 1952: Fritz Lemke. Kleines Gedenkblatt. Zeitgeschichtliche Sammlung des Mannheimer Archivs. Haus der Stadtgeschichte und Erinnerung.

Nach längerer Krankheit starb Fritz Lemke am Abend des 10. Februar 1952 im Theresien-Krankenhaus in Mannheim. Die Trauerfeier fand am 13. Februar 1952 im Krematorium des Mannheimer Hauptfriedhofs statt.Rhein-Neckar-Zeitung, 14. Februar 1952: Abschied von Fritz Lemke. Würdige Trauerfeier / Ein Leben im Dienste des lebendigen Geistes. Zeitgeschichtliche Sammlung des Mannheimer Archivs. Haus der Stadtgeschichte und Erinnerung.

Bedeutung Lemke gehörte in der Zwischenkriegszeit zu den prägenden sozialdemokratischen Publizisten in Südwestdeutschland. Mit der Leitung des Feuilletons der Volksstimme und später der Abendzeitung trug er wesentlich zur kulturellen Profilbildung der Mannheimer Presse bei. Seine Lebensgeschichte steht exemplarisch für das Schicksal zahlreicher deutscher Journalisten, die nach 1933 aufgrund politischer Überzeugungen verfolgt, ins Exil gezwungen und erst nach 1945 wieder in den deutschen Pressebetrieb integriert wurden. Gleiches gilt auch für das im Jahr 1949 von Lemke beantragte Wiedergutmachungsverfahren, das sich über Lemkes Tod hinaus zog: Eine Wiedergutmachung für den erlittenen wirtschaftlichen Schaden durch die erzwungene Emigration 1933 wurde zunächst mit der Begründung abgelehnt, dass diese lediglich als politischer Protest zu werten sei und keine politische Verfolgung im engeren Sinne vorgelegen habe. Es wurde nahegelegt, dass Lemke trotz seiner sozialistischen Positionierung eine Anstellung im nationalsozialistischen Deutschland hätte erhalten können. Diese vorläufige Entscheidung wurde letztlich revidiert und Lemkes Frau eine monatliche Wiedergutmachungssumme zugesprochen.Akte des Verfahrens zur Wiedergutmachung des Fritz Lemke im Badischen Generallandesarchiv Karlsruhe.

Nachweise

Kategorie:Zeitungsjournalist Kategorie:Journalist (Deutsches Reich) Kategorie:Journalist (Deutschland) Kategorie:Verurteilte Person (NS-Opfer) Kategorie:Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus Kategorie:Deutscher Emigrant in Argentinien Kategorie:Deutscher Emigrant in Frankreich Kategorie:Person (Mannheim) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1893 Kategorie:Gestorben 1952 Kategorie:Mann