Albert Juncker (* 9. August 1565 in Bardowick; † 25. Februar 1647 in Braunschweig) war ein promovierter deutscher Jurist, Autor, Unterhändler der Herren von der Asseburg in Ampfurth, Inhaber von Präbenden, ab 1603 Kanoniker und ab 1643 der Dekan des Stifts St. Blasii sowie Syndikus des Domkapitels Braunschweig und des Halberstädter Ritterstandes.

Leben Herkunft Albert Juncker (auch Jungkherr, Jungkher, Junckher, Junckherr, Jungckherr, Iungkher, Iunkgher) stammte aus einer niedersächsischen Patrizierfamilie und wurde im lüneburgischen Bardowick als Sohn des Benedikt Juncker und der Cecilia von Heide geboren.

Laufbahn Er war an den Universitäten Helmstedt (ab 26. März 1583) und Marburg (14. November 1590) immatrikuliert. Um 1585 bis 1591 trat er als Autor und Mitautor einiger juristischer Publikationen in Erscheinung, war ab 1595 an der Universität HeidelbergAutor der Gratulationsschrift zur Promotion des Statius Borcholten, Heidelberg 1595; siehe Klaus Gerber, Stefan Anders: Handbuch des personalen Gelegenheitsschrifttums, Bd.9, Georg Olms Verlag (Hildesheim 2003) ISBN 978-3-487-41889-6 S. 64 und promovierte schließlich als Dr. iur. utr. (Doktor beider Rechte).DI 56, Stadt Braunschweig II, Nr. 773† (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net , urn:nbn:de:0238-di056g009k0077306. Abgerufen am 6. Oktober 2025. Im November 1611 korrespondierte er von Braunschweig aus mit dem Theologen Johann Gerhard.Forschungsbibliothek Gotha; Nachlass Johann Ernst Gerhard (1621-1668); Signatur: Chart. A 408, Bl. 186r-189v. Eintrag auf kalliope-verbund.info (Abgerufen am 3. November 2025).

Kirchliche Ämter An kirchlichen Pfründen und Ämtern hatte er bereits das Kanonikat und die Vikarie St. Crucis am CyriakusstiftErnst Döll: Die Kollegiatstifte St. Blasius und St. Cyriacus zu Braunschweig (1967) Band 36 von Braunschweiger Werkstücke, S. 157 und S. 321. seinen Vorgängern abgekauft, als er im April 1603 auf Vorschlag des Herzog Ernst zu Braunschweig-Lüneburg eine vakante Präbende durch Resignation seitens des bisherigen Inhabers Eitel Johannes von Holle (1596 adoleszent) aus Peine (Sohn des Johann von Holle, damaligem Drost zu Peine und der Abell Ruwen aus Rotenburg)Nds. LA WO 7A Urk Nr. 1428 und mithin ein Kanonikat am Domstift St. Blasius in Braunschweig erhielt. Juncker gelobte für die beiden Stifte, aus denen er seine Lehen bezog, den Landesfürsten, auch dem Herzog Heinrich Julius, feste Untertanentreue und versicherte, in seiner beruflichen Tätigkeit als Anwalt stets dem Herzog den Vorrang geben und nie gegen dessen Interessen arbeiten zu wollen.Döll (1967: S. 157)

Im Februar 1604 nahm Juncker in Vollmacht seines aus Lübeck stammenden jugendlichen Schwagers Anton Colerauch: Anthonius Colerus NLA WO 7A Urk Nr. 1431 a (10.02.1604). Abgerufen am 6. Oktober 2025Döll (1967: S. 321) von einem weiteren resignierten Kanonikat des Domstifts St. Blasius Besitz, wo er dann 1608 zu dessen Syndikus und später zum Vizedominus zur Verwaltung der Stiftsgüter ernannt wurde. Ab 1643 bis zum Tode 1647 amtierte er schließlich als der Dekan des Braunschweiger Domstifts.

Jurist Als Rechtsgelehrter war er in Prozessvertretungen für Braunschweig nach zeitgenössischer Aussage hochberühmt.DI 56, Stadt Braunschweig II, Nr. 950† (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di056g009k0095009. Abgerufen am 20. Oktober 2025 Zudem fungierte er um 1604 als Unterhändler der Herren von der Asseburg in Lehnssachen und öffentlichen Angelegenheiten in Ampfurth, als Syndikus des Halberstädter Ritterstandes und ab 1608 als Syndikus des Domstifts Braunschweig. Dort wurde ihm das Haus Kleine Burg 14 als Stiftskurie zugewiesen, an der er im Jahr 1622 Baumaßnahmen durchführen ließ.

Grabstätte Nach seinem Tod 1647 wurde er im Braunschweiger Dom beigesetzt. Seine im nördlichen Seitenschiff befindliche Grabplatte ist heute zwar nicht mehr existent, wurde aber vom Braunschweiger Kupferstecher Anton August Beck (1713–1787) abgezeichnet und ist daher in Abschrift in der lokalhistorischen Sammlung des Karl Wilhelm Sack überliefert.Sammlung Sack, Nr. 129, Teil 1 (o. P.), in stadtarchiv-braunschweig.findbuch.net, Bestand H V: 129 Auf dem Stein fand sich neben Junckers Lebensbeschreibung auch das Wappen der Familie Juncker (Herz, aus dem drei Eicheln hervorwachsen).

Familie und Nachfahren Albert Juncker war mindestens zweimal, aber eher dreimal verheiratet. Aus seiner ersten Ehe mit einer, wohl aus Lübeck stammenden, geborenen N.N. Coler (Köhler) entsprang der Sohn Anton August Jungkher (* 1604 in Ampfurth)Geburtsgratulation von dessen Onkel Antonius Kolerus/Coler, dem Schwager des Albert Juncker.

Nach 1614 ehelichte er Barbara geb. Lücke, die Witwe seines Amtsvorgängers, des Domherren Paul Chemnitz (1566–1614), eine Tochter des Braunschweiger Bürgermeisters Hermann Lücke und der Ilse Grünhagen (Grönhagen). Den Stiefsohn Johann Chemnitz (1610–1651), später Arzt in BraunschweigFritz Roth: Restlose Auswertungen von Leichenpredigten und Personalschriften für genealogische und kulturhistorische Zwecke. Selbstverlag, Boppard am Rhein; 1970, Bd. 6, S. 113, R 5177DI 56, Stadt Braunschweig II, Nr. 1004† (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di056g009k0100408, nahm Juncker in seinem Haus auf, ebenso wie dessen Schwestern, wo diese allesamt aufwuchsen.

Nach dem Tod seiner zweiten Ehefrau heiratete Albert Juncker am 9. Oktober 1627 Lucia Elers (* 8. Juni 1594 Braunschweig; † 13. Januar 1650 ebd., Tochter des Braunschweiger Patriziers Melchior Elerdes (1560–1641) und der Marie Walbeck), deren Grabplatte sich wie die von Albert ebenfalls lange im nördlichen Seitenschiff des Braunschweiger Doms befand. Lucia war die Enkelin des Melchior Elers (* 8. September 1521; † 4. Januar 1584), Neustädter Rat 1570–1578, Bürgermeister von Braunschweig 1579–1581Eintrag personen.niedersaechsische-bibliographie.de. Abgerufen am 6. Oktober 2025, und der Anna Scheppenstede, Tiles Tochter († 16. November 1584), die beide auf dem 2012Elerdts-Glümer-Epitaph 1559, St. Andreaskirche Braunschweig (kulturstiftung.de). Abgerufen am 6. Oktober 2025 wiederentdeckten Epitaph-Tafelbild in der St. Andreaskirche als Figuren abgebildet sind.DI 56, Stadt Braunschweig II, Nr. 481† (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net. Abgerufen am 6. Oktober 2025 Die Kinder aus der Ehe mit Lucia Elers waren zumindest die vier in einem Geburtsbrief vom 22. Juli 1641 urkundlich erwähntenNLA WO, 7 A Urk, Nr. 1678 und hier nachstehend aufgeführten Brüder.

Ludwig Albert Juncker (um 1670 AutorGND-Eintrag; ⚭ Cäcilia Sillem aus Hamburger Patrizierfamilie, Enkelin des Senators Nicolaus von der Fechte (1582–1650)) Melchior Juncker († um 1695, wohl in Halberstadt) (gemeinsam mit Ludwig Albert 1659 zum IUD promoviert); ⚭ 1659 Dorothea Schulte (1629–1674)GND-Eintrag Dorothea Schulte, Witwe des Andreas Ramdohr und Schwester des Hamburger Bürgermeisters Johann SchulteRenate Jürgensen: Melos conspirant singuli in unum: Repertorium bio-bibliographicum zur Geschichte des Pegnesischen Blumenordens in Nürnberg (1644-1744). Band 50 von Beiträge zum Buch- und Bibliothekswesen, . S. 524 (Otto Harrassowitz Verlag, 2006), ISBN 978-3-447-05358-7 sowie Enkelin des Hamburger Oberalten und Kämmerers Albrecht von der Fechte (1555–1614) Albrecht Christian Jungkherr (1663–1736), Universität HelmstädtGND-Eintrag Jungkherr, Albrecht Christian (?) Albert Christianus Jungkherr (* um 1730), aus Halberstadt bzw. Wernigerode, Zögling am Pädagogium Ilfeld ab 1738 bis April 1741Ernst Wiedasch: Das Verzeichniss sämmtlicher Zöglinge des Pädagogiums zu Ilfeld (Nordhausen, 1853), S. 48 (?) Christian Ludwig Jungckherr, ersucht 1804 um Zulassung zum Bürgerrecht und zum Samenhandel in Bremen StAB, 2-Ss.2, b.S.1. Eintrag arcinsys.niedersachsen.de (Abgerufen am 3. November 2025) August Jungkherr Melchior Friedrich Jungkherr 4 Töchter: Lucia, Dorothea-Elisabeth, Margarete († als Kind), Gerdrud-Cecilia Georg Dieter Jungkher (erwähnt 1651 Universität Helmstedt, als Beiträger eines Leichengedichts zum Tod des Halbbruders Johann Chemnitius; später erwähnt 1681 Univ. Marburg) Justus Karl Jungkher (jüngster Sohn; † vor Februar 1702), vom Stiftskapitel nominiert, 1647 durch Herzog August d. J. zu Braunschweig-Lüneburg für den Besitz der Vikarie bzw. Pfarrei St. Bartholomäus in der Stiftskirche St. Blasius präsentiertNLA WO 7 A Urk Nr. 1723 und 1648 durch den Dekan Konrad Barpke vertreten.NLA WO, 7 A Urk, Nr. 1724

Die Vornamen von Alberts Söhnen waren zum Teil aus der Elers’schen Linie entlehnt. Melchior (1641 bis Juni 1695 Michaelis-Vikarie) und Justus Karl Juncker (1648 bis 1702 Bartholomäus-Vikarie) waren Inhaber von Vikarien des Domstifts St. Blasii. Einer der Nachkommen des Ludwig Albert Juncker könnte möglicherweise der Politiker Albert Ludwig Juncker (1904–1987) sein.

Werke (Auswahl) Juncker trat außer als Rechtsgelehrter auch als Beiträger in zahlreichen zeitgenössischen Lobreden und Leichengedichten auf. Dispvtatio XII de Ivdicibvs apvd quos Fevdi Qvaestio Agitari Debeat, et qua forma in hoc iudicio procedatur ... proposita in Illvstri Academia Ivlia ab Alberto Ivngkhero Luneb. 20. Decemb. (Helmstedt 1587)Digitalisat deutsche-digitale-bibliothek.de Dispvtatio Ex vsibus feudorum De Investitvra, habita in Illustri Academia Ivlia ab Alberto Ivngkhero Luneburgensi (Helmstedt 1589) Disputatio De Tvtelis vel Defensionibvs Pvpillorvm (Helmstedt 1589)Digitalisat deutsche-digitale-bibliothek.de

Literatur Ernst Döll: Die Kollegiatstifte St. Blasius und St. Cyriacus zu Braunschweig (= Braunschweiger Werkstücke. Bd. 36, ). Waisenhaus-Buchdruckerei und Verlag, Braunschweig 1967, (Zugleich: Hamburg, Universität, Dissertation, 1965).

Weblinks

Eintrag auf Dikon Digitale Konkordanz DI 56, Stadt Braunschweig II, Nr. 950† (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di056g009k0095009. Abgerufen am 20. Oktober 2025 DI 56, Stadt Braunschweig II, Nr. 773† (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di056g009k0077306. Abgerufen am 6. Oktober 2025

Einzelnachweise

Kategorie:Rechtswissenschaftler (17. Jahrhundert) Kategorie:Verwaltungsjurist Kategorie:Domherr (17. Jahrhundert) Kategorie:Person (Christentum, Braunschweig) Kategorie:Syndicus (Braunschweig) Kategorie:Geboren 1565 Kategorie:Gestorben 1647 Kategorie:Mann