mini|Ronderos im Gespräch mit dem peruanischen Finanzministerium Die rondas campesinas (deutsch Bauernrunden) sind eine Organisationsform der bäuerlichen Bevölkerung Perus, insbesondere in der Andenregion. Sie entstanden in den 1970er-Jahren als Reaktion auf staatliche Vernachlässigung, Viehdiebstähle und mangelnde Rechtssicherheit und entwickelten sich später zu wichtigen Akteuren der sozialen Ordnung, Konfliktlösung und politischen Partizipation auf dem Land.
Geschichte Die historischen Wurzeln der rondas campesinas reichen zurück bis in die Inkazeit.Nuñez Palomino, G. 1996. The Rise of the Rondas Campesinas in Peru. The Journal of Legal Pluralism and Unofficial Law 28(36):111–123. Die heutigen rondas campesinas entstanden in den späten 1970er-Jahren als Reaktion auf Viehdiebstähle in der Region Cajamarca. Damals beschlossen die Bauern, sich in Nachtpatrouillen, einem exekutiven Rat und einer Vollversammlung zu organisieren. Da die festgenommenen Viehdiebe von der staatlichen Justiz nicht belangt wurden, bauten die ronderos ihre eigene Justiz auf.Banse, M., Stanka, H. The complex relationship between legal pluralisms and the Rechtsstaat in Peru and Bolivia. Z Vgl Polit Wiss 19, 291–311 (2025), S. 300. https://doi.org/10.1007/s12286-025-00640-3 In den 1980er-Jahren bildeten sich neue rondas campesinas zur Bekämpfung des Sendero Luminoso.Mealy, M., Austad C.S. Sendero Luminoso (Shining Path) and Ethnocultural Conflict in the Andes, 28. Während der Präsidentschaft Alberto Fujimoris wurde einerseits eine Verfassung beschlossen, die das Gewohnheitsrecht und die eigene Justiz und Verwaltung in den bäuerlichen und indigenen Regionen anerkannte, andererseits gab es ein Regierungsdekret, das die Unterordnung der rondas campesinas unter das Militär verlangte.Banse, M., Stanka, H. The complex relationship between legal pluralisms and the Rechtsstaat in Peru and Bolivia. Z Vgl Polit Wiss 19, 291–311 (2025), S. 301. https://doi.org/10.1007/s12286-025-00640-3 Die rondas campesinas wurden mit dem Gesetz Nr. 27908 (ley de rondas campesinas) aus dem Jahr 2003 endgültig legalisiert.N.N. Schwere Zeiten für die Rondas Campesinas. Informationsstelle Peru e.V.Ley numero 27908. Ronderos nahmen auch an den Protesten 2022–2023 teil.
Rechtssystem Die rondas campesinas sind ein bekanntes Beispiel für Rechtspluralismus. Das Rechtssystem der rondas campesinas gilt als Möglichkeit, schnell und ohne hohe Kosten Rechtsprechung zu erfahren. Während die staatliche Justiz Monate oder Jahre für Fälle braucht, benötigen die ronderos nur Tage. Die Verfahren sind kostenlos und die Richter weniger korrupt als die staatlichen. Die Wirkung der rondas campesinas auf die Verbrechensbekämpfung und Viehdiebstahl wird als Fortschritt für die jeweiligen Gemeinden bewertet.Escárgaza, F. Procesos de reconstitución comunitaria en las luchas por la defensa de los bienes comunes en Perú: las rondas campesinas y la Conacami. Procesos de reconstitución comunitaria. En la defensa del territorio contra el extractivismo en América Latina, herausgegeben von Fabiola Escárgaza und Lucas Henrique Pinto, Mexiko-Stadt 2021, 25–52. Die Justiz der rondas campesinas beinhaltet auch Körperstrafen und die Bestrafung von Hexerei.Banse, M., Stanka, H. The complex relationship between legal pluralisms and the Rechtsstaat in Peru and Bolivia. Z Vgl Polit Wiss 19, 291–311 (2025), S. 302 f. https://doi.org/10.1007/s12286-025-00640-3
Einzelnachweise
Kategorie:Organisation (Peru) Kategorie:Recht (Peru) Kategorie:Paramilitärische Organisation Kategorie:Moderne Hexenverfolgung