The Chocolate Invasion ( für Die Schokoladeninvasion) ist das 29. Studioalbum des US-amerikanischen Musikers Prince, der alle Songs arrangierte, komponierte und produzierte. Es trägt den Untertitel „Trax from the NPG Music Club Volume One“. Prince veröffentlichte es am 29. März 2004 bei seinem eigenen Label NPG Records; es war ausschließlich als Download für registrierte Nutzer seiner damaligen Website erhältlich. Parallel zu The Chocolate Invasion brachte er auch sein 30. Studioalbum The Slaughterhouse sowie sein drittes Livealbum C-Note heraus.

Musikalisch ist das Album dem Contemporary R&B, Funk und der Popmusik zuzuordnen; die Liedtexte handeln überwiegend von Liebe und sexuellen Anspielungen. Als Gastmusiker wirken Angie Stone und Najee mit.

Eine nennenswerte Musikpromotion fand nicht statt. Da das Album nicht in den internationalen Charts geführt wurde, konnte es keinen Gold- oder Platinstatus erreichen. Das Medienecho fiel gering aus, zeitgenössische Musikkritiker beurteilten das Album überwiegend negativ.

2015 wurde The Chocolate Invasion über Tidal erneut als kostenpflichtiger Download veröffentlicht; seit 2018 ist es auch auf weiteren Musikstreaming-Plattformen verfügbar. Eine Veröffentlichung auf CD oder LP erfolgte bislang nicht (Stand: 2026).

Entstehung mini|Angie Stone, 2010 Alle zehn Songs nahm Prince in seinem Paisley-Park-Studio in Chanhassen auf: Gamillah entstand vermutlich Ende 1999, Judas Smile im Sommer 2001, die übrigen acht Stücke im Jahr 2000.Clerc (2023), S. 382., 385–392., 410. Ursprünglich platzierte Prince anstelle von My Medallion den Track The Dance, den er später überarbeitete und 2006 in leicht veränderter Fassung auf 3121 veröffentlichte.

Sieben Songs – Gamillah, High, My Medallion, Supercute, U Make My Sun Shine, Underneath the Cream und When 18x18px Lay My Hands on U – waren ursprünglich für das Album High vorgesehen, das Prince am 8. August 2000 ankündigte, jedoch nie veröffentlichte.Uptown (2004), S. 254. Es wäre sein erstes Studioalbum nach der Rückannahme seines Künstlernamens „Prince“ am 16. Mai 2000 gewesen. Stattdessen stellte er am 21. Dezember 2000 das Duett U Make My Sun Shine mit Angie Stone über seine Website NPG Online LTD.com zum Download bereit.Uptown (2004), S. 260.

Am 14. Februar 2001 ging die abonnementpflichtige Website NPG Music Club.com online, deren Mitglieder gegen eine Gebühr von 100 US-Dollar Zugang zu Konzertkarten, Live-Mitschnitten und monatlichen Songdownloads erhielten.Uptown (2004), S. 261.Clerc (2023), S. 384. In diesem Rahmen erschienen am 18. Februar When 18x18px Lay My Hands on U, am 11. Juni Sexmesexmenot und Supercute, am 28. August Judas Smile und My Medallion, am 15. November Underneath the Cream und Vavoom sowie am 15. Dezember 2001 Gamillah und High.Uptown (2004), S. 264–269. Damit waren bereits vor der offiziellen Veröffentlichung von The Chocolate Invasion im März 2004 neun der zehn Songs über seine Websites als Download verfügbar; The Dance erschien erstmals auf dem Album.

Am 15. Oktober 2003 kündigte Prince ein 7-CD-Set mit dem Titel The Chocolate Invasion an, das neben The Chocolate Invasion (nun mit My Medallion statt The Dance) und The Slaughterhouse auch die zuvor ausschließlich digital erschienenen Alben C-Note, One Nite Alone und Xpectation enthalten sollte. Hinzu kommen sollten das Album The Glam Slam Club Mix – überwiegend basierend auf der „NPG Ahdio Show # 11“ vom 17. Januar 2002 – sowie die CD The War, ein 26-minütiger Live-Track, der erstmals am 21. Juli 1998 als Download veröffentlicht worden war.Uptown (2004), S. 290. Ein konkretes Erscheinungsdatum nannte Prince jedoch nicht. Am 13. November 2003 teilte er über NPG Music Club.com überraschend mit, das Projekt sei aufgrund von Produktionsproblemen auf unbestimmte Zeit verschoben.Uptown (2004), S. 292.

Das 7-CD-Set erschien letztlich nicht. Am 4. Juli 2006 wurde die Website NPG Music Club.com ohne Vorankündigung geschlossen, womit alle lebenslangen Mitgliedschaften erloschen. In einer kurzen Mitteilung hieß es lediglich, der Club werde „bis auf Weiteres pausieren“.Thorne (2017), S. 400.

Gestaltung des Covers Für die Covergestaltung war Artdirector Sam Jennings zuständig, der von 1998 bis 2007 mit Prince zusammenarbeitete. Zunächst als Webmaster für dessen Websites tätig, übernahm er später auch die künstlerische Gestaltung mehrerer Albumcover, darunter Xpectation (2003), Musicology (2004), 3121 (2006) und Planet Earth (2007).

Das Artwork zu The Chocolate Invasion entwarf Jennings bereits 2003, eine Veröffentlichung erfolgte jedoch erst im Dezember 2015 im Zuge der Bereitstellung des Albums beim Musikstreamingdienst Tidal. Es enthält Charakterzeichnungen der Modedesignerin Debbie McGuan und orientiert sich stilistisch an der Gestaltung von NPG Music Club.com im Jahr 2001, als viele der Songs erstmals dort erschienen. Jennings gab 2015 an, zudem als ausführender Produzent der CD genannt worden zu sein, da er an der Titelauswahl und an der Benennung des Albums beteiligt war. McGuan entwarf zwischen 1993 und 2007 wiederholt Bühnen- und Bühnenoutfits für Prince.Website von Sam Jennings, Informationen zum Albumcover

Musik und Liedtexte Musikalisch verbindet das Album Elemente aus Contemporary R&B, Funk und Pop. Die Liedtexte behandeln überwiegend Liebe, Lust und Sexualität;Thorne (2017), S. 380–381. The Chocolate Invasion ist Prince’ letztes Album mit sexuell konnotierten Texten. Nach seinem Beitritt zu den Zeugen Jehovas im Jahr 2001 verzichtete er darauf. Neben seinem charakteristischen Falsett setzt Prince auf dem Album auch tiefere Stimmlagen ein. When 18x18px Lay My Hands on U Der Opener ist stilistisch dem Pop und Contemporary R&B zuzuordnen. Seine Atmosphäre wirkt durch die melodische Gestaltung dramatisch und spannungsgeladen. Der Song wechselt zwischen ruhigen Strophen mit nahezu geflüstertem Gesang und einem kraftvolleren Refrain mit markantem Schlagzeug und echoartigem Gitarrensound. Eine Bridge führt eine neue Melodie ein und sorgt für Abwechslung; im letzten Refrain ergänzt Prince die Passage durch ein durchdringendes Gitarrensolo. Inhaltlich beschreibt der Liedtext das Begehren nach einer Frau und enthält die Frage: „Bist du bereit für die Berührung, die dich verrückt macht?“ Die Zeile „Ich werde dich auf die sanfteste Art berühren, wie ‚Europa‘ in Santanas Händen“ verweist auf das Instrumentalstück Europa (Earth’s Cry Heaven’s Smile) (1976) von Carlos Santana.Uptown (2004), S. 442. Judas Smile Der Song wurde von Prince zunächst versehentlich unter dem Namen Judas Kiss veröffentlicht, wenige Tage später änderte er ihn in Judas Smile. Die schnelle Funknummer basiert auf einem einzigen Akkord und einem geschäftigen, stockenden Rhythmus. Strophen und Refrain folgen demselben harmonischen Grundmuster, wodurch der Song bewusst repetitiv wirkt. Ein durchgehender Synthesizerklang prägt das Stück, das nach etwa der Hälfte in einen druckvolleren Vamp mit Slapped-Bass und skandiertem Gruppengesang übergeht. Dabei treten eine dünn klingende Snaredrum und eine gummiartig wirkende Bassdrum hervor. Textlich richtet sich der erste Teil gegen eine frühere Partnerin, der Prince vorwirft, ihn ausgenutzt zu haben; er habe Liebe gegeben und lediglich ein „Judaslächeln“ zurückerhalten. Der zweite Teil wird häufig als Kommentar auf die Musikindustrie und deren Umgang mit afroamerikanischen Künstlern interpretiert. Prince bezieht sich dabei auf die „Old School“ und kündigt an: „Die Schokoladeninvasion beginnt hier“. Am Ende des Songs erweist er Common, Curtis Mayfield, Maceo Parker und Erykah Badu seine Reverenz.Uptown (2004), S. 443–444. Supercute Der Song eröffnet mit dem Geräusch eines landenden Flugzeugs und ist stilistisch dem Pop zuzuordnen. Supercute zeichnet sich durch eine eindringliche, leicht wehmütige Melodie und einen eingängigen Refrain aus. Der prägnante rhythmische Groove entsteht aus dem Zusammenspiel einer Reggae-geprägten Basslinie und eines marimbaähnlichen Keyboard-Motivs. Inhaltlich beschreibt der Liedtext Prince’ Faszination für eine Frau aus East Los Angeles, die zu einem Treffen anreist. Sein Interesse ist vorwiegend körperlicher Natur; er schildert, dass ihn der Anblick der Frau in ihrem „Evakostüm“ erregt. Zudem besucht er sie und beobachtet sie beim Umgang mit Sexspielzeugen, darunter einem Vibrator.Uptown (2004), S. 439. Underneath the Cream Das Stück ist als entspannter Pop-Song angelegt; das Arrangement basiert auf Synthesizer-Verzierungen, ergänzt durch vereinzelte E-Piano-Passagen. Inhaltlich fantasiert Prince über eine für ihn sexuell attraktive Frau und äußert, er könne „nicht aufhören, an deine Schenkel zu denken“. Zudem wünscht er sich, „irgendwo dazwischen, in einer einzigen Bewegung, tief in deinem Ozean“ zu sein. Thematisch knüpft der Liedtext an frühe Stücke von Prince auf den Alben For You (1978) und Prince (1979) an, die ebenfalls von Lust und Verlangen geprägt sind. My Medallion Der langsame Funk-Track ist sparsam arrangiert und basiert auf einem Drumcomputer-Beat, wenigen Basstönen sowie kurzen, abgehackten Gitarrenakzenten. Inhaltlich schildert Prince eine Episode, in der ihm eine junge Frau sein Medaillon entwendet und ihn als „Schlampe“ bezeichnet. Er findet sie später an ihrem Arbeitsplatz wieder, stellt sie zur Rede und äußert: „Ich weiß nicht, wie du heißt oder was du vorhast, aber du solltest dich besser hinlegen, denn ich habe Lust, etwas Verrücktes mit dir anzustellen.“ Zwar küsst sie ihn, entzieht sich jedoch anschließend, indem sie durch die Hintertür flieht. Schließlich erhält er das Medaillon auf indirektem Weg zurück. Der Refrain besteht aus der wiederholten Zeile „Ich weiß nicht warum, ich will dieses Mädchen“ und wird von Flötenspiel begleitet.Uptown (2004), S. 444. Vavoom Prince beschrieb den Song als „Rock and Roll mit ‚Cream‘ getränkt“. Zwar weist Vavoom stilistische Parallelen zu Cream auf, erreicht jedoch nicht dessen sexuelle Aufgeladenheit. Zudem verfügt der Track über einen künstlich wirkenden Gitarrensound. Der kurze Refrain „Va-Va-Voom“ ist schlicht gehalten. Inhaltlich handelt der Liedtext von einer Frau, bei der Prince „ein Tier sein“ könne. Ursprünglich bot er den Song Mariah Carey für den Film Glitter – Glanz eines Stars (2001) an, doch sie lehnte ihn ab. High Die schwungvolle Popnummer ist eingängig und verfügt über einen luftigen, heiteren Refrain mit Synthesizer-Fills. Die Melodie gilt jedoch als wenig einprägsam; zudem wird die Wirkung des Songs durch einen stotternden, hallenden Trommelschlag beeinträchtigt, der die übrigen Instrumente beinahe überdeckt. Inhaltlich zelebriert Prince seine eigene Musik und versichert, er habe „die Musik, um dich wieder high zu machen“. Ursprünglich plante er, den Song im Jahr 2000 als Single aus dem Album High zu veröffentlichen, das er jedoch nicht herausbrachte. Sexmesexmenotmini|Najee, 2007 Das spannungsgeladene Funk-Stück mit reduzierter Instrumentierung besitzt ein Arrangement aus tiefem, gummiartig klingendem Synthesizer-Bass, der gegen eine sparsam eingesetzte, schrille Snaredrum pulsiert. Inhaltlich behandelt der Liedtext Sex aus der Perspektive von Prince, der sich als charismatischer Künstler inszeniert, der Frauen mit Bühnenpräsenz und erotischen Gesten verführt. Er fordert seine Geliebte auf, „ihre Schwester und ihre Unterwäsche zu Hause zu lassen“, und kündigt an, er werde ihr „die Hosen nass machen“. Sexmesexmenot enthält Samples und gesprochene Zitate aus Judas Smile und greift damit das Motiv der „Chocolate Invasion“ des Albumtitels auf.Uptown (2004), S. 443. Gamillah