Das Rathaus Zwönitz im Zentrum der Stadt Zwönitz im Erzgebirge ist ein im Jahr 1878 eingeweihtes Verwaltungsgebäude. Es hat die Adresse Markt 6, 09366 Zwönitz und steht unter Denkmalschutz (ID-Nummer 09238484).
Lage Das Rathaus besetzt die Ostseite des langgestreckten rechteckigen Marktplatzes, der dann als Rathausstraße weiterführt. Die Hauptfassade erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung und ist baulich an die Schräglage auf dem Hügel angepasst: der Südflügel ist um rund zwei Meter höher als der Nordgiebel.
Unmittelbar südlich schließt sich an das Ratsgebäude das Haus der Löwen-Apotheke an, an der Nordseite steht jenseits eines schmalen Durchgangs ein schön saniertes Fachwerkhaus, das im 21. Jahrhundert als Sitz einer Bestattungsfirma dient (ein früheres Wohnhaus, Baujahr 1848, denkmalgeschützt).
In der Nachbarschaft stand in den 1930er Jahren parallel zum Ratsgebäude der 1870er Jahre noch ein als Rathaus II bezeichnetes Haus.
Geschichte Vorgängerrathäuser Im Zusammenhang mit der Verleihung von Marktrechten und dem Zustrom von Bewohnern entstanden die ersten Ratskollegien und Sitzungsgebäude. Das erste derartige Bauwerk in Zwönitz ist sehr wahrscheinlich bei dem großen Stadtbrand von 1687 zerstört worden. Diesem ersten Rathaus folgte bald das zweite Ratsgebäude mit Sitzungs-, Gerichts- und Archivräumen, einem Glockenturm und einem Gefängnis. Dieses Haus war in den 1930er Jahren noch erhalten. Oder das auf der Ansichtskarte aus den 1920er Jahren zu sehende Rathaus II war eine Nebenstelle des 1878 erbauten neuen Verwaltungsgebäudes.
Ein neues Rathaus wird gebaut Die Ratsversammlung beschloss infolge der wachsenden Einwohnerzahl und der Etablierung von Firmen in der Stadt ein neues größeres Ratsgebäude mit Turm errichten zu lassen, für das Anfang der 1870er Jahre die Grundsteinlegung erfolgte. Das nunmehr dritte Rathaus konnte 1878 eingeweiht werden.
Beschreibung nach der Einweihung Der mittlere zweiachsige Teil des Giebels bildete die Vorderfront eines kompletten Turmes mit rechteckigem Grundriss. Ganz oben lud eine Aussichtsplattform zum Besuch ein. Die Faschen der Fenster und die Gebäudeecken waren mit kontrastfarbenem Putz abgesetzt.
Umbau Nach der deutschen Wiedervereinigung, in den 1990er Jahren wurde das Ratsgebäude umfassend restauriert, dabei erfuhr es einige bauliche Veränderungen: Der frühere gestufte Ziergiebel wurde auf ein Drittel der Breite und Höhe zurückgebaut, der baubreite Turm wurde bis auf einen Stumpf abgetragen und darauf ein Dachreiter platziert, der komplett mit Schieferschindeln verkleidet wurde. Der neue Turmaufsatz enthält (wieder) einen Uhrwerkraum und geht in einen darüber angeordneten weiterführenden viereckigen kleinen Turm mit offenen Arkadenbögen über. Der frühere Aussichtsumgang verschwand vollständig. Ein geknicktes viereckiges Pyramidendach mit Kupferverkleidung schließt den Turm nun ab. In dessen Mitte erhebt sich eine vergoldete Turmkugel mit einer ebenfalls vergoldeten Wetterfahne darüber. Der Bildvergleich mit dem Rathaus II aus den 1930er Jahren ergibt, dass der nun aufgesetzte Turm dem von Rathaus II nachempfunden wurde: viereckig, mit Laterne und Kupferhaube.
Hinter den Arkaden fand ein Glockenspiel Platz, welches im Zweistundentakt fünf Minuten vor der vollen Stunde erklingt. Dazu bewegen sich vier von einheimischen Holzbildhauern geschnitzte Symbolfiguren: ein Bergmann, ein Mönch, eine Bauersfrau und ein Schusterjunge. Die Glocken wurden in der Glockengießerei Apolda hergestellt.
Im historischen Ratskeller (Gasthaus) zog ein Restaurant mit italienischer Küche ein (Ristorante da Nino N.R.A.)
Baubeschreibung mini|hochkant|Hauptportal
Das zehnachsige Ratsgebäude, inzwischen mit beige-grünlichem Putz versehen, ist ein drei- und viergeschossiger Bau mit einer spätklassizistischen Fassade. Sie bildet den Blickpunkt des Bauwerks, in dem sich zugleich der Haupteingang mit einer zehnstufigen Treppe befindet. Das Portal ist als einziges Element der Fassade nicht symmetrisch eingefügt, sondern um eine Achse südwärts versetzt. Lisenen gliedern die Fassade zusätzlich.
Die Fenster der Hauptfassade sind ab der ersten Etage rundbogig, auch das Portal ist ein Rundbogen. Die Keller-/Erdgeschossfenster sind Segmentbogenfenster.
Oberhalb der ersten Etage ist mittig das Wort „Rathaus“ in vergoldeten Versalien auf den Putzspiegel aufgebracht. Rechts und links davon sind in gleicher Höhe Putzbänder abgesetzt, auf denen die historischen Siegelmarken der schrittweise eingemeindeten Ortschaften Brünlos, Dorfchemnitz, Günsdorf, Hormersdorf, Kühnhaide, Lenkersdorf und Niederzwönitz als kleine farbige Flach-Reliefs aufgesetzt sind. Das Wappen von Zwönitz findet sich über dem Fensterpaar der zweiten Etage als einzelnes Sandsteinrelief genau über dem Wort Rathaus.
Der Baublock umfasst den Trakt längs des Marktes und einen südlichen breiten in den Hof hineinragenden Stummelflügel, zu dem ein Hintereingang führt und wo sich auch ein Besucherparkplatz befindet. Das Bauensemble ist etwa 21 Meter lang und 4,50 Meter breit (am Markt); der Südflügel ist rund 6 Meter breit und 12 Meter lang.Alle Maßangaben sind grob mit dem Maßtool von Google Earth bestimmt worden.
Dienststellen (Auswahl) Das Rathaus beherbergt verschiedene Fachämter wie Wirtschaft und Soziales, Bürgerservice, Personenstandswesen, Bauamt, Bildung sowie weitere Einrichtungen, darunter das Standesamt, früher Königlich Sächsisches Standesamt Zwönitz – Amtshauptmannschaft Chemnitz, die Stadtinformation, das Gewerbeamt.
Das Verwaltungsgebäude kann barrierefrei genutzt werden: Zugang über den Hintereingang, wo sich auch eine Behinderten-Toilette befindet und hinter dem Gebäude gibt es einen Behindertenparkplatz.
Bürgermeister im Rathaus Zwönitz (Auswahl) seit 2008: Wolfgang Triebert 1990, 1. Juli–2008, 31. Juli: Uwe Schneider (CDU)
Sonstiges
Eine Tafel neben dem Haupteingang erinnert an ein historisches Ereignis aus dem Jahr 1889: „Zur Erinnerung an das 800jährige Jubelfest des Hauses Wettin – 16.06.1889.“ Diese Bronzetafel wurde anlässlich der Sanierungsarbeiten zum 19. Oktober 1997 rekonstruiert (siehe Galerie). In der Adventzeit, zu den Zwönitzer Hutzentagen wird auf dem Markt eine große Weihnachtsdrehpyramide aufgestellt (siehe Galerie). Im Jahr 2020, als wegen der Corona-Pandemie keine großen Feste und Zusammenkünfte stattfinden durften, installierte die Stadtverwaltung zusammen mit einer Design-Agentur den Zwäntzer Adventskalender: Jeden Tag wurde ein Fenster des Rathauses mit einem bunten Leuchtbild angeschaltet, das fröhlich feiernde Menschen zeigt. Die Adventfenster werden seitdem jährlich in Betrieb genommen.
Weblinks
Einzelnachweise und Kommentare
Kategorie:Rathaus in Sachsen Kategorie:Bauwerk im Erzgebirgskreis Rathaus Kategorie:Klassizistisches Bauwerk in Sachsen Kategorie:Erbaut 1878