(3415) Danby ist ein Asteroid jenseits des äußeren Hauptgürtels, der am 22. September 1928 vom deutschen Astronomen Karl Wilhelm Reinmuth an der Landessternwarte Heidelberg-Königstuhl bei einer Helligkeit von 14 mag entdeckt wurde. Das Objekt konnte dort noch für gut drei Wochen weiterverfolgt werden und war danach zunächst verloren. Obwohl es bereits 1955 am Palomar-Observatorium in Kalifornien unbemerkt fotografiert worden war, wurde es erst 1967 am Krim-Observatorium in Nautschnyj und 1983 am Lowell-Observatorium in Arizona wieder aufgefunden.

Der Asteroid ist benannt zu Ehren des britischen Mathematikers und Astronomen John Michael Anthony Danby (1929–2009), Himmelsmechaniker und zeitweiliger Oboist im London Symphony Orchestra. Er war ein inspirierender Lehrer am Observatorium der Yale University in der Zeit von Dirk Brouwer und später an der North Carolina State University. Er ist Autor moderner Lehrbücher zur Himmelsmechanik und zu Differentialgleichungen. Der Name ehrt auch seine Tochter Dinah, die während ihres Studiums an der Harvard University gelegentlich ehrenamtlich bei der Erstellung von Adressetiketten für die Circulars des Minor Planet Centers und der IAU mitwirkte. Der Namensvorschlag stammte vom britischen Astronomen Brian Marsden, der die Identifizierung dieses Objekts mit Reinmuths Entdeckung vorgenommen hatte.

(3415) Danby wird zwar zu den Hauptgürtelasteroiden gezählt, bewegt sich aber weit außerhalb der Hecuba-Lücke und ist ein Mitglied der Hilda-Gruppe. Diese bewegt sich in einer 3:2-Bahnresonanz mit dem Planeten Jupiter um die Sonne.C. E. Spratt: The Hilda group of minor planets. In: Journal of the Royal Astronomical Society of Canada. Band 83, 1989, S. 393–404, (PDF; 173 kB). Durch die große Exzentrizität seiner Umlaufbahn ist (3415) Danby am sonnenfernsten Punkt (Aphel) seiner Bahn derzeit genau so weit von der Sonne entfernt wie Jupiter in seinem sonnennächsten Punkt (Perihel), der Asteroid ist damit ein Jupiterbahnstreifer. Dieser etwa seit 1950 bestehende Zustand wird nur noch etwa für die kommenden 500 Jahre anhalten, bevor sich die Apheldistanz des Asteroiden wieder verringert. Obwohl der gegenseitige Bahnabstand (Minimum orbit intersection distance, MOID) von Jupiter und (3415) Danby immer wieder zwischen 0,48 und 0,57 AE schwankte, sind sich die beiden Himmelskörper durch die Bahnresonanz in den vergangenen 10.000 Jahren nie näher gekommen als bis auf etwa 1,95 AE (291 Mio. km).

Wissenschaftliche Auswertung Aus Ergebnissen der IRAS Minor Planet Survey (IMPS) wurden 1992 erstmals Angaben zu Durchmesser und Albedo für zahlreiche Asteroiden abgeleitet, darunter auch (3415) Danby, für den damals Werte von 32,3 km bzw. 0,08 erhalten wurden.E. F. Tedesco, P. V. Noah, M. Noah, S. D. Price: The Supplemental IRAS Minor Planet Survey. In: The Astronomical Journal. Band 123, Nr. 2, 2002, S. 1056–1085, doi:10.1086/338320 (PDF; 398 kB). Eine Auswertung von Beobachtungen durch das Projekt NEOWISE im nahen Infrarot speziell für Mitglieder der Hilda-Gruppe führte 2012 zu vorläufigen Werten für den Durchmesser und die Albedo im sichtbaren Bereich von 36,6 km bzw. 0,06.T. Grav, A. K. Mainzer, J. Bauer, J. Masiero, T. Spahr, R. S. McMillan, R. Walker, R. Cutri, E. Wright, P. R. Eisenhardt, E. Blauvelt, E. DeBaun, D. Elsbury, T. Gautier IV, S. Gomillion, E. Hand, A. Wilkins: WISE/NEOWISE Observations of the Hilda Population: Preliminary Results. In: The Astrophysical Journal. Band 744, Nr. 2, 2012, S. 1–15, doi:10.1088/0004-637X/744/2/197 (PDF; 3,45 MB).

Eine spektroskopische Untersuchung von 23 Hilda-Asteroiden im September 1992 am La-Silla-Observatorium in Chile und im Oktober/November 1992 am Roque-de-los-Muchachos-Observatorium auf La Palma ergab für (3415) Danby eine taxonomische Klassifizierung als D-Typ.M. Dahlgren, C.-I. Lagerkvist, A. Fitzsimmons, I. P. Williams, M. Gordon: A study of Hilda asteroids. II. Compositional implications from optical spectroscopy. In: Astronomy & Astrophysics. Band 323, 1997, S. 606–619, (PDF; 536 kB).

Photometrische Messungen des Asteroiden fanden erstmals statt vom 12. bis 14. Januar 1993 und am 3. Februar 1994 am Roque-de-los-Muchachos-Observatorium, am 24. und 25. Januar 1994 am Calar-Alto-Observatorium in Spanien sowie am 7. März 1995 und am 19. Februar 1996 am La-Silla-Observatorium. Aus den aufgezeichneten Lichtkurven wurde zunächst eine Rotationsperiode von 2,851 h abgeleitet. Diese vermeintlich sehr rasche Rotation gab Anlass zu Überlegungen hinsichtlich des inneren Aufbaus und der Stabilität des Asteroidenkörpers und dass es sich bei (3415) Danby wahrscheinlich nicht um einen stark zerklüfteten Trümmerhaufen (Rubble Pile) handelt, sondern dass er eher über eine innere Festigkeit und eine mittlere Dichte von mehr als 1,4 g/cm³ verfügt.M. Dahlgren, J. F. Lahulla, C.-I. Lagerkvist, J. Lagerros, S. Mottola, A. Erikson, M. Gonano-Beurer, M. Di Martino: A Study of Hilda Asteroids. V. Lightcurves of 47 Hilda Asteroids. In: Icarus. Band 133, Nr. 2, 1998, S. 247–285, doi:10.1006/icar.1998.5919.

Auch in Hinblick auf eine mögliche binäre Struktur des Asteroiden erfolgten neue Beobachtungen vom 9. bis 13. November 2007 im Rahmen einer koordinierten Zusammenarbeit zwischen dem Palmer Divide Observatory des Center for Solar System Studies (CS3) in Colorado und dem Hunters Hill Observatory in Australien. Die registrierte Lichtkurve zeigte ein ungewöhnliches Muster, das aber auf eine Rotationsperiode von 5,667 h zurückgeführt werden konnte, also doppelt so lange wie zuvor angenommen.B. D. Warner, D. Higgins: Lightcurve Analysis of 3415 Danby. In: The Minor Planet Bulletin. Bulletin of the Minor Planets Section of the Association of Lunar and Planetary Observers, Band 35, Nr. 3, 2008, S. 103, (PDF; 210 kB). Auch wenige Monate zuvor stattgefundene Messungen vom 15. bis 17. August 2007 am Nationalen Astronomischen Observatorium Roschen in Bulgarien wurden ebenfalls zu einer ähnlichen Periode von 5,689 h ausgewertet.G. Apostolovska, V. Ivanova, A. Kostov: CCD Photometry of 967 Helionape, 3415 Danby, (85275) 1994 LY, 2007 DT103, and 2007 TU24. In: The Minor Planet Bulletin. Bulletin of the Minor Planets Section of the Association of Lunar and Planetary Observers, Band 36, Nr. 1, 2009, S. 27–28, (PDF; 277 kB).

Nach weiteren Beobachtungen vom 3. bis 10. Dezember 2016 am CS3 in Colorado und Kalifornien kamen aber doch wieder Zweifel am Wert der Rotationsperiode auf. Aus den aufgezeichneten Daten konnte dieses Mal mit gleicher Wahrscheinlichkeit auf Perioden von 2,837 oder 5,674 h geschlossen werden. Aus Symmetriegründen wurde von beiden möglichen Lichtkurven die für die kürzere Periode bevorzugt und auch eine Revision der Daten aus 2007 kam nun zum gleichen Ergebnis der Bevorzugung einer Periode von 2,834 h, aber auch hier handelte es sich mit dem früheren Ergebnis um formell alternative Lösungen mit fast gleicher Wahrscheinlichkeit.B. D. Warner, R. D. Stephens, D. R. Coley: Lightcurve Analysis of Hilda Asteroids at the Center for Solar System Studies: 2016 Septmeber–December. In: The Minor Planet Bulletin. Bulletin of the Minor Planets Section of the Association of Lunar and Planetary Observers, Band 44, Nr. 2, 2017, S. 130–137, (PDF; 6,86 MB). Neue Messungen am CS3 während sechs Nächten vom 28. Januar bis 6. Februar 2018 lieferten nur stark verrauschte Daten, die sich zwar wieder zu einer Rotationsperiode von 5,675 h auswerten ließen, aber es wurden weitere Beobachtungen als notwendig erachtet, um die Unsicherheit definitiv zu klären.B. D. Warner, R. D. Stephens: Lightcurve Analysis of Hilda Asteroids at the Center for Solar System Studies: 2018 January–April. In: The Minor Planet Bulletin. Bulletin of the Minor Planets Section of the Association of Lunar and Planetary Observers, Band 45, Nr. 3, 2018, S. 262–265, (PDF; 367 kB).

Siehe auch Liste der Asteroiden

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Hauptgürtelasteroid unter 50 km Durchmesser Kategorie:Hilda-Gruppe Kategorie:Astronomisches Objekt (entdeckt von Karl Wilhelm Reinmuth)