Die Ballade vom Briefträger William L. Moore aus Baltimore ist ein politisches Lied des Liedermachers Wolf Biermann aus dem Jahr 1963, dem eine wahre Begebenheit zugrunde liegt. Es hat den Zusatz
Hintergrund In der Ballade erzählt Biermann die Geschichte des Protestes des Briefträgers William L. Moore gegen die Rassendiskriminierung in den Vereinigten Staaten. Dieser machte sich zunächst von Baltimore zu Fuß auf den Weg zum Kapitol in Annapolis, der Hauptstadt Marylands, und von dort weiter nach Washington, D.C. zum Weißen Haus. Anschließend wanderte er über Chattanooga in Richtung Jackson, der Hauptstadt des Staates Mississippi, um der dortigen Regierung beziehungsweise dem Gouverneur Ross Barnett einen selbst verfassten Protestbrief auszuhändigen.Miles Johnson: A Postman’s 1963 Walk For Justice, Cut Short On An Alabama Road. 14. August 2013 (npr.org).
Der Vorfall, der sich im April 1963 in den amerikanischen Südstaaten ereignete, erregte international großes Aufsehen. Biermann dichtete daraus eine Ballade. Der Weiße Moore hatte mehrere Protestmärsche veranstaltet, auf dem letzten entschloss er sich, allein in den Süden der Staaten zu gehen. Er fertigte dafür ein Schild mit einer deutlichen Aufschrift: und auf dem hinteren . Dies dichtete Biermann zu um, wobei der erste Teil des Refrains in Großbuchstaben angegeben ist. Das Lied erzählt von den letzten acht Tagen im Leben des Briefträgers und von den Ereignissen, die Moore selbst, von Sonntag bis Sonntag, in seinem Tagebuch festgehalten hatte. Auf seinem Weg begegnete er Menschen, die ihm zustimmten und seinen Mut bewunderten, anderen, die ihm dringend von seinem Vorhaben abrieten und ihn zur Umkehr bewegen wollten, und jenen, die ihn ihre erbitterte Feindseligkeit spüren ließen. Moore wurde von den Letzteren auf offener Straße erschossen.
Inhalt Das Lied ist in acht Tages-Strophen unterteilt und beginnt und endet jeweils mit einem Sonntag. Am ersten Sonntag ruht sich William L. Moore von seiner Arbeit aus und man erfährt, dass er ein armer Briefträger ist, der ein Haus in Baltimore hat. Am Montag erzählt er seiner Frau von dem Plan, nach Süden zu wandern. Am Dienstag fährt er ein Stück mit der Eisenbahn und wird von Mitreisenden auf das Schild angesprochen, das er mit sich führt. Manche wünschen ihm viel Glück für seinen Weg. Am Mittwoch befindet er sich auf dem Weg nach Birmingham und schreibt in sein Journal, dass ihn die Füße schmerzen. Als er am Donnerstag auf den Sheriff trifft, fragt ihn dieser, warum er sich als „Weißer“ um die Schwarzen schere und dass es nicht ungefährlich sei, sich in Alabama für diese einzusetzen. Am Freitag trifft er einen streunenden Hund, der ihn ein Stück des Weges begleitet. Sie werden von einigen Leuten mit Steinen beworfen. Der Sonnabend ist sehr heiß und er trifft eine weiße Frau, die ihm etwas zu trinken gibt und ihm zuraunt, sie denke genauso wie er. Am Sonntag schließlich liegt er erschossen im Gras am Straßenrand. Auf der Stirn drei rote Einschusslöcher, die an Nelken erinnern.Wolf Biermann: Die Ballade vom Briefträger William L. Moore aus Baltimore. In: Die Drahtharfe. Balladen, Gedichte, Lieder. Klaus Wagenbach, Berlin 1965, S. 27–29 ( – Liedtext, Leseprobe). Das Verbrechen wurde nie aufgeklärt.
Dazwischen ein Refrain mit dem Text: Black And White, Unite! Unite! stand auf seinem Schild White and Black – die Schranken weg! und er ging ganz allein Die zweite Zeile des Refrains variiert dabei beim ersten und beim letzten Teil und Zeile vier wird am Ende zu .
Rezeption Die Ballade vom Briefträger William L. Moore wurde unter anderem 1964: Von Manfred Krug und den Jazz Optimisten Berlin bei einer öffentlichen Veranstaltung mit Jazz und Folksongs aufgeführt, die in der Ostberliner Kongresshalle am Alexanderplatz stattfand.Manfred Krug und die Jazz Optimisten Berlin spielen Wolf Biermanns Ballade von dem Briefträger William L. Moore aus Baltimore;1965 als Langspielplatte gepresst 1964: Fasia Jansen sang das Lied beim ersten Burg-Waldeck-Festival. 1965/1966 aufgenommen: Die amerikanischen Sängerin Hedy West stellte das Lied in Pete Seegers Sendung The Rainbow Quest Episode 36 vor, wobei sie ihren Gesang am Banjo begleitete. 1968: Eric Bentley, Allan Miller: Ballad Of The Letter Carrier William L. MooreEric Bentley singt Biermanns Ballade (youtube.com).Englische Übersetzung von Bentley (scarriet.wordpress.com). mehrfach in Schulbüchern abgedruckt Lesebuch Moritz Diesterweg Verlag, Frankfurt am Main 1984 (Schulbuch 7. Jahrgang, mit Noten). Lesebuch Unterwegs Klett, Stuttgart 1998 (Schulklassen des 8. Jahrgangs).
Eine von dem Plattenlabel Eterna bereits in hoher Auflage gepresste Schallplatte, auf der dieses Lied neben fünf anderen von Biermann zu hören war, durfte nie in den Verkauf gebracht werden. Dabei handelte es sich um einen Mitschnitt des VEB Deutsche Schallplatten von dem Konzert. Obwohl es von Manfred Krug und nicht von Biermann selbst gesungen wurde, hatte das Ministerium für Kultur den Verkauf untersagt. Dabei galt der Vortrag der Ballade vom Briefträger William L.-Moore aus Baltimore als einer der Höhepunkte der Veranstaltung.
Aufnahmen (Auswahl) Jazz Und Lyrik Dezember 1965 (Vinyl, LP, Album, Interpret Manfred Krug mit der Rhythmusgruppe der Jazz-Optimisten Berlin, DDR, Lied A7) Bentley On Biermann 1968, Broadside Records, Interpret Eric Bentley (Gesang) und Allan Miller (Gitarre) (12″-Vinyl, als Ballad Of The Letter Carrier William L. Moore, Lied A3) Wolf Biermann: VEBiermann 1988, EMI Electrola – CDP 566-7 91258 2 (CD, Lied 19) Wolf Biermann: VEBiermann (Uralte Lieder Vom Jungen Wolf) 1990, EMI Electrola – 7 91258 1 (Vinyl, LP, Album, Special Edition, Lied B9) Manfred Krug – Die Frühen Jahre 1990, Musicando – 2460 016 (Vinyl, LP, Compilation, Stereo, Lied A7) Die Burg Waldeck Festivals 1964–1969 2008, Bear Family Records – BCD 16017 JC (10 CDs, Compilation, CD 1, Interpretin Fasia Jansen, Lied 25)
Literatur
Weblinks Ballade Vom Briefträger William L. Moore. discogs.com
Einzelnachweise
Kategorie:Werk von Wolf Biermann Kategorie:Ballade Kategorie:Politisches Lied Kategorie:Lied 1963 Kategorie:Rassismus in den Vereinigten Staaten