Das Lycée Barthélemy Boganda ist eine öffentliche weiterführende Schule in Bangui, Zentralafrikanische Republik. Die Schule wurde nach dem Politiker und Unabhängigkeits-Aktivisten Barthélemy Boganda benannt. Die Schule hatte 2024 ca. 12.000 Schüler und 155 Lehrer.
Geschichte Gründung und Anfangszeit Der Bau der Schule begann am 17. Mai 1952 und sie wurde am 23. Januar 1954 von Pierre Chauvet unter dem Namen Collège Emile Gentil eingeweiht. Sie war das erste Gymnasium in der damaligen französischen Kolonie Ubangi-Schari. Die Schule, die vorwiegend von Kindern aus elitären Kreisen besucht wurde, bildete viele der politischen Führungskräfte der Zentralafrikanischen Republik nach deren Unabhängigkeit aus. Die Schule stand sowohl europäischen als auch afrikanischen Schülern offen, wobei letztere Stipendien für Studium und Unterkunft erhielten.
Im Januar/Februar 1956 traten afrikanische Schüler des Collège Emile Gentil wegen Rassendiskriminierung in Streik. Auslöser des Streiks war die Suspendierung eines afrikanischen Schülers, weil er sich neben einen europäischen Schüler gesetzt hatte. Für diesen Verstoß wurde der Schüler von der Schuldisziplinarkommission für acht Tage suspendiert. Daraufhin verließen die afrikanischen Schüler am 27. Januar 1956 zur Mittagszeit die Mensa, ohne zu essen, und gingen in die Stadt. Zunächst suchten sie das Haus von Barthélemy Boganda auf, um ihren Unmut zu äußern. Da Boganda nicht zu Hause war, gingen sie zu Antoine Darlan, dessen Neffe Pascal Darlan Schüler der Schule und einer der Anführer der Demonstranten war. Die Schüler beklagten die schlechte Behandlung und die Trennung von den europäischen Schülern. Am 30. Januar kehrten nur etwa 30 Schüler in den Unterricht zurück, am folgenden Tag waren es nur noch 19. Der Streik dauerte bis Donnerstag, den 2. Februar, gefolgt von einer Demonstration vor der Schule am darauffolgenden Montag.
Die Kolonialregierung von Französisch-Äquatorialafrika räumte ein, dass der Schulverweis des Schülers möglicherweise „unverhältnismäßig“ gewesen sei, wies aber die meisten Beschwerden der Demonstranten als „unbegründet“ zurück. Eine Ausnahme bildete eine Schulregelung, nach der afrikanische und europäische Schüler während der Freistunden oder bei Abwesenheit eines Lehrers in getrennten Bereichen untergebracht wurden, was die Kolonialbehörden als „fragwürdig“ bezeichneten. Dieses System wurde als Reaktion auf den Streik geändert.
Im Jahr 1968 wurde die Schule zu Ehren von Barthélemy Boganda, dem ersten Premierminister der autonomen Zentralafrikanischen Republik, in Lycée Barthélemy Boganda umbenannt.
Neuere Geschichte Ecobank Centrafrique spendete am 6. Februar 2009 Computer und Laborausrüstung im Wert von 11 Mio. US-Dollar an das Lycée Barthélemy Boganda. Die Schule wurde 2011 renoviert, wodurch neue Klassenzimmer und ein sanierter Sanitärbereich entstanden.
Am 1. Februar 2013 kam es vor dem Schulgebäude zu einer Auseinandersetzung zwischen Schülern des Lycée Barthélemy Boganda und des Lycée Gobongo, die zu Verkehrsbehinderungen auf der Straße vor der Schule führte. Auslöser war der Vorwurf einiger Boganda-Schüler gegen Gobongo-Schüler, den Schulhof nicht gereinigt zu haben. Zudem waren einige Gebäude des Boganda an Gobongo vermietet. Gendarmerie und Polizei trafen am Ort des Geschehens ein und beendeten die Schlägerei durch Warnschüsse und den Einsatz von Tränengas. Dabei wurden einige Schüler verletzt, da sie von anderen Schülern, die vor den Schüssen flohen, niedergetrampelt wurden. Die Schlägerei konnte jedoch bald beigelegt werden.
Aufgrund der Machtübernahme der Séléka in Bangui wurde das Lycée Barthélemy Boganda vorübergehend geschlossen und von Milizen besetzt. Der Unterricht wurde am 6. Mai 2013 wieder aufgenommen, allerdings mit deutlich weniger Schülern. Nach dem Sturz der Seleka-Regierung plünderte und verwüstete eine unbekannte Gruppe die Schule. Daraufhin bat der Schulleiter die Anti-Balaka-Milizen um Schutz für die Schule, was diese zusagten.
Die Schüler der neunten Klasse organisierten eine Demonstration, um Aufklärung über die Liste der Kandidaten für das Abiturzeugnis (baccalaureate certificate) und die Absetzung des Schulleiters Martin Pounouwaka zu fordern. Die Demonstration endete bald darauf, und der Schulleiter veröffentlichte die Kandidatenlisten.
2018 wurde die Sanierung des Lycée Barthélemy Boganda gefordert, da sich die Schule in einem schlechten Zustand befand, und Gefahr für Schüler und Lehrer bestand.
Im April 2019 wurde das Lycée Barthélemy Boganda als Pilotprojekt für den Russischunterricht ausgewählt.
Am 8. Februar 2022 blockierte eine Gruppe von Schülern die Avenue de l'Indépendence, um ihren Unmut über den Lehrermangel an ihrer Schule auszudrücken.
Der Basketballplatz der Schule wurde mit Geldern aus Frankreich gebaut und am 17. Dezember 2021 eingeweiht. Die BGFIBank Group sanierte das Labor und spendete die Laborausstattung am 21. September 2023 feierlich an die Schule.
Im Oktober 2023 befand sich die Schule in einem desolaten Zustand. Die Wände waren rissig, Tische, Bänke und Tafeln zerbrochen. Die Klassenzimmer waren zudem verschmutzt, Spinnweben hingen überall, und Fenster und Türen fehlten. Faustin-Archange Touadéra kündigte bei seinem Besuch am 3. November 2023 die Sanierung der Schule an. Im Januar 2024 wurde die Schule renoviert.
Am 25. Juni 2025 verursachte die Explosion eines elektrischen Transformators in der Nähe der Schule eine Massenpanik, bei der 29 Schüler getötet und etwa 260 verletzt wurden.
Bedeutung Die Schule ist für ihre exzellente Leistung und die Ausbildung von Absolventen bekannt, die zu nationalen Führungskräften werden.
Persönlichkeiten Alumni Mindestens vier Premierminister, sowie der amtierende Präsident, Faustin-Archange Touadéra erhielten an der Schule ihre Ausbildung: Bruno Dacko, Tourismusminister (2003–2005)Richard Bradshaw, Juan Fandos Rius: Historical Dictionary of the Central African Republic. (Historical Dictionaries of Africa) Rowman & Littlefield, Lanham 2016: S. 198. Jean-Jacques Démafouth, Verteidigungsminister (1999–2001) und Rebellenführer der Armée Populaire pour la restauration de la démocratie (APRD) Fidèle Gouandjika, Minister of Rural Development and Agriculture (2009–2013) und Minister of Posts and Telecommunications (2005–2009) Enoch Derant Lakoué, Premierminister der Zentralafrikanischen Republik (1993) an der Schule 1960–1962 Jean-Pierre Lebouder, Premierminister (1980–1981) Sonny M’Pokomandji, Basketballer und Politiker, Minister of Equipment and Transport (2003–2005) Jean-Luc Mandaba, Premierminister (1993–1995) Patrice-Edouard Ngaïssona, Minister of Sport (2003–2013) und Führer der Anti-Balaka André Nzapayeké, komissarischer Premierminister (2014) Louis Papeniah, Parlamentarier und Minister of Transport and Civil Aviation (c. 1993)Keesing’s Record of World Events. Longman 1993: S. 39353. google books Isaac Zokoué, TheologeEnoch Tompté-Tom: Comprendre Dieu: La pensée théologique d’Isaac Zokoué revisitée. LivresHippo 2020.
Einzelnachweise
Literatur Richard Bradshaw, Juan Fandos Rius: Historical Dictionary of the Central African Republic. (Historical Dictionaries of Africa) Rowman & Littlefield, Lanham 2016.
Kategorie:Bildung in der Zentralafrikanischen Republik Kategorie:Bangui Kategorie:Organisation (Zentralafrikanische Republik) Kategorie:Schule in Afrika Kategorie:Bildungseinrichtungsgründung 1954